Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
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Jean Paul

Freitag, 10. Januar 2020

[Rezension] Kate o'Hara - Stadt der Träume

Kurzbeschreibung:
"San Francisco, Anfang des 20. Jahrhunderts. Harriet Caldwell ist Reederstochter, behütet, klug und technisch interessiert. Die Waterfront mit ihren Schiffen, Werften und Lagerhallen - das ist ihre Welt. Doch als ihr Vater, Gründer der angesehenen Caldwell Shipping Company, einen Schlaganfall erleidet, ist es keineswegs klar, dass sie ihn vertreten darf. Hass und Intrigen kommen in der Familiendynastie ans Licht, als Harriet sich langsam nach oben kämpft; da hilft es wenig, dass immer wieder der junge Abenteurer Frank Maynard ihren Weg kreuzt, der sie von einem ganz anderen Leben überzeugen will - und sich unverhofft im Stummfilmgeschäft wiederfindet. Sie alle werden auf die härteste Probe gestellt, als es 1906 zur Katastrophe kommt: Ein schweres Erdbeben erschüttert die Stadt..."

Fazit:
"Stadt der Träume" ist der Auftakt der "Caldwell"-Saga von Kate o'Hara und damit das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe.

Kate o'Hara entführt uns in eine wahrlich spannende Zeit: Kalifornien Anfang des 20. Jahrhunderts, ein aufstrebender Staat, der von den Snobs der Ostküste noch immer für ziemlich rückständig gehalten wird. Aber San Franciscos Wirtschaft boomt, nicht zuletzt wegen vorausschauender Geschäftsleute wie Arthur Caldwell, der sehr erfolgreich nach seiner aktiven Karriere als Kapitän die Caldwell Shipping Company aufgebaut hat.
Harriet, die Protagonistin des Buches, ist ihrem Vater sehr ähnlich, klug, bodenständig und eigenwillig, sehr zum Ärger ihrer Mutter, die so gern eine feine Dame aus ihr machen würde.

Das Gegenteil der gutgestellten, behütet aufgewachsenen Harriet ist Frank, ein Habenichts, dem Harriet in ihrer Jugend zufällig begegnet, als dieser auf der Flucht vor aufgebrachten Fischern ist, die dem Austerndieb nachstellen. Aber auch für Männer mit Träumen wie Frank ist Kalifornien zu der Zeit ein gutes Pflaster - lebt der doch auf Dauer den amerikanischen Traum - vom Austerndieb zum erfolgreichen Geschäftsmann - bis seine Welt auf den Kopf gestellt wird.

"Stadt der Träume" beinhaltet nicht nur das Leben und Lieben von Harriet und Frank, sondern auch die ganze Zeitgeschichte des aufstrebenden Kaliforniens, eingebettet in den Siegeszug der bewegten Bilder, über deren Geschichte man viele interessante Details erfährt.
Natürlich endet "Stadt der Träume" mit einem fiesen Cliffhanger, sodass man sehnsüchtig auf das Erscheinen der Fortsetzung "Tal der Illusionen" wartet.

Kate o'Hara
"Stadt der Träume"
erschienen bei Droemer Knaur

[Rezension] Lisa Jackson - Diabolic - Fatales Vergehen

Kurzbeschreibung:
"Fünfzehn Jahre sind Shiloh, Kat und Ruth vor ihrer Vergangenheit geflohen. Die drei Highschool-Freundinnen wurden damals beim Baden am See von einem Vergewaltiger überrascht, dem sie mit Mühe und Not entkamen. Als die drei Frauen nun wieder in ihrer alten Heimat in Prairie Creek, Wyoming, vereint sind, verschwindet ein junges Mädchen. Kurz darauf wird eine Frauenleiche gefunden. Gleichzeitig bekommen die drei Frauen unheilvolle Post: ein Schwarz-Weiß-Foto, das sie an jenem schicksalhaften Abend nackt am See zeigt. In ihnen keimt ein schrecklicher Verdacht..."

Fazit:
Auch der zweite Teil der "Wyoming"-Reihe ist ein Gemeinschaftsprojekt von Lisa Jackson, Nancy Bush und Rosalind Noonan. Im Gegenteil zum ersten Band "Greed - Tödliche Gier" ist hier nicht explizit angegeben, welcher Teil des Buches von welcher Schriftstellerin stammt, was auch unerheblich ist. Da das Buch jeder der drei Protagonistinnen je einen Teil widmet, liegt die Vermutung aber nah, dass je eine Protagonistensicht von einer Schriftstellerin geschrieben wurde.

"Diabolic - Fatales Vergehen" benötigt keine Vorkenntniss des ersten Bandes, auch wenn es schön ist, immer mal wieder jemand Bekanntem über den Weg zu laufen.

Der Leser landet direkt in medias res - das eine Erlebnis, das die drei so unterschiedlichen Charaktere für immer verbinden wird - der Überfall am See. Anschließend gibt es einen Schnitt von 15 Jahren und wir sind in der Gegenwart angekommen. Jede der drei Frauen hat ihre eigene Geschichte und generell sind die drei sehr unterschiedlich, aber alle authentisch und lebensecht.

Der Lesefluss ist sehr gut, das Spannungslevel liegt durchweg noch ein Stück über dem ersten Band, was auch keinen Abbruch dadurch erleidet, dass neben aller Tragik, Angst und Verbrecherjagd noch Zeit für die Liebe bleibt.
Einzig die Identität des Mörders fand ich etwas einfallslos, zielte doch alles daraufhin ab. Nichts desto trotz bietet "Diabolic - Fatales Vergehen"  ausgezeichnete Spannungsliteratur, bei der auch das Herz nicht zu kurz kommt.

Ich bin bereits sehr gespannt, welch mörderische Ideen noch in Wyoming lauern.

Lisa Jackson, Nancy Bush, Rosalind Noonan
"Diabolic - Fatales Vergehen"
erschienen bei Droemer Knaur

Freitag, 27. Dezember 2019

[Rezension] Jeffery Deaver - Der Todbringer

Kurzbeschreibung:
"Der Tatort, mit dem Amelia Sachs sich konfrontiert sieht, ist einer der schrecklichsten ihrer Karriere: In einem Juweliergeschäft wurden einem branchenberühmten Diamantenhändler sowie einem jungen Paar die Kehlen durchgeschnitten. Noch im Todeskampf hielten die Verliebten sich an den Händen. Der Killer macht offenbar Jagd auf Paare und lauert ihnen in ihren glücklichsten Momenten auf. Und er scheint fest entschlossen, auch alle Zeugen aus dem Weg zu räumen, die den Ermittlern Lincoln Rhyme und Amelia Sachs - selbst frisch verheiratet - helfen könnten, das Morden zu stoppen."

Fazit:
Bereits seit vielen Jahren begleite ich regelmäßig Lincoln und Amelia, die mir mittlerweile natürlich sehr ans Herz gewachsen sind. Aber neben diesen wunderbar menschlichen, intelligenten und manchmal eigentümlichen Charakteren sind es immer die Plots, die Jeffery Deavers Thriller so besonders machen - so auch in "Der Todbringer", dem bereits 14. Teil der Reihe.

In diesem Fall bewegen sich Amelia und Lincoln in der Diamantenbranche, wodurch man beim Lesen automatisch vieles aus diesem Bereich lernt, das einem früher unbekannt war. Doch wir haben es hier nicht mit lehrreichen Monologen zu tun, sondern ein Verbrechen jagt das andere. Entsprechend gut ist der Lesefluss und der Autor schafft es, die Spannung immer hoch zu halten.

Wenn man bereits dreizehn Bände der Reihe gelesen hat, weiß man von vornherein, dass man sich darauf einstellen muss, dass am Ende nichts so ist, wie man vermutet, gedacht, geahnt hatte. Und nur Jeffery Deaver schafft es spielend, dass dann das, was man anschließend für wahr hält, es auch nicht ist und des Rätsels Lösung noch ganz anders - und dass das alles im Nachhinein vollkommen logisch erscheint.

Ein "Lincoln-Rhyme"-Thriller ist immer lesenswert, so auch "Der Todbringer". Zwar gab es ein, zwei Teile, die mir besser gefallen haben, aber wir bewegen uns noch immer auf einem sehr hohen Niveau.

Jeffery Deaver
"Der Todbringer"
erschienen bei blanvalet

Donnerstag, 19. Dezember 2019

[Rezension] Anja Marschall - Tod in der Speicherstadt

Kurzbeschreibung:
"Hamburg 1896: Der Sohn des wohlhabenden Kaffeehändlers Bellingrodt wird tot in der Elbe gefunden. Als Kommissar Hauke Sötje den Eltern die traurige Nachricht überbringt, gerät er in ein gefährliches Geflecht aus Macht, Gier und falscher Liebe. Zu allem Überfluss bittet ihn seine Verlobte Sophie, eine vermisste junge Frau und ihr Kind in der Stadt zu finden. Man hatte die beiden zuletzt vor der Villa der Bellingrodts gesehen..."

Fazit:
Ich bin ein großer Liebhaber historischer Kriminalromane. Ohne alle technischen Raffinessen der heutigen Zeit, dafür mit viel Instinkt, Gespür und Menschenkenntnis machen sich die jeweiligen Ermittler auf, Verbrechen aufzuklären und die Verantwortlichen zu ermitteln. So ist es auch bei Hauke Sötje, ehemaliger Kapitän und nun Kommissar in Kiel.

"Tod in der Speicherstadt" ist der vierte Teil der Reihe um Hauke Sötje, lässt sich aber auch problemlos ohne Vorkenntnisse lesen.

Ein Fall von Schmuggel führt Hauke in die Hansestadt und diese Kulisse, die gerade eröffnete Speicherstadt, ist für mich absolut perfekt gewählt, denn Anja Marschall transportiert die ganz eigene Dynamik dieses wichtigen Handelspunktes Hamburgs mit all den unterschiedlichen Menschen, die sich dort tummeln, ganz hervorragend! Zusammen mit Hauke, dem norddeutschen Thomas Pitt, ergibt sich so eine absolut authentische Atmosphäre.

Nachdem nun die historische Atmosphäre real wurde, ist der Kriminalfall an sich für den Leser ja auch nicht unwichtig und in "Tod in der Speicherstadt" kommt man auf seine Kosten. Die Handlung wird sowohl aus Haukes, als auch aus Sophies Sicht erzählt, so weiß der Leser mehr, als jeder der beiden, dennoch ist es ein beständiges Rätseln im Kopf, die Neugier treibt einen automatisch weiter und gegen Ende wird es so spannend, dass klar ist, man hat es keinesfalls mit einem Häkelkrimi zu tun.

In "Tod in der Speicherstadt" verbindet Anja Marschall historische Kulisse und Kriminalfall vortrefflich miteinander und verschafft dem Leser so spannenden Lesegenuss in hanseatischer Atmosphäre.

Anja Marschall
"Tod in der Speicherstadt"
erschienen im Emons Verlag

Sonntag, 15. Dezember 2019

[Rezension] Marie Lacrosse - Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben

Kurzbeschreibung:
"Die Ehe zwischen dem Dienstmädchen Irene und dem reichen Erben Franz sollte eine Liebesheirat sein. Doch nach einer ungeheuerlichen Enthüllung von Franz' Vater verlässt die schwangere Irene ihren geliebten Bräutigam ohne ein Wort. Einsam bringt sie ihren kleinen Sohn zur Welt und tritt eine Stelle als Textilarbeiterin in einer Fabrik an. Die Bedingungen dort sind grausam, und Irene muss bis zur Erschöpfung arbeiten. Aber dann lernt sie den charismatischen Arbeiterführer Josef kennen, der ihr Kraft und Geborgenheit gibt. Obwohl sie Franz noch immer liebt, beginnt sie eine Beziehung mit ihm. Aber kann Irene den Verlust von Franz wirklich überwinden?"

Fazit:
Sehr gern bin ich in das Elsass zu den Protagonisten zurückgekehrt.
"Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben" ist der zweite Teil von Marie Lacrosses Reihe um eine Weinhändlerfamilie im Elsass. Zum besseren Verständnis der Hintergründe ist es sinnvoll, mit dem ersten Band "Das Weingut - In stürmischen Zeiten" zu beginnen.

Im zweiten Teil verfolgt der Leser gespannt, wie es mit Irene und Franz weiter geht. Gerade durch Maries Perspektive bekommt man einen guten Einblick in Wirtschaft und Gesellschaft der damaligen Zeit - die Zustände in den Fabriken, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter, das erste Aufkommen von Arbeiterverbänden, etc.

Auch die Einblicke, die man durch Franz' Mutter bzw. ihren Aufenthalt in der Irrenanstalt erhält, lassen in Abgründe blicken.

So ist auch der zweite Band mitreißend und einnehmend. Der Lesefluss ist sehr gut, Langeweile gibt es nicht und man fiebert mit jedem einzelnen Protagonisten mit.
Natürlich möchte ich das Ende nicht vorwegnehmen, aber anmerken, dass ich jetzt ein wenig Angst habe, den dritten Band zu lesen...

Marie Lacrosse
"Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben"
erschienen im Goldmann Verlag

Samstag, 14. Dezember 2019

[Rezension] Jeffrey Archer - Triumph und Fall

Kurzbeschreibung:
"Im Londoner East End verkauft der junge Charlie Trumper Obst und Gemüse auf der Straße. In sehr ärmlichen Verhältnissen lebend, träumt er davon, einmal das größte Kaufhaus der Welt zu besitzen. Aber die Zeiten sind hart, und der Erste Weltkrieg reißt Charlie zunächst aus seinen Träumen. Doch auch die schlimmsten Feinde und Widerstände, selbst eine große tragische Liebe, können ihn nicht aufhalten..."

Fazit:
Wer bereits Bücher von Jeffrey Archer gelesen hat, weiß, dass er zu den Schriftstellern gehört, die den Leser komplett in das Leben, die Zeit, die Handlung hineinziehen können.

So begleitet "Triumph und Fall" das Leben von Charlie Trumper von Beginn an - die Verwirklichung des amerikanischen Traums, wenn auch in London. Man kann Charlie nicht nicht mögen, so geht es einem meist mit den Protagonisten von Jeffrey Archer.

Anfangs auf Charlie beschränkt, erweitert sich der Kreis der Perspektiven im Verlauf der Handlung und der Leser erhält ein umfassendes Bild - nicht nur von Charlie und seiner Familie, auch von den politischen und gesellschaftlichen Bewegungen und Veränderungen der Zeit, vom Unterschied der normalen Bürger zum alten Adel, von Stadt und Land. Gerade, wenn man es sich mental gemütlich gemacht hat und sich trotz diverser Zwistigkeiten und Fallstricke - schließlich muss auch die Gegenwart von Antagonisten gerechtfertigt werden - sehr wohl fühlt, rammt der Autor dem Leser hinterrücks das Messer in den Rücken - so zumindest kam es mir vor, ich wurde absolut kalt erwischt!

Der Lesefluss ist gewohnt gut, Jeffrey Archer erschafft auf fast 900 Seiten ein Epos, das es wert ist, gelesen zu werden und den Leser auch hinterher noch lange beschäftigt.

Jeffrey Archer
"Triumph und Fall"
erschienen im Heyne Verlag

[Rezension] Simon Geraedts - Sei brav und stirb

Kurzbeschreibung:
"Seit Monaten wird Marie von einem Arbeitskollegen belästigt. Da dessen Vater im Vorstand sitzt, lässt sie die widerlichen Annäherungsversuche stillschweigend über sich ergehen.
Eines Morgens betritt ein unheimlicher Kunde ihr Büro und bietet Marie an, das Problem aus der Welt zu schaffen. Toni ist ein verurteilter Mörder, der eine lebenslange Haftstrafe verbüßt hat. Notgedrungen nimmt Marie seine Hilfe an und setzt damit eine albtraumhafte Spirale aus Hass und Gewalt in Gang. Durch ihren verzweifelten Versuch, aus den Fängen dieses brutalen Mannes zu entkommen, landet sie selbst auf der Todesliste..."

Fazit:
"Sei brav und stirb" ist das erste Buch von Simon Geraedts, das ich gelesen habe. Der Klappentext klang nach spannender Unterhaltung, wie geschaffen für einen gemütlichen Lesenachmittag.
Nach kurzer Zeit allerdings war es aus mit der Gemütlichkeit, denn Simon Geraedts schafft schon sehr früh eine Atmosphäre gespannter Erwartung. Der Leser weiß, dass etwas Schreckliches passieren wird und er es nicht wird verhindern können, aber ab diesem Moment hat man das Gefühl, ständig über die Schulter schauen zu müssen. Wie recht man mit dieser Vermutung hat, zeigt sich im Verlauf der Handlung, welche Dimensionen das Grauen annimmt, kann man aber nicht vorhersehen oder erahnen.

Ich hätte beinahe geschrieben, der Lesefluss ist sehr gut - das wäre aber zu nichtssagend, denn der Lesefluss ist eher zwingend - man hat keine Chance, zwischendurch zu pausieren, weil man nicht einmal ein einziges Auge vom weiteren Geschehen abwenden mag.

Der Autor hält dieses hohe Level an Atmosphäre und Spannung bis zum Schluss und fast ist man ein wenig erleichtert, wenn man das Ende erreicht hat und wieder durchatmen kann. Ich habe schon lange keinen derartigen Thriller mehr lesen dürfen und bin mehr als begeistert. Allerdings sollte man gewarnt sein: Der Thriller ist nichts für schwache Nerven und mitunter sehr plastisch - also vielleicht während des Lesens auf essen verzichten...

Simon Geraedts
"Sei brav und stirb"