Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Samstag, 27. Mai 2017

[Rezension] Sarina Bowen - Harter Fall, weiche Landung [ebook]

Kurzbeschreibung:
"Bad Boy Hank "Teufelskerl" Lazarus hatte alles: eine wunderschöne Freundin, eine Karriere als Freestyle Snowboarder und einen Platz im Olympiateam. Doch vor neun Monaten wachte er nach einem schlimmen Unfall in der Halfpipe in einem Krankenhaus auf, unfähig seine Beine zu bewegen. Jetzt ist er wieder dort gelandet, ein weiteres Mal gegen seinen Willen. Denn obwohl seine Familie ihn dazu drängt, eine neue, innovative Behandlung zu versuchen, therapiert sich Hank lieber selbst - mit Unmengen Tequila.

Ärztin Dr. Callie Anders hat den Mut, das Herz eines Patienten mit einem tausend Volt Stromstoß neu zu starten, aber bei ihrem eigenen Herzen ist sie nicht so tapfer. Dem neuen Klinikpatienten verrät sie nicht, dass sich die beiden bereits vor seinem Unfall getroffen haben, eine Begegnung, an die er sich nicht mehr erinnert. Selbst als sich zwischen ihnen eine Freundschaft entwickelt, gesteht sie sich nicht ein, dass sie es bereut seine Einladung zum Abendessen ausgeschlagen zu haben oder dass ihr Herz jedes Mal höher schlägt, wenn diese tätowierten Schultern durch den Eingang des Therapiezentrums rollen.

Ein weiterer Winter in Vermont steht bevor und Hank braucht eine helfende Hand, die ihn unter der Lawine von Enttäuschungen hervorholt. Wenn Callie doch nur mutig genug wäre, die Herausforderung anzunehmen."

Fazit:
"Harter Fall, weiche Landung" ist nach "Kalte Nächte, warme Herzen" das zweite Buch von Sarina Bowen, das ich gelesen habe. Auch wenn "Harter Fall, weiche Landung" komplett eigenständig ist und keinerlei Vorkenntniss bedarf, trifft man als Leser von "Kalte Nächte, warme Herzen" auf bekannte Gesichter. Denn Dr. Callie Anders, unsere weibliche Hauptprotagonistin ist dem Leser als beste Freundin von Willow bekannt, der weiblichen Hauptperson aus "Kalte Nächte, warme Herzen" und Willow und Dane kommen zwischenzeitlich auch zu Besuch, was natürlich schön ist!

Aber wie gesagt, "Harter Fall, weiche Landung" ist ein komplett eigenständiger Roman und obwohl er im Skigebiet Vermont spielt, eine perfekte Sommerlektüre!
Zumindest mir geht es so, dass ich im Frühjahr und Sommer vermehrt unterhaltsame Liebesromane lesen, die unterhalten und das Herz wärmen.

Der Lesefluss ist sehr gut, was zum einen an den unterschiedlichen Perspektiven liegt - wir erfahren die Geschichte sowohl aus Callies als auch aus Hanks Sicht - an den kurzen Kapiteln und natürlich an dem wunderbaren trockenen Humor von Sarina Bowen.

Die Ansprüche, die ich an einen Liebesroman stelle, sind überschaubar: ich möchte gut unterhalten werden, aber ohne Kitsch! Ich möchte humorvolle Protagonisten, ohne Albernheiten! Und ich möchte Gefühl, knisternde Spannung und ein Happy End ohne Schmalz!

Entsprechend ist "Harter Fall, weiche Landung" für mich ein nahezu perfekter Kandidat, denn Sarina Bowen erfüllt meine Erwartungen komplett - nur ein wenig länger hätte die Geschichte sein dürfen!

Sarina Bowen
"Harter Fall, weiche Landung"
das Buch erscheint am 31.05.2017

Donnerstag, 25. Mai 2017

[Verlagsvorstellung] Wunderhaus Verlag

Eigentlich wollte ich eine Rezension zu "Das tapfere Schneiderlein" in der Ausgabe des Wunderhaus Verlags schreiben.

Allerdings erschien mir das beim Schreiben ein bißchen wenig, da es den Fokus auf dieses eine Buch legen würde. Das besondere an dem Buch ist aber eigentlich nicht die Geschichte, die den meisten Lesern aus ihrer eigenen Kindheit natürlich bekannt sein dürfte, sondern die spezielle Aufmachung.

Und dieses Spezielle bezieht sich eben nicht nur auf "Das tapfere Schneiderlein", sondern auch auf die anderen Bücher des Verlags.

Der Wunderhaus Verlag, dem ihr auch auf seiner Facebook-Seite folgen könnt, ist ein noch sehr junger Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, neue Horizonte in der Kinderliteratur und Buchillustration zu eröffnen.

Im Grundschulalter habe ich eine Gesamtausgabe der Märchen der Gebrüder Grimm bekommen und diese wieder und wieder gelesen. Viele von euch werden die Faszination, die diese und ebenso natürlich Andersens und Hauffs Märchen auf mich hatten, nachvollziehen können.

Als Mutter habe ich in den letzten Jahren festgestellt, dass nicht jeder den Buchstaben ebenso verfallen ist wie ich. Meine Kinder haben von klein auf mehr wert auf begleitende Illustrationen gelegt, die ihnen ebenso wichtig waren wie der erzählende Teil. So durfte ich feststellen, dass es illustrierte Kinderbücher gibt und, dass es wunderschön illustrierte Kinderbücher gibt.

Doch selbst bei den wunderschön illustrierten Kinderbüchern gibt es noch Abstufungen - das ist spätestens dann klar, wenn man, wie ich "Das tapfere Schneiderlein" des Wunderhaus Verlags in Händen hält.

Denn die detailreichen, komplexen Bilder, mit denen das Grimmsche Märchen begleitet wird, erzählt praktisch nicht nur die eigentliche Geschichte selbst, sondern noch viel mehr darum herum. Anton Lomaev, der Illustrator, hat es geschafft, dass man Stunden damit verbringen kann, die großformatigen Zeichnungen zu betrachten und immer noch etwas Neues findet.

Ihr merkt, ich bin schwer begeistert!

"Das tapfere Schneiderlein" ist in der Rubrik "unendliche Welten" erschienen, in der klassische Märchen von berühmten Künstlern aus aller Welt illustriert werden.

Ebenfalls erschienen ist bereits "Die kleine Meerjungfrau" von Hans-Christian Andersen, ebenfalls von Anton Lomaev illustriert. Keine Frage, dass "Die kleine Meerjungfrau" bereits dringend vom Nachwuchs gewünscht wird.

Als nächstes ist eine Auflage von "Rotkäppchen" geplant, bei der man davon ausgehen darf, dass auch sie ebenso wunderbar und einzigartig wird.

Neben der Rubrik "Unendliche Welten" gibt es auch noch "Holly Pond Hill", eine charmant illustrierte Tierwelt, die mich ein wenig an "Der Wind in den Weiden" erinnert und wo es um Liebe, Freundschaft und gute Laune geht.

Neben Büchern und anderen Papiererzeugnissen gibt es auch noch die Wunderkarten - ganz spezielle Grußkarten - die solltet ihr euch besser selber einmal ansehen: Wunderkarte

[Rezension] James Islington - Das Erbe der Seher

Kurzbeschreibung:
"Vor zwanzig Jahren gelang es den vereinigten Reichen in einem blutigen Krieg, die tyrannischen Auguren, mächtige Seher mit scheinbar unbegrenzter Macht, zu vernichten. Jene, die ihnen dienten - die Begabten -, wurden nur verschont, weil sie sich dem neuen Gesetz unterwarfen, das ihre Macht beschränkte. So wachsen der junge Begabte Davian und seine Freunde in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Macht der Auguren verfügt, steht nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel: Denn im Norden regt sich ein Feind, den man zu lange besiegt glaubte."

Fazit:
"Das Erbe der Seher" ist der Auftakt der "Licanius"-Saga von James Islington. Gleichzeitg ist es das Debüt des australischen Autoren und wenn so ein Debüt aussieht, dann bin ich schon jetzt gespannt auf weitere Werke von ihm.

Wie bei jeder High Fantasy - Geschichte, ist man als Leser anfangs damit beschäftigt, sich mit dieser fremden Welt vertraut zu machen, die Zusammenhänge und Existenzen zu verstehen. Das ist natürlich auch hier der Fall, denn James Islington entführt den Leser in eine sehr komplexe Welt, voll von rivalisierenden Machtbefugnissen, Intrigen, Intrigen und Intrigen.

Mitten darin Davian, der vollkommen naiv und unerfahren in etwas hineinstolpert, dass er sich so sicher nie hätte vorstellen können. Als Leser kommt man, gerade wegen Davian, sehr schnell und gut in die Geschichte hinein, denn Davian ist, wie alle Hauptprotagonisten der Saga, sehr bildhaft und nachvollziehbar charakterisiert.

Erzählt wird die Saga aus unterschiedlichen Perspektiven, von denen Davian, auch wenn der Leser ihm sehr früh begegnet, nur eine darstellt. Die anderen Protagonisten, aus deren Sicht wir die Welt von Andarra erleben, sorgen dafür, dass man die Komplexität der ganzen Geschichte gut erfassen und den vielen Windungen folgen kann, ohne dass es verwirrend wird.

Der Lesefluss ist extrem gut, denn der Autor versteht es, das Interesse des Lesers wach zu halten, die Spannung immer weiter ansteigen zu lassen und wenn man glaubt, jetzt würde ein Ende herbeigeführt, schließt das Buch derart offen, dass man eigentlich nur weiterlesen will!

"Das Erbe der Seher" ist definitiv ein gelungenes Debüt und ich warte gespannt auf die Fortsetzung der "Licanius"-Saga!

James Islington
"Das Erbe der Seher"
ISBN: 978-3-426-52095-6
erschienen bei Knaur

Montag, 22. Mai 2017

[Rezension] Nora Roberts - Schatten über den Weiden

Kurzbeschreibung:
"Ein Brief von ihrer totgeglaubten Mutter führt Kelsey nach Virginia. Jahrelang saß Naomi für einen ungeklärten Mord im Gefängnis. Auf dem Gestüt lernen sich die beiden Frauen langsam kennen, und Kelsey entdeckt ihre Leidenschaft für Pferde. Dabei kommt sie auch dem attraktiven Gabe Slater vom Nachbarhof näher. Doch das idyllische Landleben trügt. Als Kelsey versucht, das Geheimnis ihrer Mutter zu entschlüsseln, beginnen sich die Geschehnisse von damals auf mysteriöse Weise zu wiederholen."

Fazit:
"Schatten über den Weiden" ist ursprünglich bereits Mitte der 90er Jahre erschienen und wurde nun neu aufgelegt.
Dass man sich in der Ära vor Smartphones, Internet, etc bewegt, wird bereits am Anfang deutlich, denn wer recherchiert heute noch etwas in einem Zeitungsarchiv?

Man sollte durchaus einen Hang zu Pferden haben, denn da der Großteil der Handlung im Geschehen um Pferdezucht und Pferderennen stattfindet, sind die Vierbeiner ein allgegenwärtiges Gesprächsthema und das kann auf jemanden ohne Pferdeleidenschaft mitunter erschlagend wirken.

Die Handlung an sich ist unterhaltsam und gegen Ende auch durchaus spannend. Die Charaktere sind etwas schwarz/weiß gehalten - der Bösewicht ist schnell als solcher zu erkennen und von wem man anfangs denkt, dass er keiner Fliege etwas zuleide tun kann, der wird sich auch hinterher als Unschuld herausstellen.

Die Geschichte war für meinen Geschmack zu vorhersehbar, hat aber durchaus eine Menge Charme. Die Romane der letzten Jahre von Nora Roberts gefallen mir zwar besser, aber "Schatten über den Weiden" beschert dennoch eine gute, solide Romanunterhaltung.

Nora Roberts
"Schatten über den Weiden"
ISBN: 978-3-453-35917-8
erschienen im Diana Verlag

Samstag, 20. Mai 2017

[Rezension] Ben Aaronovitch - Der Galgen von Tyburn

Kurzbeschreibung:
"Wie man einem gesichtslosen Magier zu Leibe rückt, was die Bewohner von Londons teuerster Immobilie so treiben und wie ungünstig es sein kann, wenn man Lady Tyburn einen Gefallen schuldet - diese und noch mehr erfreuliche Erkenntnisse warten bei seinem neuen Fall auf Police Constable Peter Grant. Einen Einblick ins Leben der Reichen und Schönen von London gibt es gratis dazu. Und die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten sollte er bei all dem möglichst auch noch."

Fazit:
Peter Grant ist zurück!
Ich weiß, dass man Ben Aaronovitch's Schreibstil entweder liebt oder hasst, aber als Fan der ersten Stunde habe ich bereits sehnsüchtig auf den sechsten Band der Reihe um die magischen Polizisten Peter Grant und natürlich Nightingale gewartet!

Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte definitiv mit dem ersten Band beginnen, da alle Entwicklungen Personen, Verpflichtungen und Gottheiten betreffend, sich nach und nach in den Bänden aufbauen und ich glaube nicht, dass man ohne Vorkenntnisse der Vorgänger wirklich durchblickt und die komplette Handlung würdigen kann.

Ben Aaronovitch hat einen besonderen Schreibstil, der - neben unseren Hauptcharakteren - viel von der Faszination der Reihe ausmacht. Ihm einen leichten Hang zur Ironie zu unterstellen, wäre definitiv ein Euphemismus. Da ich persönlich genau diesen humorig formulierten Sarkasmus liebe, ist die Reihe natürlich wie für mich gemacht. Darüber hinaus ist gerade Nightingale eine extrem faszinierende Persönlichkeit und Peter hat sich in den bisherigen Bänden auch deutlich gemausert.

Nachdem wir im fünften Band außerhalb Londons unterwegs waren, sind wir nun zurück an der Wirkungsstätte des Gesichtslosen, unseres altbekannten Bösewichts.
Der Lesefluss ist hervorragend und der Verlauf der Handlung unmöglich vorherzusehen. Bei einem humorigen Schreibstil dennoch Spannung erzeugen zu können ist eine Kunst, von dessen Beherrschung uns der Autor noch immer überzeugen konnte - so auch in "Der Galgen von Tyburn".

Mir vollkommen unverständlich, wie man diese Reihe nicht lieben kann, lege ich sie jedem aufgeschlossenen Leser wärmstens ans Herz!

Ben Aaronovitch
"Der Galgen von Tyburn"
ISBN: 978-3-423-21668-5
erschienen bei dtv

[Rezension] Blake Crouch - Dark Matter - Der Zeitenläufer

Kurzbeschreibung:
""Bist du glücklich?" Das sind die letzten Worte, die Jason Dessen hört, bevor ihn ein maskierter Mann niederschlägt. Als er wieder zu sich kommt, begrüßt ihn ein Fremder mit den Worten: "Willkommen zurück, alter Freund." Denn Jason ist in der Tat zurückgekehrt - doch nicht in sein eigenens Leben, sondern in eines, das es hätte sein können. Und in diesem Leben hat er seine Frau nie geheiratet, sein Sohn wurde nie geboren. Und Jason ist kein einfacher College-Professor, sondern ein gefeierter Wissenschaftler. Doch ist diese Welt real? Oder ist es die vergangene Welt? Wer ist sein geheimnisvoller Entführer? Und vor die Wahl gestellt - was will er wirklich vom Leben: Familie oder Karriere?
Auf der Suche nach einer Antwort begibt Jason sich auf eine ebenso gefährliche wie atemberaubende Reise durch Zeit und Raum. Eine Reise, die ihn am Ende auch mit den dunklen Abgründen seiner eigenen Seele konfrontieren wird..."

Fazit:
Auch wenn Blake Crouch als Autor in den USA bereits ein Begriff ist, hatte ich bisher noch nie von ihm gehört. Da mich die Grundthematik des Buches - "Was wäre wenn? Wie wäre das Leben verlaufen, wenn man sich an einer Stelle anders entschieden hätte?" - fasziniert, habe ich mich mit Jason auf die Reise gemacht.

Dass die Filmrechte am Buch bereits verkauft sind, wundert den Leser bereits nach wenigen Seiten nicht mehr. Denn es ist durchaus augenfällig, dass Blake Crouch in einer sehr plakativen Art und Weise die Szenen im Kopf des Lesers entstehen lässt - das Buch schreit nahezu nach einer Verfilmung im Stile von Jason Bourne. Als Leser muss man diesen Schreibstil mögen oder sich zumindest daran gewöhnen.

Die Story selbst ist extrem interessant und darüber hinaus bringt Blake Crouch einiges an Action und Spannung ein. Das Konstrukt, das er im Kopf des Lesers entwickelt, dass es viele unterschiedliche Parallelexistenzen eines Selbst gibt, ist genauso erschreckend wie faszinierend, da es unendlich viele Möglichkeiten offeriert.

Der Lesefluss ist sehr gut und gerade unser Hauptprotagonist Jason Dessen sehr vielschichtig charakterisiert. Er hat seine Fehler und Schwächen, Wünsche und Sehnsüchte - er ist ein ganz normaler Mensch, der plötzlich in etwas hineingerät, was er sich nie hätte vorstellen können. "Dark Matter - Der Zeitenläufer" ist ein Kampf Gut gegen Böse - allerdings kämpft Jason für das Gute und gegen das Böse in sich selbst.

Gegen Ende wird die Handlung für meinen Geschmack etwas sehr überspitzt und irreal, ist aber dennoch eine logische Entwicklung der vorhergehenden Handlung.

"Dark Matter - Der Zeitenläufer" von Blake Crouch ist ein spannendes, mitreißendes und auch zum Nachdenken anregendes Buch, das vom Leser einiges an Vorstellungsvermögen verlangt.

Blake Crouch
"Dark Matter - Der Zeitenläufer"
ISBN: 978-3-442-20512-7
erschienen im Goldmann Verlag

Sonntag, 14. Mai 2017

[Rezension] Sandra Florean - Die Seelenspringerin - Machtspiele

Kurzbeschreibung:
"Alles hat seinen Preis auf dieser Welt.
Gewalt und unsägliche Qualen sind für Tess zum grausigen Alltag geworden. Die junge Frau verfügt über die unkontrollierbare Gabe, in die Seelen übernatürlicher Wesen zu springen, und wird dabei immer wieder Zeugin von Verbrechen.   Bei einem ihrer Seelensprünge entdeckt sie zu ihrem Entsetzen ein ihr bekanntes Gesicht. Wergepard Fin befindet sich in den Händen skrupelloser Entführer. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn sobald der Vollmond am nächtlichen Himmel steht, kann es für den jungen Mann bereits zu spät sein..."

Fazit:
"Machtspiele" ist der zweite Teil der Reihe "Die Seelenspringerin" von Sandra Florean. Tess, eine junge Frau, springt immer wieder in die Seelen fremder Personen - allerdings nur, während diese üble Verbrechen begehen.

Zum besseren Verständnis von Tess' Situation ist es hilfreich, die Reihe mit dem ersten Band "Abgründe" zu beginnen, da man dort alle wichtigen Charaktere von Beginn an kennenlernt.

Wer hätte gedacht, dass ich mich einmal über die Präsenz von Vampiren freuen würde! Denn einer der interessantesten Protagonisten, neben Tess natürlich, ist Octavian, das Oberhaupt der heimischen Vampirwelt. Dieser mit Abstand charismatischste und geheimnisvollste Charakter der Reihe, verheißt sowohl in "Machtspiele" als auch für die Zukunft eine Menge eigenwilliger Ereignisse.

Neben den Vampiren stehen in "Machtspiele" ganz klar die Gestaltwandler im Vordergrund. Nun bin ich generell kein großer Freund von paranormalen Charakteren, insbesondere von Gestaltwandlern. Daran hat sich auch nach dem Lesen nichts geändert, aber es hat meine Lesefreude auch in keinster Weise getrübt. Denn ob Vampir, Mensch oder Gestaltwandler: die Protagonisten in Sandra Floreans Fiktion sind immer vielschichtig, nachvollziehbar und einnehmend angelegt, sodass die äußere Form zur Nebensache wird.

Der Lesefluss ist gewohnt gut, sodass man natürlich viel zu schnell das Ende des aktuellen Abenteuers erreicht. Tauschen möchte man mit Tess sicher nicht, denn was sie und dadurch der Leser, in diesem Buch an Gräueln zu Gesicht bekommt, ist nichts für zarte Seelen.

Für meine Geschmack hätte ein bißchen mehr Jim vorkommen dürfen - im Gegensatz zum ersten Teil hat er hier eindeutig nur eine Nebenrolle, was ich schade finde, da ich Jim und auch die Energie zwischen Jim und Tess sehr gern habe.

Nach dem zweiten Teil ist vor dem dritten und so freue ich mich schon jetzt auf ein Wiederlesen mit Tess und ihren Gefährten.

Sandra Florean
"Die Seelenspringerin - Machtspiele"
erschienen im Drachenmond Verlag

Samstag, 6. Mai 2017

[Rezension] David Hair - Die Brücke der Gezeiten - Der Unheilige Krieg

Kurzbeschreibung:
"Der Krieg tobt um die Mauern der heiligen Stadt Shaliyah und auf dem ganzen Kontinent, aber die Truppen des Ostens schöpfen neue Kraft - und der Kampf um Urte ist noch nicht entschieden. Denn der Schlüssel zum Sieg befindet sich nicht in den Waffen der Soldaten, sondern in einem uralten Artefakt. Doch das liegt in den Händen von Ramita. Sie, die Witwe des größten Magiers aller Zeiten, trägt die Macht in sich, den Krieg zu beenden - oder die Welt zu zerreißen."

Fazit:
Ich bin bekanntermaßen kein großer Fan von High Fantasy. Abgesehen von "Das Lied von Eis und Feuer", um das wohl kaum jemand drumherum kommt, ist David Hairs Saga "Die Brücke der Gezeiten" bisher tatsächlich die einzige High Fantasy - Reihe, die mich von Anfang an gepackt hat. Entsprechend gefreut habe ich mich über das Erscheinen von "Der Unheilige Krieg", der mittlerweile sechste Band der Reihe.

Aufgrund der Komplexität von David Hairs Fantasywelt und der Verstrickungen der Hauptprotagonisten untereinander, kann ich nur jedem dazu raten, die Reihe von Beginn an zu lesen.

Wie zuvor setzt der Band direkt da an, wo der Vorgänger aufhörte und auch hier sorgen die unterschiedlichen Perspektiven dafür, dass keine Langeweile aufkommt und das Buch viel zu schnell vorüber ist. Entsprechend gut ist der Lesefluss.

Ein sechster Band setzt bei mir gewisse Erwartungen frei, gerade, wenn die vorherigen Bücher alle diesen Sog hatten, der mich direkt mit in das Geschehen nahm. Leider lässt genau dies oft im Verlauf einer Reihe nach und möglicherweise kommt auch David Hair irgendwann an diesen Punkt - allerdings definitiv nicht in diesem Band.

Die gesamte Reihe, ebenso wie dieser Band, sind spannend, mitreißend, komplex und machen definitiv süchtig - nicht nur etwas für High Fantasy - Fans!

David Hair
"Die Brücke der Gezeiten - Der Unheilige Krieg"
ISBN: 978-3-7341-6076-9
erschienen bei blanvalet

[Rezension] Rainer Löffler - Der Näher

Kurzbeschreibung:
"In der Nähe von Köln verschwinden zwei schwangere Frauen. Martin Abel, Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, übernimmt die Ermittlungen. Kurz darauf werden die Leichen einer Mutter und ihres Kindes in einem unterirdischen Hohlraum entdeckt. Es handelt sich um eine Frau, die vor Jahren verschwunden ist. Dann taucht eine der beiden vermissten Frauen wieder auf und gibt erste Hinweise auf den Täter. Martin Abel muss sich in eine Welt zerstörerischer Fantasien hineindenken. Denn der Mörder tötet seine Opfer nicht nur, er pflanzt ihnen auch etwas in den Körper..."

Fazit:
"Der Näher" ist der dritte Teil von Rainer Löfflers Reihe um den Fallanalytiker Martin Abel. Als Abel-Fan der ersten Stunde habe ich lange auf das Erscheinen seines nächsten Falls warten müssen - im Nachhinein bin ich aber doch froh, dass das Buch jetzt und nicht bereits vor einem Jahr erschienen ist, wo Schwangerschaft und Geburt gerade hinter mir lagen. Entsprechend kann ich allen Schwangeren nur raten, ein wenig mit dem Lesen zu warten. Auch für generell zart Besaitete ist "Der Näher", genau wie Abels vorherige Fälle, mit Sicherheit nicht die richtige Lektüre!

Obwohl es natürlich immer besser ist, Protagonisten von Anfang an kennenzulernen, sehe ich kein Problem, "Der Näher" zu lesen, zu verstehen und zu genießen, wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt.

Der Lesefluss ist sehr gut, wodurch man sehr schnell mitten im Geschehen ist. Unser Hauptcharakter Martin Abel war noch nie der, der Wert auf die Meinung anderer über sich legte und daran hat sich auch jetzt nichts geändert. So tritt er den ersten Leuten bereits auf die Füße, als er noch gar nicht richtig angekommen ist.

Ohne zuviel über den weiteren Handlungsverlauf verraten zu wollen - einmal dem Grauen begegnet, lässt sich das Buch praktisch nicht mehr aus der Hand legen. Ich hatte recht bald einen Verdacht, hervorgerufen durch eine eigentlich belanglose Szene im Buch und ich bin davon überzeugt, dass Rainer Löffler genau dies bezweckt hatte - natürlich war alles ganz anders, als von mir gedacht und neben Spannung und Nervenkitzel ist es genau das, was ich an guten Thrillern liebe - wenn ich gutgläubig dem subtil gelegten Holzweg des Autoren folge!

Ich hätte ohne zu Zögern mit einem etwaigen Nachfolgeband direkt weitergelesen, so dieser vorhanden wäre, allein schon, weil die Entwicklung der persönlichen Umstände Abels für den nächsten Band eine Menge Grauenspielraum schaffen.

Einziger kleiner Wermutstropfen meinerseits ist, dass durch den Verlagswechsel die Optik des Buches nicht zu den Vorgängern paßt - also Jammern auf sehr hohem Niveau.

"Der Näher" ist ein Thriller, wie er sein soll: spannend, mitreißend, aus einer Fantasie des Autors entstanden, bei der man sich fragt, wie man mit so etwas in seinem Kopf noch ruhig schlafen kann - absolute Leseempfehlung!

Rainer Löffler
"Der Näher"
ISBN: 978-3-404-17454-6
erschienen in der Bastei Lübbe

Freitag, 5. Mai 2017

[Rezension] Katarzyna Bonda - Das Mädchen aus dem Norden

Klappentext:
"Als Sasza Zaluska nach mehreren Jahren im Ausland in ihre Heimatstadt Danzig zurückkehrt, plant sie ein geruhsames Leben an der Seite ihrer kleinen Tochter. Doch kaum angekommen, wird sie in einen Kriminalfall verwickelt, der ihre Pläne durchkreuzt. Ein Mord, der die Polizei vor ein Rätsel stellt. Sasza nimmt die Ermittlungen auf, und sieht sich schon bald in einem Strudel der Gewalt und Vergeltung, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint."

Fazit:
"Das Mädchen aus dem Norden" ist der erste Teil der Reihe um Sasza Zaluska. Da Sasza Profilerin ist und ich Profiling in Thrillern sehr gern mag, war ich gespannt, zumal ich bisher noch nie etwas von der polnischen Autorin gelesen hatte.

Das Buch ist keines, dass den Leser nach den ersten Seiten eingefangen hat, man muss hier schon etwas Durchhaltevermögen mitbringen. Das liegt vor allem daran, dass im ersten Drittel erzählt wird, was vor Jahrzehnten geschah. Dies ist für die Entwicklung und das Verständnis der hauptsächlichen Handlung unabdingbar, allerdings denke ich, dass es dem Lesefluss gut getan hätte, diese Hintergründe in Form von Rückblenden zwischen die einzelnen Kapitel einzufügen.

Kommen allerdings erst einmal die Gegenwart und Sasza Zaluska ins Spiel, sieht das schon anders aus. Ab da hatte mich das Buch und ich habe mit Sasza gefiebert, auch wenn ich es schön gefunden hätte, wenn etwas detaillierter aufs Profiling eingegangen worden wäre.

Die Handlung ist durchaus spannend, verlangt dem Leser auch einiges an Aufmerksamkeit ab, um die unterschiedlichen Verwicklungen nachvollziehen zu können.

Katarzyna Bonda zeichnet ein lebensechtes Bild einer Gesellschaft, geprägt von Korruption und Gewalt, die ihren eigenen Regeln folgt, oft unbemerkt oder ignoriert von der unbeteiligten Bevölkerung drum herum.

Hat man den Anfang erst einmal bewältigt, hat die Autorin uns einen spannenden, mitreißenden Thriller mit einer sympathischen Hauptprotagonistin präsentiert, die ich sehr gern im Folgeband wiederlesen möchte, zumal das Ende einiges an Spannung für die Zukunft verheißt.

Katarzyna Bonda
"Das Mädchen aus dem Norden"
ISBN: 978-3-453-27074-9
erschienen bei Heyne

[Rezension] Rebecca Gablé - Die fremde Königin

Kurzbeschreibung:
"Anno Domini 951: Der junge Gaidemar, ein Bastard vornehmer, aber unbekannter Herkunft und Panzerreiter in König Ottos Reiterlegion, erhält einen gefährlichen Auftrag: Er soll die italienische Königin Adelheid aus der Gefangenschaft in Garda befreien. Auf ihrer Flucht verliebt er sich in Adelheid, aber sie heiratet König Otto.

Dennoch steigt Gaidemar zum Vertrauten der Königin auf und erringt mit Otto auf dem Lechfeld den Sieg über die Ungarn. Schließlich verlobt er sich mit der Tochter eines mächtigen Slawenfürsten, und der Makel seiner Geburt scheint endgültig getilgt. Doch Adelheid und Gaidemar ahnen nicht, dass ihr gefährlichster Feind noch lange nicht besiegt ist, und als sie mit Otto zur Kaiserkrönung nach Rom aufbrechen, droht ihnen dies zum Verhängnis zu werden..."

Fazit:
Liest man nach dem Buch noch einmal den Klappentext, wird deutlich, wie unzureichend dieser ist. Es stimmt alles, was darin steht und es gäbe auch sicher keine Möglichkeit, all das, was dem Leser auf über 700 Seiten präsentiert wird, ausreichend zusammenzufassen - aber beim Lesen des Klappentextes ziehen noch einmal all die Leben, die wir in "Die fremde Königin" begleiten dürfen, am inneren Auge vorüber.

"Die fremde Königin" ist der zweite Teil von Rebecca Gablé über König Otto. Der erste Teil, "Das Haupt der Welt", hat mir nicht so gut gefallen, für meinen Geschmack enthielt er zu viele Längen. Da ich aber ein großer Fan der "Waringham"-Saga bin, wollte ich es mit "Die fremde Königin" dennoch versuchen - zum Glück!

Denn man versinkt bereits nach wenigen Seiten in der Geschichte von Gaidemar und Adelheid, die unterschiedlicher nicht sein könnten und auch nicht so eng verflochten sind, wie es der Klappentext andeutet. Der Lesefluss ist hervorragend und ich hätte problemlos noch einige hundert Seiten mehr lesen wollen!

Die Autorin lässt die Zeit König Ottos auferstehen, man lebt beim Lesen mitten darin, mit all unseren Protagonisten, von denen es nicht wenige gibt. Dennoch gelingt es Rebecca Gablé, alles so schildern, dass der Leser problemlos den Überblick über Personen und Geschehnisse behält.

Die Charaktere sind, wie man es von der Autorin gewohnt ist, authentisch für die damalige Zeit, bildhaft und in den meisten Fällen sympathisch. Die Antagonisten hingegen sind dennoch so faszinierend, dass man sie nicht missen mag.

Mit "Die fremde Königin" hat Rebecca Gablé einmal mehr gezeigt, wie erlesens- und erlebenswert die Vergangenheit sein kann! Ein Must-Read für alle Fans von historischn Romanen!

Rebecca Gablé
"Die fremde Königin"
erschienen in der Bastei Lübbe

Mittwoch, 3. Mai 2017

[Rezension] K. Bromberg - Driven - Verführt

Kurzbeschreibung:
"Als Rylee Thomas bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung Leute um Spenden für einen guten Zweck bittet, platzt auf einmal der blendend aussehende, aber seltsam gefühlskalte Colton Donovan in ihr Leben. Er ist ein typischer Playboy, draufgängerischer Rennfahrer und hat Familie in Hollywood - kein Wunder, dass die schönsten Frauen ihm reihenweise zu Füßen liegen. Doch Colton hat ab diesem Tag nur noch Augen für Rylee. Er will sie erobern, sie besitzen, sie süchtig nach ihm machen. Und bald beginnt er ein gefährliches Spiel der Verführung mit ihr."

Fazit:
"Verführt" ist der erste Teil der "Driven"-Reihe der Autorin, von der mittlerweile bereits der siebte Band erschienen ist. Da ich Reihen lieber am Anfang beginne, habe ich mich auch hier dafür entschieden, Colton und Rylee von Beginn an kennenzulernen.

Die Charaktere sind sehr bildhaft und authentisch - so authentisch ein gestörter, reicher Schönling eben sein kann....beide sind sehr sympathisch, was einen Teil der Faszination des Buches ausmacht. Auch wenn Colton mich in groben Zügen an Gideon Cross erinnert, tat dies meiner Lesefreude keinen Abbruch.

Der Lesefluss ist sehr gut - man kommt direkt in der Geschichte von Rylees Leben an, während sie praktisch über Colton stolpert und erfährt im Verlauf des Buches einiges mehr über Rylees Vergangenheit. Auch Colton hat seine Dämonen, die der Leser in diesem Buch allerdings nur erahnen kann - was dahinter steckt hat sich die Autorin wohl für einen der weiteren Bände aufgespart.

Natürlich kommen auch erotische Szenen in "Verführt" nicht zu kurz, allerdings lebt das Buch tatsächlich von seiner Geschichte und ist nicht auf diese Szenen angewiesen, die höchstens einen zusätzlichen Reiz ausüben.

Die Story von Rylee und Colton bricht am Ende des Buches so abrupt ab, dass man eigentlich direkt weiterlesen möchte, was ärgerlich ist, wenn man den Folgeband nicht zur Hand hat.

"Driven - Verführt" ist ein mitreißender, gelungener Auftakt der Reihe und ich hoffe inständig, dass die Faszination in den weiteren Büchern erhalten bleibt.

Lieblingsstelle:
"Ich bin nicht einfach nur grantig. Ich bin zickig bis zum Anschlag. Ich meine, was für ein bescheuerter Abend! Erst sitze ich in einem muffigen Schrank fest, dann spiele ich Schlampe Nummer zwei auf der Eroberungsliste von Mr. Arroganz, und zu guter Letzt muss ich mich ersteigern lassen, als sei ich ein Preisbulle auf dem Bauernmarkt. Geht's noch?"

K. Bromberg
"Driven - Verführt"
ISBN: 978-3-453-43806-4
erschienen bei Heyne

Freitag, 21. April 2017

[Rezension] Jeff Menapace - Das Spiel - Tod

Kurzbeschreibung:
"Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt - aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens...für die Lamberts die pure Hölle!"

Fazit:
"Das Spiel - Tod" ist der letzte Teil der Trilogie von Jeff Menapace um Familie Lambert und deren mörderische Gegenspieler. Natürlich musste ich wissen, wie es ausgeht, obwohl ich mich nach dem zweiten Teil bereits fragte, wer denn nun die eine Hauptrolle spielen würde.
Dieses Rätsel löste sich sehr schnell und war im Nachhinein durchaus logisch.

Dennoch kann ich nicht sagen, dass mir der dritte Band ebenso gut gefallen hat wie die Vorgänger. Unser Antagonist ist ein astreiner Soziopath, aber die psychopathischen Züge, die "Das Spiel" in den ersten beiden Büchern so interessant gestaltet haben, fehlen leider komplett.

Das Ziel dieses Buches sind auch eigentlich nicht die Lamberts - diesbezüglich ist der Klappentext durchaus missverständlich, die Kinder spielen praktisch gar keine Rolle und die Mutter nur am Schluß eine. Leser der ersten beiden Bände wissen darüber hinaus, dass der Vater den zweiten Band nicht überlebt hat, was der Klappentext auch anders darstellt. Im Fokus des Soziopathen steht in diesem Fall Dom, der im letzten Buch alles gegeben hat, die Familie zu beschützen.

Der Lesefluss ist gut, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel und die Handlung durchaus spannend und interessant in weiten Teilen. Dennoch bleibt ein schales Gefühl der Nichtbefriedigung zurück, ist man erst einmal am Ende angelangt. Das Geschehen an sich war für meinen Geschmack zu sehr auf optische Außenwirkung ausgelegt, dabei ist bei einem Buch gerade das am wichtigsten, was sich im Kopf des Lesers abspielt, ohne detailliert vorgezeichnet worden zu sein.

"Das Spiel - Tod" eignet sich deshalb meines Erachtens nach auch eher zum Drehbuch als als Vorlage fürs Kopfkino.

Jeff Menapace
"Das Spiel - Tod"
ISBN: 978-3-453-67709-8
erschienen bei Heyne Hardcore

Donnerstag, 20. April 2017

[Rezension] Jeffrey Archer - Die Wege der Macht [Clifton-Saga 5]

Kurzbeschreibung:
"Die Wege der Familie Clifton und Barrington sind gezeichnet von Glück und Leid, von Machtspielen und Schicksalsschlägen. Während sich sein Jugendfreund Giles in eine Frau mit dunkler Vergangenheit verliebt, reist Harry Clifton nach Sibirien. Harry will dem dort inhaftierten Schriftsteller Babakow helfen - und bringt sich damit in große Gefahr. Auch für seine Frau Emma, die der Barrington-Gesellschaft vorsteht, schlägt eine schwere Stunde..."

Fazit:
Band 5 der Clifton-Saga setzt genau dort an, wo der letzte Band endete.
Aufgrund all der Verwicklungen der Hauptpersonen, die sich über die Jahrzehnte aufgebaut haben, rate ich jedem neuen Leser beim ersten Band zu starten - ich glaube, sonst sind die Verflechtungen untereinander nur schwer nachzuvollziehen.

Auch in diesem Band schafft es Jeffrey Archer, die Geschichte der Familien Clifton und Barrington so weiterzuspinnen, dass ich von Anfang an in das Leben der mir nun wohlbekannten Personen eintauchte und erst am Schluss notgedrungen wieder in die Realität zurückfand.

Wie man es von den Vorgängerbüchern kennt, lässt einen das Buch mit mehr offenen Fragen als Antworten zurück, sodass man gar nicht anders kann, als sehnsüchtig auf das Erscheinen des nächsten Bandes zu warten, auf das wir im September hoffen dürfen.

Jeffrey Archer vereint in dieser Saga sehr unterschiedliche Lebensläufe und Charaktere, was sicher dazu beiträgt, dass die Handlung immer offen und interessant bleibt und auch ein Mangel an Spannung nicht moniert werden kann.

Mit Giles Barrington reisen wir nach Ostdeutschland, was beinahe genauso beängstigend wirkt wie Harrys Reise nach Russland. Ich kann mich noch immer nicht mit mir selbst einigen, ob Harry in diesem Band ein absoluter Idealist oder entsetzlich naiv ist...Emma hat schon seit einigen Bänden eine Vorreiterrolle inne - ist es doch selbst heute, Jahrzehnte nach der Handlung, noch immer nicht wirklich usus eine Frau als Vorstandsvorsitzende eines großen Unternehmens zu sehen.
Natürlich spielen auch altbekannte und ein paar neue Intriganten ihre Rolle, ohne die die Handlung nur halb so interessant würde.
Auch in "Die Wege der Macht" bleibt der Autor bei seiner realistischen Darstellung eines Lebens, denn auch die lieb gewonnen Charaktere im Buch begehen Fehlentscheidungen, die ihr ganzes Leben ändern.

Mit der Clifton-Saga hat Jeffrey Archer die verbundene Geschichte zweier Familien konstruiert, die mich auch über das Lesen hinaus nicht los lässt und bei der ihm gottlob die Ideen nicht auszugehen scheinen!

Jeffrey Archer
"Die Wege der Macht"
ISBN: 978-3-453-41992-6
erschienen bei Heyne

Mittwoch, 19. April 2017

[Rezension] Markus Heitz - Des Teufels Gebetbuch

Kurzbeschreibung:
"Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit der Karte auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist um nicht weniger als um sein eigenes Leben."

Fazit:
Natürlich ist mir der Name Markus Heitz ein Begriff. Allerdings assoziiere ich ihn direkt mit High Fantasy, ob zu recht oder nicht. Da ich im Bereich der High Fantasy ein eher schwieriger Leser bin, hatte ich bisher noch kein Buch von Markus Heitz gelesen. Der Klappentext klingt eher weniger nach Fantasy bzw. scheint im Bereich der Urban Fantasy zu verbleiben, die dann schon eher meiner Leseausrichtung entspricht und so wagte ich einen Versuch.

Jetzt allerdings bin ich wohl für immer verloren und werde wohl auch eines der vielen anderen Bücher von Markus Heitz lesen müssen - denn wenn der Schreibstil von "Des Teufels Gebetbuch" typisch für die Werke des Autoren ist, darf man sie sich nicht entgehen lassen.

Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt - zum einen in der Gegenwart mit Tadeus Boch und zum anderen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Leipzig, wo man niemand geringerem als dem Studiosus Goethe begegnet. Allerdings ist seine Gegenwart nicht das einzige, was in diesem Handlungsstrang an Goethe erinnert, denn Markus Heitz kennt seinen Faustus eindeutig. Überhaupt fand ich den Rechercheaufwand, der hinter der Geschichte der Spielkarten steckt, sehr beeindruckend. Für alle, die über das Buch hinaus mehr wissen möchten, gibt es einen ausführlichen Anhang über die Spielkarten im Laufe der Zeit.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass man selbst ohne Kapitelüberschrift aufgrund des Schreibstils direkt wüsste, in welchem Jahrhundert man sich befindet. Markus Heitz wechselt wie selbstverständlich zwischen gegenwärtiger und vergangener Sprache, Brauchtümer, Verhaltensweisen, etc., was beide Ebenen sehr authentisch macht.

Auch die Charaktere tragen viel zur Authentizität bei, denn niemand ist perfekt, jeder hat gute Seiten und schlechte Seiten, bei dem einen mehr verborgen als beim anderen, aber immer an die Oberfläche zu locken.

Im Großen und Ganzen geht es in "Des Teufels Gebetbuch" um nicht weniger als den ewigen Kampf Gut gegen Böse, die Verlockung des Bösen, die das Schlechteste in jedem von uns hervorholt und vor der kaum jemand gefeit ist.

Der Lesefluss ist kaum besser möglich, sodass ich das Buch trotz seines nicht geringen Umfangs weiterlesen musste, ob im Wartezimmer beim Zahnarzt oder beim Friseur - denn die Spannung ist allgegenwärtig und der Leser mindestens so erpicht auf den Fort- und Ausgang der Geschichte wie die Beteiligten.

"Des Teufels Gebetbuch" hat mich innerhalb weniger Seiten gepackt und nicht mehr losgelassen - die greifbare Spannung, die Unwägbarkeiten der Handlung - ein Pageturner, der den Namen verdient.

Markus Heitz
"Des Teufels Gebetbuch"
ISBN: 978-3-426-65419-4
erschienen bei Knaur

Dienstag, 18. April 2017

[Rezension] Madlen Schaffhauser - I fight for you - Gefährliches Spiel

Kurzbeschreibung:
"Nach dem Selbstmord ihres Bruders Dean muss sich Sue allein um ihren Bruder kümmern. Um diesem ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen, bricht sie ihr Studium ab und verdient als professionelle Autodiebin ihr Geld.

Der Schmerz darüber, von ihrer großen Liebe Kane verlassen worden zu sein, als sie ihn am meisten brauchte, betäubt Sue mit Alkohol. Drei Jahre später steht er plötzlich vor ihr - so anziehend und heiß wie sie ihn in Erinnerung hatte - und verspricht ihr, Deans Tod zu rächen. Es fällt ihr schwer, ihm auch nur ein Wort zu glauben. Doch als sie der Wahrheit jener verhängnisvollen Nacht näherkommt, bleibt ihr keine Wahl, als ihm erneut ihr Vertrauen zu schenken."

Fazit:
Ich lese mitunter gern Liebesromane, zumindest, wenn diese nicht zu sehr ins Kitschige abdriften. Spannng ist für mich ein wichtiger Bestandteil vieler Bücher, nicht nur im Thrillerbereich. So ist das Untergenre "Romantic Suspense" wie für mich gemacht. Entsprechend neugierig war ich dann auch auf "I fight for you - Gefährliches Spiel" von Madlen Schaffhauser, welches mein erstes Buch der Autorin war, sodass ich auch nicht wusste, was für ein Schreibstil mich erwartete.

Da mich niemand gewarnt hat, tue ich dies gleich am Anfang: Wenn ihr "I fight for you - Gefährliches Spiel" anfangt zu lesen, stellt sicher, dass ihr über ausreichend Zeit verfügt, das Buch auch direkt zu Ende zu lesen. Denn ein Unterbrechen nach den ersten Seiten ist schwer, sehr schwer!

Die Autorin nimmt den Leser mit ins Londoner Umland und mitten hinein in Sues verqueres Leben - Anfang 20 mit abgebrochenem Studium, allein veranwortlich für ihren jüngeren Bruder, die Eltern tot, der ältere Bruder tot - da verwundert es nicht, dass Sue nicht immer klar denken kann. Auch ihre einzige Liebe hat sie enttäuscht und verlassen - verarbeitet hat Sue nichts davon.

Auch wenn mir Sue mitunter etwas naiv vorkam, ist es vor allem ihr Charakter, der die Handlung trägt. Das, was sie durchmacht, erlebt, was sie ausmacht, lässt beim Lesen nicht kalt. Ihre Emotionen kommen ungefiltert beim Leser an, wie auch immer Madlen Schaffhauser das gelingt. Ergänzend zu Sue kommt Kane ins Spiel - der natürlich die weibliche Leserschaft zum Seufzen bringt. Auch wenn er Sue verlassen hat, weiß man einfach, dass es dafür einen guten Grund geben wird, so ein perfekter Mensch kann gar nicht so böse sein...

Der Lesefluss ist eher ein Sog - einmal angefangen kann man nicht aufhören zu lesen! Natürlich weiß man schon am Anfang, wie das Buch enden wird, aber der Weg dahin ist mitreißend, spannend, traurig, sexy und vieles mehr.

"I fight for you - Gefährliches Spiel" ist ein Paradebeispiel dafür, dass im Romantic Suspense weder die Gefühle noch die Spannung zu kurz kommen - ich hoffe, wir bekommen bald Nachschub von Madlen Schaffhauser, deren Schreibstil und Einfallsreichtum mir spannende, heiße Lesestunden beschert hat.

Madlen Schaffhauser
"I fight for you - Gefährliches Spiel"
ISBN 978-3-903130-30-2
erschienen in der Romance Edition

Freitag, 7. April 2017

[Rezension] Christina Lauren - Wicked Sexy Liar

Kurzbeschreibung:
"Surfen, mit Freunden am Strand chillen - Kellnerin London macht sich ein entspanntes Leben nach dem College-Abschluss. Eine Beziehung ist das Letzte, was sie will - doch nach einer heißen Nacht mit dem verführerischen Player Luke ist sie sich dessen plötzlich nicht mehr so sicher...

Normalerweise wechselt Luke die Frauen wie andere die Boxershorts. Aber das mit London ist etwas Besonderes. Seit der Trennung von seiner Ex war er nicht mehr so verliebt. Doch Luke muss vorsichtig sein - denn er hat eine Vergangenheit, die alles zerstören könnte!"

Fazit:
Mit "Wicked Sexy Liar", dem vierten, und so liest man, Abschlußband der "Wild"-Reihe von Christina Lauren, widmen sich die Autorinnen London - sonst sind ja auch bereits alle Mitglieder der Clique unter der Haube.

Im Nachwort schreiben die Autorinnen, dass sich "Wicked Sexy Liar", im Gegensatz zu seinem Vorgänger "Dark Wild Night", wie von selbst schrieb - und genauso liest es sich auch. Die Leichtigkeit, die man vom Schreibstil des Autorenduos bisher kannte, die ich bei Lola und Oliver mitunter vermisste, ist wieder da!

Wie gewohnt wird die Geschichte sowohl aus Lukes, als auch aus Londons Sicht geschildert, wobei Luke deutlich mehr Raum zugestanden wird als Oliver, was mir damals auch negativ aufgefallen ist.

Die Handlung ist abwechslungsreich, unterhaltsam und jede Frau kann sich mitunter in Londons unlogischem Verhalten wiederfinden. Auch wenn London Luke den Stempel des unzuverlässigen Aufreißers aufdrückt, lernt der Leser natürlich eine ganz andere Seite von ihm kennen - dass er selbstverständlich grandios aussieht, brauche ich sicher nicht extra zu erwähnen.

Der Lesefluss ist sehr gut, die Charaktere lebensecht (bis auf ihr Aussehen ;-) ), die Handlung abwechslungsreich und das Verhalten unserer Hauptprotagonisten authentisch.

Wieder einmal habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und bin gespannt, womit uns die Autorinnen als nächstes überraschen, da ich mir nicht sicher bin, ob überhaupt eine der beiden Reihen ("Beautiful" oder "Wild") fortgesetzt wird oder wir etwas ganz neues erwarten dürfen?

Christina Lauren
"Wicked Sexy Liar"
ISBN: 978-3-95649-660-8
erschienen bei mtb

Donnerstag, 6. April 2017

[Rezension] Petra Durst-Benning - Die Blütensammlerin

Kurzbeschreibung:
"Nach ihrer Trennung soll Christine entweder aus ihrem Haus ausziehen oder ihren Mann auszahlen. Wer aber gewährt einer Hausfrau Ende vierzig ein Darlehen oder stellt sie ein? Doch die Maierhofener Frauen halten zusammen und helfen Christine, ihr Haus in ein Bed&Breakfast umzuwandeln. Und sie wird Single-Wochenenden ausrichten, an denen man nicht nur das Landleben, sondern auch neue Menschen kennenlernt. Sogar Marketingexpertin Greta ist begeistert: Im Juni findet doch der große Kochwettbewerb statt - und wie wäre es, wenn Christine ein Team zusammenstellte, das daran teilnimmt? So könnte jeder Topf seinen Deckel finden..."

Fazit:
Dies scheint ein Romanfrühling zu sein - so viele tolle Romane, die mich wirklich mitnehmen und bewegen, habe ich schon lange nicht mehr in Reihe gelesen.

Dazu gehört auch eindeutig "Die Blütensammlerin" von Petra Durst-Benning. Die Fortsetzung von "Kräuter der Provinz" bringt dem Leser all die liebgewonnenen Charaktere zurück und einen bunten Haufen neuer. Der Fokus in "Die Blütensammlerin" liegt diesmal auf Christine, deren Trennung man ja bereits in "Kräuter der Provinz" miterlebt hat. Dennoch lässt sich das Buch problemlos lesen, erleben und verstehen, ohne die Vorgeschichte zu kennen.

Diese unterschiedlichen Protagonisten sind es auch, von denen die Handlung lebt. Als einzige Gemeinsamkeit den Single-Status, könnten sie ansonsten kaum unterschiedlicher sein. Im Laufe des Geschehens darf man bei jedem einen Blick hinter die Fassade werfen, Beweggründe und Entwicklungen kennenlernen und verstehen.

Wem dies alles zu emotional klingt, der sei beruhigt: Der realistische und oft humorige Schreibstil der Autorin bewahrt vor Kitsch und Gefühlsduselei.

"Die Blütensammlerin" ist ein wundervoll mitreißender Roman über das Leben, die Liebe, Freundschaft und Erwartungen an die Zukunft.

Petra Durst-Benning
"Die Blütensammlerin"
ISBN: 978-3-7341-0012-3
erschienen bei blanvalet

Mittwoch, 5. April 2017

[Rezension] Micaela Jary - Die Villa am Meer

Kurzbeschreibung:
"Rostock-Warnemünde 1897: Katharinas Hochzeit mit dem verwitweten, wesentlich älteren Manufakturbesitzer und Korbmacher Olaf Borchers steht unter einem schlechten Stern: Nicht nur, dass ihr Herz einem anderen gehört, Borchers halbwüchsiger Sohn ist nicht einverstanden mit der neuen Frau seines Vaters. Dennoch tut Katharina ihr Bestes, um mit ihrem Mann glücklich zu werden. Doch das ändert sich an dem Tag, an dem sie Pläne für ein eigenes Geschäft macht - einen Strandkorbverleih an der Ostsee..."

Fazit:
Nach dem Lesen des Buches weiß man, wie unzureichend der Klappentext "Die Villa am Meer" dem Leser versucht nahezubringen. Das liegt nicht am Klappentext, denn es ist einfach nicht möglich, in wenigen Worten die Handlung, und vor allem die Faszination, die von Katharina und ihrer Lebensgeschichte ausgehen, zu transportieren.

Bereits nach wenigen Seiten ist man an der Ostsee zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Autorin und natürlich die Protagonisten nehmen den Leser direkt mit. Die Charaktere sind sehr authentisch und lebensecht gezeichnet, niemand ist perfekt, jeder hat Fehler und Schwächen.

Das Buch lebt von Katharina, die ganz klar im Fokus steht. Aber natürlich haben auch viele andere Menschen Einfluss auf ihr Leben genommen, sodass wir es mit einer überschaubaren Zahl von Charakteren zu tun haben.

Mit das Wichtigste an diesem Buch ist die Vielzahl von Emotionen, die, wie im realen Leben, eine wichtige Rolle spielen und das Leben der Menschen lenken und beeinflussen. Liebe, Neid, Missgunst, Hass, Stolz, Eitelkeit - ohne diese Emotionen wäre "Die Villa am Meer" nicht möglich gewesen. Aber auch Freundschaft, Verbundenheit und die Ausdauer der Liebe sollten nicht unerwähnt bleiben.

Der Lesefluss ist sehr gut, der Leser begleitet Katharina durch Höhen und Tiefen ihres Erwachsenenlebens und von beidem gibt es reichlich. Da die Handlung immer wieder Wendungen nimmt, die der Leser nicht erahnen kann oder mitunter befürchtet, aber nicht miterleben möchte, lässt die Faszination der Handlung bis zum Schluss nicht nach.

Ein Roman über Familie, Freunde und alles, was das Leben mit sich bringt - absolut empfehlenswert!

Micaela Jary
"Die Villa am Meer"
ISBN: 978-3-442-48595-6
erschienen im Goldmann Verlag

Dienstag, 4. April 2017

[Rezension] Christiane Lind - Weiße Rosen und die Titanic

Kurzbeschreibung:
"Berlin, im Frühjahr 1912: Der Schauspielerin Paula und der Kostümbildnerin Luise steht eine glänzende Theaterkarriere bevor. Doch von einem Tag auf den anderen zerplatzen ihre Zukunftsträume. Die jungen Frauen verlieren Arbeitsplatz und Wohnung, ein gefälschter Schuldschein treibt sie zur Flucht. Letzte Rettung ist das großzügige Geschenk eines amerikanischen Verehrers: ein Erste-Klasse-Ticket für die Titanic. An Bord des eleganten Luxusdampfers findet Luise ihr Glück mit dem Steward Leonard, während Paulas Verehrer Ferdinand von Fahlbusch einen perfiden Plan verfolgt..."

Fazit:
Ein Roman, der - zumindest in weiten Teilen - auf der Titanic spielt. Ob das gut geht? Natürlich weiß man, wie die Jungfernfahrt der Titanic endet und dass diese sich hervorragend als Kulisse für eine Liebesgeschichte eignet, haben uns Leo und Kate auch schon vor Längerem bewiesen. Aber auch wenn man es am Titel nicht direkt erkennen kann: in "Weiße Rosen und die Titanic" geht es im Vordergrund gar nicht wirklich um eine Liebesgeschichte. Vielmehr haben wir es mit einer einer spannenden, halben Detektivgeschichte zu tun. Geht auch das auf der Titanic?

Ja, das geht! Und zwar direkt aus mehreren Gründen: Da hätten wir zum einen unsere Hauptprotagonisten: Paula und Luise, aber auch Leonard, den Steward und Ferdinand. Diese Charaktere, genauso wie auch die Nebendarsteller, sind absolut aus dem Leben gegriffen. Sie wirken so echt, wie man es im Kopf des Lesers nur tun kann, jeder individuell mit Stärken, Schwächen und Eigenarten.
Auch Lebensweise und Sprache der damaligen Zeit hat Christiane Lind authentisch eingefangen.
Die Handlung ist darüber hinaus wirklich spannend aufgebaut, was seltsam anmutet, da dem Leser sehr früh klar ist, wer hinter den Vorkommnissen steckt - dennoch fiebert man mit Paula und Luise, rätselt und bangt mit ihnen. Da ist ein Schiff als Handlungsort geradezu ideal, weil er nach außen abgeschlossen ist: egal, was passiert, jemand, der sich mit auf dem Schiff befindet, muss dafür verantwortlich sein.

Bis zu dem Moment, wo das Schiff tatsächlich den Eisberg rammt, war dies in meinem Kopf so in den Hintergrund gerückt worden von der mitreißenden Handlung, dass ich mich tatsächlich richtig erschrocken habe.

Kaum noch nötig zu erwähnen, dass der Lesefluss extrem gut ist, die Handlung mitreißend und spannend, man gar nicht ans Ende gelangen möchte, um die Protagonisten nicht verlassen zu müssen - kurzum, wer "Weiße Rosen und die Titanic" nicht liest, verpaßt unterhaltsame, spannende Lesestunden.

Christiane Lind
"Weiße Rosen und die Titanic"
nähere Informationen über Autorin und Buch findet ihr hier

Montag, 20. März 2017

[Rezension] Susanne Kliem - Das Scherbenhaus

Kurzbeschreibung:
"Carla erhält seit Monaten anonyme Drohbriefe und wird von Angstattacken geplagt. Als sich die Chance ergibt, in ein hochmodernes Wohnhaus nach Berlin zu ziehen, freut sie sich auf den Neuanfang. In ihrem perfekt abgesicherten Smart Home und der engen Hausgemeinschaft fühlt sie sich beschützt. Doch dann gibt es immer mehr alarmierende Vorfälle, und Carla ahnt, dass der Feind gar nicht von außen kommt. Er ist schon längst bei ihr..."

Fazit:
Das erste, was mir auffiel, war die Atmonsphäre des Buches. Gleich zu Beginn schafft Susanne Kliem ein beklemmendes Gefühl, das den Leser direkt vereinnahmt und über die folgende Handlung auch nicht mehr loslassen wird.

Entsprechend ist der Lesefluss sehr gut, das Buch ein absoluter Pageturner! Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, lebensecht und bildhaft charakterisiert, haben aber immer noch die ein oder andere Überraschung in der Hinterhand.

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist, dass die Identität des Bösewichts sehr schnell auf der Hand lag. Natürlich war es mit der Identität nicht getan, aber auch die Überführung war doch recht vorhersehbar.

Dennoch ist "Das Scherbenhaus" ein sehr spannender, extrem atmosphärischer Psychothriller, den ich allen Thrillerfreunden nur empfehlen kann.

Susanne Kliem
"Das Scherbenhaus"
ISBN: 978-3-570-58566-5
erschienen bei carl's books

[Rezension] Julia Knight - Schwerter und Schwindler

Kurzbeschreibung:
"Eigentlich sind Kacha und ihr Bruder Vocho die besten Schwertfechter von Reyes.
Doch der Kampf für Ehre und Gerechtigkeit war einmal - seit die beiden durch Vochos Schuld hochkant aus der Gilde der Duellanten geflogen sind, müssen sie sich als Wegelagerer durchschlagen, was Kachas Laune nicht unbedingt verbessert.
Doch als die Geschwister bei einem Überfall auf eine Kutsche eine Truhe mit geheimen Dokumenten an sich bringen, geraten sie mitten hinein in eine tödliche Verschwörung. Und Hilfe naht ausgerechnet in Form von Dom, dem arroganten Sohn eines Grundbesitzers, der ein Auge auf Kacha geworfen hat..."

Fazit:
Der Klappentext klang nach Unterhaltung, Spannung und "Mantel-und-Degen-Fantasy" - vielversprechend!
Dennoch hatten das Buch und ich so unsere Startschwierigkeiten. Das lag vor allem daran, dass man in eine völlig andere Welt katapultiert wird, wo eine Herrschaftsform gerade die andere abgelöst hat und man bei keiner von beiden versteht, worum es geht. Ich hatte anfangs immer das Gefühl, in einem zweiten Teil zu sein und den ersten nicht zu kennen.

Später allerdings gibt es immer wieder Rückblenden, die die vorhergehenden Geschehnisse beleuchten und wo dann auch klarer wird, wie diese Welt funktioniert. Diese Rückblenden hätten früher starten sollen, dann hätte es diese Anfangsschwierigkeiten nicht gegeben.

Sobald man dann aber mental einmal in der Welt von Vocho und Kacha angekommen ist, hält das Buch, was der Klappentext verspricht: Die Handlung ist unterhaltsam, spannend, teilweise rasant und voller Intrigen. Entsprechend gut ist ab da der Lesefluss, denn man rätselt automatisch, was die Hintergründe für all das sein mögen und nach und nach werden diese enthüllt - nicht, ohne den Leser zwischenzeitlich auf diverse Holzwege zu schicken.

Am Ende von "Schwerter und Schwindler" hat man zum einen das Gefühl, jetzt gut Bescheid zu wissen, zum anderen liegt aber noch einiges an Arbeit vor Vocho und Kacha, sodass man sich bereits auf den zweiten Teil freut, der mit "Legenden und Lügner" im Sommer erscheinen wird.

Julia Knight
"Schwerter und Schwindler"
ISBN: 978-3-426-51994-3
erschienen bei Knaur

Montag, 13. März 2017

[Rezension] Aurora Rose Reynolds - Until love: Cash

Kurzbeschreibung:
"Ein Blick auf Lilly Donovan genügt und Cash Mason verliebt sich Hals über Kopf in die hübsche Rothaarige. Ihre romantische Beziehung nimmt jedoch ein jähes Ende, als Cash gezwungen wird, zwischen der Liebe seines Lebens und seinem ungeborenen Kind zu wählen.

Cash denkt, das Richtige zu tun, als er sich für seinen Sohn Jax entscheidet. Erst Jahre später findet er heraus, eine Lüge gelebt und damals nicht nur Lilly, sondern mit ihr auch sein ungeborenes Mädchen im Stich gelassen zu haben. Er beginnt, um seine kleine Familie zu kämpfen, doch um Lillys Herz zurückzugewinnen, muss er zuerst alle Mauern niederreißen, die sie darum errichtet hat..."

Fazit:
Mit "Until love: Cash" haben wir bereits den dritten Band der Reihe um die Mayson-Brüder von Aurora Rose Reynolds zu lesen bekommen - und da die Mayson-Jungs sind, wie sie sind, durfte man auch bei Cash Kopfkino vom Feinsten erwarten!

Bereits im zweiten Band mit Trevor hat man die Grundzüge von Cashs Geschichte mitbekommen - dennoch muss man das Buch nicht kennen, um in "Until love: Cash" einzutauchen. Der Lesefluss ist sehr gut und die knapp 220 Seiten viel zu schnell gelesen, auch wenn für den vierten Bruder, Nico, der Weg bereits bereitet wurde und man sich entsprechend auf die Fortsetzung freuen darf.

"Until love: Cash" ist eine Liebesgeschichte, wie man sie sich wünscht: die beiden lieben sich, aber das Zusammensein und -bleiben ist nicht so einfach - zumal Jax' Mutter eine ziemlich gestörte Rolle zukommt.
Der Leser darf sich auf Unterhaltung, Spannung und prickelnde Abenteuer freuen!

Auch wenn einige Ereignisse arg kurz, wie abgeschnitten, erzählt werden und ein etwas sorgfältigeres Korrektorat sicher nicht geschadet hätte, habe ich "Until love: Cash" verschlungen und kann die Reihe nur jedem Contemporary-Romance-Fan ans Herz legen! Ich jedenfalls freue mich schon auf Nico, den jüngsten der Mayson-Brüder.

Aurora Rose Reynolds
"Until love: Cash"
ISBN: 978-3-903130-22-7
erschienen in der Romance Edition

Samstag, 11. März 2017

[Rezension] Kristen Proby - Für Happy Ends gibt's kein Rezept

Kurzbeschreibung:
"Alle schwärmen vom Seduction, dem Restaurant, das Addie gemeinsam mit ihren Freundinnen führt. Als Tüpfelchen auf dem i fehlt nur noch Live-Musik. Doch kaum, dass ein Typ mit Gitarre hereinschneit und sich bewirbt, kippt Addie fast aus ihren High Heels. Jake Knox, der berühmte Rockstar! Seit jeher üben Musiker einen gefährlichen Reiz auf sie aus, stärker als Schuhe und Schokolade zusammen. Und Jake mit seinen grünen Augen und der rauchigen Stimme könnte ihr zum Verhängnis werden..."

Fazit:
Ich liebe Schnulzen! Denn auch, wenn das Wort "Schnulze" oft als negativ gesehen wird - eine richtige, echte Schnulze ist etwas Wunderbares! Nicht umsonst sind es Schnulzenfilme, die man sich immer und immer wieder anschaut, ohne je genug davon zu bekommen! Ähnliches gilt für Bücher: "Für Happy Ends gibt's kein Rezept" ist definitiv eine Schnulze!

Addie ist eine wunderbare Frau und das gerade, weil sie nicht perfekt ist! Klar, sie ist groß und gutaussehend, hat früher als Model gearbeitet und auch jetzt eine super Figur - allerdings sind da ihre innere Unsicherheit und ihr Hang zu fremdgehenden Musikern, die ihr das Leben schwer machen. Und natürlich verliebt sie sich prompt in einen Rockstar! Der ist natürlich ebenfalls wahnsinnig attraktiv und dazu noch ein total lieber Kerl. Würde einfach alles glatt gehen, wäre das Buch nie geschrieben worden, also gibt es ein gerüttelt Maß an Irrungen und Wirrungen, Liebe und Verletztheit.

Der Lesefluss ist hervorragend, der Schreibstil sehr unterhaltsam und mit einer ordentlich Portion Sarkasmus gewürzt, sodass man sich vom Buch kaum losreißen kann. Die Protagonisten haben alle ihr Päckchen zu tragen, sind sehr sympathisch und bildhaft charakterisiert und man hat eine echt tolle Zeit mit Addie und ihren Mädels, auch wenn man diese mitunter gern am Kragen packen und schütteln möchte.

Viel zu schnell ist man am Ende angelangt, allerdings hat mich getröstet, dass "Für Happy Ends gibt's kein Rezept" erst der Auftakt der Reihe ist und wir mit "Eine Prise Liebe" im Sommer den zweiten Band erwarten dürfen, wo es um Addies Freundin Cami und ihr Liebesglück geht.

Kristen Proby
"Für Happy Ends gibt's kein Rezept"
ISBN: 978-3-9564-633-2
erschienen bei mtb

[Rezension] Hanna Caspian - Die Kirschvilla

Kurzbeschreibung:
"Isabell und ihre Großmutter Pauline treten ein Erbe in Köln an - Paulines Geburtshaus. Doch die alte Villa am Rheinufer mit der angeschlossenen Brauerei birgt lang gehütete Geheimnisse. Und ausgerechnet Julius Grothues, Isabells neue Liebe, scheint tief darin verstrickt. Als ihr schließlich zwei Tagebücher aus den Zwanzigerjahren in die Hände fallen, erkennt sie, dass sie den Schleier über den Geheimnissen lüften muss, wenn sie endlich glücklich werden möchte..."

Fazit:
Romane, die alte Familiengeheimnisse nach und nach ans Licht bringen, haben mich schon immer fasziniert. Entsprechend war "Die Kirschvilla" prädestiniert, gelesen zu werden.

Die Handlung wird in zwei unterschiedlichen Zeitsträngen erzählt: einmal in der Gegenwart in Köln mit Pauline, Isabell und Julius und einmal in der Zeit zwischen den Weltkriegen, vor allem in den Jahren vor Paulines Geburt.

Der Lesefluss ist sehr gut, da man als Leser nichts lieber möchte, als den Dingen sofort auf den Grund zu gehen. Das allerdings weiß Hanna Caspian zu verhindern, denn nur Stück für Stück wird die Vergangenheit enthüllt. Und eigentlich ist das auch gut so, denn all die Dinge, die ans Licht kommen, wären auf einmal überhaupt nicht zu verkraften. Wieviel Leid kann eine Familie ertragen, bis sie zerbricht? Diese Frage wird in "Die Kirschvilla" definitiv beantwortet, denn es ist kaum vorstellbar, dass einer einzigen Familie noch mehr Fürchterliches widerfahren kann!

Der Roman ist sehr emotional und berührt beim Lesen tief, denn man leidet und hadert mit den Protagonisten, die sehr lebensecht charakterisiert wurden, was die Identifikation leicht macht.

Mich hat "Die Kirschvilla" mit einem Seufzer zurückgelassen - hätte ich mir doch für jeden Einzelnen im Buch ein wenig mehr Glück erhofft. Aber gerade die Realitätsnähe - dass es nämlich leider nur zu gut vorstellbar ist, dass so etwas tatsächlich geschieht und geschah - macht die Eindrücklichkeit des Romans aus.

Hanna Caspian
"Die Kirschvilla"
ISBN: 978-3-453-41955-1
erschienen bei Heyne

Mittwoch, 8. März 2017

[Rezension] Martin Krist - Brandstifter

Kurzbeschreibung:
"Sie haben deinen Ehemann brutal ermordet - jetzt bedrohen sie deine Kinder! Wie weit wird die junge Witwe Valentina gehen, um ihre Familie zu beschützen?

Problemlöser David Gross soll den Feuertod einer jungen Frau aufklären und gerät dabei selbst in lebensgefährliche Ermittlungen. Doch die Sorge um seine eigene Familie lenkt ihn bald mehr ab, als ihm lieb ist..."

Fazit:
In "Brandstifter" begleitet der Leser David Gross wieder ein Stückchen weiter. Auch wenn die eigentliche Thrillerhandlung abgeschlossen ist, sollte man die vorherigen Bücher mit David Gross gelesen haben, um die Rahmenhandlung wirklich nachvollziehen zu können.

Ich war von Anfang an ein Fan von David Gross und daran hat sich auch mit dem aktuellen Buch nichts geändert - allerdings muss ich zugeben, dass mir in "Brandstifter" die reine Thrillerhandlung dieses Mal besser gefallen hat. Der Handlungsstrang mit David war sehr hin- und hergerissen zwischen seinem Fall und seinem Sohn. Das wäre soweit kein Problem gewesen, aber David verliert sich für meinen Geschmack ein wenig zu häufig in wirren Gedanken. Nichts desto trotz hoffe ich inständig, dass es mit David und seiner Suche weiter geht, wovon man am Ende des Buches durchaus ausgehen darf.

Der Lesefluss ist, wie wir es von Martin Krist gewohnt sind, sehr gut. Kurze Kapitel mit fiesen Cliffhangern, anschließende Perspektivenwechsel - da bleibt man gern am Ball bzw. am Buch. Was mir an Martin Krists Büchern besonders gut gefällt und was ich in dem Ausmaß bisher selten gefunden habe, ist die Komplexität der gesamten Handlung, aufgeteilt in viele kleine Häppchen, die Stück für Stück den Weg zum Leser finden. Was anfangs wie verschiedene Handlungen wirkt, greift am Schluss stimmig ineinander.
Allerdings sollte man, aufgrund genau dieser Komplexität, ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit beim Lesen mitbringen, damit man den Weg durch die Wirrungen auch findet - ich mag es gern, wenn ein Autor meine Intelligenz fordert und in dieser Hinsicht hat mich Martin Krist bisher noch nie enttäuscht.

Martin Krist
"Brandstifter"
ebook erschienen bei Edel Elements
TB erhältlich bei Amazon

Samstag, 4. März 2017

Sarah Saxx - Küssen verboten, lieben erlaubt

Kurzbeschreibung:
"Phoebe Harris hat sich von ihrem langjährigen Freund getrennt und zieht von Vancouver zurück in ihre Geburtsstadt Greenwater Hill, wo sie als Verkäuferin in der Bäckerei einen Job findet. Als ihr der smarte Officer Dean Hunter erst aus einer prekären Situation heraushilft und sich anschließend schnell in ihr Herz stiehlt, scheint ihr Glück perfekt zu sein - wären da nicht die seltsamen, teils auch überaus gefährlichen Ereignisse, die den beiden Frischverliebten das Leben schwermachen. Die junge Liebe steht unter einem schlechten Stern, denn jemand setzt alles daran, die Beziehung zwischen Phoebe und Dean zu verhindern..."

Fazit:
"Küssen verboten, lieben erlaubt" ist mittlerweile bereits der fünfte Band der "Greenwater Hill"-Reihe von Autorin Sarah Saxx. Wer die Reihe verfolgt, oder zumindest "Zweimal mitten ins Herz" gelesen hat, kennt Officer Dean Hunter bereits, für den die Geschichte damals nicht so gut ausging. Da er schon da überaus sympathisch und charismatisch war, hoffte man natürlich, dass auch er noch seine Liebe finden würde.

Eines direkt vorweg: Schon bei den vorherigen Bänden habe ich "kritisiert", dass sie immer viel zu schnell vorbei waren. Jetzt, wo man mit "King of Chicago" erlebt hat, wie es ist, von der Autorin über mehrere hundert Seiten gefesselt zu werden, fällt mir dies noch viel mehr auf!

Denn der Lesefluss ist wie gewohnt sehr gut, man liebt und leidet mit Phoebe und Dean, die beide sehr sympathische, glaubhaft charakterisierte Protagonisten sind (außer natürlich, dass in Greenwater Hill alle wunderschön sind). Da Dean bei der Polizei arbeitet, wird es hier auch richtig spannend - aber natürlich hat man "Küssen verboten, lieben erlaubt" viel zu schnell durchgelesen!!

Die "Greenwater Hill"- Reihe von Sarah Saxx steht für alles, was man an Liebesromanen mag (außer, dass sie zu kurz sind): Sympathische Protagonisten, denen man die Liebe von ganzem Herzen gönnt, eine wundervolle Kulisse und eine Handlung, von der man zwar weiß, dass sie zum Ende gut ausgeht, die einen aber im Verlauf unterhält, mitreißt und vor Spannung kribbeln lässt.

Natürlich freue ich mich schon jetzt auf den nächsten Teil, der im Sommer erscheinen wird und in dem Deans Schwester dann auch endlich ihr Liebesglück finden wird.

Sarah Saxx
"Küssen verboten, lieben erlaubt"
nähere Informationen zum Buch und der Reihe findet ihr hier

Mittwoch, 1. März 2017

[Rezension] Ilsa Madden-Mills - Dirty English - verboten heiss

Kurzbeschreibung:
"Elizabeth stockt der Atem. In nichts als Shorts und Boxhandschuhen lehnt Declan in seiner Tür; Schweißperlen glitzern auf seinem tätowierten Körper. Ungekannte Lust rast durch ihre Adern. Der neue Nachbar ist heiß. Verdammt heiß. Aber seit dem Albtraum vor zwei Jahren hat sich Elizabeth strenge Dating-Regeln auferlegt, nach denen Declan für sie strikt tabu ist. Doch der raue Sex-Appeal des Briten schreit danach, alle Regeln über Bord zu werfen..."

Fazit:
Romane mit erotischer Zusatzhandlung sind im Normalfall simpel gestrickt: Junge trifft Mädchen, mindestens einer von beiden hat irgendeinen Knacks, was die Sache verkompliziert und am Ende sind alle glücklich. Diesem Grundprinzip folgt auch "Dirty English".

Um den Leser dennoch zu fesseln, sind zwei Dinge wichtig: die Hauptcharaktere und die Schreibweise. Beides muss in der Lage sein, den Leser so mitzunehmen, dass er das Erlebte mit den Hauptpersonen fühlt - und daran mangelt es hier.

Declan bringt alles für einen heißen Hauptprotagonisten mit: groß, gut aussehend, englischer Akzent, der ihm zusätzlichen Charme verleiht und durch seine Mixed Martial Arts - Kämpfe kommt noch ein Quantum Bad Boy hinzu - was will man mehr?
Bei Elizabeth sieht die Sache leider anders aus: sie ist einfach nur unentschlossen und langweilig... Was sie vor Jahren erlebt hat ist furchtbar, dass sie dieses Erlebnis prägt, ist verständlich - dass sie nun aber einerseits mit Wildfremden ins Bett geht und andererseits auf schüchtern und zurückgezogen macht, ist irgendwie nicht stimmig. Dadurch, dass man sie auch im weiteren Verlauf nie wirklich einschätzen kann und ihr Verhalten großteils aufgesetzt wirkt, wurde sie mir leider nicht sympathisch, wodurch die Story einiges an Reiz verlor.

Der Lesefluss ist in Ordnung, die Schreibweise nicht uninteressant, aber insgesamt konnte mich "Dirty English" nicht wirklich mitreißen und die Autorin sich nicht den großen Namen dieses Genres messen.

Ilsa Madden-Mills
"Dirty English - Verboten heiss"
ISBN: 978-3-95649-635-6
erschienen bei mtb

Dienstag, 28. Februar 2017

[Rezension] Ulf Torreck - Fest der Finsternis

Kurzbeschreibung:
"Paris im September 1805: In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. Der für seinen Jagdinstinkt bekannte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Als er auf die Hilfe eines alten Bekannten zurückgreift, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Dasein fristet, führt Marais den Albtraum erst zu seiner wahren Größe..."

Fazit:
Bereits nach wenigen Seiten merkt man, dass "Fest der Finsternis" das Potential zu etwas Großem hat. Denn schon nach kurzer Zeit entsteht eine Atmosphäre der Beklemmung und des Dunklen. Spätestens wenn Marquis de Sade auf der Bildfläche erscheint, ist klar, dass dies kein gewöhnlicher Thriller ist.

Der Lesefluss ist von Anfang an sehr gut, was bei einem Buch von über 600 Seiten sicher nicht ganz nebensächlich ist. Denn gerade bei einer derart ausgiebigen Handlung, ist es oft nicht leicht, das Interesse des Lesers durchgängig wach zu halten.

In den Informationen zum Autor steht, dass er für "Fest der Finsternis" über mehrere Jahre recherchiert hat. Und dies kommt eindeutig dem Leser zugute. Wir befinden uns in Paris zu Zeiten Napoleons. Entsprechend darf man erwarten, dass das Ambiente, die Gepflogenheiten und Sitten der damaligen Zeit entsprechen. Und das tun sie eindeutig - nicht einen Moment zweifelt man daran, sich im 19. Jahrhundert zu befinden. Dies bezieht sich nicht nur auf Kleidung, Umgangsformen, etc, sondern ebenso auf Politik und Polizeiarbeit. Da, neben Monsieur de Sade, eine ganze Reihe weiterer historischer Personen ihren Auftritt in "Fest der Finsternis" haben, dürfte es eine Menge Arbeit bedeutet haben, die historisch verbürgten Informationen zu diesen in den jeweiligen Charakter und zu integrieren und all dies der Fiktion einzuverleiben.

Auch der eigentlich Kriminalfall, um den es hier geht, ist nicht 08/15 und der Leser wird mit Marais und de Sade diversen Wegen folgen müssen, um die Lösung zu finden.

Die Übergänge zwischen Krimi und Thriller sind grau und fließend, dennoch hätte ich die Genrebezeichnung "Historischer Krimi" bevorzugt, da bei einem Thriller doch eine offener zutage tretende Spannung erwartet wird. Dies soll nicht bedeuten, dass "Fest der Finsternis" nicht spannend sei - ganz im Gegenteil, allerdings ist dies mehr eine dauerhaft vorhandene atmosphärische Spannung, die über allem liegt und nicht die typische Thrillerspannung.

Um an "Fest der Finsternis" Gefallen zu finden, sollte man auf jeden Fall gern historische Handlungen lesen und keine Furcht vor den dunklen Seiten des Menschen haben - dann kann es dem Leser aber wie mir ergehen, die ich schon jetzt sagen kann, dass Ulf Torreck mit "Fest der Finsternis" ganz klar eines meiner Lesehighlights 2017 geschrieben hat.

Ulf Torreck
"Fest der Finsternis"
ISBN: 978-3-453-67713-5
erschienen bei Heyne

Sonntag, 26. Februar 2017

[Rezension] Kathy Reichs - Die Knochenjägerin

Kurzbeschreibung:
"Drei der in Die Knochenjägerin versammelten Kurzromane von Kathy Reichs handeln vordergründig von der Unbarmherzigkeit der Natur. Ob klauenbewehrte Raubvögel in den Wäldern North Carolinas, auf Beute lauernde Alligatoren und Pythons in den Sümpfen Floridas oder die eisige Todeszone in den Höhen des Mount Everest - jeder Fall konfrontiert die Forensikerin Tempe Brennan mit der Vergänglichkeit des Lebens. Doch die Toten, die sie in ihrem Labor analysiert, führen Tempe auch Mal um Mal eine Gewissheit vor Augen, die ihre jahrelange Arbeit an Mordfällen erbracht hat: Nichts ist so unbarmherzig wie der Mensch...

Im vierten Kurzroman Tempe Brennans erster Fall offenbart Kathy Reichs ihren Lesern erstmals, wie aus einer angehenden Naturwissenschaftlerin eine forensische Expertin für menschliche Abgründe und die Werkzeuge des Todes wurde."

Fazit:
Im Gegensatz zu Anthologien, die wohl nie mehr mein Fall werden, habe ich festgestellt, dass ich Kurzromane bzw. Kurzromansammlungen bestimmter Autoren durchaus gerne lese. Vor allem natürlich, wenn die Hauptperson der Geschichten eine von mir gern gelesene Protagonistin ist. Dies war der Grund, warum ich "Die Knochenjägerin" von Kathy Reichs gelesen habe - denn Tempe Brennan und ihre Erlebnisse verfolge ich ja nun bereits seit vielen Jahren.

Jeder der vier Kurzromane umfasst ungefähr 100 Seiten und behandelt je einen abgeschlossenen Fall. Dass bei dieser Länge irgendwo Abstriche gemacht werden müssen, liegt auf der Hand. Hier wurden diese nicht bei den Ermittlungen, sondern in Tempes Privatleben gemacht, womit ich gut klar kam. Denn in den normalen Tempe Brennan - Büchern nimmt dies oft einen großen Teil der Handlung ein und die Konzentration auf die einzelnen Fälle hier fand ich eine nette Abwechslung.

Wie auch in den anderen Büchern der Tempe Brennan - Reihe sollte man sich klar darüber sein, dass man als Leser einiges über Knochen liest und lernt - wer derartige Ausführungen nicht mag oder wen diese langweilen, wird sicher nie ein Liebhaber dieser Bücher werden.

"Die Knochenjägerin" lässt sich auch problemlos lesen, wenn man bisher keine Erfahrung mit dieser Reihe hat und gibt einem einen guten Überblick, was einen in den normalen Büchern erwartet. So kann man als Neuling in Tempes forensischer Welt danach gut abschätzen, ob sich die Reihe für einen selbst lohnt oder nicht.

Aber auch für Leser der bisherigen Bücher hat "Die Knochenjägerin" einiges zu bieten. Schon allein dass man endlich auch einmal einen Blick auf den Anfang von Tempes Karriere werfen kann, fand ich wunderbar.

Der Lesefluss ist gewohnt gut und die einzelnen Geschichten, alle für sich abgeschlossen, lassen sich gut lesen. Für Spannung ist gesorgt und aufgrund der Kürze der einzelnen Stories auch konzentrierter zu finden als in den anderen Tempe-Büchern.

Letztendlich ist "Die Knochenjägerin" natürlich keine Alternative zu den anderen Büchern der Reihe, aber eine hervorragend umgesetzte Ergänzung!

Kathy Reichs
"Die Knochenjägerin"
ISBN: 978-3-89667-580-4
erschienen bei Blessing

Dienstag, 21. Februar 2017

[Rezension] Marah Woolf - Götterfunke - Liebe mich nicht

Kurzbeschreibung:
"Eigentlich wünscht Jess sich für diesen Sommer nur ein paar entspannte Wochen in einem Camp in den Rockys. Sich zu verlieben stand nicht auf ihrem Plan. Doch dann trifft sie Cayden, den Jungen mit den smaragdgrünen Augen, und er stiehlt ihr Herz. Aber Cayden verfolgt seine eigenen Ziele. Der Göttersohn hat mit Zeus eine Vereinbarung getroffen, auf deren Erfüllung er seit Jahrhunderten hofft. Nur wenn er ein Mädchen findet, das ihm widersteht, gewährt Zeus ihm seinen sehnlichsten Wunsch: endlich sterblich zu sein."

Fazit:
"Götterfunke - Liebe mich nicht" ist der erste Teil der "Götterfunke"-Reihe von Marah Woolf.

Ich habe schon immer gern die Sagen der griechischen und römischen Götter gelesen und mag es gern, wenn diese in fiktiven Realitäten von Romanen mitmischen. Allerdings kommt es natürlich immer auf die Umsetzung an, oft gerät diese leider schnell ins Lächerliche.

Dies ist bei "Götterfunke - Liebe mich nicht" absolut nicht der Fall. Die griechischen Götter, ihre Eigenheiten, Stärken und Schwächen sind in die Handlung wunderbar eingeflochten und harmonieren gut mit den menschlichen Charakteren. Die Autorin hat wohl ein Faible für Hera, die in der Geschichte sehr unter dem schlechten Ruf leidet, den sie in der Menschenwelt genießt und die hier als treusorgende Ehefrau und Mutter auftritt.

Der Lesefluss ist sehr gut, man mag Jess, Cayden, Apoll und all die anderen nicht einen Moment beiseite legen. Die Handlung ist nicht so vorhersehbar, wie ich befürchtet hatte und unterhält einfach wunderbar! Ich habe tatsächlich am Ende sogar die Leseprobe des zweiten Bandes gelesen, was ich sonst wirklich nie tue, einfach, um noch einen Moment bei Jess und Cayden verweilen zu können.

Gut gefallen haben mir auch die immer wieder vorkommenden humorigen Berichte von Hermes, dem Götterboten, dessen Aufgabe es ist, Cayden zu beobachten und Zeus und den anderen Göttern zu berichten.

Ach ja, "Götterfunke" ist wohl eigentlich ein Jugendbuch, aber ich würde dies nur als Lesealteruntergrenze sehen, denn dem Jugendalter bin ich schon ein Weilchen entwachsen und mich hat dieses Buch definitiv in seinen Bann geschlagen.

Ich bin schon sehr gespannt auf "Götterfunke - Hasse mich nicht", welches im September erscheinen wird.

Samstag, 11. Februar 2017

[Rezension] Katie Agnew - Die Perlenfrauen

Kurzbeschreibung:
"Zu ihrem 18. Geburtstag bekam die Schauspielerin Tilly Beaumont 1947 eine atemberaubend schöne Halskette geschenkt. Das Schmuckstück begleitete sie ihr Leben lang - bis es auf einmal spurlos verschwand. Jahre später bittet Tilly ihre Enkelin Sophia, die Kette zu finden. Sophia hat erkannt, dass man mit gutem Aussehen allein keine Rechnungen bezahlen kann. Die wertvolle Perlenkette könnte nun einige ihrer Probleme lösen. Doch wie soll Sophia ein Erbstück finden, das sie noch nie gesehen hat?"

Fazit:
Weder der Klappentext noch irgendeine andere Beschreibung könnte dem Inhalt von Katie Agnews "Die Perlenfrauen" gerecht werden. Denn in wenigen Worten lassen sich weder die Geschehnisse über 60 Jahre hinweg, noch die einzelnen Charaktere, die bestimmend für die Geschichte sind, auch nur annähernd beschreiben.

Die Perlenkette, die Tilly von ihrem Vater bekommt, ist das Bindeglied zwischen den Beaumontfrauen Tilly, Alice und Sophia; Aiko, der Tochter der Perlentaucherin Manami, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts genau diese Perlen aus dem Meer holt, um ihrer Tochter ein Leben in Freiheit zu ermöglichen, was Aiko später auch mutig in die Tat umsetzt und dem Amerikaner Dominik, einem Dokumentarfilmer, der kürzlich von seiner Frau verlassen wurde.

In weiten Teilen werden die Handlungsstränge einzeln erzählt - zusammen finden sie erst gegen Ende des Buches. Die einzelnen Charaktere sind alle sehr bildhaft und authentisch aufgebaut, sodass der Leser ihrer aller Leben in vielen Einzelheiten mitverfolgt, was den Inhalt der Geschichte sehr gehaltvoll macht.

Der Lesefluss ist hervorragend und die mehr als 500 Seiten sind auch vonnöten, um jedem einzelnen Charakter gerecht zu werden, was Katie Agnew in bewundernswerter Weise gelingt.

"Die Perlenfrauen" ist ein Roman, der ganze Lebensgeschichten erzählt und dies auf mitreißende, mitfühlende und unterhaltsame Weise - ein Buch, das auch nach dem Lesen noch im Gedächtnis bleibt.

Katie Agnew
"Die Perlenfrauen"
ISBN: 978-3-453-42029-8
erschienen bei Heyne