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Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Mittwoch, 15. August 2012

David Mark - Sterbensangst

Vielen Dank an die Ullstein Buchverlage und BloggDeinBuch für diesen Krimi!

Kurzbeschreibung:
Aector McAvoy ist Polizist. Ein guter Polizist. Und er muss einen Mörder jagen. Seit Wochen versetzt der die abgelegene nordenglische Küstenstadt Hull in Angst und Schrecken. Niemand ahnt, wann er wieder zuschlagen wird, welches Opfer er wählen wird. Aber dann beginnt McAvoy zu verstehen. Er folgt einem Mann, der eine Mission hat: Er will Gerechtigkeit. Um jeden Preis. Bleibt McAvoy ihm auf den Fersen, riskiert er alles: seinen Job, seine Familie, sein Leben...

Fazit:
David Mark entführt uns in eine unwirtliche Gegend Englands, in eine nichtssagende Kleinstadt, wo ein farbiges Mädchen in einer Kirche umgebracht wird. Und das auch noch kurz vor Weihnachten - die Empörung der Bevölkerung ist groß und der Druck auf die örtliche Polizei entsprechend hoch. Problematisch, wenn die Polizei nach internen Erschütterungen noch nicht wieder zu ihrer gewohnten Form gefunden hat...

David Mark kann mit Sprache umgehen, das merkt man von der ersten Seite an. Hull, diese austauschbare englische Kleinstadt, entsteht vor den Augen des Lesers mit allen Bewohnern, die einem im Laufe der Handlung begegnen. Entsprechend gut ist der Lesefluss, langsam - fast unmerklich - aber stetig wird man von diesem Buch eingesogen, bis man es irgendwann nicht mehr aus der Hand legen kann, weil man spürt, dass noch etwas auf den weiteren Seiten lauert - und man wird nicht enttäuscht.

Die Handlung ist flüssig, spannend - immer wieder unterbrochen von den Schattenseiten der Ermittlung, Recherche, Gedankenaustausch - alles wirkt real. Auch die Beschreibung der Polizeihierarchie: die Oberen, denen es mehr um den Ruf und die Statistik geht, als um Gerechtigkeit; Kollegen, die von sich selbst so eingenommen sind, dass sie nicht offen genug sind für Intuition oder Erkenntnisse anderer; gute Polizisten, schlechte Polizisten, desillusionierte Polizisten.
Sehr ansprechend finde ich den Charakter der Trish Pharaoh, McAvoys Vorgesetzte - smart, mit beiden Füßen im Leben stehen, balanciert sie gekonnte Berufs- und Privatleben und lässt sich von männlichen Kollegen nicht die Butter vom Brot nehmen - auch erkennt sie McAvoys Qualitäten, die von anderen leicht übersehen werden.

Damit kommen wir zur Person des Aector McAvoy, der Hauptprotagonist dieses Buches, das der erste Teil einer Serie um eben diesen Ermittler ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Ermittlern, die einem in Krimis und Thrillern begegnen, haben wir hier keinen zynischen, psychisch angeschlagenen Ermittler. Ganz im Gegenteil - McAvoy ist ein Gutmensch. Im Buch wird er oft als "sanfter Riese" bezeichnet: extrem hochgewachsen mit einem immensen Brustkorb, aber sanften Augen. Liebevoller Ehemann und Vater, der Frau und Sohn hingebungsvoll zugetan ist; guter Polizist: bestrebt einen echten Beitrag zu leisten, für Gerechtigkeit in der Welt zu sorgen.
Wahrscheinlich liegt genau da mein Problem mit ihm - ich MAG psychisch angeknackste Ermittler, das macht sie charismatisch und menschlich, zeigt, dass sie auch nicht unverwundbar sind und der dauernde Umgang mit dem Bösen sie nicht unversehrt bleiben lässt. McAvoy hingegen ist gut, zu gut, um charismatisch zu sein, ein Weichei, das auch noch unter Selbstwertproblemen leidet und sich von arroganten Kollegen herumschubsen lässt, ohne aufzumucken. Als seine schlechteste Eigenschaft kann man wohl nur sein Bestreben bezeichnen, für Gerechtigkeit sorgen zu müssen, vielleicht noch eine gewisse Eitelkeit, dass er nur sich selbst für fähig dafür hält.
Aber all jene, die in der Vergangenheit geklagt haben, dass es nur noch Ermittler gebe, die psychische Wracks seien, freuen sich bestimmt über Aector McAvoy!

Alles in allem ein lesenswerter Krimi, der mich gut unterhalten und gefesselt hat.

Bestellen könnt ihr "Sterbensangst" von David Mark auch direkt beim Verlage: zum Buch

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