Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Freitag, 27. September 2019

[Rezension] Nora Elias - Königsberg - Bewegte Jahre

Kurzbeschreibung:
"Ostpreußen Anfang des 20. Jahrhunderts: Victoria, Tochter des Gutsbesitzers Carl von Reichenbach, genießt ein mondänes Leben, bis sie an den falschen Mann gerät und ihr Leben eine tragische Wendung erfährt. Leonhard von Schletters Tochter Helene hingegen versucht sich als Pferdezüchterin und möchte, dass ihr gelingt, was ihrem Großvater versagt geblieben ist - das Gut in moderne Zeiten führen. Was die Lage der beiden Frauen nicht einfacher macht, ist die Feindschaft, die seit langem ihre Väter entzweit und auch vor ihren Brüdern nicht Halt macht.
Während die Welt am Abgrund steht, bestimmen Intrigen und Verrat das Schicksal der beiden Familien."

Fazit:
"Königsberg - Bewegte Jahre" ist der zweite Teil von Nora Elias' "Königsberg-Saga". Um sämtliche Hintergründe verstehen zu können, sollte man den ersten Band gelesen haben, da aber in "Bewegte Jahre" eher die Kinder der Protagonisten des ersten Bandes im Fokus stehen, kann man die Handlung auch verstehen, ohne das erste Buch zu kennen.

Hatte ich beim ersten Teil Probleme in die Handlung zu finden, gilt dies nicht für den zweiten Band. Zwar musste ich anfangs die Namen im Kopf den beiden Familien zuordnen, aber ich habe sehr schnell ins Geschehen gefunden. Und es geschieht so einiges, Langeweile sucht man im geruhsamen Landleben vergebens. Und natürlich wird durch den Kriegsbeginn alles auf den Kopf gestellt...

Der Lesefluss ist sehr gut, die Handlung unterhaltsam, abwechslungsreich und mitunter ziemlich tragisch, aber immer lebensecht. Durch den Wechsel der Perspektiven bekommt man neben den beiden Gutshöfen auch das weitere Geschehen in Masuren um Magdalena mit und ist so mit ihr mehr verbunden als es ihre Familie sein kann.

Positiv aufgefallen ist mir auch, wieviel man vom damaligen Leben mitbekommt einfach dadurch, dass die Charaktere sehr unterschiedlich sind und so auch - manchmal bedingt durch die Lebensumstände, manchmal als Folge ihrer Handlungen - ein anderes Weltbild vermitteln.

Das einzige, was meinen Lesefluss mitunter beeinträchtigt hat, waren die Zeitsprünge: innerhalb der Teile immer mal wieder kleinere, zwischen den Teilen auch mehrere Jahre - so musste man immer erst wieder schauen, wo welche Person jetzt eigentlich steht, das fand ich mitunter etwas anstrengend.

Insgesamt aber hat mir "Königsberg - Bewegte Jahre" wirklich gut gefallen und durch den Cliffhanger am Schluss wird man nun Mutmaßungen wälzen, bis wir wieder zurück nach Königsberg können.

Nora Elias
"Königsberg - Bewegte Jahre"
erschienen im Goldmann Verlag

Donnerstag, 26. September 2019

[Rezension] Petra Durst-Benning - Die Fotografin - Die Zeit der Entscheidung

Kurzbeschreibung:
"Die Wanderfotografin Mimi Reventlow lebt seit einiger Zeit in der kleinen Leineweberstadt Laichingen und kümmert sich um ihren kranken Onkel Josef. Durch ihre offene Art ist es ihr gelungen, die Herzen der Dorfbewohner zu erobern und Freundschaften zu knüpfen. Als eine Katastrophe das Dorf erschüttert, wird sie mit ihren wunderschönen Fotografien für viele der Bewohner gar zum einzigen Rettungsanker.
Doch nach einer schweren menschlichen Enttäuschung muss Mimi erkennen, dass sei sich nicht nur in ihrem Foto-Atelier dem schönen Schein hingegeben hat, sondern auch im wahren Leben. Für Mimi ist die Zeit der Entscheidung gekommen."

Fazit:
"Die Fotografin - Die Zeit der Entscheidung" ist der zweite Teil der Reihe von Petra Durst-Benning um Mimi Reventlow.
Im ersten Teil hatte ich mit der Person der Mimi Reventlow so meine Probleme, wurde erst gegen Ende des Buches mit ihr warm und habe ernsthaft überlegt, ob es für mich sinnvoll wäre, den zweiten Band zu lesen.

Der Klappentext klingt etwas abstrakt und theatralisch, was Handlung und Personen nicht gerecht wird.
Denn das Leben in Laichingen und seine Bewohner sind definitiv lebensecht und fest in ihrer meist harten Realität verankert.

Mittlerweile bin ich sehr froh, es noch einmal mit Mimi versucht zu haben, denn in "Die Zeit der Entscheidung" kommen Mimi und ich wunderbar zurecht. Möglicherweise, weil auch sie sich in eine Realität und eine Welt einfindet, die so gar nicht ihre ist. Als Pfarrerstochter aus gutem Hause aufgewachsen, wird sie hier nun mit bitterer Armut, teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen und wenig Hoffnung konfrontiert.

All das klingt schrecklich deprimierend, aber das ist die Handlung meistens gar nicht, denn der Mensch versucht in der Regel, das Beste aus seiner Lage zu machen und so haben auch die Charaktere im Buch ihre positiven Seiten, ihre schönen Momente und ihre Hoffnungen in die Zukunft, die manchmal tatsächlich Wirklichkeit werden.

Der Lesefluss ist sehr gut, was mich gefreut hat; die Handlung abwechslungsreich und mitreißend und gegen Ende dermaßen traurig, dass man gar nicht weiterlesen möchte, aber das Buch dennoch nicht beiseite legen kann - sehr ergreifend!

Am Ende steht ein Umbruch, sodass man gleichzeitig hoffend und bangend auf die Fortsetzung wartet.

Petra Durst-Benning
"Die Fotografin - Die Zeit der Entscheidung"
erschienen bei blanvalet

Freitag, 20. September 2019

[Rezension] Karen Sander - Wenn ich tot bin

Kurzbeschreibung:
"Nach zehn Jahren in der Gewalt ihres brutalen Peinigers gelingt der 19-jährigen Madelin McFarland die Flucht. Ihre Mutter Susan ist überglücklich, die totgeglaubte Tochter in die Arme schließen zu können. Doch wenige Stunden später ist Madelin erneut verschwunden, Susans Mann liegt schwerverletzt in der Küche, und ihre jüngere Tochter Harper ist so verstört, dass sie kein Wort mehr spricht. Detective Sergeant Kate Fincher von der Polizei Edinburgh setzt alles daran, Madelin zu finden. "Amy", wie sich die junge Frau nun anscheinend nennt, flieht in die Highlands - doch vor wem?"

Fazit:
Den meisten Lesern ist Karen Sander mit Sicherheit durch die Reihe um Stadler und Montario bekannt. Mit "Wenn ich tot bin" hat sie sich diesmal für ein Stand-alone entschieden. Auch wenn ich natürlich gern einen weiteren Teil der Reihe gelesen hätte, konnte ich "Wenn ich tot bin" dennoch nicht widerstehen.

Nachdem sie fast 10 Jahre verschwunden war, taucht Madelin plötzlich am Haus ihrer Mutter auf, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden. Ab diesem Moment beginnt das Rätselraten im Kopf des Lesers und das wird auch so bleiben. Denn Karen Sander hat in "Wenn ich tot bin" jede Menge Hinweise gestreut, die mehr als einmal in einer Sackgasse enden. Das Spannungsniveau ist durchweg hoch und auch der Lesefluss ist sehr gut. Langeweile sucht man vergebens und der intelligente Plot fordert beim Leser Konzentration und Aufmerksamkeit. Das alles gipfelt in einem Abschluß, den man so sicher nicht erwartet hätte.

"Wenn ich tot bin" von Karen Sander ist insgesamt ein sehr gelungener Thriller, der alles mitbringt, was spannende Unterhaltung benötigt.

Karen Sander
"Wenn ich tot bin"
erschienen im Rowohlt Verlag

Donnerstag, 19. September 2019

[Rezension] Sarah Saxx - Extended hope: Hayley & Aaron

Kurzbeschreibung:
"Wozu braucht man einen Mann, wenn man einen originalgetreuen Abdruck des besten Stückes aus Latex in der Nachttischschublade hat und dieser noch dazu herausragende Dienste leistet? So zumindest denkt Hayley Adams,  obwohl sie Aaron Guerra, dem Kumpel ihres Bosses, häufiger als sonst über den Weg läuft und er für ihr Sexspielzeug vor Jahren - ohne es zu wissen - Modell gestanden hat. Doch auch wenn Aaron charmant und sexy ist und seit Neuestem mit ihr flirtet, setzt sie alles daran, ihre Beziehung auf der freundschaftlichen Ebene zu belassen.
Hayley kann nicht leugnen, dass er eine gewisse Faszination auf sie ausübt, wäre da nicht der Familienfluch, der vielleicht auch auf ihr lastet. Zudem scheint Aaron ein richtiger Herzensbrecher zu sein und ist Gastgeber jener Partys, auf denen es keine Tabus gibt. Dass die Frauen völlig verrückt nach ihm sind, liegt also auf der Hand, und warum sollte er sich dann gerade für Hayley interessieren, an der das Außergewöhnlichste ihre rosaroten Haare sind?"

Fazit:
"Extended hope" ist der zweite Teil der "Extended"-Reihe von Sarah Saxx, lässt sich aber auch problemlos lesen, wenn man den ersten Teil "Extended trust" nicht gelesen hat.
Allen Lesern, die seit Beginn der Reihe dabei sind, sind das "Extended", Hayley und auch Aaron bereits bekannt und dass es zwischen den Beiden funkt, hat man auch da schon erahnen können. Da ich Hayley von Anfang an interessant, sympathisch und etwas speziell fand, habe ich mich auf ihre Geschichte mit Aaron sehr gefreut.

So würde ich auch nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, aber zwei Dinge haben mein persönliches Lesevergnügen ein wenig geschmälert: Zum einen ist Aaron total nett und sympathisch, selbstverständlich gut aussehend und beruflich erfolgreich, also ein nicht ganz ungewöhnlicher Charakter für einen männlichen Protagonisten in einer Liebesgeschichte, aber das stört mich überhaupt nicht. Allerdings gibt es an ihm so gar nichts, was ihn ein wenig menschlich macht - er ist nett, zuvorkommend, intelligent, sehr einfühlsam und zeigt deutlich mehr Verständnis und Geduld mit Hayley, als es viele andere würden...kurzum: er ist eigentlich perfekt und Perfektion ist dann auch schon wieder ein wenig langweilig. Ein wenig mehr Ecken und Kanten hätte ich mir bei Aaron durchaus gewünscht.
Die zweite Sache ist Hayley selbst: Ich hätte gern gehabt, dass auch in der für sie unsicheren und beängstigenden Situation ihrer eigenen Gefühle ein ganz klein wenig der Hayley aus dem ersten Band durchschimmern würde; die Hayley, die mich sofort für sich eingenommen hat. Stattdessen mutiert sie zu einem komplett verängstigten Reh im Scheinwerferlicht, was ich durchaus schade fand. Keine Frage, ihre Reaktion war aufgrund ihrer Vorgeschichte erklär- und nachvollziehbar, aber in diesem Extrem fand ich sie dann doch sehr anstrengend.

Nichts desto trotz ist der Lesefluss wirklich gut und Sarah Saxx nimmt uns von Anfang an direkt wieder mit ins "Extended" und ins Geschehen. Mit Hayleys Mutter haben wir hier noch einen zusätzlichen sehr speziellen Charakter, der - wenn auch im Negativen - Schwung ins Geschehen bringt. Ich habe den Weg von Hayley und Aaron sehr emotional mitverfolgt und freue mich auch jetzt bereits darauf, in die Welt des "Extended" bald zurückkehren zu dürfen und bin gespannt, was Ella und Jared in "Extended love" erwartet.

Sarah Saxx
Extended hope - Hayley und Aaron

Samstag, 14. September 2019

[Rezension] Leo Born - Brennende Narben

Kurzbeschreibung:
"Die Vergangenheit lässt der eigenwilligen Frankfurter Kommissarin Mara Billinsky keine Ruhe. Der Mörder ihrer Mutter wurde nie gefunden. Zudem halten der Mord an einer Edel-Prostituierten und ein Bombenanschlag auf der Autobahn das gesamte Kripo-Team in Atem. Eines Tages erhält Mara eine anonyme Warnung: Der "Wolf" sei in der Stadt und im Visier habe er: sie! Als Mara endlich erkennt, dass sie und ihre Kollegen nur Spielfiguren in einem kaltblütigen Krieg sind, ist es fast zu spät..."

Fazit:
"Brennende Narben" ist der dritte Teil von Leo Borns Reihe um "die Krähe", die Kommissarin Mara Billinsky.
Wie auch die anderen beiden Teile lässt sich "Brennende Narben" ohne Kenntnis der Vorgeschichte lesen, aber die Entwicklung der Figuren und Hintergründe geben natürlich ein deutlich besseres Bild ab. Zumal dieser dritte Teil einen Meilenstein darstellt, da hier vieles zum Abschluß gebracht wird.

Auch möchte ich dem Titel meinen Respekt zollen. Als Blogger kritisiere ich öfter Titel oder Genrebezeichnungen, die meiner Meinung nach nicht passen, so möchte ich auch einmal einen gelungenen Titel hervorheben: Denn nicht nur passt der Titel hervorragend zu Handlung, sondern er tut dies gleich in doppelter Hinsicht, einmal in psychischer und in Bezug auf einen anderen Protagonisten in physischer Hinsicht - sehr gelungen!

Mara ist Mara und das darf sie auch im dritten Teil bleiben: eigenwillig, dickköpfig, einzelgängerisch...dennoch sieht man wieder an Kleinigkeiten, dass sie eben nicht so tough ist, wie sie nach außen immer scheinen möchte.

In den bisherigen Bänden ist mir auch Jan Rosen, Maras Kollege sehr ans Herz gewachsen und so habe ich mich wirklich gefreut, dass er in "Brennende Narben" die Möglichkeit bekommen hat sich freizuschwimmen und diese auch genutzt hat! Ich wusste die ganze Zeit, dass mehr in ihm steckt als er sich selbst zutraut! Ich hoffe, er kann seinen neu entdeckten Selbstwert auch in die Zukunft retten.

Ebenfalls gut gefällt mir, dass der Leser auch die Hintergründe der "Bösen" kennenlernt. Gut, das hat mitunter zur Folge, dass einem auch einer von denen ans Herz wächst, aber das lässt sich nicht vermeiden.

Neben all diesen wunderbaren Charakterisierungen und ausgeformten Protagonisten ist aber natürlich die eigentlich Handlung nicht ganz unwichtig: hier gibt es einmal den eigentlichen Kriminalfall, bei dem es um das organisierte Verbrechen und Zwangsprostitution geht und zum anderen Maras Fall, denn diese ist nach wie vor nicht gewillt, den Mord an ihrer Mutter unaufgeklärt zu lassen, was ihr von mehr als einer Seite Gegenwind einbringt.

Der Lesefluss ist hervorragend und wie gewohnt hält Leo Born Spannung und Neugier wach - man mag beim Lesen gar nicht pausieren und wartet ungeduldig auf die weiteren Entwicklungen. So kann man insgesamt nur sagen: alles richtig gemacht Leo Born!

Leo Born
"Brennende Narben"
erschienen in der Bastei Lübbe

[Rezension] Arno Strobel - Magus - Die Bruderschaft

Kurzbeschreibung:
"Als der neu gewählte Papst die Loggia über dem Petersplatz betritt, fällt ein Schuss - er ist tödlich! Schnell wird der Attentäter gefasst, der jedoch jegliche Aussage verweigert. Stattdessen spielt er Bischof Corsetti eine mysteriöse Kiste zu. Die Kiste ist schwer und randvoll mit Tagebüchern, die ein noch schwerer wiegendes Geheimnis bergen: Sie führen Corsetti auf die Spur einer Bruderschaft, die ein Komplott gegen die katholische Kirche schmiedet. Der größenwahnsinnige Führer der Bruderschaft, der "Magus", schreckt dabei auch vor brutaler Gewalt nicht zurück."

Fazit:
Arno Strobel ist Thrillerautor. So ist es wenig überraschend, dass auch auf dem Cover von "Magus - Die Bruderschaft" groß "Thriller" zu lesen ist.

Das finde ich bedauerlich, denn würde ich als reiner Thriller-Leser an "Magus - Die Bruderschaft" geraten, wäre ich enttäuscht.

Das Buch ist weder langweilig noch uninteressant - wirklich nicht, aber das Spannungslevel finde ich für einen Thriller deutlich zu gering.

Der Lesefluss ist wirklich gut, was sowohl dem intelligenten Plot, als auch den teilweise sehr charismatischen Personen zu verdanken ist.
Die Vision des Autors hat er sehr gut transportiert und das Lesen von "Magus - Die Bruderschaft" ist wirklich ein Vergnügen. Ein Roman, der mich tatsächlich mitgenommen hat. Bedauerlich allein die Schublade, in die das Buch gesteckt wurde.

Arno Strobel
"Magus - Die Bruderschaft"
erschienen bei dtv

[Rezension] Julia Corbin - Nadelherz

Kurzbeschreibung:
"Bei einer Wanderung verschwinden zwei junge Frauen spurlos. Erst ein Jahr später wird Tessa aus den Fängen ihres Entführers befreit, der bei der Rettungsaktion stirbt. Für die Freundin kommt jede Hilfe zu spät. Als Tessa ein mit Nadeln gespicktes menschliches Herz per Post erhält, ahnt sie, dass der Albtraum noch nicht vorbei ist.
Hat ihr Peiniger einen Nachfolger bestimmt? Doch sie will kein Opfer mehr sein und bringt sich damit erneut in höchste Gefahr."

Fazit:
"Nadelherz" ist der dritte Fall für Hall und Hellstern. Wie üblich rate ich bei Reihen immer dazu, beim ersten Teil zu starten, aber "Nadelherz" lässt sich auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände lesen.

Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen gibt es in "Nadelherz" keine direkte Involvierung des Privatlebens einer der Hauptpersonen in die Handlung und ich bin im Nachhinein der Überzeugung, dass das dem Plot wohl gut getan hat - denn "Nadelherz" ist, obwohl mir bisher alle Bände gut gefallen haben, mit Abstand der beste der "Hall & Hellstern" - Reihe.

Eingestreut in die aktuelle Handlung und der Jagd der Ermittler nach dem Mörder, der seine weiblichen Opfer auf ganz perfide Weise tötet, sind Rückblicke auf Tessas Zeit der Gefangenschaft. Dadurch bekommt der Leser Einblicke, die den Ermittlern zu diesem Zeitpunkt noch fehlen, aber gleichzeitig auch viel Material für Spekulationen - und wird dennoch von den Entwicklungen und Wendungen überrascht. Ich zumindest war auf einer ganz anderen Spur.

Der Lesefluss ist sehr gut, die Spannung durchweg auf einem hohen Niveau und Julia Corbin hat es tatsächlich geschafft, die kriminalbiologischen Ausführungen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren - ein wirklich spannender Thriller mit einem intelligenten Plot und unerwarteten Wendungen.

Julia Corbin
"Nadelherz"
erschienen im Diana - Verlag

Freitag, 13. September 2019

[Rezension] Chris Carter - Jagd auf die Bestie

Kurzbeschreibung:
"Lebenslang in Sicherheitsverwahrung.
Doch er ist entkommen.
Sein Name: Lucien Folter.
Robert Hunter wird nicht ruhen, bis er ihn wieder gefasst hat.

Robert Hunter weiß, wie Mörder denken. Der Profiler des LAPD jagt die grausamsten Killer. Der schlimmste von allen war Lucien Folter - hochintelligent und gewaltverliebt. Als Lucien aus der Sicherheitsverwahrung ausbricht, folgt Hunter seiner blutigen Spur. Und der Killer lockt den Widersacher mit einem perfiden Spiel in seine Nähe: Wer ist der Klügere? Wer wird gewinnen?"

Fazit:
"Jagd auf die Bestie" ist bereits der 10. Fall für Hunter und Garcia. Natürlich ist es immer besser, beim ersten Band anzufangen, da die Fälle in der Regel aber abgeschlossen sind, lässt sich die Reihe eigentlich auch ohne Vorkenntnis lesen. Um die Hintergründe, die Lucien Folter und Robert Hunter verbinden, besser nachvollziehen zu können, sollte man in diesem Fall allerdings zumindest "Die stille Bestie" gelesen haben, den für mich besten Teil der Reihe.

Natürlich habe ich mich darauf gefreut, Lucien Folter wieder zu erleben, ist doch "Die stille Bestie" für mich mit Abstand der beste Teil einer generell hervorragenden Reihe. Möglicherweise lag es deshalb an meiner Erwartungshaltung, dass "Jagd auf die Bestie" für mich zwar ein guter Thriller, aber weit entfernt von "Die stille Bestie" ist.

Die Handlung beginnt spannend und wir erleben Lucien wie wir ihn kennen - so fällt der Einstieg ins Buch nicht schwer. Auch Luciens erste Taten reißen den Leser mit und man ist gespannt, was passiert, wenn Lucien und Robert aufeinandertreffen.
Dann allerdings zog sich die Handlung - ja, Lucien spielt sein Spiel mit Robert, dieser versucht, ihm zuvorzukommen, aber die Spannung war bei mir irgendwann weg. Man wartete eher darauf, dass es wieder packend wird.
Dann das große Finale: Lucien und Robert - allein - wer wird gewinnen? Das hätte wirklich, wirklich gut werden können, aber das Hin und Her, dessen sich der Autor bedient, ging mir irgendwann auf die Nerven: erst so, dann doch anders, ach nein, das war es auch nicht - ein klarer Vorgang wäre mir sehr viel lieber gewesen.

Keine Frage, "Jagd auf die Bestie" ist ein guter Thriller, aber die Reihe bietet einige bessere Teile und an "Die stille Bestie" reicht das Buch leider nicht heran.

Chris Carter
"Jagd auf die Bestie"
erschienen bei Ullstein

Mittwoch, 14. August 2019

[Rezension] Lisa Jackson - Greed - Tödliche Gier

Kurzbeschreibung:
"Vor zwanzig Jahren vernichtete ein Feuer das Anwesen der Dillinger-Familie, kostete Judd Dillinger das Leben und ließ seine Freundin verkrüppelt zurück. Man beschuldigte einen Serien-Brandstifter, der zu jener Zeit sein Unwesen trieb. Doch heute geschehen erneut verdächtige Dinge in Prairie Creek...

Ira Dillinger, Patriarch der Familie, hat seine Kinder zu seiner bevorstehenden Hochzeit nach Hause beordert. Die meisten Familienmitglieder sind keine großen Fans der Braut, die es in ihren Augen nur auf das Familienvermögen abgesehen hat. Doch sie scheinen nicht die Einzigen zu sein, denen diese Ehe ein Dorn im Auge ist. Erst wird die rituell gehäutete Leiche eines Kojoten auf der Dillinger-Ranch gefunden, dann brennt die Kirche ab, in der die Hochzeit stattfinden soll. Aus der Asche geborgen wird ein bizarr entstellter Leichnam..."

Fazit:
Eigentlich ist meine Überschrift so nicht korrekt. Denn Lisa Jackson ist zwar federführend, aber nur eine der drei Autorinnen, die dieses Werk verfasst haben. "Greed - Tödliche Gier" wurde von Lisa Jackson, ihrer Schwester Nancy Bush und Rosalind Noonan geschrieben.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass zwei oder drei Autoren gemeinsam ein Buch schreiben, was mir bisher so aber nicht untergekommen ist, ist, dass jede der Autorinnen ihren eigenen Teil des Buches hat - das erste Drittel stammt von Lisa Jackson, der Mittelteil von Rosalind Noonan und den Abschluß hat Nancy Bush verfasst - dennoch ist alles wunderbar stimmig und greift auch vom Schreibstil her ineinander. Wahrscheinlich wäre ohne Kennzeichnung niemandem aufgefallen, dass da plötzlich jemand anderes schreibt. Einzige Auffälligkeit ist, dass der Mittelteil mehr auf Zwischenmenschliches ausgelegt ist, was aber auch der Handlung an sich geschuldet sein kann. Im ersten und letzten Drittel hingegen kommt deutlich mehr Spannung auf.

Große Familien bieten per se ja schon eine Menge Stoff für Spannungen und böses Blut - das ist bei den Dillingers nicht anders. Gerade mit einem sturköpfigen Patriarchen wie Ira, der sich überhaupt nicht darum schert, wie seine Entscheidungen von anderen aufgenommen werden, ist dies vorprogrammiert.
Aber es gibt auch viele sympathische Charaktere, von denen wir einige auch im zwischenmenschlichen Bereich näher kennenlernen.
Hört sich dies bisher wie ein Familienroman an, darf man den Psychopathen im Hintergrund nicht vernachlässigen, denn dieser kennt kein Pardon, um auf sich aufmerksam zu machen und mit dem Rätseln bezüglich der Identität ist der Leser vollauf beschäftigt.

"Greed - Tödliche Gier" hat mich sehr gut unterhalten und jedem, der einen Thriller in Kombination mit Liebesgeschichten mag, kann ich es nur ans Herz legen. Ich erwarte gespannt das Erscheinen des zweiten Teils der Wyoming-Reihe am Ende des Jahres und habe festgestellt, dass ich wohl dringend einmal ein Buch von Nancy Bush lesen muss.

Lisa Jackson, Rosalind Noonan, Nancy Bush
"Greed - Tödliche Gier"
erschienen bei Droemer Knaur

Dienstag, 13. August 2019

[Rezension] Heidi Rehn - Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung

Kurzbeschreibung:
"München, 1926. Die Goldenen Zwanziger funkeln mit verführerischem Glanz. München ist nach Berlin DIE Metropole des deutschen Films und Kinos. Die Donaubauers sind eine der großen Kinobetreiberfamilien an der Isar. Mit ihrem mondänen Lichtspielpalast sorgen die heiß umschwärmte ehemalige Theaterschauspielerin Elsa und ihr charmanter Ehemann Karl landesweit für Furore. Dann aber brennt Karl mit einer Revuetänzerin durch, und statt als Star auf der Leinwand muss Elsa sich von einem auf den anderen Tag als Kinobesitzerin im realen Leben behaupten.
Als durch Hitlers Machtergreifung Film und Kino zum begehrten Propagandainstrument werden, droht Elsa ihre Lizenz zu verlieren - und noch viel mehr..."

Fazit:
Auch diesmal musste ich den Klappentext nach dem Lesen des Buches noch einmal nachlesen. Suggeriert er doch, dass Elsa praktisch aufgrund von Karls Verschwinden ihre Schauspielkarriere aufgeben und sich in der Kinowelt behaupt muss. Tatsächlich hat sie ihre Karriere schon Jahre vorher bei der Eheschließung an den Nagel gehängt und bereits in der Zwischenzeit viel in den Kinos mitgearbeitet. Ja, sie übernimmt auf Dauer mehr Verantwortung, die sonst wohl bei Karl gelegen hätte, aber dennoch...

Aber weg vom Klappentext, hin zum Buch: Ich glaube tatsächlich, dass dies mein erstes Buch von Heidi Rehn war, von daher kann ich nicht sagen, ob der Schreibstil stellvertretend für all ihre Bücher ist. Ich bin auch im Nachhinein noch immer zwiegespalten:

Die Autorin kann ganz wunderbar bildhafte, für ihre Zeit stellvertretende Charaktere erschaffen. Durch verschiedene Personen bringt sie dem Leser viele unterschiedliche Aspekte des Lebens, der Gesellschaft und der Politik der Zeit nahe. Das hat mir ganz hervorragend gefallen.
Auch den Einfluss, den das Regime im Laufe der Zeit auf die Kinobetreiber genommen hat, fand ich sehr gelungen dargestellt.

Allerdings wurde meine Lesefluss regelmäßig erschwert durch ausufernde Beschreibungen einzelner Filme samt deren Schauspieler und deren Hintergründe. Natürlich waren das Filme der Zeit und wer kennt nicht Filmgrößen wie Heinz Rühmann und Alfred Hitchcock. Aber an diesen Stellen wird so ausschweifend auf die Filme Bezug genommen, dass es mich regelmäßig aus der eigentlichen Handlung herausriss und mir ein Gefühl von Anstrengung vermittelte. Das hat mein Lesevergnügen durchaus getrübt.
Nichts desto trotz sind mir die Schicksale der Charaktere sehr nahe- und unter die Haut gegangen und man nimmt viel Anteil am Geschehen.

Insgesamt haben mir Charaktere und Handlung sehr gut gefallen, die Informationen bezüglicher einzelner Filme, etc. hätte meines Erachtens nach aber gern deutlich kürzer ausfallen dürfen.

Heide Rehn
"Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung"
erschienen bei Droemer Knaur

Sonntag, 16. Juni 2019

[Rezension] Nora Elias - Königsberg - Glänzende Zeiten

Kurzbeschreibung:
"Ostpreußen Ende des 19. Jahrhunderts: Die hübsche Kaufmannstochter Adela liebt den reichen Gutsbesitzererben Carl von Reichenbach. Doch dann wird sie von ihrem Vater in eine Ehe mit dem Adligen Leonhard von Schletter genötigt. Die Verbindung steht unter keinem guten Stern. Zwar versucht sich Adela mit der neuen Situation zu arrangieren, doch die einstmals enge Freundschaft zwischen Carl und Leonhard zerbricht, und Carl sinnt auf Vergeltung. Schließlich werden auch Leonhards Schwestern von Carl in den Zwist hineingezogen. Zwischen den Familien herrscht bald eine offene Feindschaft, die ihren Schatten auch auf die nächste Generation werfen wird..."

Fazit:
"Königsberg - Glänzende Jahre" ist der Auftakt zur "Königsberg"-Saga von Nora Elias.

Ich habe mich anfangs schwer getan, einen Einstieg in das Buch zu finden, obwohl ich nicht so recht den Finger darauflegen kann, woran es lag.
Ob es der Schreibstil war oder die Charaktere oder eine Mischung aus beidem? Auf jeden Fall kam mir das ganze Geschehen anfangs etwas seelenlos vor, sodass ich schon mit mir gerungen habe, ob es sich lohnt, weiterzulesen.

Im Laufe des Buches änderte sich dies aber und die unterschiedlichen Personen wuchsen mir alle auf ihre eigene Art ans Herz. Als ich diesen Punkt einmal erreicht hatte, las sich das restliche Buch auch wie von selbst, sodass ich am Ende wehmütig Abschied nahm und seither auf die Fortsetzung warte.

Sehr gut transportiert fand ich das Zeitgeschehen. Auf der einen Seite die konservativen Monarchieanhänger, die den Wandel ablehen oder zu ignorieren versuchen und auf der anderen Seite die Befürworter der Republik, die Sozialisten, die neue Zeiten anbrechen lassen wollen.
Auch die ungerechte Behandlung von Mann und Frau, gerade in Ausnahmesituationen wie ungewollter Schwangerschaft spielt durchaus eine Rolle.
Wie viele Autoren historischer Romane setzt Nora Elias auf starke Frauencharaktere, was ich durchaus gern mag.

Für alle Liebhaber des damaligen Zeitgeschehens, die anfangs ein wenig Geduld aufbringen können.

Nora Elias
"Königsberg - Glänzende Zeiten"
erschiene im Goldmann Verlag

[Rezension] Benedikt Gollhardt - Westwall

Kurzbeschreibung:
"Scheinbar zufällig lernt Polizeischülerin Julia den attraktiven Nick kennen. Doch nach der ersten gemeinsamen Nacht entdeckt sie, dass er ihr einen falschen Namen genannt hat und ein riesiges Hakenkreuz-Tattoo auf dem Rücken trägt. Julia ist geschockt - warum hat Nick sie angelogen? Mit einem Mal gerät ihr Leben in einen alptraumhaften Strudel, der droht, ihr alles zu nehmen, was ihr lieb ist. Die Suche nach der Wahrheit führt Julia in die menschenleeren Wälder der Eifel bis hin zum Westwall, einem alten Verteidigungssystem aus dem Zweiten Weltkrieg. Und damit zurück in ihre eigene Vergangenheit..."

Fazit:
Die Handlung von "Westwall" ist vielschichtig, sodass es gar nicht leicht ist, zu wissen, wo man bei einer Rezension am besten ansetzt.

Vielleicht bei Julia: Aufgewachsen in einer alternativen Wohnkolonie ist sie bemerkenswert wenig weltfremd und nimmt ihre Ausbildung zur Polizistin ernst. Im sozialen Bereich hat sie so ihre Probleme, dennoch ist sie eine sympathische Protagonistin, wenn auch ein wenig hölzern.

Neben Nick und Julia gibt es viele weitere Charaktere in "Westwall", die auch alle eine Rolle zu erfüllen haben, um das große Ganze vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen. Möglicherweise ein wenig zu viele Charaktere, denn in seinem Bestreben, allen gerecht zu werden, verzettelt sich Benedikt Gollhardt mitunter, wodurch es im Haupthandlungsstrang nicht recht vorwärts geht, was bei mir zu einem Gefühl der Langatmigkeit fühlte - nicht durchgehend, aber immer mal wieder. Eine generelle Straffung der Handlung wäre dem Lesefluss förderlich gewesen.

Dennoch gibt es auch einiges, mit dem der Autor punkten kann: Neben Köln ist der Westwall ein wichtiger Handlungsort des Geschehens. Bei den meisten ist dieses Relikt des Zweiten Weltkriegs sicher in Vergessenheit geraten bzw. sie haben noch nie davon gehört. Diesbezüglich erfährt man im Buch viel Interessantes. Auch die Verstrickung von Bundesbehörden, Szene, V-Männern, etc. miteinander ist gut gelungen und bringt dem Leser einiges an Information, Unterhaltung, Spannung und Stoff zum Nachdenken.

Insgesamt gesehen hat mir "Westwall" durchaus gut gefallen, wobei ich davon ausgehe, dass mehr Spannung aufgekommen wäre, wenn die Handlung etwas gestrafft bzw. ein paar Charaktere weniger bedient worden wären.

Benedikt Gollhardt
"Westwall"
erschienen im Penguin Verlag

Samstag, 15. Juni 2019

[Rezension] Ben Aaronovitch - Die Glocke von Whitechapel

Kurzbeschreibung:
"Der gesichtslose Magier, verantwortlich für grauenvolle übernatürliche Verbrechen, ist endlich enttarnt. Leider aber auch entwischt. Und er arbeitet weiter zielstrebig daran, die letzte Stufe seines perfiden Plans in die Tat umzusetzen. Das bedeutet: Ganz London ist in Gefahr. Peter Grant, Zauberlehrling und Detective Constable, muss zu extremen Mitteln greifen..."

Fazit:
"Die Glocke von Whitechapel" ist der siebte Band der Reihe um Peter Grant und - ich kann es nie genug betonen - Thomas Nightingale, seines Zeichens der letzte echte Zauberer Großbritanniens.

Bei dieser Reihe sollte man definitiv beim ersten Band "Die Flüsse von London" beginnen, da man sonst überhaupt nicht versteht, warum wer wie agiert und auch nicht wirklich in den Fall hineinfindet, da sich gerade die Jagd nach dem gesichtslosen Magier bereits über mehrere Bände erstreckt.

Ansonsten gehe ich davon aus, dass es nur diejenigen Leser bis zum siebten Band schaffen, die - so wie ich - der Reihe rettungslos verfallen sind. All jene, die mit Aaronovitchs einzigartigem Schreibstil nichts anzufangen wissen, werden deutlich früher das Handtuch geworfen haben.

Entsprechend braucht man gar nicht mehr viel zu sagen, außer: Jawohl!! Wieder einmal hat Ben Aaronovitch es geschafft, ein weiteres Buch zu kreieren, das man vom ersten Satz an nicht mehr aus der Hand legen kann. Es geht sehr dynamisch zu in "Die Glocke von Whitechapel", sodass man kaum Zeit hat, Atem zu holen, geschweige denn, Langeweile zu empfinden. Alle mehr oder weniger liebegewonnenen Menschen, Fae und anderweitige Kreaturen geben sich wieder ein Stelldichein, der Fall hat es sowieso schon in sich und Nightingale ist wieder deutlich mehr involviert als in den vorhergehenden Bänden, was ich persönlich sehr begrüße, bin ich doch definitiv "Team Nightingale"!

Also: Ja! Die Glocke von Whitechapel lohnt sich definitiv und lässt den Leser gewohnt ungeduldig auf den nächsten Band zurück! Uneingeschränkte Leseempfehlung.

Ben Aaronovitch
"Die Glocke von Whitechapel"
erschienen im dtv Verlag

Mittwoch, 22. Mai 2019

[Rezension] Katharina Fuchs - Zwei Handvoll Leben

Kurzbeschreibung:
"Deutschland 1914: charlotte wächst auf dem archaischen Landgut ihres mächtigen Vaters in Sachsen auf. Die Welt scheint ihr zu Füßen zu liegen, als sie von ihrer Tante und deren jüdischem Ehemann in die Leipziger Ballsaison eingeführt werden soll. Sie begegnet ihrer ersten Liebe. Doch der Beginn des Ersten Weltkriegs zerstört ihre Pläne. Und ihr Leben verändert sich für immer.
Zwischen den Wasserstraßen des Spreewalds, wo Verzicht und harte Arbeit erfinderisch machen, gelingt es Anna, dem Schicksal immer wieder ein Schnippchen zu schlagen. Doch sie verkennt die tiefe Liebe ihres besten Freundes, bevor er an die Westfront zieht. An einem eiskalten Tag im Februar 1919 steigt die neunzehnjährige Schneiderin allein in den Zug. In den engen Hinterhöfen des Wedding prallen Hunger und Armut auf den ungezügelten Lebensdurst der beginnenden Zwanzigerjahre. Und im Konsumtempel KaDeWe sucht man Verkäuferinnen..."

Fazit:
In "Zwei Handvoll Leben" erzählt Katharina Fuchs auf sehr einnehmende Art und Weise die Lebensgeschichten ihrer Großmütter.

Dadurch, dass beide Frauen in sehr unterschiedlichen Verhältnissen aufwuchsen und sich ihr Lebensweg, bis zur Hochzeit ihrer Kinder gegen Ende des Buches, auch sehr unterschiedlich entwickelt, bekommt der Leser im Verlauf der Handlung nicht nur das Leben von Anna und Charlotte erzählt, sondern viele Leben vieler unterschiedlicher Menschen. Und das ist es auch, was dieses Buch so wunderbar macht: die unterschiedlichen Charaktere und Lebensweisen der Menschen.

"Zwei Handvoll Leben" ist aufgeteilt in zwei Teile: der eine startet 1913 und erzählt abwechselnd die Kindheit und Jugend von Anna und Charlotte und endet mit den Geburten der ältesten Kinder der beiden. Dann gibt es einen Zeitsprung und Teil zwei setzt zehn Jahre später an, wo gerade die Nazis an Einfluss gewinnen.

Ein Buch, das soviel Geschichte erzählt, einfach dadurch, dass die Handlung zu diesen Zeiten spielt, benötigt starke Charaktere, damit diese vor einem solchen Hintergrund nicht untergehen. Gerade mit Anna haben wir definitiv solch eine Protagonistin. Dass Charlotte dagegen immer eher etwas im Hintergrund anmutet, liegt schlicht daran, dass Annas Leben in Berlin deutlich abwechslungsreicher ist, was nicht unbedingt positiv sein muss.

Der Lesefluss ist sehr gut, wenn auch meines Erachtens nach der erste Teil ein wenig gerafft hätte werden können. Langweilig wird es dennoch nie, was an der Fülle von Schauplätzen, Charaktere und Ereignissen liegt. Die Protagonistinnen wachsen dem Leser, jede auf ihre eigene Art und Weise, immer mehr ans Herz und so lebt man ihr Leben an ihrer Seite.

Katharina Fuchs versteht es sehr gut, am Beispiel von Anna und Charlotte das Leben einer ganzen Generation unterschiedlichster Herkunft und Lebensart im Deutschland der damaligen Zeit zu vermitteln.

Katharina Fuchs
"Zwei Handvoll Leben"
erschienen bei Droemer Knaur

Dienstag, 21. Mai 2019

[Rezension] Charlotte Roth - Wir sehen uns unter den Linden

Kurzbeschreibung:
"Ost-Berlin nach dem 2. Weltkrieg. Von ihrem geliebten Vater, einem überzeugten Sozialisten und Lehrer, hat Susanne gelernt, an eine bessere Welt zu glauben. Ohne je das Vertrauen in die Menschheit zu verlieren, hat er gegen das Naziregime gekämpft - und wurde vor den Augen seiner sechzehnjährigen Tochter kurz vor Kriegsende erschossen.
Um sein Vermächtnis zu erfüllen, widmet sich Susanne von ganzem Herzen dem Aufbau eines neuen Deutschland. Erst als sie den lebenslustigen Koch Kelmi kennen- und lieben lernt, beginnt sie allmählich zu begreifen, was um sie herum passiert. Zu tief jedoch ist der Glaube an den Sozialismus in ihr verwurzelt, zu stark das Band, das sie mit dem toten Vater verbindet.
Dann kommt der 13. August, und plötzlich verstellt die Mauer Susanne jegliche Möglichkeit einer Alternative..."

Fazit:
Eines der Themen, auf die ich immer wieder zu sprechen komme, sind Klappentexte. Selbstverständlich kann ein Klappentext nur einen Auszug darstellen, eine Ahnung von dem, was zwischen den Buchdeckeln verborgen sein mag. Und ein Buch wie "Wir sehen uns unter den Linden" verbirgt nicht nur die Geschichte eines Lebens, sondern ebenso die einer Nation und zweier Staaten - natürlich lässt sich dies nicht auf ein paar Sätze reduzieren. Allerdings gibt soviel Handlung auch die Möglichkeit, das, was der Klappentext verheißen soll, bestmöglich wiederzugeben. Warum es dann beim Lesen des Textes so scheint, als beginne die Handlung praktisch mit dem Mauerbau, wo sie doch mit ihr endet, will sich mir nicht erschließen...

Abgesehen vom Klappentext, ist es vor allem ein Adjektiv, das sich mir aufdrängt, wenn ich an "Wir sehen uns unter den Linden" denke: eindrücklich. Denn genau das ist dieser Roman. Ich habe schon viele Bücher gelesen, die vor, um, während und nach dem Zweiten Weltkrieg spielen. Susannes Sicht der Dinge ist mir in dieser Art aber noch nicht begegnet: Sie hat eine schöne Kindheit, trotz der Unruhen vor dem Krieg. Ihre Eltern lieben und beschützen sie, lieben einander und das vermitteln sie Susanne auch. Mit dem Tod des Vaters, der von der Gestapo erschossen wird, endet aber scheinbar alles Positive in ihrem Leben. Die Mutter wird depressiv, die Tante versucht, die Familie durch die schweren Zeiten zu bringen und Susanne hat sich dem Aufbau einer besseren Welt verschrieben. Dennoch ist sie ständig unsicher und vermutet grundsätzlich Negatives, kann auch nicht hinnehmen, dass schwarz/weiß meist nicht real ist und es viele Grautöne gibt - der Kapitalismus ist die Wurzel allen Übels, der Westen der böse Verführer...

Man kommt beim Lesen an einen Punkt, an dem man das Gefühl hat, viel mehr von Susannes negativer Aura nicht ertragen zu können und das ist genau der Moment (von der Autorin hervorragend gewählt) in dem Kelmi die Bühne betritt: Kelmi ist grundpositiv, manchmal naiv, aber nicht dumm. Er ist weich, wo sie hart ist, ist Melodie, wo sie Vernunft ist - ein wunderbarer Kontrapunkt und man kann gar nicht anders, als Kelmi in sein Herz zu schließen.

Susanne und ihr Leben vor, mit und zwischen Kelmi sind natürlich Hauptpunkt der Handlung, aber es gibt noch soviel mehr: zwischen den Episoden wird die Geschichte von Susannes Eltern erzählt, die Zeit bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als die Gestapo vor der Tür stand, aber auch die Zeit danach aus Sicht von Tante Hille und mitunter Eugen - erst alles zusammen genommen ergibt ein Ganzes und zeigt nicht nur, wie unterschiedlich Menschen zu der Zeit lebten, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes, der Wandel der Staaten - ist Lebensgeschichte so vieler und Zeitzeugnis aller.

Mit "Wir sehen uns unter den Linden" hat Charlotte Roth einen absolut authentischen Roman geschaffen, der viele unterschiedliche Perspektiven aufzeigt in einer Zeit des Wandels - eine definitive Leseempfehlung von meiner Seite!

Charlotte Roth
"Wir sehen uns unter den Linden"
erschienen bei Droemer Knaur

Sonntag, 19. Mai 2019

[Rezension] J L Butler - Mein

Kurzbeschreibung:
"Mit diesem Fall wird sie endlich Karriere machen, da ist sich die Londoner Scheidungsanwältin Francine Day sicher. Martin Joy will sich von seiner Frau Donna scheiden lassen. Der Unternehmer ist millionenschwer - und wahnsinnig attraktiv. Wider besseres Wissen beginnt Fran eine verbotene Affäre mit ihrem Mandanten, dem sie mehr und mehr verfällt. Als seine Frau kurz darauf spurlos verschwindet, gerät Martin ins Visier der Ermittlungen. Doch auch Fran hat ein Geheimnis. Sie ist nicht nur Anwältin und Geliebte des Hauptverdächtigen - sie ist die letzte Person, die Donna Joy lebend gesehen hat..."

Fazit:
Wenn ich zuerst darauf verweise, dass ich die Aufteilung des Anwaltberufs im britischen Recht in Rechtsanwälte und Prozessanwälte sehr interessant fand, könnte das missverstanden werden.

Denn das war ja nicht das einzig interessante, aber für mich persönlich etwas, was ich nicht wusste.

Back to topic: Francine Day ist mehr, als der Leser anfangs glaubt. Man sieht erst nur die strikt auf die Arbeit fokussierte, talentierte Anwältin, die es mal ganz nach oben schaffen wird. Von ihrem seelischen Ungleichgewicht, ihrer Unsicherheit und ihren Ängsten erfährt man erst später... So ist es einigermaßen überraschend, dass diese Karrieristin gerade beim charmanten Martin Joy zum hormongesteuerten Weibchen wird - aber sei's drum...

Denn ehrlich: Wie kann man Martin Joy nicht mögen? Ich mag ihn! Und bin natürlich direkt von seiner Unschuld ausgegangen, es wäre ja auch viel zu offensichtlich...aber dann kommen Hinweise und man muss seine Haltung überdenken..wieder und wieder...
Dieses "war er es oder nicht?" war sehr schön über den ganzen Plot gesteuert, das hat mir sehr gut gefallen. Das Ende hingegen fand ich ... bescheiden ... unbefriedigend...

Wäre dies das einzige gewesen, hätte ich sicher darüber hinweggesehen, was ist schon perfekt? Allerdings tauchen im ansonsten wirklich guten Lesefluss immer wieder Längen auf, die vor allem auf Francine zurückzuführen sind - endlose innere Monologe, die zur Handlung überhaupt nichts beitragen. Da wäre ein wenig Straffung sicher nicht verkehrt gewesen.

"Mein - Wie weit wirst du gehen, um ihn zu behalten?" von J L Butler hat gute Anlagen und auch einen guten Plot. Ich mag die Spannung, die immer wieder auftaucht, das subtile Anschleichen der Ahnungen - leider wurde dies nicht konsequent genug durchgezogen.
Insgesamt also ein Buch, das durchaus keinen negativen Eindruck bei mir hinterlässt, wo ich mir bei einem nächsten Buch von J L Butler aber mehr Fokussierung wünschen würde.

J L Butler
"Mein - Wie weit wirst du gehen, um ihn zu behalten?"
erschienen im Rowohlt Verlag

[Rezension] Gitta Edelmann - Canterbury Symphony

Kurzbeschreibung:
"Auf Bitten des Pubbesitzers Canny ist Ella Martin, Liebesromanautorin und Hobbydetektivin, nach Schottland gereist. Sie soll dort nach dem Rechten sehen, denn Cannys Tante Flora behauptet, in ihrem Altenheim bestohlen zu werden. Oder wird die alte Dame langsam dement, wie die Leiterin von Scorrybreac House es behauptet?

Ella nutzt die Reise in den Norden auch, um sich über ihre Gefühle für Detective Inspector Alex Drake klar zu werden. Sie träumt von einsamen Wanderungen und gemütlichen Schreibabenden mit einem Gläschen Whisky.

Doch bei ihrer Ankunft auf der Isle of Skye wirkt die alte Dame auf Ella kein bisschen verwirrt. Dafür scheinen einige Leute in Scorrybreac House Geheimnisse zu haben: der charmante Witwer ebenso wie die blauhaarige Krankengymnastin. Was bleibt Ella anderes übrig, als den Dingen auf den Grund zu gehen?"

Fazit:
Ich habe vor einigen Jahren "Canterbury Requiem", den ersten Teil der Reihe um die sympathische Liebesromanautorin Ella Martin gelesen und mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ich bin ja etwas schwierig, wenn es um Cosy Krimis geht, aber Gitta Edelmann und Ella Martin haben mich absolut überzeugt. Deshalb war ich auch etwas entsetzt festzustellen, dass "Canterbury Symphony" bereits der fünfte Teil der Reihe ist und ich die dazwischen liegenden verpasst habe - zum Glück lässt sich so etwas ja nachholen.

Hatte ich mich ursprünglich auf Canterbury gefreut, ist die Isle of Skye doch ein mehr als würdiger Ersatz, zumal Gitta Edelmann es versteht, die Insel vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen.
Der Lesefluss ist sehr gut. Dies ist vor allem den Charakteren zu verdanken, denn darunter befinden sich einige Original und zu verbergen scheint auch so mancher etwas zu haben. Gegen Ende wird es auch richtig spannend, denn Ella lebt gefährlich.

So ist auch "Canterbury Symphony", welches sich übrigens problemlos ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände lesen lässt, ein wunderbarer Ausflug in Ellas Welt und eine unterhaltsame Schnitzeljagd auf der Suche nach der Wahrheit.

Gitta Edelmann
"Canterbury Symphony"
erschienen im Dryas Verlag


Donnerstag, 16. Mai 2019

[Rezension] Christi Daugherty - Echo Killer

Kurzbeschreibung:
"Eine Frau Mitte dreißig, nackt und erstochen auf dem Küchenboden - aufgefunden von ihrer 12-jährigen Tochter. Als Polizeireporterin Harper McClain den Tatort sieht, hat sie nur einen Gedanken: Das grausame Szenario ist identisch mit einem anderen Mord. Dem an ihrer Mutter. Seit fünfzehn Jahren quält sie der Gedanke, dass der Killer noch immer auf freiem Fuß ist. Nun scheint er wieder zugeschlagen zu haben. Es gibt keine Fingerabdrücke, keine DNA, keine Spuren. Harper ist entschlossen, die Wahrheit endlich ans Licht zu bringen. Doch die hat ihren Preis."

Fazit:
Christi Daugherty kennt man als Autorin der "Night School" - Reihe. Mit "Echo Killer" hat sie nun ihren ersten Thriller für Erwachsene veröffentlicht.

Raue Schale - weicher Kern, so könnte man Harper McClain beschreiben. Nur dass sie diesen Kern am liebsten vor der Welt versteckt. Auf Abstand bedacht, lässt sie kaum jemanden an sich heran. In ihrem Job hingegen ist sie tough und unerschrocken, was nicht von Nachteil ist, wenn man als Polizeireporterin einer Zeitung arbeitet.
Harper ist ganz klar ein Typ und das macht mit den Reiz des Buches aus. Aber auch einige andere Charaktere sind eigen und charismatisch, was mitunter für Zündstoff sorgt.

Der Lesefluss ist gut, auch wenn sich im Mittelteil einige Längen eingeschlichen haben, aber die Neugier des Lesers trägt ihn darüber hinweg. Denn der Plot macht definitiv neugierig! Das ganze Buch hindurch rätselt man mit, versucht mit Harper, die Fakten zu einem Bild zusammenzusetzen und doch will es nicht recht gelingen. Auch die Auflösung der Geschichte hat mir wirklich gut gefallen.

Erwartet hätte ich mehr Atmosphäre - ein Schauplatz wie Savannah ist ja eigentlich perfekt zur Vermittlung des Südstaatenflairs, aber außer der Hitze kommt davon nicht viel beim Leser an.

Insgesamt hat mich "Echo Killer" gut unterhalten, auch wenn noch Luft nach oben da ist.

Christi Daugherty
"Echo Killer"
erschienen bei Rowohlt

Dienstag, 14. Mai 2019

[Rezension] Anke Petersen - Hotel Inselblick - Wolken über dem Meer

Kurzbeschreibung:
"Hamburg 1892. Als der Kaufmann Wilhelm Stockmann beschließt, das Leben in der Stadt aufzugeben und mit seiner Familie auf die Nordseeinsel Amrum zu ziehen, um dort ein Hotel zu eröffnen, ahnt er nicht, auf welches Abenteuer er sich da einlässt. Besonders seine Tochter Rieke ist anfangs gar nicht für den Umzug zu begeistern, der ihr ganzes Leben aus den Angeln heben soll - ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter Marta, die schon immer davon geträumt hat, ein eigenes Hotel zu führen. So stürzt sie sich denn mit Elan und aus vollem Herzen in die neue Aufgabe, und ganz allmählich lebt sich auch Rieke auf der Insel ein und knüpft erste zarte Bande.
Doch dann schlägt das Schicksal zu und macht alle Pläne zunichte..."

Fazit:
Von Natur aus ein Fan von Nordsee und Familiensagas, brauchte es nicht viel, mich für "Hotel Inselblick - Wolken über dem Meer" zu interessieren.

Was ich allerdings nicht erwartet hatte, war, dass die Autorin mich bereits nach wenigen Seiten vollkommen in ihren Bann gezogen hatte.

Der Autorin gelingt es bereits ganz am Anfang, dass der Leser sich mitten im Geschehen fühlt. Hamburg, Ende des 19. Jahrhunderts wird lebendig vor dem inneren Auge. Dazu kommt, dass Anke Petersen wahrlich über ein Händchen für Charaktere verfügt. Jeder einzelne ist so detailliert erdacht und so lebensecht - in dieser Gesellschaft fühlt man sich wohl und lernt so einige Originale kennen, ob Nele in Hamburg oder Kaline auf Amrum.
Je weiter die Handlung fortschreitet, desto größer wird der persönliche Drang, ebenfalls zur Nordseeinsel aufzubrechen...

Der Lesefluss ist sehr gut, Langeweile gibt es in "Hotel Inselblick" nicht. Man begleitet die Familie Stockmann von Hamburg nach Amrum und durch die Untiefen des Lebens - denn natürlich macht das Schicksal auch vor ihnen nicht halt. Gerade gegen Ende des Buches geht es so unter die Haut, dass die Augen feucht werden.

Ich habe jede einzelne Seite des Buches genossen und hätte wahnsinnig gern einfach direkt weitergelesen. Gut, dass der zweite Band "Hotel Inselblick - Wind der Gezeiten" bereits am 1. Juli erscheint.
Allen Freunden von Familiensagas und/oder Nordsee und solchen, die es werden wollen, kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.

Anke Petersen
"Hotel Inselblick - Wolken über dem Meer"
erschienen bei Droemer-Knaur

Sonntag, 5. Mai 2019

[Rezension] Vincent Kliesch - Auris (nach einer Idee von Sebastian Fitzek)

Kurzbeschreibung:
"Matthias Hegel, genannt "Auris" (=lat.: das Ohr), ist ein akustischer Profiler. Die Stimme eines Täters genügt ihm, um Herkunft, Aussehen und Psyche zu ermitteln - und um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Zahlreiche Kriminelle konnten mit seiner Hilfe überführt werden. Doch nun sitzt der renommierte Professor wegen eines Mordes in Haft, den er selbst gestanden hat.

Die junge True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge hat ernste Zweifel an seiner Schuld und will einen Justizirrtum aufklären. Doch als sie zu tief in Hegels rätselhaftem Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in Todesgefahr, sondern auch den Menschen, der ihr am wichtigsten ist..."

Fazit:
Nach seinen ersten Büchern, die ich wirklich richtig gut fand, konnte ich mit den Werken von Sebastian Fitzek nicht mehr viel anfangen. Dennoch möchte ich mich ausdrücklich für seine Ideengebung bedanken: ein forensischer Phonetiker, der ist mir in all den Krimis und Thrillern meines Leserlebens noch nicht begegnet. Ähnlich wie jemand, der sich mit Kinesiologie auskennt, aus Mimik und Gestik eines Menschens lesen kann, gelingt dies einem akustischen Profiler anhand der Stimme - sehr faszinierend und eine wirklich tolle Idee für einen Ermittler! Nur, dass Professor Hegel in diesem Fall gar nicht der Ermittler ist, sondern als verurteilter Mörder hinter Gittern sitzt...

Ich bin ein großer Fan von Vincent Klieschs Schreibstil und entsprechend froh, dass in der Ausführung von "Auris" ganz deutlich seine Handschrift zum Tragen kommt.

Unsere weibliche Protagonistin, Jula Ansorge (ja, ohne "i") ist ein sympathischer Charakter. Traumatisiert durch ein Extremerlebnis, das im Nachhinein ihrem Bruder das Leben kostete, worin sie einen Justizirrtum sieht, hat sie sich auf ihrem True-Crime-Podcast der Aufklärung solcher Irrtümer verschrieben. Als sie auf den Fall von Matthias Hegel stößt, merkt sie schnell, dass etwas anders ist. Denn Hegel wehrt sich vehement gegen ihre Ermittlungen und will überhaupt nicht, dass sie in seinem Fall ermittelt...

Der Lesefluss ist sehr gut, auch wenn ich anfangs die Zeitsprünge erst einmal sortieren musste. Da wir uns aber anschließend auf die Gegenwart beschränken, war das kein Problem.
Die Charaktere sind sehr interessant, jeder auf seine Weise, sehr bildhaft und lebensecht. Das Thema der forensischen Phonetik, das mit Hegel natürlich immer wieder aufflammt, bringt dem Buch etwas Besonderes, aber auch sonst brauchen sich Plot und Ausführung nicht zu verstecken.

Einzig eine Szene im Buch kam mir sofort eher unrealistisch und konstruiert vor und verwirrte mich nachhaltig, hielt ich sie doch erst für eine Finte und wartete vergeblich darauf, dass sie sich aufklärt - aber nein, sie war genau so gemeint, für meinen Fall aber zu sehr "kommt wie gerufen". Aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich an "Auris" habe. Aufgrund der letzten Buchszene darf man davon ausgehen, wieder von Jula und Hegel zu lesen, worauf ich mich schon jetzt freue!

Vincent Kliesch
"Auris"
erschienen bei Droemer Knaur

Mittwoch, 1. Mai 2019

[Rezension] Sarah Saxx - Extended Trust

Kurzbeschreibung:
"Allein die Vorstellung, mit Männern intim zu werden, löst bei Charlotte Young seit Jahren Panik aus. Um sich endlich von dieser zu befreien, wählt sie eine ungewöhnliche Selbsttherapie, die sie geradewegs ins Extended führt - einen exklusiven Club, der sich ausschließlich um die sexuellen Bedürfnisse von Frauen kümmert. Hier trifft sie auf Trenton Parker: Clubbesitzer, Barkeeper und Callboy.

Bei Charlotte spürt er sofort, dass sie keine gewöhnliche Kundin ist. Denn obwohl sie den Vertrag für Mitglieder unterschreibt, weist sie ihn zurück, was nicht nur einen ungewahnten Reiz auslöst, sondern Gefühle in ihm weckt, mit denen er nicht gerechnet hätte...

Er setzt alles daran, aus Charlotts widersprüchlichem Verhalten schlau zu werden und ihr Vertrauen zu gewinnen. Und auch sie sucht immer wieder seine Nähe. Doch was, wenn ihre seelischen Wunden tiefer reichen, als er erahnen kann?"

Fazit:
"Extended Trust" ist der Auftakt zu Sarah Saxxs neuer "Extended" - Reihe. Noch in diesem Jahre dürfen wir mit weiteren Bänden rechnen.

Alles, was man über "Extended Trust" wissen muss, sagt einem im Prinzip der Klappentext. Natürlich ein Liebesroman, immerhin steht "Sarah Saxx" auf dem Cover. Was einen Liebesroman ausmacht, ist meines Erachtens das Gefühl - nicht nur das zwischen den Protagonisten, sondern auch das, was vom Autor transportiert beim Leser ankommt. Und da ist "Extended Trust" ein wunderbares Beispiel. Denn von Anfang an schließt man Charlotte und Trenton ins Herz!

Der Lesefluss ist sehr gut, man mag sich gar nicht von den beiden trennen und das Leben sorgt immer wieder für glückliche, traurige, schöne und weniger schöne Momente, sodass man permanent mitfiebert, vor allem, nachdem Gerüchte auftauchen...

Man kann gar nicht in Worte fassen, mit welch wohligem Gefühl man als Leser nach Beenden des Buches zurückbleibt - genau DAS möchte ich von einem Liebesroman.

Charlotte und Trenton haben es sogar geschafft, mein bisheriges Favourite Couple aus Sarah Saxxs Büchern - nämlich Ashley und Travis aus "King of Chicago" - vom Thron zu stoßen! Ob sie dort lange sitzen bleiben dürfen, kann ich allerdings noch nicht garantieren, denn im zweiten Teil der "Extended"-Reihe "Extended Hope" wird es um Hayley gehen und wer "Extended Trust" gelesen hat, weiß, dass Hayley ein ganz besonderer Charakter ist...

Sarah Saxx
"Extended Trust"

[Rezension] Thomas Elbel - Die Todesbotin

Kurzbeschreibung:
"Berlin-Neukölln: Ein Deutschtürke liegt erschossen in seinem Handyladen. Kurz darauf findet man nach einer Explosion in einer verlassenen Kinderklinik die Leiche eines jungen Flüchtlings. Spuren legen eine Verbindung zu dem Mord in Neukölln nahe. Der Staatsschutz vermutet einen terroristischen Hintergrund und reißt beide Fälle an sich. Viktor Puppe und seine Kollegen vom Berliner LKA verfolgen eine ganz andere Spur, die sie zu einer zwielichtigen "völkischen Siedlung" vor den Toren der Stadt führt. Viktor schleust sich in die Gemeinschaft ein und ist bei den Ermittlungen von nun an auf sich allein gestellt..."

Fazit:
"Die Todesbotin" ist der zweite Fall für Viktor Puppe. Nachdem mir "Der Todesmeister", Puppes Auftaktfall, sehr gut gefallen hatte, war es natürlich keine Frage, dass ich dem erscheinen von "Die Todesbotin" entgegen gefiebert habe.

Man kann das Buch auch ohne Kenntnis des Vorgängers lesen, verpasst dadurch allerdings ein wenig des Zwischenmenschlichen, warum Viktors Kollegen Ken und Begüm ihm gegenüber so sind wie sie sind und was es mit Viktors Großvater auf sich hat. Die Kommissare Viktor, Ken und Begüm werden aber zum besseren Verständnis auch im Umschlag vorgestellt.

Bereits nach wenigen Seiten ist man wieder mittendrin in Viktors Welt, was nicht zuletzt Ken und seiner unnachahmlichen Art zu verdanken ist. Mal ganz davon abgesehen, dass wir am Schauplatz eines Mordes starten.

Der Lesefluss ist gut, es wird nicht langweilig, allerdings geht im Verlauf die Spannung immer wieder verloren. Dies liegt meines Erachtens an den vielen unterschiedlichen politischen Themen, die alle ihren Platz beanspruchen: das Thema Flüchtlinge, Terroristen, Nazis... all dies verleiht dem Buch einen sehr aktuellen politischen Touch, bremst aber die Dynamik und die Spannung aus.

Versteht mich nicht falsch, mich hat "Die Todesbotin" gut unterhalten, vor allem wegen der Charaktere von Ken und Viktor, wohingegen mich Begüm immer wieder auf die Palme gebracht hat, aber im Vergleich zu "Der Todesmeister" kann Viktors zweiter Teil leider nicht ganz bestehen.

Nichts desto trotz hoffe ich auf ein Wiederlesen mit Viktor und Ken.

Thomas Elbel
"Die Todesbotin"
erschienen im blanvalet - Verlag

[Rezension] Frank Goldammer - Grosses Sommertheater

Kurzbeschreibung:
"Der steinreiche, schwerkranke Patriarch Joseph lädt die gesamte Familie für ein Wochenende in seine Villa an die Ostsee ein. Josephs Söhne sind seit Jahren zerstritten, aber die Aussicht auf das Erbe lässt sie mit Kind und Kegel anreisen. Die Gästeliste ist lang und birgt reichlich Zündstoff. Die Sonne brennt und die Luft wird immer dicker. Bis es, im wahrsten Sinne des Wortes, knallt."

Fazit:
Man sollte "Grosses Sommertheater" nicht lesen, weil man die Krimis von Frank Goldammer mag. Denn "Grosses Sommertheater" ist definitiv etwas ganz anderes.

Man sollte also darauf vertrauen, dass der Autor auch in der Lage ist, abseits von Max Heller etwas Lesenswertes zu Papier zu bringen.

"Skurril" ist das erste Wort, dass mir nach dem Lesen - und ehrlich gesagt auch währenddessen - durch den Kopf spukte. Anfangs malt Frank Goldammer ein Bild eines idyllischen Sommerurlaubs an der Ostsee. Spielen am Strand, entspannen, Sonne tanken, abschalten vom Alltag.... und dann laufen sie auf, unsere Protagonisten.

Es gibt so ziemlich kein Klischee, das ausgelassen wird: ob die leicht zurückgebliebene Hausfrau, der korrupte Kommunalpolitiker, der halbseidene keiner-weiß-so-ganz-was-er-überhaupt-macht Halbbruder - so wirklich normal ist niemand in der Familie und zu verbergen haben sie alle etwas. Es eint sie die Gier auf das nahende Erbe des schwerkranken Familienoberhauptes. Ansonsten haben sie nichts gemeinsam und mögen sich auch eigentlich alle nicht wirklich.

Genau dieses Aufeinandertreffen der klischeebeladenen Familienmitglieder, die sich ansonsten eigentlich eher aus dem Weg gehen und das sich spürbar aufbauende Brodeln und das Wissen, dass irgendetwas passieren wird, ist es, was "Grosses Sommertheater" so unterhaltsam macht.

Zwischendrin kommt irgendwann der Punkt, an dem man denkt, so langsam könnte der Autor aber doch ein wenig Dynamik bringen und als habe der den Gedanken gehört, passiert genau das. Alles endet letztendlich bei der Maxime: "Der Zweck heiligt die Mittel!"

Frank Goldammers "Grosses Sommertheater" ist eine überaus unterhaltsame schwarze Sommerkomödie, die ich gern gelesen habe. Dennoch freue ich mich sehr auf den nächsten Fall von Max Heller.

Frank Goldammer
"Grosses Sommertheater"
erschienen im dtv-Verlag

Samstag, 30. März 2019

[Rezension] Bill Clinton / James Patterson - The President is missing

Kurzbeschreibung:
""The President is missing" handelt von einer Bedrohung so gigantischen Ausmaßes, dass sie nicht nur das Weiße Haus und die Wall Street in Aufruhr versetzt, sondern ganz Amerika.
Angst und Unsicherheit halten die Nation in ihrem Würgegriff. Gerüchte brodeln - über Cyberterror und Spionage und einen Verräter im Kabinett. Sogar der Präsident selbst gerät unter Verdacht und ist plötzlich von der Bildfläche verschwunden."

Fazit:
Es gibt Leser, die das Buch wegen, und solche, die es trotz des Namens von Bill Clinton auf dem Cover lesen.
Egal zu welcher Fraktion man gehört - bereits nach wenigen Seiten ist das vollkommen nebensächlich, denn das Buch zieht einen sehr schnell in seinen Bann.

Natürlich ist es sehr amerikanisch, sehr politisch und Mr. President ist ein wandelndes Gutmensch-Klischee - aber das war zu erwarten.

Die Autoren zeichnen ein Szenario, wie es wahrscheinlich noch viel näher an der möglichen Realität ist, als man sich vorstellen mag. Eine Terrorgruppe droht, mit einem Virus die gesamte Nation lahm zu legen: Banken, Regierung, Wasseraufbereitung, Strom - alles! Der Präsident versucht, diese Bedrohung mit allen Mitteln abzuwehren und das möglichst, ohne dass die Zivilbevölkerung von der Bedrohung erfährt.

Der Lesefluss ist sehr gut, denn die Handlung ist durchweg spannend und der Präsident definitiv ein Sympathieträger. Aber auch andere beteiligte Charaktere sind sehr lebensecht und bildhaft. Der Leser fiebert durchweg an der Seite des Präsidenten und durchlebt mit diesem die wohl aufreibendsten drei Tage seines Lebens.

Ich hatte auf spannende unterhaltsame Lektüre gehofft, allein schon wegen James Pattersons Name auf dem Cover. Aber mit der Sogwirkung und Begeisterung, mit der ich "The President is missing" letztendlich gelesen habe, habe ich nicht gerechnet.

Egal wer welchen Anteil an diesem Buch hat: Von diesem Autorenduo würde ich gern noch weitere Bücher lesen.

Bill Clinton / James Patterson
"The President is missing"
erschienen bei Droemer Knaur

Freitag, 29. März 2019

[Rezension] Thorsten Steffens - Klugscheißer Royale

Kurzbeschreibung:
"Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dementsprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhntliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht..."

Fazit:
Ich glaube fest daran, dass ein unterhaltsamer Roman schwieriger zu schreiben ist als ein spannender. Denn nur so erschließt sich mir, warum es Dutzende spannender Romane gibt, die mir sehr gut gefallen haben - aber nur eine Handvoll unterhaltsame Romane.

Es ist auch nicht einfach: anfangs humorvoll wird im Verlauf oft langweilig, albern oder es kommt auch überhaupt kein bißchen Tiefgang - als Leser ist man ja schwierig zufrieden zu stellen und da möchte ich mich auch nicht von ausnehmen.

Desto mehr freue ich mich aber auch, wenn ich einen unterhaltsamen, humorvollen Roman lese, dem genau das oben beschriebene nicht passiert.

Timo Seidel ist tatsächlich ein Klugscheißer par excellence und bereits nach wenigen Seiten wundert es niemanden, dass er seinen Job im Callcenter verliert, man wundert sich eher, wie sie es dort jahrelang mit ihm ausgehalten haben. Auch dass seine Freundin zu Hause auf gepackten Kisten sitzt kann man nachvollziehen - für fünf Jahre mit ihm hätte sie schon einen Orden verdient gehabt. Und da steht er nun: Job weg, Freundin weg und Geld hat er auch keins, immerhin hat Cleo deutlich mehr Geld verdient als er und sein Callcentergehalt ging für die Raten des BMW drauf....

Eigentlich müsste Timo ein Unsympath sein - ist er aber nicht. Auch wenn man ihn anfangs betrachtet wie eine Laborratte: man mag ihn! Und nach und nach wird auch so etwas wie ein erwachsener Mann aus ihm.

Thorsten Steffens gelingt es, Humor und Tiefgang zu kombinieren: Timos Weg vom "Hotel Cleo" zu einem eigenständigen Leben ist mitunter lustig und man muss viel schmunzeln, aber es gibt auch eine Reihe ernster Themen die angesprochen werden und gegen Ende kann man es nicht mehr abstreiten: Timo und sein Dasein gehen einem unter die Haut.

Entsprechend gut ist der Lesefluss, Langweile sucht man vergeblich und auch die anderen Charaktere im Buch sind sehr einzigartig gestaltet (mein persönlicher Favorit ist ja die Schulleiterin Frau Penner). Das Buch ist in sich geschlossen, dennoch hoffe ich auf ein Wiederlesen mit Timo und seien wir ehrlich: So eine Uni ist doch der perfekte Ort für einen Klugscheißer!

Thorsten Steffens
"Klugscheißer Royale"
erschienen im Piper Verlag

Sonntag, 24. März 2019

[Rezension] Ursula Poznanski - Vanitas - Schwarz wie Erde

Kurzbeschreibung:
"Manchmal ist ein Friedhof der sicherste Ort für die Lebenden. Auf dem Wiener Zentralfriedhof jedenfalls ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, raffiniert verschlüsselt in die Sprache der Blumen - denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden.
Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft - und der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte..."

Fazit:
Seit Jahren bin ich ein großer Fan von Ursula Poznanskis Reihe um die Ermittler Beatrice und Florin. Entsprechend habe ich mich gefreut, dasss "Vanitas - schwarz wie Erde" der Auftakt einer neuen Thrillerreihe der Autorin ist.

Allerdings musste ich schnell erkennen, dass Carolin leider so gar nicht das Format von Beatrice und Flo hat.

Der Anfang ist durchaus interessant: wir lernen Carolin kennen, die in einer Blumenhandlung am Wiener Zentralfriedhof arbeitet und Angst hat. Dass sie Angst hat, begegnet uns dann leider immer und immer wieder - man sollte meinen, dass auch der unaufmerksamste Leser nach der zehnten Erwähnung verinnerlicht hat, dass Carolin Angst hat.

Zu gern hätte man im Verlauf des Buches erfahren, was damals genau passiert ist, allerdings bekommt der Leser nur einzelne Häppchen serviert und das große Ganze spart sich Ursula Poznanski wohl für einen weiteren Teil der Reihe auf.

Abgesehen davon, dass sie Angst hat und nach München übersiedeln muss, passiert erstmal nicht viel. Es kommen neue Charaktere hinzu, von denen einige durchaus interessant sind, was aber genau gespielt wird, erfährt der Leser eine ganze Weile nicht. Und so plätschert die Handlung vor sich hin, Spannung sucht man meist vergeblich und Carolin als Protagonistin wird irgendwann geradezu nervtötend.

Gegen Ende gibt es dann eine Auflösung, die ganz nett ist und einige Seiten lang auch tatsächlich Spannung mit sich bringt - allerdings kann das den Rest der langatmigen Handlung auch nicht mehr ausgleichen.

"Vanitas - schwarz wie Erde" hat mich leider wirklich enttäuscht, ich bin von Ursula Poznanski ein ganz anderes Level gewohnt.

Ursula Poznanski
"Vanitas - schwarz wie Erde"
erschienen bei Droemer Knaur

[Rezension] Jilliane Hoffman - Nemesis

Kurzbeschreibung:
"Ein geheimes Forum im Internet. Dreizehn Männer, die viel Geld bezahlen, um live dabei zu sein, wenn junge Frauen sterben: die ahnungslosen Kandidatinnen im "Spiel ohne Grenzen".

Als in Miami eine brutal zugerichtete Frauenleiche entdeckt wird, kommt Staatsanwältin C. J. Townsend dem perversen Spiel des Clubs auf die Spur. Sie tut alles, um die Macher aufzuhalten, doch dann verschwindet eine weitere junge Frau. Und noch ehe C. J. begriffen hat, dass die Regeln des Spiels sich geändert haben, verwandelt sich auch ihr eigenes Leben in einen Albtraum..."

Fazit:
"Nemesis" ist der vierte Teil um die Staatsanwältin C. J. Townsend. Auch wenn 2012 beim Erscheinen von "Argus", dem dritten Teil, das Gerücht umging, dass das der Abschlussband der Reihe wäre, hat sich die Autorin einen Gefallen getan, indem sie "Nemesis" geschrieben hat.

Es ist viel Zeit seit "Cupido" vergangen und das ist gut so. Genau wie mir ging es vielen Lesern, jeder weitere Band wurde mit "Cupido" verglichen und das ist ein Anspruch, dem wahrscheinlich kein Autor wirklich gerecht werden kann.
Nach all den Jahren nun ist man auch als Leser entspannter und hofft auf einen spannenden, unterhaltsamen Thriller.

Den Snuff-Club, um den es in "Nemesis" vorwiegend geht, kennen die Leser bereits aus "Argus", dennoch ist die Kenntnis des Buches nicht unbedingt notwendig. Um die besondere Verbindung zwischen C. J. und Bill Bantling alias "Cupido" zu verstehen, muss man allerdings die Vorgängerbücher durchaus gelesen haben.

Möglicherweise, wenn man es aus Entfernung betrachtet, etwas an den Haaren herbei gezogen, aber eigentlich durchaus verständlich aufgrund der Vorgeschichte, wird C. J. in diesem Buch zu "Nemesis", der Göttin der gerechten Vergeltung. Was genau das heißt, wird jeder selbst herausfinden müssen, aber eine Gratwandlung der Staatsanwältin ist es allemal.

Bei "Argus" habe ich bemängelt, dass zu wenig Spannung aufkam und wieder einmal zu detailliert auf das amerikanische Gerichtswesen eingegangen wurde - beides kann man von "Nemesis" nicht behaupten. Dass das amerikanische Gerichtswesen zu vernachlässigen ist, ergibt sich aus der Sache und Spannung ist definitiv vorhanden.

Entsprechend gut ist der Lesefluss, kurze Kapitel und Perspektivenwechsel tun ein Übriges, um den Leser am Buch zu halten. Viele Charaktere kennt man bereits, neue werden, wie man es von Jilliane Hoffman kennt, lebensecht gestaltet und fügen sich wunderbar ins Geschehen ein.

Nein, "Nemesis" ist kein "Cupido", aber das muss es auch nicht, es kann für sich ganz allein bestehen. Ein spannender, unterhaltsamer Thriller für alle, die amerikanische Thriller lieben.

Jilliane Hoffman
"Nemesis"
erschienen im Wunderlich - Verlag

Samstag, 23. März 2019

[Rezension] Hanna Caspian - Gut Greifenau - Morgenröte

Kurzbeschreibung:
"1918 ist der Frieden mit Russland in greifbarer Nähe. Doch nach einem Mordanschlag ist es fraglich, ob Konstantin, der Erbe, diesen noch erleben wird. Immerhin pflegt seine Geliebte, die Dorflehrerin Rebecca, ihn aufopferungsvoll. Sein Vater indes ist verzweifelt, denn durch den Kauf von Kriegsanleihen ist das Gut hoch verschuldet. So wird die Hochzeit von Konstantins Schwester Katharina mit dem brutalen Ludwig, einem Neffen des Kaisers, zur Überlebensfrage für Gut Greifenau. Doch Katharinas Herz schlägt für den Industriellensohn Sebastian. Kurz vor der Hochzeit flieht sie - und gerät in Berlin mitten in die Wirren der Novemberrevolution..."

Fazit:
"Morgenröte" ist der dritte und damit letzte Teil der "Gut Greifenau" - Trilogie von Hanna Caspian. Bei Trilogien empfiehlt es sich grundsätzlich, mit dem ersten Teil zu starten, da die Geschehnisse sich fortsetzen und aufeinander aufbauen.

Am Ende des zweiten Bandes möchte man als Leser selbstverständlich wissen, wie es weiter geht, gleichzeitig hat man aber eine Menge Befürchtungen, was noch alles geschehen könnte. Diese Befürchtungen hat man nicht zu unrecht, denn die Autorin hält für ihre Protagonisten so einiges bereit.

Wie auch in den anderen Büchern bettet sich die Geschichte der Familie von Auwitz-Aarhayn wunderbar in die historischen Ereignisse der damaligen Zeit ein. Die unterschiedlichen Charaktere verdeutlichen unterschiedliche Aspekte der Geschehnisse: so gerät Katharina auf ihrer Flucht mitten in die Novemberrevolution in Berlin und erlebt in Folge dessen das Leben der normalen Menschen, was sie noch nie kannte und schon gar nicht in so einer Ausnahmesituation. Oder das Grafenpaar, dass sich mit dem Niedergang ihres Standes nicht abfinden kann, aber sehr unterschiedlich damit umgeht.

Der Lesefluss ist sehr gut, Langeweile gibt es nicht, dafür hält Hanna Caspian zu viele Überraschungen bereit. Am Ende des Bandes nimmt man nur ungern Abschied von den Protagonisten, gerade, weil man weiß, dass "Morgenröte" die Trilogie beschließt.

Hanna Caspian
"Gut Greifenau - Morgenröte"
erschienen bei Droemer Knaur

Sonntag, 17. März 2019

[Rezension] George R. R. Martin - Feuer und Blut - Erstes Buch

Kurzbeschreibung:
"Drei Jahrhunderte, bevor die Serie "Das Lied von Eis und Feuer" beginnt, eroberte Aegon Targaryen mit seinen Schwestergemahlinnen und ihren drei Drachen den Kontinent Westeros.
280 Jahre währte die Herrschaft seiner Nachkommen. Sie überstanden Rebellion und Bürgerkrieg - bis Robert Baratheon den irren König Aerys II. vom Eisernen Thron stürzte. Dies ist die Geschichte des großen Hauses Targaryen, niedergeschrieben von Erzmaester Gyldayn, transkribiert von George R. R. Martin."

Fazit:
Ich bin jemand, der zum Lesen eines Buches den Schutzumschlag grundsätzlich abnimmt und so stieß ich schnell darauf, dass man diesen aufklappen kann und so einen detaillierten Stammbaum des Hauses Targaryen erhält. Optisch sehr schön gemacht, leistet er einem im weiteren Verlauf auch gute Dienste, um den Überblick zu behalten.

Was beim Überfliegen des Klappentextes schnell übersehen wird, was einem aber bewusst sein sollte, wenn man "Feuer und Blut" lesen möchte, ist, dass es sich um einen Bericht handelt. So ist die Geschichte auch in Berichtsform geschrieben, was erst einmal gewöhnungsbedürftig ist, ist man doch die normale Romanform gewohnt. Anfangs hatte ich Sorge, dass das Buch dadurch möglicherweise schnell langatmig wird, aber das war nicht der Fall.

Über 880 Seiten (und es handelt sich hier nur um den ersten Teil der Geschichte) liest man nicht mal eben nebenher. So hat mich die Geschichte des Hauses Targaryen tatsächlich diverse Wochen begleitet, zumal ich nach einigen Kapiteln stets innehalten musste, um die Flut an Informationen verinnerlichen zu können.

Das Buch beginnt mit der Ankunft der Targaryen in Westeros und endet mit dem Thronfolgekrieg. Das zweite Buch mit dem Rest der Targaryen-Geschichte ist in Vorbereitung.

Wenn man sich einmal an die Erzählform gewöhnt hat, bietet "Feuer und Blut" gewohnt spannende Unterhaltung und viel Information. Blieb bei "Das Lied von Eis und Feuer" einiges über das Haus Targaryen im Unklaren, stehen sie hier definitiv im Mittelpunkt.

Wer sich auf diese epische Reise begibt, sollte Interesse an den Hintergründen und den einzelnen Targaryens haben, dann wird er das Lesen aber auf keinen Fall bereuen.

George R. R. Martin
"Feuer und Blut - Buch 1"
erschienen bei Grrm by penhaligon

[Rezension] Emily Gunnis - Das Haus der Verlassenen

Kurzbeschreibung:
"Sussex, 1956. Als die junge Ivy Jenkins schwanger wird, schickt ihr liebloser Stiefvater sie fort - ins St. Margaret's Heim für ledige Mütter. Sie wird den düsteren, berüchtigten  Klosterbau nie mehr verlassen...
Sechzig Jahre später findet die Journalistin Sam in der Wohnung ihrer Großeltern einen flehentlichen Brief Ivys. Sie beginnt die schreckliche Geschichte von St. Margaret's zu recherchieren. Dabei stößt sie auf finstere Geheimnisse, die eine blutige Spur bis in die Gegenwart ziehen. Und die tief verstrickt sind mit ihrer eigenen Familiengeschichte."

Fazit:
Es scheint die Zeit der eindrücklichen Romane zu sein...denn einen bleibenden Eindruck hinterlassen die Schilderungen Ivys in jedem Fall.

Die Geschichte von Ivy, St. Margaret's und Sam wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Sam stößt durch Zufall auf einen Brief von Ivy, ihre journalistische Neugier ist geweckt und sie beginnt zu recherchieren.

Parallel erfahren wir aus Ivys Perspektive und aus den Briefen, die sie damals dem Vater des Kindes in der Hoffnung auf Rettung schickte, was ihr und vielen anderen Frauen im Heim für ledige Mütter angetan wurde. Es wäre schön, wenn man dieses Grauen ins Reich der Fiktion verbannen könnte, doch leider ist zwar dieses spezielle Heim ein fiktiver Ort, die Geschehnisse allerdings sind so und in unterschiedlichen Formen in diversen irischen und britischen Heimen tatsächlich passiert. Es steht zu befürchten, dass sich das nicht auf Großbritannien beschränkt.

Der Lesefluss ist sehr gut, denn selbstverständlich bangt und leidet man mit Ivy und möchte gleichzeitig mit Sam die Zusammenhänge des Ganzen verstehen. So kommt keine Langeweile auf, der Roman hält durchweg ein gewisses Spannungslevel.

Die Charaktere sind sehr bildhaft und lebensecht dargestellt, man sieht sie praktisch vor sich.

Ein wenig schade fand ich, dass einige Enthüllungen mit der Zeit schon auf der Hand lagen und dann wenig überraschend waren. Das tat der Sogwirkung des Buches aber überhaupt keinen Abbruch. Auch nach Beendigung des Buches kann man die Gedanken an Ivy und die anderen Frauen nur schwer abschütteln.

"Das Haus der Verlassenen" ist Emily Gunnis' Debütroman, sodass zu hoffen ist, dass wir noch viele weitere derart mitreißende Romane von ihr erwarten dürfen.

Emily Gunnis
"Das Haus der Verlassenen"
erschienen im Heyne Verlag

Sonntag, 10. März 2019

[Rezension] Linus Geschke - Tannenstein

Kurzbeschreibung:
"Wenn der Wanderer kommt, sterben Menschen. Elf in Tannenstein, einem abgelegenen Ort nahe der tschechischen Grenze. Ein Tankwart im Harz, eine Immobilienmaklerin aus dem Allgäu. Der Killer kommt aus dem Nichts, tötet ohne Vorwarnung und verschwindet spurlos.
Der Einzige, der sich ihm in den Weg stellt, ist Alexander Born, ein Ex-Polizist mit besten Kontakten zur Russenmafia. Einst hatte der Wanderer seine Geliebte getötet, jetzt will Born Rache - und wird Teil einer Hetzjagd, die dort endet, wo alles begann: Tannenstein."

Fazit:
Man kennt Linus Geschke als Autor der Krimi-Reihe um Jan Römer und Mütze. "Tannenstein" hingegen ist etwas ganz anderes. Auf dem Cover steht nicht "Kriminalroman", sondern "Thriller", man rechnet also mit einer härteren Gangart. Aber "Tannenstein" ist für mich auch nicht ein beliebiger Thriller, sondern eher ein moderner Western.

Der Autor hat gesagt, er habe ein Buch schreiben wollen, in dem keiner so wirklich gut ist. Ob das bei "Tannenstein" der Fall ist, ist Interpretationssache, wie so vieles in dem Buch. Ist jemand, der das Falsche aus den richtigen Gründen tut, wirklich böse, bzw. "nicht wirklich gut"? Das muss der Leser von Fall zu Fall selbst entscheiden.
Klar ist, dass es in dem Buch einige gibt, die abgrundtief böse sind...was auch schonungslos und plastisch transportiert wird...

Die Russenmafia ist natürlich jedem ein Begriff, aber im Alltagsleben weit weg und abstrakt. In "Tannenstein" ist sie und ihre Machenschaften allgegenwärtig. Allerdings belässt Linus Geschke es nicht bei dem gefühlsmäßigen Sicherheitsabstand, den man als Leser normalerweise bei solchen Dingen hat: ganz perfide lässt er sich jemanden in unsere Sympathie schleichen, sodass der Abstand verloren geht und dann....

Die typische Thrillerspannung fehlte für mich in weiten Teilen von "Tannenstein", daher mein Gefühl des modernen Western. Aber fesselnd ist das Buch auf jeden Fall und das sowohl von der Handlung, als auch von den Protagonisten und natürlich erst recht von all dem, was unter der Oberfläche lauert und erst nach und nach ins Bewusstsein des Lesers gelassen wird. Denn natürlich ist kaum etwas so, wie es anfangs schien...

Muss ich noch darauf hinweisen, dass ich "Tannenstein" selbstverständlich nur empfehlen kann, vorausgesetzt, man hat die Nerven dafür?

Linus Geschke
"Tannenstein"
erschienen im dtv Verlag

[Rezension] Felicity Whitmore - Das Herrenhaus im Moor

Kurzbeschreibung:
"Laura Milton ist überzeugt: Ihr Mann Frank wurde ermordet - doch niemand will ihr glauben. Da fällt ihr ein anonymer Brief an Frank in die Hände: Sein Leben sei in höchster Gefahr, er solle fliehen, steht darin. Im englischen Exmoor, Franks Heimat, sucht Laura nach Antworten. Und sie stößt in einem alten, verfallenen Herrenhaus auf die erschütternde Geschichte der Lady Victoria Milton..."

Fazit:
Oft bemängele ich, dass Klappentexte zuviel von der Handlung vorwegnehmen. Deshalb möchte ich ausdrücklich auf das Gegenbeispiel verweisen: Der Klappentext von "Das Herrenhaus im Moor" zeigt nur die Spitze des Eisberges und selbst diese ist ausreichend, um das Buch lesen zu wollen. Er verspricht Verwicklungen, Spannung, Gefahr und Menschenschicksale.

Was sich dann im Verlauf der Handlung noch alles zeigen wird, darauf wäre man anfangs nie gekommen...

"Das Herrenhaus im Moor" wird auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt: zum einen in der Gegenwart, wo Laura sich mit dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes konfrontiert sieht und ihr niemand glaubt, dass dieser ermordet wurde, woraufhin sie sich selbst ins Exmoor begibt, um die Wahrheit zu ergründen. Zum anderen gegen Ende des 19. bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts, wo Lady Victoria Milton erfahren muss, zu was Menschen fähig sind.

Ich hatte mir von Felicity Whitmores Roman eine unterhaltsame Zeit versprochen und war überhaupt nicht gefasst auf die Spannung, die besonders im Erzählstrang um Lady Victoria dominiert und auch nicht auf das Entsetzen, dass einen unweigerlich überfällt, wenn einem wieder einmal vor Augen geführt wird, was Menschen für Geld alles zu tun bereit sind.

"Das Herrenhaus im Moor" ist nichts für sensible Seelen, aber ein absolut spannungsgeladener, unterhaltsamer, interessanter und lesenswerter Roman!

Felicity Whitmore
"Das Herrenhaus im Moor"
erschienen im dtv Verlag