Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Samstag, 24. September 2016

[Rezension] Stephen King - Mind Control [Bill Hodges 3]

Kurzbeschreibung:
"Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten, liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seine Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabbern und In-die-Gegend-starren ist Brady bei Bewusstsein - und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen. Ex-Detective Bill Hodges, der pensionierte Ermittler aus "Mr. Mercedes" und "Finderlohn", kann die Selbstmordepidemie in der Stadt mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät. Die Uhr tickt auf mehr als eine Weise..."

Fazit:
"Mind Control" ist der Abschlussband der Trilogie um den Ex-Detective Kermit William Hodges und da man von liebgewonnenen  Personen, ob real oder fiktiv, ungern Abschied nimmt, habe ich das Buch etwas wehmütig begonnen - kurz darauf blieb mir dann aber keine Zeit mehr für Abschiedswehmut...

War es zum Verständnis von "Finderlohn" nicht unbedingt erforderlich, "Mr. Mercedes" gelesen zu haben, sollte man vor "Mind Control" allerdings den ersten Band um Brady Hartsfield, den Mercedes-Killer kennen, um Verständnisschwierigkeiten vorzubeugen.

Der Lesefluss ist sehr gut und das bereits von Anfang an, was nicht immer unbedingt gegeben ist bei Stephen King, dessen beste Werke - zumindest bei mir - immer etwas Anlaufzeit brauchten.

Seltsame Dinge gehen um und Hodges und seine Partnerin Holly ziehen schnell eine Verbindung zu Brady Hartsfield, der eigentlich geistig umnachtet in der Klinik liegen sollte - dessen Verstand allerdings schärfer ist, als seinem Umfeld lieb sein dürfte....

Ich bin kein Freund paranormaler Phänomene, habe aber bereits mehrfach festgestellt, dass es Autoren gibt, bei denen mich ein entsprechendes Vorkommen nicht stört, wo ich noch nicht einmal groß darüber nachdenke, ob das möglich wäre, zumindest ansatzweise, oder nicht - wo es einfach im Zusammenhang ein Fakt ist - so auch bei "Mind Control".

Die Handlung ist durchweg sehr interessant und nimmt Dimensionen an, die man anfangs nicht erahnt hätte. Hier und da ein wenig mehr Spannung und Grusel hätte mir ganz gut gefallen, aber ich habe im Verlauf der letzten Jahre eingesehen, dass Gänsehaut nicht mehr unbedingt ein fester Bestandteil eines King-Buches ist.

Dennoch haben wir es bei "Mind Control" mit spannender, unterhaltsamer und intelligenter Lektüre zu tun, die einen würdigen Abschluß zur "Bill-Hodges"-Trilogie bildet.

Stephen King
"Mind Control"
ISBN: 978-3-453-27086-2
erschienen bei Heyne

[Rezension] Jeffrey Archer - Im Schatten unserer Wünsche [Clifton-Saga 4]

Kurzbeschreibung:
"Bristol 1957: Der Vorsitzende der Barrington Schifffahrtgesellschaft wird zum Rücktritt gezwungen - für Emma Clifton ist dies die Gelegenheit, den Posten zu übernehmen und Macht über die Gesellschaft zu gewinnen. Doch die tragischen Ereignisse um ihren Sohn Sebastian, der in einen Autounfall verwickelt wurde, legen einen Schatten über Emma und ihren Mann Harry..."

Fazit:
"Im Schatten unserer Wünsche" ist der mittlerweile vierte Teil dieser faszinierenden Familiensaga und dank des Einfallsreichtums des Autors ist auch hier noch keinerlei Langeweile in Sicht.

Ließ uns Jeffrey Archer am Ende des dritten Teils mit einem Cliffhanger zurück, der den Lesern Magenschmerzen bereitete, ist der Beginn dieses Buches nicht dazu angetan, die Situation zu verbessern...

Der Lesefluss ist wie gewohnt sehr gut, die Perspektivenwechsel und Einzelschicksale tragen viel dazu bei, dass trotz des Umfangs des Buches der Unterhaltungswert hoch und Spannung vorhanden ist. Auch das Auftauchen neuer Charaktere in diesem Buch trägt dazu bei, dass man das Buch nicht weglegen mag. Allerdings trifft der Autor im Laufe der Handlungen auch Entscheidungen, die den Leser emotional schon erschüttern können.

Zum Verständnis der Verhältnisse der Protagonisten untereinander ist es ratsam, die Saga von Anfang an zu lesen, da sonst sicher einige Unklarheiten auftauchen.

Mein einziger Kritikpunkt ist der, dass Harry, der die Saga ja praktisch begründet hat, mittlerweile zum bloßen Statisten verkommen scheint - allerdings hat ein Ausblick auf Teil fünf mir diesbezüglich neue Hoffnung geschenkt.

"Im Schatten unserer Wünsche" reiht sich nahtlos in die Reihe seiner mehr als lesenwerten Vorgängerbände ein und wie es bei Jeffrey Archer üblich ist, sitzt man nach dem Lesen wieder mit einem Cliffhanger im Kopf da und wartet sehnsüchtig auf das Erscheinen des nächsten Bandes im kommenden Frühjahr.

Jeffrey Archer
"Im Schatten unserer Wünsche"
ISBN: 978-3-453-41991-9
erschienen bei Heyne

Samstag, 17. September 2016

[Rezension] Gregor Weber - Asphaltseele

Kurzbeschreibung:
""Mein Name ist Ruben Rubeck. Ich bin siebenundvierzig, sehe aus wie siebenundfünfzig und fühle mich manchmal wie siebenundachtzig. Geschieden, kinderlos und Kriminalkommissar, was in meinem Alter ein lächerlich niedriger Dienstgrad ist, aber das geht mir am Arsch vorbei. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mein Revier. Viele denken, ich würde da wohnen, weil ich mich im Dreck wohlfühle und mit meinem Gesicht sowieso nirgends sonst in Frankfurt eine Wohnung bekäme, aber das stimmt nicht. Ich hab's einfach gerne nah zur Arbeit."

Fazit:
"Asphaltseele" ist das Thrillerdebüt von Gregor Weber, der bisher anscheinend alles andere als ein langweiliges Leben geführt hat: Schauspieler, Soldat, Koch und Sachbuchautor und nun in den Gefilden der Unterhaltung unterwegs.

Ein wenig irreführend finde ich, dass "Asphaltseele" im Hardcore-Bereich des Verlags erschienen ist, denn für reine Hardcore-Fans dürfte dieses Buch zu wenig martialisch und zu wenig blutbehaftet sein und so möglicherweise aufgrund einer falschen Zielgruppe zu wenig gewürdigt werden.

Denn eines ist sicher: "Asphaltseele" ist anders. Nicht aufgrund von Ruben Rubeck, einem durchaus gelungenen Hauptprotagonisten, sondern aufgrund der Mischung eines etwas schnoddrigen Erzählstils, einer Hauptperson, die man zu unterschätzen neigt und einer sehr ernst zu nehmenden, mitunter verstörenden Hintergrundhandlung. Aber der Reihe nach:

Ruben Rubeck bringt alle Voraussetzungen für einen guten Hauptprotagonisten mit: früher Soldat, jetzt Polizeibeamter ohne nennenswerte Ambitionen mit einer Vorliebe für Pilsbierchen und Roth-Händle, der seine Tage am Schreibtisch damit verbringt, sich auf den Abend in seiner Lieblingskneipe zu freuen. Dennoch darf man Ruben nicht unterschätzen, denn er hat was auf dem Kasten und wenn es drauf ankommt, lässt er sich kein X für ein U vormachen und weiß durchzugreifen, wie er mehrfach unter Beweis stellen muss.

Beim Lesen habe ich mich anfangs an die Fernsehserie "Magnum" erinnert gefühlt, wo ja auch die Geschichte teilweise aus dem Off erzählt wird - so kam es mir hier auch vor: vorn sieht man, was geschieht, von hinten erzählt Ruben, wie es dazu kam.

Im Hintergrund lauert, nicht nur bei Ruben, Kriegserfahrung: Kosovo, Afghanistan - eine verstörender als die andere, wenn man offenen Auges akzeptiert, was der Krieg teilweise aus Menschen macht.

Der Lesefluss ist sehr gut, was anfangs vor allem am ungewöhnlichen Erzählstil und an der Neugier auf Ruben Rubeck liegt, im Verlauf der Handlung aber der reinen Spannung und Neugier auf die kommenden Ereignisse weicht.

Mein einziger Kritikpunkt ist demnach auch, dass das Buch mit 240 Seiten viel zu schnell beendet war und ich hoffe inständig, dass wir Gregor Weber und gern auch Ruben Rubeck wieder lesen dürfen.

Gregor Weber
"Asphaltseele"
ISBN: 978-3-453-27020-6
erschienen bei Heyne Hardcore

Freitag, 16. September 2016

[Rezension] Jeffery Deaver - Die Saat des Bösen

Kurzbeschreibung:
"Die siebzehnjährige Megan ist spurlos verschwunden. Ihr Vater Tate Collier, ein ehemaliger Staatsanwalt, hat den furchtbaren Verdacht, dass seine Tochter entführt wurde. In seinem Beruf macht man sich viele Feinde, und nicht immer verurteilt die Justiz den wahren Schuldigen. Da die Polizei nicht an ein Verbrechen glaubt, begibt er sich auf eigene Faust auf die Suche und hat bald schon eine erste Spur. Doch Megans Entführer scheint ihm immer mehrere Schritte voraus zu sein. Collier erkennt rasch, dass er es mit einem Psychopathen zu tun hat, dessen Talent, Menschen zu täuschen und zu manipulieren, ihn zu einem lebensgefährlichen Gegner macht..."

Fazit:
Bekanntermaßen bin ich ein großer Fan von Jeffery Deavers Reihen um Lincoln Rhyme bzw. Kathryn Dance. Ein Buch außerhalb dieser Reihen hatte ich von ihm noch nicht gelesen. Entsprechend war ich gespannt, ob Jeffery Deaver mich auch mit einem Einzelbuch mitreißen könnte.

Allerdings habe ich bereits nach wenigen Seiten gar nicht mehr über den Autor nachgedacht, weil mich die Geschicht schnell mitriss.

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, vorrangig denen von Tate Collier und unserem Psychopathen. Dass man bei Deaver-Büchern den Mörder meist früh kennt und begleitet, kenne ich schon, auch wenn dies nicht unbedingt meine favorisierte Erzählweise ist.

Aber diesen Psychopathen zu begleiten, macht durchaus Spaß - zumindest bis sein Wahn so ausufert, dass er eher Gänsehaut hervorruft...
Man sollte meinen, dass einem Thriller, bei dem der Leser den Mörder kennt, ein Großteil an Potential verloren geht - dem ist nicht so, schon gar nicht, wenn man es wie in "Die Saat des Bösen" mit einem religiösen Eiferer zu tun hat - da ist jede Menge Raum für bösartige Entwicklung!
Reizvoll ist aber auch, dass sowohl Jäger als auch Gejagter (und hier kann man die Rollen beliebig zwischen Tate und dem Mörder wechseln), über eine hohe Intelligenz verfügen - das macht einiges am Reiz der Handlung aus.

Der Lesefluss ist hervorragend und der Spannungsbogen nahezu perfekt - es wird ein Sog erzeugt, der es dem Leser im Laufe der Geschichte kaum mehr ermöglicht, das Buch an die Seite zu legen und sollte man doch dazu gezwungen werden, läuft die Geschichte im Kopf weiter.

Allzu zart besaitet sollte man beim Lesen allerdings nicht sein, mitunter wird es ganz schön unschön und blutig.

Mit "Die Saat des Bösen" hat Jeffery Deaver mich einmal mehr von seine erzählerischen Können und seiner Leserfängermentalität überzeugt - spannend, mitreißend: ein wunderbarer Thriller!

Jeffery Deaver
"Die Saat des Bösen"
ISBN: 978-3-7341-0317-9
erschienen bei blanvalet

Dienstag, 13. September 2016

[Rezension] Sophie Kinsella - Mini Shopaholic

Kurzbeschreibung:
"Becky Brandon, geborene Bloodwood, hat sich ihr Dasein als Mutter leichter vorgestellt! Die kleine Minnie ist aber auch ein sehr lebhaftes Kind - man könnte sie auch als anstrengend bezeichnen. Ihr Lieblingswort ist "mein!", und eine Vorliebe für Markenartikel ist nicht zu übersehen. Woher sie das nur hat? Becky jedenfalls kauft neuerdings nur noch das Nötigste: Handtaschen, Schuhe, Spielsachen... Aber nicht nur das Sparen verlangt Energie. Becky sucht mit ihrem Mann Luke ein eigenes Zuhause, plant eine große Party, engagiert sich in ihrem Job und will Minnie eine perfekte Mutter sein. Aber langsam wächst ihr alles über den Kopf..."

Fazit:
"Mini Shopaholic" ist bereits der sechste Teil von Sophie Kinsellas Reihe um Becky Brandon, geb. Bloomwood.
Eigentlich laufen sich gerade locker, flockige Chaosreihen schnell tot - der erste Teil ist superwitzig, ab spätestens dem dritten wird es sehr bemüht - nicht so bei Sophie Kinsella und Becky!

Zwei Jahre ist die kleine Minnie nun schon alt und jede Mutter weiß, dass das Leben mit zweijährigen Kindern schon für normale Mütter oft anstrengend ist - welche Stolperfallen für eine Becky Bloomwood erst lauern müssen....außerdem ist Minnie ja nicht das einzige, um das Becky sich kümmern muss, sie hat ja auch noch ihre Eltern, ihren Job und die große Party, die sie für Luke plant.

Der Lesefluss ist sehr gut und man kommt aus dem Schmunzeln kaum raus. Die Protagonisten sind derart lebensecht ge- und manchmal überzeichnet, dass aus den einzelnen Menschen sehr schnell Unikate werden - man braucht nur einmal neben Becky an ihre Mutter oder ihre Halbschwester Jess zu denken.

Positiv finde ich auch, dass man Becky anmerkt, dass sie gereift ist - natürlich wird Becky immer Becky bleiben, aber sie hat sich vom ersten Band bis heute entwickelt und das ist für ihre Glaubwürdigkeit auch wichtig.

Alles in allem: Becky Brandon, geb. Bloomwood - immer lesenswert!

Sophie Kinsella
"Mini Shopaholic"
ISBN: 978-3-442-46770-9
erschienen bei Goldmann

[Rezension] Anna Todd - Nothing More

Kurzbeschreibung:
"New York ist anders als alles, was Landon bisher kannte. Aber er hat einen netten Job, liebt die Uni und kann seiner Exfreundin Dakota zum Glück aus dem Weg gehen.

Als Landon sich plötzlich zwischen zwei schönen Frauen wiederfindet, ist es das total Chaos. Aber extrem aufregend. Fast wie eine Sucht. Es wird sich schon irgendwie regeln, doch der Weg dahin ist vermutlich... ziemlich crazy."

Fazit:
"Nothing more" ist der sechste Band von Anna Todds "After"-Reihe und nachdem bisher Tessa und Hardin zu Wort kamen, ist nun Hardins Halbbruder Landon an der Reihe.

Als Mitbewohnerin ist Tessa auch hier zugegen und Hardin taucht mitunter per Telefon auf. Aber dominiert wird "Nothing more" eindeutig von Landon... bzw. von Landons Kopf.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass "Nothing more" auch problemlos ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden kann. Zwar wird mitunter auf Tessas und Hardins Geschichte verwiesen, aber für das Verständnis dieses Buches ist dies nicht weiter wichtig.

Der Schreibstil von Anna Todd ist unterhaltsam und der Lesefluss eigentlich gut. Allerdings verbringt der Leser einen Großteil der Zeit damit zu warten, dass doch bitte endlich mal etwas PASSIEREN möge. Denn eigentlich verbringt man die meiste Zeit in Landons Kopf - und Landon macht sich eindeutig viel zuviele Gedanken - über alles...
So wird seine Beziehung mit Dakota vorwärts und rückwärts ständig wieder abgespult. Dabei hat der aufmerksame Leser bereits nach wenigen Seiten begriffen, dass Landon die Trennung von seiner Exfreundin absolut nicht verarbeitet hat. Daran ändert auch sein Interesse an Tessas Freundin Nora nichts - er fühlt sich von ihr angezogen, aber Dakota hier, Dakota da. Wäre dem Text nicht zu entnehmen gewesen, dass wir es mit einem zwanzigjährigen jungen Mann zu tun haben, hätte das Verhalten auch problemos zu einem verwirrten Teenager gepaßt. Wobei "verwirrt" ein gutes Stichwort ist: Egal wie sich jemand ihm gegenüber benimmt - meist ist Landon davon verwirrt und weiß es nicht zu deuten - auf Dauer etwas anstrengend, der Gute.

Dennoch kann ich nicht sagen, dass mir das Buch nicht gefallen hat - aber eine Kürzung von Landons Gedankengängen und ein wenig mehr Souveränität hätten dem Ganzen sicher nicht geschadet. Die Story an sich hat etwas für sich, wird aber zuviel von Belanglosigkeiten dominiert.

Anna Todd
"Nothing more"
ISBN: 978-3-453-41970-4
erschienen bei Heyne

Donnerstag, 1. September 2016

[Rezension] Horst Eckert - Wolfsspinne

Kurzbeschreibung:
"Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland jahrelang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat.
Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den "Nationalsozialistischen Untergrund" für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er muss schweigen.

Jahre später ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck. Die Spur führt ins Drogenmilieu. Aber als weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur "Aktion Wolfsspinne", die eng mit dem NSU verknüpft ist..."

Fazit:
"Wolfsspinne" ist bereits der dritte Teil von Horst Eckerts Reihe um den Kommissar Vincent Veih. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man dieses Buch auch ohne Vorkenntniss lesen kann. Allerdings wird man nach "Wolfsspinne" auf jeden Fall auch die ersten beiden Bände lesen wollen - auch hier spreche ich aus eigener Erfahrung.

Denn es passiert mir wirklich selten, dass mich ein definitiv politischer Polizeithriller noch bevor ich die Chance hatte, mir beim Lesen einen wirklichen Überblick über das Geschehen zu verschaffen, derart in den Bann schlägt, dass ich in jeder einzelnen freien Minute das Buch zur Hand nehmen muss, gar nicht anders kann!

Der Lesefluss ist entsprechend hervorragend, der Schreibstil nüchtern, aber nicht kalt, die Protagonisten bildhaft und authentisch charakterisiert, wobei Horst Eckert nicht auf Vielschichtigkeit verzichtet.

Die Handlung wird in zwei Zeitsträngen aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Auch dies sorgt natürlich dafür, dass Langeweile keine Chance hat, ein übriges tun die Cliffhanger an den Enden der kurzen Kapitel.

Wer "Wolfsspinne" in die Hand nimmt, sollte schon ein gewisses Interesse am aktuellen politischen Zeitgeschehen haben - denn der Autor packt mehr als ein heißes Eisen an: der NSU, die deutsche Flüchtlingspolitik, die Handlungsweisen der Geheimdienste - Tabus scheint es in dieser Hinsicht für Horst Eckert nicht zu geben und dem Anspruch, den man an ein Buch dieses Kalibers stellen kann, wird er mehr als gerecht.

Dennoch ist "Wolfsspinne" mehr als eine Sozialkritik, die üblichen Bestandteile eines Polizeithrillers wie organisiertes Verbrechen oder das Drogenmilieu sind ebenfalls mit von der Partie - an Themen mangelt es nicht. Aber der Autor versteht es, der Gesamtkomplexität gerecht zu werden, ohne dass sich Fäden irgendwo verwirren, es langatmig oder erschlagend wird - wobei die Handlung mitunter aber durchaus verstört!

Mit "Wolfsspinne" hat Horst Eckert definitiv eins der Highlights meines Lesejahres geschrieben und ich hoffe inständig, dass die ersten beiden Fälle von Vincent Veih, "Schwarzlicht" und "Schattenboxer" von ähnlichem Kaliber sind!

Horst Eckert
"Wolfsspinne"
ISBN: 978-3-8052-5099-3
erschienen bei wunderlich