Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Mittwoch, 4. Dezember 2019

[Rezension] Britta Orlowski - Dezembertage

Kurzbeschreibung:
""Dieses Weihnachten wird alles anders", sagt seine Mutter, und Matt glaubt zunächst, sich verhört zu haben. Wieso der plötzliche Sinneswandel?
Muss sie ausgerechnet von Arizona in ein Kaff in Maryland fahren wollen? Er hatte anderes vor, als den Chauffeur nach St. Elwine zu spielen. Stattdessen gerät Matt in ein Familienchaos vom Feinsten.
Emma, ebenfalls unfreiwillig in St. Elwine, nimmt einen Job im Maple-Lodge an. Sexy Matt, auf den sie dort trifft, reizt sie allenfalls für einen One-Night-Stand - darüber hinaus ist sie nur daran interessiert, das Doppelleben ihres Vaters aufzudecken.
Gezwungenermaßen muss sie mit Matt sehr viel näher zusammenrücken, als ihr lieb ist, während ein Schneesturm die Stadt komplett lahmlegt."

Fazit:
"Dezembertage" ist der sechste Band von Britta Orlowskis "St. Elwine"-Reihe. Allerdings kann man diesen, wie auch die anderen Bände, unabhängig voneinander lesen. Ist man öfter in St. Elwine unterwegs, ist es aber schön, dass man immer wieder auf alte Bekannte trifft. Überhaupt hat man mittlerweile das Gefühl, St. Elwine und seine Bewohner schon ewig zu kennen und sich dort sehr wohl zu fühlen.

Das hervorstechende Merkmal von Britta Orlowskis Büchern ist immer, dass die Protagonisten absolut lebensecht sind - kein Gekünzel, keine Show - man hat durchweg das Gefühl, es mit realen Personen zu tun zu haben. Außerdem ist, auch wenn es natürlich viel Trubel, Missverständnis und Ärger gibt, immer viel Herz mit von der Partie und das, ohne dass es kitschig wird. Da macht "Dezembertage" keine Ausnahme.

Entsprechend sehr gut ist der Lesefluss - bei mir hat es gar nicht bis zu den ersten Dezembertagen gereicht, ich mochte mich gar nicht von der Maple-Lodge lösen.

Die Handlung ist unterhaltsam und abwechslungsreich, der Leser begleitet sowohl Matt als auch Emma, beide mitten in Familiendramen verstrickt, auf der Suche nach einer Lösung. Dazu die vorweihnachtliche Atmosphäre, die vom Buch auf den Leser überspringt - man kann gar nicht anders, als es sich gemütlich zu machen und weiterzulesen. Leider ist man dann wieder einmal viel zu schnell am Ende angelangt... das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt!

"Dezembertage" ist für neue und alte St. Elwine - Fans ein absolutes Must-Read in der Weihnachtszeit!

Britta Orlowski
"Dezembertage"
erschienen im Bookshouse Verlag

Sonntag, 1. Dezember 2019

[Rezension] John Katzenbach - Der Verfolger

Kurzbeschreibung:
"Vor fünf Jahren konnte Psychiater Dr. Frederick Starks dem Killer "Rumpelstilzchen", der ein perfides Spiel mit ihm trieb, entkommen. Jetzt taucht der tot geglaubte Killer wieder auf und stellt Dr. Starks vor die Wahl: einen Unbekannten aufzuspüren und zu töten, der seit einiger Zeit "Rumpelstilzchen" bedroht, oder zu sterben. Einmal mehr wird Dr. Starks in ein albtraumhaftes Katz-und-Maus-Spiel verstrickt, bei dem nichts ist, wie es scheint."

Fazit:
Ich habe festgestellt, dass selbst eingefleischten Crimethrill-Fans John Katzenbach oft kein Begriff ist. Für mich überraschend, denn alles, was ich im Lauf der Jahre von ihm gelesen hat, hat mir sehr gut gefallen.

"Der Verfolger" ist praktisch das Rückspiel zu "Der Patient", wobei man das Buch nicht gelesen haben muss, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann, denn alles, was für die Handlung in "Der Verfolger" relevant ist, wird dem Leser auch hier mitgeteilt.

Im Prinzip handelt es sich hier um eine physische und psychische Roadstory, denn als Dr. Starks einmal realisiert hat, dass das neue Leben, das er sich in den letzten Jahren aufgebaut hat, eine Illusion ist, kommt er nicht mehr zur Ruhe und muss ständig unterwegs und auf der Hut sein.

Der Lesefluss ist sehr gut, was an John Katzenbachs einnehmendem Schreibstil liegt, aber natürlich auch maßgeblich an der intelligenten Handlung und dem durchgängig guten Spannungsbogen.
Ich mag intelligente Plots, die den Leser fordern, was leider in der Thrillerbranche oft etwas kurz kommt oder zu Lasten der Spannung geht und dieses Gleichgewicht schafft John Katzenbach wie gewohnt scheinbar spielend.

Von meiner Seite definitiv eine Leseempfehlung für Fans von John Katzenbach und allen Lesern, die intelligente Psychothriller mögen!

John Katzenbach
"Der Verfolger"
erschienen bei Droemer Knaur

Donnerstag, 14. November 2019

[Rezension] Michaela Küpper - Der Kinderzug

Kurzbeschreibung:
"Das Ruhrgebiet im Sommer 1943. Die junge Lehrerin Barbara soll eine Gruppe Mädchen im Rahmen der sogenannten Kinderlandverschickung begleiten. Angst, aber auch gespannte Unruhe beherrschen die Gedanken der Kinder, die nicht wissen, was sie erwartet. Das Heim auf der Insel Usedom, das ihr zeitweiliges Zuhause werden soll, erweist sich zunächst als angenehme Überraschung, doch dann muss dieses geräumt werden. Es beginnt eine Odyssee, die nicht nur die Kinder, sondern auch Barbara an ihre Grenzen führt, denn mehr und mehr wird sie, die sich bisher aus der Politik herauszuhalten versucht hat, mit der Realität und den grausamen Methoden der Nationalsozialisten konfrontiert. Als schließlich ein Mädel verschwindet und ein polnischer Zwangsarbeiter verdächtigt wird, kommt für die Lehrerin die Stunde der Entscheidung."

Fazit:
Natürlich war mir der Begriff "Kinderlandverschickung" geläufig, aber ein Buch, bei dem sie im Vordergrund stand, hatte ich bisher nicht gelesen.

In "Der Kinderzug" beschreibt Michaela Küpper in schnörkelloser Schreibweise, was, stellvertretend für viele solcher Kindergruppen, dieser alles widerfährt, aber auch, wie unterschiedlich die Dinge verkraftet und wahrgenommen werden.

Der Leser darf an verschiedenen Perspektiven teilhaben und so einen umfassenden Eindruck erhalten. Anfangs ein Abenteuer und eine willkommene Abwechslung vom Alltag mit ständigem Fliegeralarm, starten die Kinder in ein neues Leben, das offiziell nur drei Monate dauern soll. Doch alles kommt anders....

Die Autorin beschreibt hier nicht nur die Odyssee der verschickten Kinder samt ihrer Lehrerin, sondern gibt Einblick in viele Bereiche: wie selbstverständlich Krieg, HJ und BDM sind - kennen die Kinder es doch nicht anders; wie die Desillusionierung der jungen Lehrerin mit der Zeit immer mehr zunimmt, bis sie feststellen muss, dass sie kurz vor Ende des Krieges von der Regierung praktisch vergessen und vollkommen auf sich gestellt wurde; wie aus verschickten Jungs mit HJ-Drill doch noch traumatisiertes Kanonenfutter wird, welche Behandlung Behinderte im Dritten Reich erwartete...

Der nüchterne Schreibstil der Autorin ist vonnöten, um die vielen Eindrücke und Schrecknisse überhaupt verarbeiten zu können, wobei man nüchtern oder schnörkellos keinesfalls mit gefühllos verwechseln sollte.

In "Der Kinderzug" von Michaela Küpper erhält der Leser mehr als nur den Ausflug der Kinderlandverschickung, sondern einen Schnitt quer durch die Gesellschaft der damaligen Zeit und in viele unterschiedliche Biografien - sehr eindrucksvoll!

Michaela Küpper
"Der Kinderzug"
erschienen bei Dromer Knaur

Dienstag, 12. November 2019

[Rezension] Karen Rose - Todesfalle

Kurzbeschreibung:
"Hinter einem Sessel versteckt sich die elfjährige Jazzie vor dem Mann, der eben ihre Mutter im Zorn erschlagen hat. Sie hat ihn sofort erkannt - er aber hat sie nicht gesehen. Kein Wort wird Jazzie sagen, denn nur so kann sie sich und ihre kleine Schwester vor dem Bösen schützen.

Die beiden traumatisierten Mädchen kommen in einem Therapieprogramm unter und fassen langsam Vertrauen zu der jungen Praktikantin Taylor. Taylor ahnt, dass Jazzie weiß, wer ihre Mutter getötet hat. Was Taylor nicht ahnt: Der Killer hat längst beschlossen, sie alle drei aus dem Weg zu räumen."

Fazit:
"Todesfalle" ist der fünfte Teil von Karen Roses "Baltimore"-Reihe, lässt sich aber, wie üblich bei Karen Rose, auch vollkommen ohne Vorkenntnis der Reihe lesen.

Karen Rose und ich hatten keinen leichten Start, denn das erste Buch der Autorin, das ich vor Jahren gelesen habe, hat mir überhaupt nicht gefallen. Gut für mich, dass ich ihr einige Zeit später mit einem anderen Buch eine neue Chance gab, denn "Todeskleid" hat mich so fasziniert, dass ich im Anschluß der gesamten "Dornen"-Reihe entgegen gefiebert habe. Nachdem wir von Cincinnati nun Abschied nehmen mussten, bin ich der Autorin dann gern nach Baltimore gefolgt.
Ebenfalls sehr gut gefällt mir, dass auch immer mal wieder ein Charakter aus einer anderen Reihe wieder auftaucht - so natürlich auch in "Todesfalle".

Wer Spannung gepaart mit einer Romanze nicht mag, wird nie ein Fan von Karen Rose werden. Was mich hingegen immer wieder begeistert ist, dass sie es, wie kaum ein Autor, schafft, beides gleichberechtigt nebeneinander agieren zu lassen. Viel zu oft steht nur eins von beidem im Vordergrund und das andere läuft eher nebenher. In "Todesfalle", wie auch in der gesamten "Dornen"-Reihe hat beides seinen Platz: Taylor und Ford müssen sich ihren eigenen Dämonen stellen, um eine Basis füreinander zu finden, wobei es natürlich mitunter sehr gefühlvoll zugeht, aber der Kriminalfall an sich ist spannend und mitreißend und zieht den Leser ebenso mit!

Entsprechend ist der Lesefluss sehr gut und bei rund 600 Seiten wartet man bei jeder Unterbrechung darauf, endlich weiterlesen zu dürfen. Trotz einer Vielzahl an Charakteren sind diese so unterschiedlich und eigenständig, dass keine Verwechslungsgefahr besteht und am Ende fühlt man sich auch als Leser als Teil dieser großen, liebenswerten Familie.

Natürlich kann ich für "Todesfalle" nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben!

Karen Rose
"Todesfalle"
erschienen bei Droemer Knaur

[Rezension] Cara Lindon - Weihnachtswunderträume

Kurzbeschreibung:
"Seitdem die Buchhalterin Gemma in Cornwall wohnt, hat sie alles, was man sich wünschen kann: einen liebevollen Freund, eine traumhafte Karriere und die allerbesten Freundinnen. Leider spielt sich alles nur in ihrer blühenden Fantasie ab.
Als sie ihr Leben ändert und sich einen neuen Job sucht, lernt sie Ryan kennen. Bald bringt er ihr Herz zum Fliegen. Allerdings glaubt Gemma weder an die Liebe noch an Weihnachtswunder. Wird es Ryan gelingen, sie vom Gegenteil zu überzeugen?
Dummerweise verbirgt er ein Geheimnis, von dem Gemma besser nicht erfahren sollte."

Fazit:
Wird es draußen kalt und ungemütlich, gibt es kaum etwas Schöneres, als es sich mit einem richtig schönen Liebesroman zu Hause gemütlich zu machen.
Da ich Cara Lindons "Cornwall-Seasons" begeistert gelesen habe, habe ich mich gefreut, mit Gemma und Ryan an den Schauplatz zurückzukehren.
Natürlich kann man "Weihnachtswunderträume" auch lesen, wenn man die "Cornwall-Seasons" nicht kennt, da Gemmas Geschichte vollkommen eigenständig ist.

Ein Liebesroman in vielen Belangen vorhersehbar - das ist gut und richtig so. Umso wichtiger allerdings, dass es dennoch weder oberflächlich noch langweilig wird. Ein Liebesroman lebt vom Schreibstil des Autors und von den Charakteren. Beides ist in "Weihnachtswunderträume" kein Anlass zur Sorge!

Cara Lindons Schreibstil ist wie gewohnt einnehmend und unterhaltsam, entsprechend gut ist der Lesefluss und ich habe am Ende wirklich, wirklich ungern Abschied von Gemma und Ryan genommen.
Unsere Protagonisten ergänzen sich einfach gut: Ryan ist.....Ryan - also praktisch der perfekte Mann: Natürlich sieht er sehr gut aus, ist intelligent, gebildet und möchte lieber Tischler als Unternehmersohn sein. Außerdem ist er ein total integrer, lieber Kerl, dem - natürlich - das Herz gebrochen wurde. Selbstverständlich ist das zu schön um wahr zu sein, aber man wird doch noch träumen dürfen?
Gemma hingegen ist nur allzu menschlich - ihr mausartiges Äußeres mochte sie noch nie, seit ihre Mutter sie und ihren Vater verließ, ist es mit ihrem Vertrauen in Liebe und Beziehungen nicht allzu weit her und ihren Job kann sie sehr gut, mag sie aber überhaupt nicht. Dazu ist sie eine Tagträumerin, die sich mitunter so in ihren eigenen Kopf verirrt, dass im echten Leben Missgeschicke unvermeidlich sind.
Beide zusammen ergeben ein so liebenswertes Paar, dass man schlicht nur mit ihnen mitfiebern kann!

Kurz gesagt ist "Weihnachtswunderträume" das perfekte Buch für winterliche Lesestunden!

Cara Lindon
"Weihnachtswunderträume"

Dienstag, 22. Oktober 2019

[Rezension] Leigh Bardugo - King of Scars

Kurzbeschreibung:
"Nikolai Lantsov hat schon viele Titel getragen, doch "Zar" ist bislang der gefährlichste davon. Niemand weiß, was der junge Herrscher Ravkas während des blutigen Bürgerkrieges durchgemacht hat - und wenn es nach ihm geht, soll das auch so bleiben. Denn seither regt sich eine dunkle Magie in ihm, die alles zu zerstören droht, was er aufgebaut hat.
Während die legendäre Grisha Zoya verzweifelt versucht, Nikolais gefährliches Geheimnis zu wahren und ihn in seinem Kampf gegen die düstere Macht zu unterstützen, sammeln sich an den Grenzen Ravkas bereits neue Feinde, und der junge Zar muss sich der wachsenden Bedrohung für sein geschwächtes Land stellen."

Fazit:
Mit "King of Scars" hat Leigh Bardugo eine weitere Geschichte dem "Grishaverse", also dem "Universum der Grisha" hinzugefügt.
Da der Fokus in "King of Scars" auf Nikolai Lantsov liegt, muss man nicht alle bisherigen Bücher gelesen haben. Denjenigen, die die "Grisha-Trilogie" gelesen haben, dürfte Nikolai bereits ein Begriff sein und wer die "Krähen-Duologie" um Kaz Brekker und Ketterdam kennt, hat bereits Bekanntschaft mit Nina Zenik gemacht, die in "King of Scars" ihre eigene Perspektive erhält. Dennoch lässt sich "King of Scars" natürlich auch lesen, wenn man bisher keinen Einblick ins "Grisha-Verse" hatte, allerdings dauert es vielleicht etwas, bis man Wesen und Möglichkeiten der Grisha einordnen kann.

Wie auch bei den Krähen, hat Leigh Bardugo mich bei "King of Scars" direkt mitgenommen, kein Wunder bei dem spannenden Einstieg ins Geschehen. Die Handlung ist komplex und in unterschiedliche Perspektiven aufgeteilt, allerdings verliert man nie den Überblick, wird aber des öfteren von den Winkelzügen der Autorin überrascht - entsprechend gut ist der Lesefluss. Langeweile gibt es nicht, oft überschlagen sich die Ereignisse, sodass man manchmal kaum zum Atemholen kommt.

Die Charaktere sind wie gewohnt teils sehr speziell, aber immer bildhaft und lebensecht, denn natürlich sind auch Grisha nur Menschen mit Stärken und Schwächen.

Mit dem "Grisha-Verse" hat Leigh Bardugo eine vielseitige Welt geschaffen, die viel Raum für unterschiedliche Geschichten und Katastrophen bietet und mit "King of Scars" hat sie ein sehr gelungenes, mitreißendes Buch hinzugefügt.

Leigh Bardugo
"King of Scars - Thron aus Gold und Asche"
erschienen bei Droemer Knaur


[Rezension] Marie Lacrosse - Das Weingut - In stürmischen Zeiten

Kurzbeschreibung:
"Weißenburg im Elsass im Jahr 1870: Die junge Waise Irene kommt als Dienstmädchen in das Herrenhaus des reichen Weinhändlers Wilhelm Gerban. Dessen Sohn Franz glaubt an die Ideale der französischen Revolution, wofür sein Vater wenig Verständnis hat. Als Irene auf Franz trifft, verlieben die beiden sich leidenschaftlich ineinander. Doch nicht nur Standesschranken und familiäre Intrigen stehen ihrer Beziehung im Wege. Auch am europäischen Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Ein furchtbarer Krieg bricht aus. Gegen alle Widerstände kämpfen die beiden jungen Leute um ihr Glück. Bis das Schicksal unbarmherzig zuschlägt..."

Fazit:
"Das Weingut - In stürmischen Zeiten" ist der erste Teil von Marie Lacrosse's Reihe rund um das Weingut und seine Bewohner.

Je mehr man liest, desto weniger Bücher gibt es, bei denen man schon nach wenigen Seiten weiß, dass man sie lieben wird - unabhängig davon, was auf den weiteren über 600 Seiten noch geschehen mag - so erging es mir bei "Das Weingut". Noch bevor man überhaupt im Elsass angekommen ist, hatte mich die Autorin bereits eingefangen. Ich kann nicht einmal genau sagen, woran das lag - anfangs befinden wir uns in einer Gebäranstalt, also keine sehr einnehmende Kulisse, aber der Schreibstil und die Erwartung auf das noch kommende Geschehen hatten mich direkt mitgenommen.

Daran hat sich auch im Verlaufe des Buches nichts geändert. Der Schreibstil ist wunderbar, entsprechend der Lesefluss auch. Marie Lacrosse kann hervorragend Gefühle transportieren, unabhängig davon, ob es sich um positive oder negative handelt und auch ohne viele Worte machen zu müssen, vermittelt sie ebenfalls das Grauen des Krieges, sodass sich ob der desolaten Lage der französischen Armee auch dem Leser die Haare aufstellen.

Ebenfalls sehr gut gefallen haben mir die einzelnen Charaktere - was nicht heißen soll, dass diese alle ein einnehmendes Wesen hätten, mitnichten. Marie Lacrosse lässt aber auch die verschlagenen, intriganten, neidischen Personen sehr lebensecht durch den Kopf des Lesers wandeln.

"Das Weingut - In stürmischen Zeiten" ist eine sehr gelungene Mischung: Natürlich der Gegensatz Herrschaft / Dienerschaft, der immer Stoff für Unterhaltung und Konflikte bietet, dann die Beziehung von Franz und Irene, denen wirklich nichts erspart bleibt, umwoben von einer Geschichte und Begleitumständen, die die Abgründe manch menschlicher Seele erahnen lassen und all dies eingebettet in den historischen Kontext des Deutsch-Französischen-Krieges von 1870/1871, der natürlich gerade im Elsass niemanden unberührt ließ.

Nach dem Ende des Buches bin ich sehr froh, dass auch die beiden weiteren Bände bereits verfügbar sind und ich bin sehr gespannt, was das Schicksal in "Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben" noch für die Protagonisten bereithält.

Marie Lacrosse
"Das Weingut - In stürmischen Zeiten"
erschienen im Goldmann Verlag