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Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
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Jean Paul

Sonntag, 26. August 2012

Petra Schier - das Haus in der Löwengasse

Kurzbeschreibung:
Pauline Schmitz ist Waise. Nach dem Tod ihres Onkels auf sich gestellt, findet die junge Frau eine Anstellung als Gouvernante in Bonn. Der Hausherr hat Hintergedanken: Als sich Pauline gegen seine Nachstellungen zur Wehr setzt, steht sie plötzlich auf der Straße - mit nicht mehr, als in einen Koffer passt. Mittellos und ohne Beziehungen droht Pauline das Schlimmste.

Dann kommt ihr das Glück zur Hilfe: Der Kölner Textilfabrikant Reuther nimmt sie in seine Dienste. Und er verliebt sich in sie. Doch Julius Reuther braucht eine Frau mit Geld, will er sein Unternehmen retten. Und Pauline muss sich entscheiden: Folgt sie ihrem Herzen und lebt ein Leben als Mätresse im Verborgenen? Oder geht sie ihren eigenen Weg?

Fazit:
Wir begegnen Pauline im Jahr 1823. Pauline ist für ihre Zeit und eine Frau ungewöhnlich gebildet. Dies verdankt sie ihrem verstorbenen Onkel, der sie nach dem Tod ihrer Eltern aufzog und nichts dabei fand, einem Mädchen eine umfassende Bildung zu vermitteln - ein sehr fortschrittlicher Gedanke für die damalige Zeit. Leider verstirbt der Onkel und lässt Pauline beinahe mittellos zurück. So sieht Pauline sich gezwungen, sich eine Stellung zu suchen und hofft, als Gouvernante ihr Auskommen zu finden. Dies entwickelt sich dann anders als gedacht und nach einer Nacht im Gefängnis, findet sie sich ohne Zeugnisse in Köln wieder  - wie soll es jetzt weitergehen?

Die Geschichte an sich ist nicht überraschend - bereits nach den ersten 50 Seiten ist im Grunde klar, wie sie enden wird. Aber ehrlich gesagt, ist das vollkommen egal und tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch.
Bereits nach wenigen Seiten fühlt man sich als Teil der Geschichte und begleitet Pauline auf ihrem Weg in Köln. Intelligent und gebildet, ist sie doch auch dickköpfig und eigensinnig. Das macht sie als Charakter interessant und man fühlt sich ihr verbunden. Auch Julius Reuther, der Pauline in diesen Eigenschaften gleicht, ist ein Charakterkopf der Geschichte, von der Autorin treffend und klar skizziert. Überhaupt hat die Autorin ein tolles Händchen dafür, die Figuren ihrer Geschichte vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen, so konnte ich in der Tat Pauline, Julius, den guten Jakob, den schmierigen Elmar Schitzler und all die anderen Personen der Geschichte, so sehen, als würden sie vor meinem Fenster vorbeilaufen.

Ein historischer Roman, in dem natürlich Liebe ein Hauptthema ist, aber auch die damit verbundenen Entscheidungen, der Kampf zwischen Verstand und Herz und all die vielen zwischenmenschlichen Unebenheiten des Lebens - all dies verpackt in einen Schreibstil, der es schafft, diese Geschichte nicht kitschig wirken zu lassen.

Eine Geschichte wie eine warme Wolldecke - bestens geeignet, um sich im kommenden Leseherbst darin einzuwickeln und sich wärmen zu lassen.

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