Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Sonntag, 10. Februar 2019

[Rezension] Britta Orlowski - Solange deine Schatten flüstern

Kurzbeschreibung:
"Ben, dorfbekannter Bad Boy, verliert sich immer mehr in Alkohol und Gewalt. Als der Richter ihm Sozialstunden auf einem Schäfereihof aufbrummt, spielt Ben mit dem Gedanken, einfach abzuhauen. Doch dann trifft er auf die 17jährige Lavinia. Ben wird aus dem seltsamen Mädchen nicht schlau. Sie liebt es, sich im Stall und auf der Weide zu verkriechen, versteckt ihr Gesicht hinter einer riesigen Brille und beschäftigt sich ausgerechnet mit Handarbeiten. Ihr Hobby weckt ungewollte Erinnerungen in Ben: an das Patchwork und Quilten seiner Mutter und an eine längst vergangene Zeit, in der er die Sommerwärme noch spüren konnte."

Fazit:
"Solange deine Schatten flüstern" ist ein Jugendroman. Demnach bin ich gar nicht Teil der Zielgruppe...aber davon lässt man sich natürlich nicht abhalten, wenn man die Bücher der Autorin bisher immer gern gelesen hat.

Räumlich befinden wir uns in und um Bützer, in Brandenburg, wo ich bisher nur historisch in einem Buch von Britta Orlowski weilte. Wer "Liebe misst man nicht in Jahren" kennt, war aber auch in der Gegenwart schon vor Ort.

Unabhängig vom Alter, mag ich die Charaktere, die Britta Orlowski zum Leben erweckt und so verhält es sich auch in "Solange deine Schatten flüstern". Lebensecht und individuell - das gilt nicht nur für die Hauptcharaktere, sondern auch für Nebendarsteller. So bevölkert beim Lesen eine ganze Gruppe von Menschen den eigenen Kopf, die auch so in der Nachbarschaft wohnen könnten.

Allerdings lebt ein Buch natürlich auch von der Geschichte und nicht allein von den Charakteren. Hier ist besonders der Gegensatz reizvoll: Ben, der viel durchgemacht hat, das noch längst nicht verarbeiten konnte und so immer weiter in eine Welt abrutscht, die ihm nicht gut tut und auch sein Vertrauen in andere Menschen zerstört hat. Und nun trifft er auf ein natürliches Mädchen, das - obwohl auch auf dem Schäfereihof nicht alles heile Welt ist - doch behütet und liebevoll aufgewachsen ist.
Dazu kommen natürlich diverse Rätsel, die dem Leser im Kopf herumschwirren - was genau geschah damals, dass Ben im Dorf der Ruf eines Mörders vorauseilt? Was hat es mit der finsteren Clique auf sich, die ihm Böses will?

Entsprechend gut ist der Lesefluss und das Ende des Buches natürlich viel zu schnell erreicht. Und auch, wenn mir manches Teenagergehabe - was nur zeigt, wie realistisch Britta Orlowski es dargestellt hat - auf den Geist ging, habe ich sehr gern meine Zeit in Bützer verbracht.

Umso schöner, dass mit "Ein Kuchenstück zum Liebesglück" gerade der nächste Bützer-Roman der Autorin erschienen ist.

Britta Orlowski
"Solange deine Schatten flüstern"
erschienen im El Gato - Verlag

Samstag, 9. Februar 2019

[Rezension] Leo Born - Blinde Rache

Kurzbeschreibung:
"Tattoos, schwarze Kleidung, raue Schale: Mara Billinsky eckt an. Auch bei ihren neuen Kollegen in der Frankfurter Mordkommission, von denen sie nur "die Krähe" genannt wird. Niemand traut Mara den Job wirklich zu, schon gar nicht ihr Chef, der sie lieber auf Wohnungseinbrüche ansetzt. Aber dann erschüttert eine brutale Mordserie die Mainmetropole. Mara sieht ihre Chance gekommen. Sie will beweisen, was in ihr steckt. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln - und kommt dem Täter dabei tödlich nah..."

Fazit:
"Blinde Rache" ist der erste Teil der Reihe um die Kommissarin Mara Billinsky und ich kann schon an dieser Stelle sagen, dass ich sehr froh bin, dass der zweite Teil bereits in einigen Wochen erscheint.

Denn dieser Thriller besticht sowohl vom Plot als auch vom Charakter der Ermittlerin und leider kann man sich bei vielen Thrillern nur auf eines von beiden freuen.

Mara Billinsky ist definitiv jemand, den man nicht mehr vergisst. Ihre abwehrende Fassade, durch die sie oft direkt abgestempelt und in eine Schublade gesteckt wird, verbirgt nur ihre Unsicherheit. Dazu ist sie noch immer vom Tod ihrer Mutter traumatisiert und das Verhältnis zu ihrem Vater, einem angesehenen Anwalt, ist - gelinde gesagt - schwierig. Das alles gepaart mit dem Willen, der Welt zu beweisen, was sie kann und einer wachen Intelligenz, machen Mara zu einer Ermittlerin, die, einmal eine Fährte aufgenommen, nicht wieder davon ablassen kann.

Der Lesefluss ist sehr gut, denn die Handlung lässt keine Langeweile aufkommen. Spannend von Beginn an, wird das Kopfkino des Lesers auf die Probe gestellt - was und natürlich wer steckt dahinter? Wie passt alles zusammen? Nun gut, des Rätsels Lösung war mir zu schnell präsent für meinen Geschmack, sodass die Enthüllung der Identität keine Überraschung mehr war - das mag ich lieber anders herum, aber das ist so ziemlich auch der einzige Kritikpunkt, den ich äußern kann.

"Blinde Rache" ist ein spannender Thriller, der für die Zukunft der Mara Billinsky - Reihe noch viel erhoffen lässt.

Leo Born
"Blinde Rache"
erschienen in der Bastei Lübbe

Samstag, 2. Februar 2019

[Rezension] Sarah Saxx - Das Licht in meiner Dämmerung

Kurzbeschreibung:
"Eleonore Zander hat nicht nur den für sie wichtigsten Menschen verloren, sondern muss auch um ihr eigenes Leben fürchten. Auf der Flucht trifft sie auf den mürrischen Ethan McConnor, der zurückgezogen in den Wäldern am Fuße der Rocky Mountains lebt. Er bietet ihr Zuflucht an, als sie schwer traumatisiert und zu Tode verängstigt am Straßenrand kauert. Mit seinen langen Haaren und dem dichten Bart wirkt er eher wild als vertrauenerweckend. Sein Blick ist düster, beinahe angsteinflößend, und doch bleibt Eleonore nichts anderes übrig, als ihm zu vertrauen.

Fernab der Zivilisation begibt sie sich in den Schutz dieses Mannes, dessen raue Schale sie nach und nach durchdringt. Aus Angst wird Neugierde. Aus Neugierde Interesse. Und aus Interesse Wertschätzung sowie eine tiefe Zuneigung, mit der sie beide nicht gerechnet haben. Besonders Ethan nicht, der seit seiner Kindheit niemandem wirklich nahe sein kann. Trotzdem gelingt es Eleonore, sein versteinertes Herz auf eine Weise zu berühren, dass er sie um jeden Preis vor der drohenden Gefahr retten will. Zur Not auch mit seinem Leben."

Fazit:
In "Das Licht in meiner Dämmerung" geht es gleich spannend los - Elli ist auf der Flucht und wird verfolgt - die Männer, die vor ihren Augen ihren Bruder erschossen und sie gekidnappt haben, führen definitiv nichts Gutes im Schilde....da trifft sie auf Ethan und das Geschehen nimmt seinen Lauf.

Ethan ist rein optisch so überhaupt nicht mein Typ...ich mag weder lange Haare noch Bärte... schon gar keine Bärte....dazu seine grummelige griesgrämige Art - allerdings merkt der Leser schnell, dass mehr dahintersteckt und Ethans harsche Schale nur ihn selbst schützen soll. Elli, na Elli schließt man auf den ersten Blick ins Herz - anders geht es gar nicht.

Dass ich ein Fan der Bücher von Sarah Saxx bin, ist sicher nichts Neues, auch wenn ich gestehen muss, dass sich meine Begeisterung für die letzte Reihe in Grenzen hielt. Das wurde in "Das Licht in meiner Dämmerung" mehr als wett gemacht!

Mal von den Charakteren abgesehen, die - wie üblich - super gelungen sind, lebensecht, tiefgründig, unterschiedlich, ist allein schon die Landschaft es wert, das Buch zu lesen. Ich bin kein Freund von aussschweifenden Landschaftsbeschreibungen und das erspart Sarah Saxx dem Leser freundlicherweise auch, dennoch bekommt man beim Lesen einen guten Eindruck der ursprünglichen Waldlandschaft am Rande der Rocky Mountains. Und natürlich Ethans Behausung: ein Traum! Und das von mir, die ich unter extremer Höhenangst leide, aber allein die Vorstellung eine Baumhauses - also eines Holzhauses auf einer Plattform 20 Meter über dem Erdboden - finde ich grandios und hat mich ein wenig an Robin Hood erinnert.

Der Lesefluss ist sehr gut, denn die Handlung ist abwechslungsreich, sowohl aus Ethans als auch auch Ellis Sicht geschrieben und Langeweile kommt definitiv nicht auf. Zum einen durch die Reibereien von Ethan und Elli, zum anderen natürlich auch durch die Gefahr, in der Elli durchgehend  schwebt - denn die Kidnapper haben nicht vor, sie einfach entkommen zu lassen.

"Das Licht in meiner Dämmerung" ist eine gelungene Mischung aus Liebesroman und Spannung und schafft es, beidem gerecht zu werden.

Meine persönliche Lieblingsszene ist die, die dem Buch den Namen gab!

Wie immer nahm ich ungern Abschied von den liebgewonnen Protagonisten, freue mich aber gleichzeitig bereits auf neuen Lesestoff von Sarah Saxx.

Sarah Saxx
"Das Licht in meiner Dämmerung"

Samstag, 12. Januar 2019

[Rezension] Jeffery Deaver - Der Komponist

Kurzbeschreibung:
"Am helllichten Tag wird auf einer Straße in der New Yorker Upper East Side ein Mann überwältigt und entführt. Am Tatort bleibt ein Galgenstrick in Miniaturgröße zurück. Kurz darauf sorgt ein Video im Internet für Aufsehen: Man sieht live dabei zu, wie dem aufgehängten Opfer langsam die Luft abgeschnürt wird. Seine verzweifelten Atemzüge bilden den Hintergrund zu einem düsteren Musikstück. Als in Neapel eine ähnliche Entführung stattfindet, reisen der Forensikexperte Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs nach Italien und nehmen die Verfolgung auf. Denn solange der Täter nicht gefasst ist, wird die Musik des Grauens nicht verklingen..."

Fazit:
Bereits zum vierzehnten Mal darf der Leser Lincoln und Amelia bei der Ermittlung über die Schulter sehen. Bis auf eine Ausnahme ("Der Insektensammler") haben mir alle Teile ausnehmend gut gefallen.

Und auch bei "Der Komponist" haben wir es - zumindest in weiten Teilen - mit einem typischen "Lincoln-Rhyme" zu tun. Das ist keine Abwertung, sondern ein Gütesiegel.

Die Handlung ist spannend und die einzelnen Charaktere sehr unterschiedlich, aber bis ins Detail ausgearbeitet. So hat man es gleich mit mehreren sehr interessanten Personen zu tun. Ob dies der Forstwachtmeister Benelli oder Oberstaatsanwalt Dante Spiro ist, oder "Der Komponist", dessen besondere psychische Verfassung auch extrem interessant ist. Ebenso erfährt man immer wieder Dinge, derer man sich vorher nicht bewusst war. Ich zum Beispiel hatte keine Ahnung von der komplexen Ausrichtung der italienischen Polizei.

Und dann kommt es irgendwann zur Auflösung der Entführungen, zur Enttarnung des Komponisten und ... ließ mich tatsächlich ernüchtert und enttäuscht zurück. In der heutigen Zeit mag es so etwas tatsächlich geben oder es wäre zumindest möglich, aber das war nicht die Art von Auflösung, wie ich sie in einem Lincoln Rhyme - Thriller erwarte oder auch nur lesen wollen würde! Ich will natürlich nichts verraten, aber dennoch deutlich machen, dass dieses Detail meine Lesefreude doch erheblich beeinträchtigt hat.

Natürlich freue ich mich, wenn irgendwann der nächste Fall für Lincoln und Amelia erscheint, aber ich hoffe doch sehr, dass ich dann auch mit der Auflösung leben kann.

Jeffery Deaver
"Der Komponist"
erschienen bei Blanvalet

Freitag, 11. Januar 2019

[Rezension] Petra Schier - Flammen und Seide

Kurzbeschreibung:
"Rheinbach, 1673. Madlen Thynen weiß, dass Krieg herrscht. Als Tochter eines Tuchhändlers ist es unmöglich, die ausbleibenden Lieferungen zu ignorieren. Doch sie weiß nicht, was Krieg bedeutet. Bis er ihre Heimat erreicht...
Noch bevor die ersten feindlichen Truppen nahen, ist die Stadt Schauplatz des Konflikts zwischen Franzosen und Holländern: Ein Verräter hat sich hier eingenistet. Auf der Suche nach ihm kommt Madlens Jugendliebe zurück nach Rheinbach. Und bittet ausgerechnet ihren Verlobten um Hilfe.
Madlen sollte sich nicht zerrissen fühlen zwischen diesen beiden Männern. Und doch tut sie es. Wird sie nun selbst zur Verräterin? Und wenn ja, wen verrät sie: ihre Pflicht oder ihr Herz?"

Fazit:
Die historischen Romane von Petra Schier haben einen festen Platz in meinem Lesekalender. Sobald ein neues von ihr erscheint, muss ich es auch lesen. Zwar bin ich generell eher Leser von Reihen, aber auch die einzelnen historischen Romane von ihr haben mich noch nie enttäuscht.

"Flammen und Seide" ist tatsächlich der erste Roman der Autorin, der mich - nein, nicht enttäuscht hat - aber der mir nicht ganz so gut gefallen hat wie die bisherigen Bücher. Das kann ich an der Vorhersehbarkeit festmachen: Nach den ersten Seiten weiß man, wie das Buch ausgehen wird - zumindest in Bezug auf die Handlung von Madlen und ihrer Zerrissenheit zwischen zwei Männern. Das ist nicht ungewöhnlich und auch kein Grund zur Kritik. Allerdings war die allgemeine Handlung auch in weiten Teilen vorhersehbar - mir hat gefehlt, dass Petra Schier mich überrascht, dass Dinge zutage treten, mit denen ich nicht gerechnet habe - darauf musste ich lange warten.

Das klingt nun sehr negativ, so ist das gar nicht gemeint, denn das Buch hat mir gefallen! Der Lesefuss ist wie gewohnt sehr gut und die Charaktere ebenso! Madlen ist eine starke Persönlichkeit, wie wir es von den weiblichen Protagonisten der Autorin gewohnt sind. Sie ist sympathisch, intelligent und liebenswert. Auch die männlichen Charaktere sind gelungen. Meine Lieblingsperson ist übrigens keine der drei Hauptprotagonisten, sondern Madlens Vater, der nicht nur das Herz am rechten Fleck, sondern für die damalige Zeit auch eine sehr liberale Einstellung hat!

Auch die Mischung aus historischem Alltag und dem Weltgeschehen der Zeit ist gut gelungen, man fühlt sich mittendrin.
Auf den letzten 100 Seiten dann kam das, was ich mir vorher schon gewünscht hätte: einige Sachen, die aufgelöst wurden, waren anders, als ich es vermutet hatte - das hat für mich den Roman dann wieder wunderbar abgerundet.

Also auch wenn es einige Bücher der Autorin gibt, die mich mehr mitgerissen haben, ist "Flammen und Seide" ein wunderbarer historischer Roman!

Petra Schier
"Flammen und Seide"
erschienen im Rowohlt Verlag

Donnerstag, 10. Januar 2019

[Rezension] Markus Heitz - Doors


Kurzbeschreibung:
"Kann man in einem Haus verschwinden?
Die Spuren von Anna-Lena van Dam führen zwar eindeutig hinein in die seit Jahrzehnten leer stehende Villa ihres Großvaters - aber nicht wieder heraus.
Ihr Vater vermutet sie in einem geheimen Höhlensystem unter dem Haus und schickt ein Geo-Expertenteam aus, um seine Tochter zu suchen..."

Fazit:
Ich fand die Idee faszinierend - ein Buch, drei Möglichkeiten.... oder drei Bücher mit demselben Beginn, wie man es sehen möchte...

Der Anfang der Geschichte ist immer gleich und in jedem der drei Bücher vorhanden. In dem Moment, in dem das Expertenteam sich für eine Tür entscheidet, nimmt jede der drei Geschichten ihren eigenen Verlauf. Da mir die bisherigen Bücher, die ich von Markus Heitz gelesen habe, gezeigt haben, dass er immer für eine Überraschung gut ist, habe ich mich auf das Experiment eingelassen.

Offiziell kann man auch jedes Buch einzeln lesen. Hätte ich das getan, wäre es wohl enttäuschend gewesen. Denn natürlich ist die Handlung jedes Bandes für sich abgeschlossen, aber neben der Frage "Wo landet das Team? Was wird passieren?" lebt die "Doors"-Geschichte von den Charakteren der einzelnen Teammitglieder, die alle ihre ganz eigenen Geheimnisse und Gründe für die Teilnahme an der Expedition haben. Und in jedem Buch erfährt man nur näheres über einen Teil des Teams - für ein umfassendes Gesamtbild ist es also unabdingbar, alle drei Bücher zu lesen.
Darüber hinaus ist das Interessante ja gerade, welch unterschiedlichen Verlauf die Handlung jeweils nimmt und auch diesen Vergleich hat man nur, wenn man mehr als ein Buch liest. 

Das Lesen nur eines Bandes wäre im Idealfall eine nette Unterhaltung gewesen, im schlimmsten Fall lanweilig... denn ob einem die jeweilige Handlung gefällt, hängt stark davon ab, wie faszinierend man die Wirklichkeit findet, in der man im jeweiligen Buch landet.

Ich habe mit "? - Kolonie" begonnen, ohne vorher zu schauen, wohin es mich verschlagen wird. Herausgekommen bin ich im Deutschland der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts - soweit nichts Besonderes, allerdings ist es eine Parallelwelt, in der der Zweite Weltkrieg einen etwas anderen Verlauf genommen hat. "Kolonie" hat mir wirklich sehr gut gefallen, sodass ich im Anschluß direkt mit "! - Blutfeld" weitergemacht habe - Frühes Mittelalter des 9. Jahrhunderts. Diesen Band allerdings fand ich langatmig und auch langweilig und ich habe hin und her überlegt, ob es sich lohnen würde "X - Dämmerung" zu lesen. Letztendlich habe ich es natürlich dennoch getan und es war auch durchaus interessant, hat mich aber nicht wirklich mitgerissen.

Insgesamt finde ich die Idee der unterschiedlichen Handlungsverläufe noch immer sehr interessant, hätte mir aber eine Ausgestaltung gewünscht, die sich nicht allein auf das Konzept verlässt, sondern der einzelnen Handlung ebensoviel Aufmerksamkeit angedeihen lässt wie einem einzelnen Buch.

Markus Heitz
"Doors"
erschienen bei Droemer Knaur

Freitag, 4. Januar 2019

[Rezension] Christiane Lind - Zeit des Mutes

Kurzbeschreibung:
"Deutschland 1913: Die schüchterne Emma wird von ihrer Familie zu Verwandten nach England geschickt, um einen Skandal zu vermeiden. Auf Hazelwell Manor taucht Emma in eine neue, ihr fremde Welt und verliebt sich unglücklich in Percival, den jungen Lord. Ihre Liebe scheint aussichtslos, bis sie Zeugin eines tragischen Unglücks wird. Nun hat sie Percival in der Hand und zwingt ihn zur Ehe.
Auch dem jungen Dienstmädchen Lucy fällt es schwer, sich an all die Regeln in Hazelwell Manor zu halten. Doch sie braucht diese Arbeit, um für ihre Familie zu sorgen. Nach dem schicksalhaften Unglück muss Lucy das Herrenhaus und ihr altes Leben verlassen. In London ist sie verloren, bis sie auf die Suffragetten, die Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht, trifft.
Auch Emma ist mit ihrem Ehemann, der sie verachtet, nach London gezogen. Als sie Lucy wiedersieht, muss Emma sich entscheiden: Findet sie den Mut, die Wahrheit einzugestehen und ein eigenes Leben zu beginnen?"

Fazit:
"Zeit des Mutes" ist nicht nur die Geschichte von Emma, die versucht, sich in der Welt zurecht zu finden und dabei eine Menge über sich und die Gesellschaft lernen muss, sondern auch ein Zeugnis über den Kampf der Suffragetten für das Frauenwahlrecht.

Wenn ich "Suffragetten" höre, muss ich immer an Mrs. Banks denken, die Hausherrin in "Mary Poppins", die überzeugt vor sich hinsingend durchs Haus marschiert. Natürlich war mir bewusst, dass der Weg der Suffragetten nicht so unproblematisch und unterhaltsam war, wie es dort scheint. Wie extrem die Frauen aber von der Obrigkeit bekämpft wurden, bis hin zur Zwangsernährung im Gefängnis, wusste ich nicht. Und diese negativen Seiten des Kampfes um das Frauenwahlrecht transportiert Christiane Lind sehr eindrücklich. Mehr als einmal musste ich schlucken bei den Schilderungen.

Überhaupt gibt die Autorin in "Zeit des Mutes" einen umfassenden Einblick in das Leben zu der Zeit: der gewaltige Unterschied innerhalb eines Hauses - Herrschaft auf der einen Seite und Dienstboten auf der anderen lebten in komplett unterschiedlichen Welten und Verhältnissen. Und auch die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, die manch einem einen frühen Tod bescherten, bekommt der Leser zu "sehen".

Dass all dies nicht zu einem deprimierenden oder gar langweiligen Buch wird, ist - neben Christiane Lind - vor allem Emma zu verdanken. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich anfangs meine Schwieirgkeiten mit ihr hatte. Ihre Unbedarftheit und Naivität hat mich das ein oder andere Mal an den Rand des Wahnsinns gebracht. Aber umso umfassender ihr Wandel bzw. ihre Weiterentwicklung im Verlauf der Handlung.

All dies zusammengenommen ergibt einen Lesestoff, der mitreißt, mitnimmt, Emotionen unterschiedlichster Art hervorruft und bis zur letzten Seite mitfiebern lässt.

Christiane Lind
"Zeit des Mutes"
ISBN: 978-3-96443-403-6