Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Freitag, 21. April 2017

[Rezension] Jeff Menapace - Das Spiel - Tod

Kurzbeschreibung:
"Die Lamberts sind eine Familie wie aus dem Bilderbuch. Liebevolle Eltern, entzückende Kinder. Doch nach der grauenvollen Begegnung mit drei Psychopathen ist für die Lamberts nichts mehr wie zuvor. Sie haben überlebt - aber es gibt noch ein letztes Spiel, das gespielt werden muss. Für den Meister dieses Spiels ist es die Krönung seines perfiden Schaffens...für die Lamberts die pure Hölle!"

Fazit:
"Das Spiel - Tod" ist der letzte Teil der Trilogie von Jeff Menapace um Familie Lambert und deren mörderische Gegenspieler. Natürlich musste ich wissen, wie es ausgeht, obwohl ich mich nach dem zweiten Teil bereits fragte, wer denn nun die eine Hauptrolle spielen würde.
Dieses Rätsel löste sich sehr schnell und war im Nachhinein durchaus logisch.

Dennoch kann ich nicht sagen, dass mir der dritte Band ebenso gut gefallen hat wie die Vorgänger. Unser Antagonist ist ein astreiner Soziopath, aber die psychopathischen Züge, die "Das Spiel" in den ersten beiden Büchern so interessant gestaltet haben, fehlen leider komplett.

Das Ziel dieses Buches sind auch eigentlich nicht die Lamberts - diesbezüglich ist der Klappentext durchaus missverständlich, die Kinder spielen praktisch gar keine Rolle und die Mutter nur am Schluß eine. Leser der ersten beiden Bände wissen darüber hinaus, dass der Vater den zweiten Band nicht überlebt hat, was der Klappentext auch anders darstellt. Im Fokus des Soziopathen steht in diesem Fall Dom, der im letzten Buch alles gegeben hat, die Familie zu beschützen.

Der Lesefluss ist gut, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel und die Handlung durchaus spannend und interessant in weiten Teilen. Dennoch bleibt ein schales Gefühl der Nichtbefriedigung zurück, ist man erst einmal am Ende angelangt. Das Geschehen an sich war für meinen Geschmack zu sehr auf optische Außenwirkung ausgelegt, dabei ist bei einem Buch gerade das am wichtigsten, was sich im Kopf des Lesers abspielt, ohne detailliert vorgezeichnet worden zu sein.

"Das Spiel - Tod" eignet sich deshalb meines Erachtens nach auch eher zum Drehbuch als als Vorlage fürs Kopfkino.

Jeff Menapace
"Das Spiel - Tod"
ISBN: 978-3-453-67709-8
erschienen bei Heyne Hardcore

Donnerstag, 20. April 2017

[Rezension] Jeffrey Archer - Die Wege der Macht [Clifton-Saga 5]

Kurzbeschreibung:
"Die Wege der Familie Clifton und Barrington sind gezeichnet von Glück und Leid, von Machtspielen und Schicksalsschlägen. Während sich sein Jugendfreund Giles in eine Frau mit dunkler Vergangenheit verliebt, reist Harry Clifton nach Sibirien. Harry will dem dort inhaftierten Schriftsteller Babakow helfen - und bringt sich damit in große Gefahr. Auch für seine Frau Emma, die der Barrington-Gesellschaft vorsteht, schlägt eine schwere Stunde..."

Fazit:
Band 5 der Clifton-Saga setzt genau dort an, wo der letzte Band endete.
Aufgrund all der Verwicklungen der Hauptpersonen, die sich über die Jahrzehnte aufgebaut haben, rate ich jedem neuen Leser beim ersten Band zu starten - ich glaube, sonst sind die Verflechtungen untereinander nur schwer nachzuvollziehen.

Auch in diesem Band schafft es Jeffrey Archer, die Geschichte der Familien Clifton und Barrington so weiterzuspinnen, dass ich von Anfang an in das Leben der mir nun wohlbekannten Personen eintauchte und erst am Schluss notgedrungen wieder in die Realität zurückfand.

Wie man es von den Vorgängerbüchern kennt, lässt einen das Buch mit mehr offenen Fragen als Antworten zurück, sodass man gar nicht anders kann, als sehnsüchtig auf das Erscheinen des nächsten Bandes zu warten, auf das wir im September hoffen dürfen.

Jeffrey Archer vereint in dieser Saga sehr unterschiedliche Lebensläufe und Charaktere, was sicher dazu beiträgt, dass die Handlung immer offen und interessant bleibt und auch ein Mangel an Spannung nicht moniert werden kann.

Mit Giles Barrington reisen wir nach Ostdeutschland, was beinahe genauso beängstigend wirkt wie Harrys Reise nach Russland. Ich kann mich noch immer nicht mit mir selbst einigen, ob Harry in diesem Band ein absoluter Idealist oder entsetzlich naiv ist...Emma hat schon seit einigen Bänden eine Vorreiterrolle inne - ist es doch selbst heute, Jahrzehnte nach der Handlung, noch immer nicht wirklich usus eine Frau als Vorstandsvorsitzende eines großen Unternehmens zu sehen.
Natürlich spielen auch altbekannte und ein paar neue Intriganten ihre Rolle, ohne die die Handlung nur halb so interessant würde.
Auch in "Die Wege der Macht" bleibt der Autor bei seiner realistischen Darstellung eines Lebens, denn auch die lieb gewonnen Charaktere im Buch begehen Fehlentscheidungen, die ihr ganzes Leben ändern.

Mit der Clifton-Saga hat Jeffrey Archer die verbundene Geschichte zweier Familien konstruiert, die mich auch über das Lesen hinaus nicht los lässt und bei der ihm gottlob die Ideen nicht auszugehen scheinen!

Jeffrey Archer
"Die Wege der Macht"
ISBN: 978-3-453-41992-6
erschienen bei Heyne

Mittwoch, 19. April 2017

[Rezension] Markus Heitz - Des Teufels Gebetbuch

Kurzbeschreibung:
"Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit der Karte auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist um nicht weniger als um sein eigenes Leben."

Fazit:
Natürlich ist mir der Name Markus Heitz ein Begriff. Allerdings assoziiere ich ihn direkt mit High Fantasy, ob zu recht oder nicht. Da ich im Bereich der High Fantasy ein eher schwieriger Leser bin, hatte ich bisher noch kein Buch von Markus Heitz gelesen. Der Klappentext klingt eher weniger nach Fantasy bzw. scheint im Bereich der Urban Fantasy zu verbleiben, die dann schon eher meiner Leseausrichtung entspricht und so wagte ich einen Versuch.

Jetzt allerdings bin ich wohl für immer verloren und werde wohl auch eines der vielen anderen Bücher von Markus Heitz lesen müssen - denn wenn der Schreibstil von "Des Teufels Gebetbuch" typisch für die Werke des Autoren ist, darf man sie sich nicht entgehen lassen.

Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt - zum einen in der Gegenwart mit Tadeus Boch und zum anderen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Leipzig, wo man niemand geringerem als dem Studiosus Goethe begegnet. Allerdings ist seine Gegenwart nicht das einzige, was in diesem Handlungsstrang an Goethe erinnert, denn Markus Heitz kennt seinen Faustus eindeutig. Überhaupt fand ich den Rechercheaufwand, der hinter der Geschichte der Spielkarten steckt, sehr beeindruckend. Für alle, die über das Buch hinaus mehr wissen möchten, gibt es einen ausführlichen Anhang über die Spielkarten im Laufe der Zeit.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass man selbst ohne Kapitelüberschrift aufgrund des Schreibstils direkt wüsste, in welchem Jahrhundert man sich befindet. Markus Heitz wechselt wie selbstverständlich zwischen gegenwärtiger und vergangener Sprache, Brauchtümer, Verhaltensweisen, etc., was beide Ebenen sehr authentisch macht.

Auch die Charaktere tragen viel zur Authentizität bei, denn niemand ist perfekt, jeder hat gute Seiten und schlechte Seiten, bei dem einen mehr verborgen als beim anderen, aber immer an die Oberfläche zu locken.

Im Großen und Ganzen geht es in "Des Teufels Gebetbuch" um nicht weniger als den ewigen Kampf Gut gegen Böse, die Verlockung des Bösen, die das Schlechteste in jedem von uns hervorholt und vor der kaum jemand gefeit ist.

Der Lesefluss ist kaum besser möglich, sodass ich das Buch trotz seines nicht geringen Umfangs weiterlesen musste, ob im Wartezimmer beim Zahnarzt oder beim Friseur - denn die Spannung ist allgegenwärtig und der Leser mindestens so erpicht auf den Fort- und Ausgang der Geschichte wie die Beteiligten.

"Des Teufels Gebetbuch" hat mich innerhalb weniger Seiten gepackt und nicht mehr losgelassen - die greifbare Spannung, die Unwägbarkeiten der Handlung - ein Pageturner, der den Namen verdient.

Markus Heitz
"Des Teufels Gebetbuch"
ISBN: 978-3-426-65419-4
erschienen bei Knaur

Dienstag, 18. April 2017

[Rezension] Madlen Schaffhauser - I fight for you - Gefährliches Spiel

Kurzbeschreibung:
"Nach dem Selbstmord ihres Bruders Dean muss sich Sue allein um ihren Bruder kümmern. Um diesem ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen, bricht sie ihr Studium ab und verdient als professionelle Autodiebin ihr Geld.

Der Schmerz darüber, von ihrer großen Liebe Kane verlassen worden zu sein, als sie ihn am meisten brauchte, betäubt Sue mit Alkohol. Drei Jahre später steht er plötzlich vor ihr - so anziehend und heiß wie sie ihn in Erinnerung hatte - und verspricht ihr, Deans Tod zu rächen. Es fällt ihr schwer, ihm auch nur ein Wort zu glauben. Doch als sie der Wahrheit jener verhängnisvollen Nacht näherkommt, bleibt ihr keine Wahl, als ihm erneut ihr Vertrauen zu schenken."

Fazit:
Ich lese mitunter gern Liebesromane, zumindest, wenn diese nicht zu sehr ins Kitschige abdriften. Spannng ist für mich ein wichtiger Bestandteil vieler Bücher, nicht nur im Thrillerbereich. So ist das Untergenre "Romantic Suspense" wie für mich gemacht. Entsprechend neugierig war ich dann auch auf "I fight for you - Gefährliches Spiel" von Madlen Schaffhauser, welches mein erstes Buch der Autorin war, sodass ich auch nicht wusste, was für ein Schreibstil mich erwartete.

Da mich niemand gewarnt hat, tue ich dies gleich am Anfang: Wenn ihr "I fight for you - Gefährliches Spiel" anfangt zu lesen, stellt sicher, dass ihr über ausreichend Zeit verfügt, das Buch auch direkt zu Ende zu lesen. Denn ein Unterbrechen nach den ersten Seiten ist schwer, sehr schwer!

Die Autorin nimmt den Leser mit ins Londoner Umland und mitten hinein in Sues verqueres Leben - Anfang 20 mit abgebrochenem Studium, allein veranwortlich für ihren jüngeren Bruder, die Eltern tot, der ältere Bruder tot - da verwundert es nicht, dass Sue nicht immer klar denken kann. Auch ihre einzige Liebe hat sie enttäuscht und verlassen - verarbeitet hat Sue nichts davon.

Auch wenn mir Sue mitunter etwas naiv vorkam, ist es vor allem ihr Charakter, der die Handlung trägt. Das, was sie durchmacht, erlebt, was sie ausmacht, lässt beim Lesen nicht kalt. Ihre Emotionen kommen ungefiltert beim Leser an, wie auch immer Madlen Schaffhauser das gelingt. Ergänzend zu Sue kommt Kane ins Spiel - der natürlich die weibliche Leserschaft zum Seufzen bringt. Auch wenn er Sue verlassen hat, weiß man einfach, dass es dafür einen guten Grund geben wird, so ein perfekter Mensch kann gar nicht so böse sein...

Der Lesefluss ist eher ein Sog - einmal angefangen kann man nicht aufhören zu lesen! Natürlich weiß man schon am Anfang, wie das Buch enden wird, aber der Weg dahin ist mitreißend, spannend, traurig, sexy und vieles mehr.

"I fight for you - Gefährliches Spiel" ist ein Paradebeispiel dafür, dass im Romantic Suspense weder die Gefühle noch die Spannung zu kurz kommen - ich hoffe, wir bekommen bald Nachschub von Madlen Schaffhauser, deren Schreibstil und Einfallsreichtum mir spannende, heiße Lesestunden beschert hat.

Madlen Schaffhauser
"I fight for you - Gefährliches Spiel"
ISBN 978-3-903130-30-2
erschienen in der Romance Edition

Freitag, 7. April 2017

[Rezension] Christina Lauren - Wicked Sexy Liar

Kurzbeschreibung:
"Surfen, mit Freunden am Strand chillen - Kellnerin London macht sich ein entspanntes Leben nach dem College-Abschluss. Eine Beziehung ist das Letzte, was sie will - doch nach einer heißen Nacht mit dem verführerischen Player Luke ist sie sich dessen plötzlich nicht mehr so sicher...

Normalerweise wechselt Luke die Frauen wie andere die Boxershorts. Aber das mit London ist etwas Besonderes. Seit der Trennung von seiner Ex war er nicht mehr so verliebt. Doch Luke muss vorsichtig sein - denn er hat eine Vergangenheit, die alles zerstören könnte!"

Fazit:
Mit "Wicked Sexy Liar", dem vierten, und so liest man, Abschlußband der "Wild"-Reihe von Christina Lauren, widmen sich die Autorinnen London - sonst sind ja auch bereits alle Mitglieder der Clique unter der Haube.

Im Nachwort schreiben die Autorinnen, dass sich "Wicked Sexy Liar", im Gegensatz zu seinem Vorgänger "Dark Wild Night", wie von selbst schrieb - und genauso liest es sich auch. Die Leichtigkeit, die man vom Schreibstil des Autorenduos bisher kannte, die ich bei Lola und Oliver mitunter vermisste, ist wieder da!

Wie gewohnt wird die Geschichte sowohl aus Lukes, als auch aus Londons Sicht geschildert, wobei Luke deutlich mehr Raum zugestanden wird als Oliver, was mir damals auch negativ aufgefallen ist.

Die Handlung ist abwechslungsreich, unterhaltsam und jede Frau kann sich mitunter in Londons unlogischem Verhalten wiederfinden. Auch wenn London Luke den Stempel des unzuverlässigen Aufreißers aufdrückt, lernt der Leser natürlich eine ganz andere Seite von ihm kennen - dass er selbstverständlich grandios aussieht, brauche ich sicher nicht extra zu erwähnen.

Der Lesefluss ist sehr gut, die Charaktere lebensecht (bis auf ihr Aussehen ;-) ), die Handlung abwechslungsreich und das Verhalten unserer Hauptprotagonisten authentisch.

Wieder einmal habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und bin gespannt, womit uns die Autorinnen als nächstes überraschen, da ich mir nicht sicher bin, ob überhaupt eine der beiden Reihen ("Beautiful" oder "Wild") fortgesetzt wird oder wir etwas ganz neues erwarten dürfen?

Christina Lauren
"Wicked Sexy Liar"
ISBN: 978-3-95649-660-8
erschienen bei mtb

Donnerstag, 6. April 2017

[Rezension] Petra Durst-Benning - Die Blütensammlerin

Kurzbeschreibung:
"Nach ihrer Trennung soll Christine entweder aus ihrem Haus ausziehen oder ihren Mann auszahlen. Wer aber gewährt einer Hausfrau Ende vierzig ein Darlehen oder stellt sie ein? Doch die Maierhofener Frauen halten zusammen und helfen Christine, ihr Haus in ein Bed&Breakfast umzuwandeln. Und sie wird Single-Wochenenden ausrichten, an denen man nicht nur das Landleben, sondern auch neue Menschen kennenlernt. Sogar Marketingexpertin Greta ist begeistert: Im Juni findet doch der große Kochwettbewerb statt - und wie wäre es, wenn Christine ein Team zusammenstellte, das daran teilnimmt? So könnte jeder Topf seinen Deckel finden..."

Fazit:
Dies scheint ein Romanfrühling zu sein - so viele tolle Romane, die mich wirklich mitnehmen und bewegen, habe ich schon lange nicht mehr in Reihe gelesen.

Dazu gehört auch eindeutig "Die Blütensammlerin" von Petra Durst-Benning. Die Fortsetzung von "Kräuter der Provinz" bringt dem Leser all die liebgewonnenen Charaktere zurück und einen bunten Haufen neuer. Der Fokus in "Die Blütensammlerin" liegt diesmal auf Christine, deren Trennung man ja bereits in "Kräuter der Provinz" miterlebt hat. Dennoch lässt sich das Buch problemlos lesen, erleben und verstehen, ohne die Vorgeschichte zu kennen.

Diese unterschiedlichen Protagonisten sind es auch, von denen die Handlung lebt. Als einzige Gemeinsamkeit den Single-Status, könnten sie ansonsten kaum unterschiedlicher sein. Im Laufe des Geschehens darf man bei jedem einen Blick hinter die Fassade werfen, Beweggründe und Entwicklungen kennenlernen und verstehen.

Wem dies alles zu emotional klingt, der sei beruhigt: Der realistische und oft humorige Schreibstil der Autorin bewahrt vor Kitsch und Gefühlsduselei.

"Die Blütensammlerin" ist ein wundervoll mitreißender Roman über das Leben, die Liebe, Freundschaft und Erwartungen an die Zukunft.

Petra Durst-Benning
"Die Blütensammlerin"
ISBN: 978-3-7341-0012-3
erschienen bei blanvalet

Mittwoch, 5. April 2017

[Rezension] Micaela Jary - Die Villa am Meer

Kurzbeschreibung:
"Rostock-Warnemünde 1897: Katharinas Hochzeit mit dem verwitweten, wesentlich älteren Manufakturbesitzer und Korbmacher Olaf Borchers steht unter einem schlechten Stern: Nicht nur, dass ihr Herz einem anderen gehört, Borchers halbwüchsiger Sohn ist nicht einverstanden mit der neuen Frau seines Vaters. Dennoch tut Katharina ihr Bestes, um mit ihrem Mann glücklich zu werden. Doch das ändert sich an dem Tag, an dem sie Pläne für ein eigenes Geschäft macht - einen Strandkorbverleih an der Ostsee..."

Fazit:
Nach dem Lesen des Buches weiß man, wie unzureichend der Klappentext "Die Villa am Meer" dem Leser versucht nahezubringen. Das liegt nicht am Klappentext, denn es ist einfach nicht möglich, in wenigen Worten die Handlung, und vor allem die Faszination, die von Katharina und ihrer Lebensgeschichte ausgehen, zu transportieren.

Bereits nach wenigen Seiten ist man an der Ostsee zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Autorin und natürlich die Protagonisten nehmen den Leser direkt mit. Die Charaktere sind sehr authentisch und lebensecht gezeichnet, niemand ist perfekt, jeder hat Fehler und Schwächen.

Das Buch lebt von Katharina, die ganz klar im Fokus steht. Aber natürlich haben auch viele andere Menschen Einfluss auf ihr Leben genommen, sodass wir es mit einer überschaubaren Zahl von Charakteren zu tun haben.

Mit das Wichtigste an diesem Buch ist die Vielzahl von Emotionen, die, wie im realen Leben, eine wichtige Rolle spielen und das Leben der Menschen lenken und beeinflussen. Liebe, Neid, Missgunst, Hass, Stolz, Eitelkeit - ohne diese Emotionen wäre "Die Villa am Meer" nicht möglich gewesen. Aber auch Freundschaft, Verbundenheit und die Ausdauer der Liebe sollten nicht unerwähnt bleiben.

Der Lesefluss ist sehr gut, der Leser begleitet Katharina durch Höhen und Tiefen ihres Erwachsenenlebens und von beidem gibt es reichlich. Da die Handlung immer wieder Wendungen nimmt, die der Leser nicht erahnen kann oder mitunter befürchtet, aber nicht miterleben möchte, lässt die Faszination der Handlung bis zum Schluss nicht nach.

Ein Roman über Familie, Freunde und alles, was das Leben mit sich bringt - absolut empfehlenswert!

Micaela Jary
"Die Villa am Meer"
ISBN: 978-3-442-48595-6
erschienen im Goldmann Verlag

Dienstag, 4. April 2017

[Rezension] Christiane Lind - Weiße Rosen und die Titanic

Kurzbeschreibung:
"Berlin, im Frühjahr 1912: Der Schauspielerin Paula und der Kostümbildnerin Luise steht eine glänzende Theaterkarriere bevor. Doch von einem Tag auf den anderen zerplatzen ihre Zukunftsträume. Die jungen Frauen verlieren Arbeitsplatz und Wohnung, ein gefälschter Schuldschein treibt sie zur Flucht. Letzte Rettung ist das großzügige Geschenk eines amerikanischen Verehrers: ein Erste-Klasse-Ticket für die Titanic. An Bord des eleganten Luxusdampfers findet Luise ihr Glück mit dem Steward Leonard, während Paulas Verehrer Ferdinand von Fahlbusch einen perfiden Plan verfolgt..."

Fazit:
Ein Roman, der - zumindest in weiten Teilen - auf der Titanic spielt. Ob das gut geht? Natürlich weiß man, wie die Jungfernfahrt der Titanic endet und dass diese sich hervorragend als Kulisse für eine Liebesgeschichte eignet, haben uns Leo und Kate auch schon vor Längerem bewiesen. Aber auch wenn man es am Titel nicht direkt erkennen kann: in "Weiße Rosen und die Titanic" geht es im Vordergrund gar nicht wirklich um eine Liebesgeschichte. Vielmehr haben wir es mit einer einer spannenden, halben Detektivgeschichte zu tun. Geht auch das auf der Titanic?

Ja, das geht! Und zwar direkt aus mehreren Gründen: Da hätten wir zum einen unsere Hauptprotagonisten: Paula und Luise, aber auch Leonard, den Steward und Ferdinand. Diese Charaktere, genauso wie auch die Nebendarsteller, sind absolut aus dem Leben gegriffen. Sie wirken so echt, wie man es im Kopf des Lesers nur tun kann, jeder individuell mit Stärken, Schwächen und Eigenarten.
Auch Lebensweise und Sprache der damaligen Zeit hat Christiane Lind authentisch eingefangen.
Die Handlung ist darüber hinaus wirklich spannend aufgebaut, was seltsam anmutet, da dem Leser sehr früh klar ist, wer hinter den Vorkommnissen steckt - dennoch fiebert man mit Paula und Luise, rätselt und bangt mit ihnen. Da ist ein Schiff als Handlungsort geradezu ideal, weil er nach außen abgeschlossen ist: egal, was passiert, jemand, der sich mit auf dem Schiff befindet, muss dafür verantwortlich sein.

Bis zu dem Moment, wo das Schiff tatsächlich den Eisberg rammt, war dies in meinem Kopf so in den Hintergrund gerückt worden von der mitreißenden Handlung, dass ich mich tatsächlich richtig erschrocken habe.

Kaum noch nötig zu erwähnen, dass der Lesefluss extrem gut ist, die Handlung mitreißend und spannend, man gar nicht ans Ende gelangen möchte, um die Protagonisten nicht verlassen zu müssen - kurzum, wer "Weiße Rosen und die Titanic" nicht liest, verpaßt unterhaltsame, spannende Lesestunden.

Christiane Lind
"Weiße Rosen und die Titanic"
nähere Informationen über Autorin und Buch findet ihr hier

Montag, 20. März 2017

[Rezension] Susanne Kliem - Das Scherbenhaus

Kurzbeschreibung:
"Carla erhält seit Monaten anonyme Drohbriefe und wird von Angstattacken geplagt. Als sich die Chance ergibt, in ein hochmodernes Wohnhaus nach Berlin zu ziehen, freut sie sich auf den Neuanfang. In ihrem perfekt abgesicherten Smart Home und der engen Hausgemeinschaft fühlt sie sich beschützt. Doch dann gibt es immer mehr alarmierende Vorfälle, und Carla ahnt, dass der Feind gar nicht von außen kommt. Er ist schon längst bei ihr..."

Fazit:
Das erste, was mir auffiel, war die Atmonsphäre des Buches. Gleich zu Beginn schafft Susanne Kliem ein beklemmendes Gefühl, das den Leser direkt vereinnahmt und über die folgende Handlung auch nicht mehr loslassen wird.

Entsprechend ist der Lesefluss sehr gut, das Buch ein absoluter Pageturner! Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, lebensecht und bildhaft charakterisiert, haben aber immer noch die ein oder andere Überraschung in der Hinterhand.

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist, dass die Identität des Bösewichts sehr schnell auf der Hand lag. Natürlich war es mit der Identität nicht getan, aber auch die Überführung war doch recht vorhersehbar.

Dennoch ist "Das Scherbenhaus" ein sehr spannender, extrem atmosphärischer Psychothriller, den ich allen Thrillerfreunden nur empfehlen kann.

Susanne Kliem
"Das Scherbenhaus"
ISBN: 978-3-570-58566-5
erschienen bei carl's books

[Rezension] Julia Knight - Schwerter und Schwindler

Kurzbeschreibung:
"Eigentlich sind Kacha und ihr Bruder Vocho die besten Schwertfechter von Reyes.
Doch der Kampf für Ehre und Gerechtigkeit war einmal - seit die beiden durch Vochos Schuld hochkant aus der Gilde der Duellanten geflogen sind, müssen sie sich als Wegelagerer durchschlagen, was Kachas Laune nicht unbedingt verbessert.
Doch als die Geschwister bei einem Überfall auf eine Kutsche eine Truhe mit geheimen Dokumenten an sich bringen, geraten sie mitten hinein in eine tödliche Verschwörung. Und Hilfe naht ausgerechnet in Form von Dom, dem arroganten Sohn eines Grundbesitzers, der ein Auge auf Kacha geworfen hat..."

Fazit:
Der Klappentext klang nach Unterhaltung, Spannung und "Mantel-und-Degen-Fantasy" - vielversprechend!
Dennoch hatten das Buch und ich so unsere Startschwierigkeiten. Das lag vor allem daran, dass man in eine völlig andere Welt katapultiert wird, wo eine Herrschaftsform gerade die andere abgelöst hat und man bei keiner von beiden versteht, worum es geht. Ich hatte anfangs immer das Gefühl, in einem zweiten Teil zu sein und den ersten nicht zu kennen.

Später allerdings gibt es immer wieder Rückblenden, die die vorhergehenden Geschehnisse beleuchten und wo dann auch klarer wird, wie diese Welt funktioniert. Diese Rückblenden hätten früher starten sollen, dann hätte es diese Anfangsschwierigkeiten nicht gegeben.

Sobald man dann aber mental einmal in der Welt von Vocho und Kacha angekommen ist, hält das Buch, was der Klappentext verspricht: Die Handlung ist unterhaltsam, spannend, teilweise rasant und voller Intrigen. Entsprechend gut ist ab da der Lesefluss, denn man rätselt automatisch, was die Hintergründe für all das sein mögen und nach und nach werden diese enthüllt - nicht, ohne den Leser zwischenzeitlich auf diverse Holzwege zu schicken.

Am Ende von "Schwerter und Schwindler" hat man zum einen das Gefühl, jetzt gut Bescheid zu wissen, zum anderen liegt aber noch einiges an Arbeit vor Vocho und Kacha, sodass man sich bereits auf den zweiten Teil freut, der mit "Legenden und Lügner" im Sommer erscheinen wird.

Julia Knight
"Schwerter und Schwindler"
ISBN: 978-3-426-51994-3
erschienen bei Knaur

Montag, 13. März 2017

[Rezension] Aurora Rose Reynolds - Until love: Cash

Kurzbeschreibung:
"Ein Blick auf Lilly Donovan genügt und Cash Mason verliebt sich Hals über Kopf in die hübsche Rothaarige. Ihre romantische Beziehung nimmt jedoch ein jähes Ende, als Cash gezwungen wird, zwischen der Liebe seines Lebens und seinem ungeborenen Kind zu wählen.

Cash denkt, das Richtige zu tun, als er sich für seinen Sohn Jax entscheidet. Erst Jahre später findet er heraus, eine Lüge gelebt und damals nicht nur Lilly, sondern mit ihr auch sein ungeborenes Mädchen im Stich gelassen zu haben. Er beginnt, um seine kleine Familie zu kämpfen, doch um Lillys Herz zurückzugewinnen, muss er zuerst alle Mauern niederreißen, die sie darum errichtet hat..."

Fazit:
Mit "Until love: Cash" haben wir bereits den dritten Band der Reihe um die Mayson-Brüder von Aurora Rose Reynolds zu lesen bekommen - und da die Mayson-Jungs sind, wie sie sind, durfte man auch bei Cash Kopfkino vom Feinsten erwarten!

Bereits im zweiten Band mit Trevor hat man die Grundzüge von Cashs Geschichte mitbekommen - dennoch muss man das Buch nicht kennen, um in "Until love: Cash" einzutauchen. Der Lesefluss ist sehr gut und die knapp 220 Seiten viel zu schnell gelesen, auch wenn für den vierten Bruder, Nico, der Weg bereits bereitet wurde und man sich entsprechend auf die Fortsetzung freuen darf.

"Until love: Cash" ist eine Liebesgeschichte, wie man sie sich wünscht: die beiden lieben sich, aber das Zusammensein und -bleiben ist nicht so einfach - zumal Jax' Mutter eine ziemlich gestörte Rolle zukommt.
Der Leser darf sich auf Unterhaltung, Spannung und prickelnde Abenteuer freuen!

Auch wenn einige Ereignisse arg kurz, wie abgeschnitten, erzählt werden und ein etwas sorgfältigeres Korrektorat sicher nicht geschadet hätte, habe ich "Until love: Cash" verschlungen und kann die Reihe nur jedem Contemporary-Romance-Fan ans Herz legen! Ich jedenfalls freue mich schon auf Nico, den jüngsten der Mayson-Brüder.

Aurora Rose Reynolds
"Until love: Cash"
ISBN: 978-3-903130-22-7
erschienen in der Romance Edition

Samstag, 11. März 2017

[Rezension] Kristen Proby - Für Happy Ends gibt's kein Rezept

Kurzbeschreibung:
"Alle schwärmen vom Seduction, dem Restaurant, das Addie gemeinsam mit ihren Freundinnen führt. Als Tüpfelchen auf dem i fehlt nur noch Live-Musik. Doch kaum, dass ein Typ mit Gitarre hereinschneit und sich bewirbt, kippt Addie fast aus ihren High Heels. Jake Knox, der berühmte Rockstar! Seit jeher üben Musiker einen gefährlichen Reiz auf sie aus, stärker als Schuhe und Schokolade zusammen. Und Jake mit seinen grünen Augen und der rauchigen Stimme könnte ihr zum Verhängnis werden..."

Fazit:
Ich liebe Schnulzen! Denn auch, wenn das Wort "Schnulze" oft als negativ gesehen wird - eine richtige, echte Schnulze ist etwas Wunderbares! Nicht umsonst sind es Schnulzenfilme, die man sich immer und immer wieder anschaut, ohne je genug davon zu bekommen! Ähnliches gilt für Bücher: "Für Happy Ends gibt's kein Rezept" ist definitiv eine Schnulze!

Addie ist eine wunderbare Frau und das gerade, weil sie nicht perfekt ist! Klar, sie ist groß und gutaussehend, hat früher als Model gearbeitet und auch jetzt eine super Figur - allerdings sind da ihre innere Unsicherheit und ihr Hang zu fremdgehenden Musikern, die ihr das Leben schwer machen. Und natürlich verliebt sie sich prompt in einen Rockstar! Der ist natürlich ebenfalls wahnsinnig attraktiv und dazu noch ein total lieber Kerl. Würde einfach alles glatt gehen, wäre das Buch nie geschrieben worden, also gibt es ein gerüttelt Maß an Irrungen und Wirrungen, Liebe und Verletztheit.

Der Lesefluss ist hervorragend, der Schreibstil sehr unterhaltsam und mit einer ordentlich Portion Sarkasmus gewürzt, sodass man sich vom Buch kaum losreißen kann. Die Protagonisten haben alle ihr Päckchen zu tragen, sind sehr sympathisch und bildhaft charakterisiert und man hat eine echt tolle Zeit mit Addie und ihren Mädels, auch wenn man diese mitunter gern am Kragen packen und schütteln möchte.

Viel zu schnell ist man am Ende angelangt, allerdings hat mich getröstet, dass "Für Happy Ends gibt's kein Rezept" erst der Auftakt der Reihe ist und wir mit "Eine Prise Liebe" im Sommer den zweiten Band erwarten dürfen, wo es um Addies Freundin Cami und ihr Liebesglück geht.

Kristen Proby
"Für Happy Ends gibt's kein Rezept"
ISBN: 978-3-9564-633-2
erschienen bei mtb

[Rezension] Hanna Caspian - Die Kirschvilla

Kurzbeschreibung:
"Isabell und ihre Großmutter Pauline treten ein Erbe in Köln an - Paulines Geburtshaus. Doch die alte Villa am Rheinufer mit der angeschlossenen Brauerei birgt lang gehütete Geheimnisse. Und ausgerechnet Julius Grothues, Isabells neue Liebe, scheint tief darin verstrickt. Als ihr schließlich zwei Tagebücher aus den Zwanzigerjahren in die Hände fallen, erkennt sie, dass sie den Schleier über den Geheimnissen lüften muss, wenn sie endlich glücklich werden möchte..."

Fazit:
Romane, die alte Familiengeheimnisse nach und nach ans Licht bringen, haben mich schon immer fasziniert. Entsprechend war "Die Kirschvilla" prädestiniert, gelesen zu werden.

Die Handlung wird in zwei unterschiedlichen Zeitsträngen erzählt: einmal in der Gegenwart in Köln mit Pauline, Isabell und Julius und einmal in der Zeit zwischen den Weltkriegen, vor allem in den Jahren vor Paulines Geburt.

Der Lesefluss ist sehr gut, da man als Leser nichts lieber möchte, als den Dingen sofort auf den Grund zu gehen. Das allerdings weiß Hanna Caspian zu verhindern, denn nur Stück für Stück wird die Vergangenheit enthüllt. Und eigentlich ist das auch gut so, denn all die Dinge, die ans Licht kommen, wären auf einmal überhaupt nicht zu verkraften. Wieviel Leid kann eine Familie ertragen, bis sie zerbricht? Diese Frage wird in "Die Kirschvilla" definitiv beantwortet, denn es ist kaum vorstellbar, dass einer einzigen Familie noch mehr Fürchterliches widerfahren kann!

Der Roman ist sehr emotional und berührt beim Lesen tief, denn man leidet und hadert mit den Protagonisten, die sehr lebensecht charakterisiert wurden, was die Identifikation leicht macht.

Mich hat "Die Kirschvilla" mit einem Seufzer zurückgelassen - hätte ich mir doch für jeden Einzelnen im Buch ein wenig mehr Glück erhofft. Aber gerade die Realitätsnähe - dass es nämlich leider nur zu gut vorstellbar ist, dass so etwas tatsächlich geschieht und geschah - macht die Eindrücklichkeit des Romans aus.

Hanna Caspian
"Die Kirschvilla"
ISBN: 978-3-453-41955-1
erschienen bei Heyne

Mittwoch, 8. März 2017

[Rezension] Martin Krist - Brandstifter

Kurzbeschreibung:
"Sie haben deinen Ehemann brutal ermordet - jetzt bedrohen sie deine Kinder! Wie weit wird die junge Witwe Valentina gehen, um ihre Familie zu beschützen?

Problemlöser David Gross soll den Feuertod einer jungen Frau aufklären und gerät dabei selbst in lebensgefährliche Ermittlungen. Doch die Sorge um seine eigene Familie lenkt ihn bald mehr ab, als ihm lieb ist..."

Fazit:
In "Brandstifter" begleitet der Leser David Gross wieder ein Stückchen weiter. Auch wenn die eigentliche Thrillerhandlung abgeschlossen ist, sollte man die vorherigen Bücher mit David Gross gelesen haben, um die Rahmenhandlung wirklich nachvollziehen zu können.

Ich war von Anfang an ein Fan von David Gross und daran hat sich auch mit dem aktuellen Buch nichts geändert - allerdings muss ich zugeben, dass mir in "Brandstifter" die reine Thrillerhandlung dieses Mal besser gefallen hat. Der Handlungsstrang mit David war sehr hin- und hergerissen zwischen seinem Fall und seinem Sohn. Das wäre soweit kein Problem gewesen, aber David verliert sich für meinen Geschmack ein wenig zu häufig in wirren Gedanken. Nichts desto trotz hoffe ich inständig, dass es mit David und seiner Suche weiter geht, wovon man am Ende des Buches durchaus ausgehen darf.

Der Lesefluss ist, wie wir es von Martin Krist gewohnt sind, sehr gut. Kurze Kapitel mit fiesen Cliffhangern, anschließende Perspektivenwechsel - da bleibt man gern am Ball bzw. am Buch. Was mir an Martin Krists Büchern besonders gut gefällt und was ich in dem Ausmaß bisher selten gefunden habe, ist die Komplexität der gesamten Handlung, aufgeteilt in viele kleine Häppchen, die Stück für Stück den Weg zum Leser finden. Was anfangs wie verschiedene Handlungen wirkt, greift am Schluss stimmig ineinander.
Allerdings sollte man, aufgrund genau dieser Komplexität, ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit beim Lesen mitbringen, damit man den Weg durch die Wirrungen auch findet - ich mag es gern, wenn ein Autor meine Intelligenz fordert und in dieser Hinsicht hat mich Martin Krist bisher noch nie enttäuscht.

Martin Krist
"Brandstifter"
ebook erschienen bei Edel Elements
TB erhältlich bei Amazon

Samstag, 4. März 2017

Sarah Saxx - Küssen verboten, lieben erlaubt

Kurzbeschreibung:
"Phoebe Harris hat sich von ihrem langjährigen Freund getrennt und zieht von Vancouver zurück in ihre Geburtsstadt Greenwater Hill, wo sie als Verkäuferin in der Bäckerei einen Job findet. Als ihr der smarte Officer Dean Hunter erst aus einer prekären Situation heraushilft und sich anschließend schnell in ihr Herz stiehlt, scheint ihr Glück perfekt zu sein - wären da nicht die seltsamen, teils auch überaus gefährlichen Ereignisse, die den beiden Frischverliebten das Leben schwermachen. Die junge Liebe steht unter einem schlechten Stern, denn jemand setzt alles daran, die Beziehung zwischen Phoebe und Dean zu verhindern..."

Fazit:
"Küssen verboten, lieben erlaubt" ist mittlerweile bereits der fünfte Band der "Greenwater Hill"-Reihe von Autorin Sarah Saxx. Wer die Reihe verfolgt, oder zumindest "Zweimal mitten ins Herz" gelesen hat, kennt Officer Dean Hunter bereits, für den die Geschichte damals nicht so gut ausging. Da er schon da überaus sympathisch und charismatisch war, hoffte man natürlich, dass auch er noch seine Liebe finden würde.

Eines direkt vorweg: Schon bei den vorherigen Bänden habe ich "kritisiert", dass sie immer viel zu schnell vorbei waren. Jetzt, wo man mit "King of Chicago" erlebt hat, wie es ist, von der Autorin über mehrere hundert Seiten gefesselt zu werden, fällt mir dies noch viel mehr auf!

Denn der Lesefluss ist wie gewohnt sehr gut, man liebt und leidet mit Phoebe und Dean, die beide sehr sympathische, glaubhaft charakterisierte Protagonisten sind (außer natürlich, dass in Greenwater Hill alle wunderschön sind). Da Dean bei der Polizei arbeitet, wird es hier auch richtig spannend - aber natürlich hat man "Küssen verboten, lieben erlaubt" viel zu schnell durchgelesen!!

Die "Greenwater Hill"- Reihe von Sarah Saxx steht für alles, was man an Liebesromanen mag (außer, dass sie zu kurz sind): Sympathische Protagonisten, denen man die Liebe von ganzem Herzen gönnt, eine wundervolle Kulisse und eine Handlung, von der man zwar weiß, dass sie zum Ende gut ausgeht, die einen aber im Verlauf unterhält, mitreißt und vor Spannung kribbeln lässt.

Natürlich freue ich mich schon jetzt auf den nächsten Teil, der im Sommer erscheinen wird und in dem Deans Schwester dann auch endlich ihr Liebesglück finden wird.

Sarah Saxx
"Küssen verboten, lieben erlaubt"
nähere Informationen zum Buch und der Reihe findet ihr hier

Mittwoch, 1. März 2017

[Rezension] Ilsa Madden-Mills - Dirty English - verboten heiss

Kurzbeschreibung:
"Elizabeth stockt der Atem. In nichts als Shorts und Boxhandschuhen lehnt Declan in seiner Tür; Schweißperlen glitzern auf seinem tätowierten Körper. Ungekannte Lust rast durch ihre Adern. Der neue Nachbar ist heiß. Verdammt heiß. Aber seit dem Albtraum vor zwei Jahren hat sich Elizabeth strenge Dating-Regeln auferlegt, nach denen Declan für sie strikt tabu ist. Doch der raue Sex-Appeal des Briten schreit danach, alle Regeln über Bord zu werfen..."

Fazit:
Romane mit erotischer Zusatzhandlung sind im Normalfall simpel gestrickt: Junge trifft Mädchen, mindestens einer von beiden hat irgendeinen Knacks, was die Sache verkompliziert und am Ende sind alle glücklich. Diesem Grundprinzip folgt auch "Dirty English".

Um den Leser dennoch zu fesseln, sind zwei Dinge wichtig: die Hauptcharaktere und die Schreibweise. Beides muss in der Lage sein, den Leser so mitzunehmen, dass er das Erlebte mit den Hauptpersonen fühlt - und daran mangelt es hier.

Declan bringt alles für einen heißen Hauptprotagonisten mit: groß, gut aussehend, englischer Akzent, der ihm zusätzlichen Charme verleiht und durch seine Mixed Martial Arts - Kämpfe kommt noch ein Quantum Bad Boy hinzu - was will man mehr?
Bei Elizabeth sieht die Sache leider anders aus: sie ist einfach nur unentschlossen und langweilig... Was sie vor Jahren erlebt hat ist furchtbar, dass sie dieses Erlebnis prägt, ist verständlich - dass sie nun aber einerseits mit Wildfremden ins Bett geht und andererseits auf schüchtern und zurückgezogen macht, ist irgendwie nicht stimmig. Dadurch, dass man sie auch im weiteren Verlauf nie wirklich einschätzen kann und ihr Verhalten großteils aufgesetzt wirkt, wurde sie mir leider nicht sympathisch, wodurch die Story einiges an Reiz verlor.

Der Lesefluss ist in Ordnung, die Schreibweise nicht uninteressant, aber insgesamt konnte mich "Dirty English" nicht wirklich mitreißen und die Autorin sich nicht den großen Namen dieses Genres messen.

Ilsa Madden-Mills
"Dirty English - Verboten heiss"
ISBN: 978-3-95649-635-6
erschienen bei mtb

Dienstag, 28. Februar 2017

[Rezension] Ulf Torreck - Fest der Finsternis

Kurzbeschreibung:
"Paris im September 1805: In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. Der für seinen Jagdinstinkt bekannte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Als er auf die Hilfe eines alten Bekannten zurückgreift, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Dasein fristet, führt Marais den Albtraum erst zu seiner wahren Größe..."

Fazit:
Bereits nach wenigen Seiten merkt man, dass "Fest der Finsternis" das Potential zu etwas Großem hat. Denn schon nach kurzer Zeit entsteht eine Atmosphäre der Beklemmung und des Dunklen. Spätestens wenn Marquis de Sade auf der Bildfläche erscheint, ist klar, dass dies kein gewöhnlicher Thriller ist.

Der Lesefluss ist von Anfang an sehr gut, was bei einem Buch von über 600 Seiten sicher nicht ganz nebensächlich ist. Denn gerade bei einer derart ausgiebigen Handlung, ist es oft nicht leicht, das Interesse des Lesers durchgängig wach zu halten.

In den Informationen zum Autor steht, dass er für "Fest der Finsternis" über mehrere Jahre recherchiert hat. Und dies kommt eindeutig dem Leser zugute. Wir befinden uns in Paris zu Zeiten Napoleons. Entsprechend darf man erwarten, dass das Ambiente, die Gepflogenheiten und Sitten der damaligen Zeit entsprechen. Und das tun sie eindeutig - nicht einen Moment zweifelt man daran, sich im 19. Jahrhundert zu befinden. Dies bezieht sich nicht nur auf Kleidung, Umgangsformen, etc, sondern ebenso auf Politik und Polizeiarbeit. Da, neben Monsieur de Sade, eine ganze Reihe weiterer historischer Personen ihren Auftritt in "Fest der Finsternis" haben, dürfte es eine Menge Arbeit bedeutet haben, die historisch verbürgten Informationen zu diesen in den jeweiligen Charakter und zu integrieren und all dies der Fiktion einzuverleiben.

Auch der eigentlich Kriminalfall, um den es hier geht, ist nicht 08/15 und der Leser wird mit Marais und de Sade diversen Wegen folgen müssen, um die Lösung zu finden.

Die Übergänge zwischen Krimi und Thriller sind grau und fließend, dennoch hätte ich die Genrebezeichnung "Historischer Krimi" bevorzugt, da bei einem Thriller doch eine offener zutage tretende Spannung erwartet wird. Dies soll nicht bedeuten, dass "Fest der Finsternis" nicht spannend sei - ganz im Gegenteil, allerdings ist dies mehr eine dauerhaft vorhandene atmosphärische Spannung, die über allem liegt und nicht die typische Thrillerspannung.

Um an "Fest der Finsternis" Gefallen zu finden, sollte man auf jeden Fall gern historische Handlungen lesen und keine Furcht vor den dunklen Seiten des Menschen haben - dann kann es dem Leser aber wie mir ergehen, die ich schon jetzt sagen kann, dass Ulf Torreck mit "Fest der Finsternis" ganz klar eines meiner Lesehighlights 2017 geschrieben hat.

Ulf Torreck
"Fest der Finsternis"
ISBN: 978-3-453-67713-5
erschienen bei Heyne

Sonntag, 26. Februar 2017

[Rezension] Kathy Reichs - Die Knochenjägerin

Kurzbeschreibung:
"Drei der in Die Knochenjägerin versammelten Kurzromane von Kathy Reichs handeln vordergründig von der Unbarmherzigkeit der Natur. Ob klauenbewehrte Raubvögel in den Wäldern North Carolinas, auf Beute lauernde Alligatoren und Pythons in den Sümpfen Floridas oder die eisige Todeszone in den Höhen des Mount Everest - jeder Fall konfrontiert die Forensikerin Tempe Brennan mit der Vergänglichkeit des Lebens. Doch die Toten, die sie in ihrem Labor analysiert, führen Tempe auch Mal um Mal eine Gewissheit vor Augen, die ihre jahrelange Arbeit an Mordfällen erbracht hat: Nichts ist so unbarmherzig wie der Mensch...

Im vierten Kurzroman Tempe Brennans erster Fall offenbart Kathy Reichs ihren Lesern erstmals, wie aus einer angehenden Naturwissenschaftlerin eine forensische Expertin für menschliche Abgründe und die Werkzeuge des Todes wurde."

Fazit:
Im Gegensatz zu Anthologien, die wohl nie mehr mein Fall werden, habe ich festgestellt, dass ich Kurzromane bzw. Kurzromansammlungen bestimmter Autoren durchaus gerne lese. Vor allem natürlich, wenn die Hauptperson der Geschichten eine von mir gern gelesene Protagonistin ist. Dies war der Grund, warum ich "Die Knochenjägerin" von Kathy Reichs gelesen habe - denn Tempe Brennan und ihre Erlebnisse verfolge ich ja nun bereits seit vielen Jahren.

Jeder der vier Kurzromane umfasst ungefähr 100 Seiten und behandelt je einen abgeschlossenen Fall. Dass bei dieser Länge irgendwo Abstriche gemacht werden müssen, liegt auf der Hand. Hier wurden diese nicht bei den Ermittlungen, sondern in Tempes Privatleben gemacht, womit ich gut klar kam. Denn in den normalen Tempe Brennan - Büchern nimmt dies oft einen großen Teil der Handlung ein und die Konzentration auf die einzelnen Fälle hier fand ich eine nette Abwechslung.

Wie auch in den anderen Büchern der Tempe Brennan - Reihe sollte man sich klar darüber sein, dass man als Leser einiges über Knochen liest und lernt - wer derartige Ausführungen nicht mag oder wen diese langweilen, wird sicher nie ein Liebhaber dieser Bücher werden.

"Die Knochenjägerin" lässt sich auch problemlos lesen, wenn man bisher keine Erfahrung mit dieser Reihe hat und gibt einem einen guten Überblick, was einen in den normalen Büchern erwartet. So kann man als Neuling in Tempes forensischer Welt danach gut abschätzen, ob sich die Reihe für einen selbst lohnt oder nicht.

Aber auch für Leser der bisherigen Bücher hat "Die Knochenjägerin" einiges zu bieten. Schon allein dass man endlich auch einmal einen Blick auf den Anfang von Tempes Karriere werfen kann, fand ich wunderbar.

Der Lesefluss ist gewohnt gut und die einzelnen Geschichten, alle für sich abgeschlossen, lassen sich gut lesen. Für Spannung ist gesorgt und aufgrund der Kürze der einzelnen Stories auch konzentrierter zu finden als in den anderen Tempe-Büchern.

Letztendlich ist "Die Knochenjägerin" natürlich keine Alternative zu den anderen Büchern der Reihe, aber eine hervorragend umgesetzte Ergänzung!

Kathy Reichs
"Die Knochenjägerin"
ISBN: 978-3-89667-580-4
erschienen bei Blessing

Dienstag, 21. Februar 2017

[Rezension] Marah Woolf - Götterfunke - Liebe mich nicht

Kurzbeschreibung:
"Eigentlich wünscht Jess sich für diesen Sommer nur ein paar entspannte Wochen in einem Camp in den Rockys. Sich zu verlieben stand nicht auf ihrem Plan. Doch dann trifft sie Cayden, den Jungen mit den smaragdgrünen Augen, und er stiehlt ihr Herz. Aber Cayden verfolgt seine eigenen Ziele. Der Göttersohn hat mit Zeus eine Vereinbarung getroffen, auf deren Erfüllung er seit Jahrhunderten hofft. Nur wenn er ein Mädchen findet, das ihm widersteht, gewährt Zeus ihm seinen sehnlichsten Wunsch: endlich sterblich zu sein."

Fazit:
"Götterfunke - Liebe mich nicht" ist der erste Teil der "Götterfunke"-Reihe von Marah Woolf.

Ich habe schon immer gern die Sagen der griechischen und römischen Götter gelesen und mag es gern, wenn diese in fiktiven Realitäten von Romanen mitmischen. Allerdings kommt es natürlich immer auf die Umsetzung an, oft gerät diese leider schnell ins Lächerliche.

Dies ist bei "Götterfunke - Liebe mich nicht" absolut nicht der Fall. Die griechischen Götter, ihre Eigenheiten, Stärken und Schwächen sind in die Handlung wunderbar eingeflochten und harmonieren gut mit den menschlichen Charakteren. Die Autorin hat wohl ein Faible für Hera, die in der Geschichte sehr unter dem schlechten Ruf leidet, den sie in der Menschenwelt genießt und die hier als treusorgende Ehefrau und Mutter auftritt.

Der Lesefluss ist sehr gut, man mag Jess, Cayden, Apoll und all die anderen nicht einen Moment beiseite legen. Die Handlung ist nicht so vorhersehbar, wie ich befürchtet hatte und unterhält einfach wunderbar! Ich habe tatsächlich am Ende sogar die Leseprobe des zweiten Bandes gelesen, was ich sonst wirklich nie tue, einfach, um noch einen Moment bei Jess und Cayden verweilen zu können.

Gut gefallen haben mir auch die immer wieder vorkommenden humorigen Berichte von Hermes, dem Götterboten, dessen Aufgabe es ist, Cayden zu beobachten und Zeus und den anderen Göttern zu berichten.

Ach ja, "Götterfunke" ist wohl eigentlich ein Jugendbuch, aber ich würde dies nur als Lesealteruntergrenze sehen, denn dem Jugendalter bin ich schon ein Weilchen entwachsen und mich hat dieses Buch definitiv in seinen Bann geschlagen.

Ich bin schon sehr gespannt auf "Götterfunke - Hasse mich nicht", welches im September erscheinen wird.

Samstag, 11. Februar 2017

[Rezension] Katie Agnew - Die Perlenfrauen

Kurzbeschreibung:
"Zu ihrem 18. Geburtstag bekam die Schauspielerin Tilly Beaumont 1947 eine atemberaubend schöne Halskette geschenkt. Das Schmuckstück begleitete sie ihr Leben lang - bis es auf einmal spurlos verschwand. Jahre später bittet Tilly ihre Enkelin Sophia, die Kette zu finden. Sophia hat erkannt, dass man mit gutem Aussehen allein keine Rechnungen bezahlen kann. Die wertvolle Perlenkette könnte nun einige ihrer Probleme lösen. Doch wie soll Sophia ein Erbstück finden, das sie noch nie gesehen hat?"

Fazit:
Weder der Klappentext noch irgendeine andere Beschreibung könnte dem Inhalt von Katie Agnews "Die Perlenfrauen" gerecht werden. Denn in wenigen Worten lassen sich weder die Geschehnisse über 60 Jahre hinweg, noch die einzelnen Charaktere, die bestimmend für die Geschichte sind, auch nur annähernd beschreiben.

Die Perlenkette, die Tilly von ihrem Vater bekommt, ist das Bindeglied zwischen den Beaumontfrauen Tilly, Alice und Sophia; Aiko, der Tochter der Perlentaucherin Manami, die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts genau diese Perlen aus dem Meer holt, um ihrer Tochter ein Leben in Freiheit zu ermöglichen, was Aiko später auch mutig in die Tat umsetzt und dem Amerikaner Dominik, einem Dokumentarfilmer, der kürzlich von seiner Frau verlassen wurde.

In weiten Teilen werden die Handlungsstränge einzeln erzählt - zusammen finden sie erst gegen Ende des Buches. Die einzelnen Charaktere sind alle sehr bildhaft und authentisch aufgebaut, sodass der Leser ihrer aller Leben in vielen Einzelheiten mitverfolgt, was den Inhalt der Geschichte sehr gehaltvoll macht.

Der Lesefluss ist hervorragend und die mehr als 500 Seiten sind auch vonnöten, um jedem einzelnen Charakter gerecht zu werden, was Katie Agnew in bewundernswerter Weise gelingt.

"Die Perlenfrauen" ist ein Roman, der ganze Lebensgeschichten erzählt und dies auf mitreißende, mitfühlende und unterhaltsame Weise - ein Buch, das auch nach dem Lesen noch im Gedächtnis bleibt.

Katie Agnew
"Die Perlenfrauen"
ISBN: 978-3-453-42029-8
erschienen bei Heyne

Sonntag, 5. Februar 2017

[Rezension] Nora Roberts - Sternenfunken

Kurzbeschreibung:
"Die schöne Annika hat eine ganz besondere Verbindung zum Meer, von dort stammt sie, und dorthin muss sie wieder zurückkehren. Doch vorher hat sie noch einen Auftrag: Zusammen mit fünf anderen Auserwählten muss sie auf die Insel Capri reisen, um den Stern des Wassers vor einem gefährlichen Gegenspieler zu retten. Die abenteuerliche Suche und eine Gefangenschaft bringen Annika dem attraktiven, aber geheimnisvollen Sawyer näher. Ihre Zuneigung lässt sich nicht lange verleugnen, doch ihrer Liebe stehen Zweifel und Tabus im Wege. Werden die beiden der Gefahr trotzen und ihre Beziehung retten können?"

Fazit:
"Sternenfunken" ist nach "Sternenregen" der zweite Teil der "Stern"-Trilogie. Zum besseren Verständnis sollte man am Anfang der Reihe beginnen, aber auch ohne Vorkenntniss sollte sich dem Leser im Verlauf des Buches alles relevante erschließen.

Nach Korfu befinden sich unsere sechs Auserwählten nun auf Capri, wo sie es neben Nerezza, der Inkarnation des Bösen, auch mit ihrem fiesen Handlanger zu tun bekommen. Der Lesefluss ist gewohnt gut, der Leser bekommt Unterhaltung, Abwechslung und Spannung. Zwischendurch wird Nora Roberts sogar richtiggehend brutal, was mir bei ihr tatsächlich zum ersten Mal begegnet ist.

"Sternenfunken" ist sicher nicht einer der tiefgründigeren Romane von Nora Roberts und man sollte keine Probleme mit übernatürlichen Wesen und Eigenschaften haben, dann bietet das Buch aber jede Menge Unterhaltung.

Nora Roberts
"Sternenfunken"
ISBN: 978-3-7341-0340-7
erschienen bei blanvalet

Samstag, 4. Februar 2017

[Rezension] Sarina Bowen - Kalte Nächte - Warme Herzen [ebook]

Kurzbeschreibung:
"Ski Champion Dane "Danger" Hollister geht keine Beziehungen ein, seine Gründe dafür hält er allerdings geheim. Der Fluch, den er von seiner Mutter geerbt hat, wird ihn irgendwann alles kosten: Seinen Platz im olympischen Ski Team, seine Sponsoren und seine Fähigkeit, in Höchstgeschwindigkeit einen Berg runter zu rasen.

Country Girl wider Willen, Willow Reade, trifft Dane durch puren Zufall. Ihr ins Schleudern geratener Pick-up Truck drängt ihn während eines Schneesturms von der Straße. Während sie gemeinsam über Nacht in seinem Jeep gestrandet sind, kommen sich die beiden einsamsten Menschen in Vermont näher, als sie gedacht hätten.

Und doch kann keiner von beiden absehen, wie sehr ihr kleines Zusammentreffen nicht nur Danes erschreckendes Geheimnis gefährdet, sondern auch Willows vorläufigen Frieden, den sie mit sich und ihren Entscheidungen geschlossen hat. Nur gegenseitiges Vertrauen und Verstehen kann ihren Schmerz beenden und ihnen eine hart erkämpfte Chance auf Liebe bringen."

Fazit:
Das ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe, entsprechend gespannt war ich. Und bereits nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich meine Entscheidung für das Buch nicht bereuen würde.

Der Leser landet direkt mitten im Geschehen und im Leben von Willow und Dane. Die Handlung wird wechselweise aus beiden Perspektiven erzählt, wodurch der Leser im Gegensatz zu den liebenswerten Protagonisten den Durchblick hat. Die Charaktere sind sehr menschlich angelegt: Willow ist ein liebenswerter Pechvogel, der ihr schnell zu begeisterndes Herz nur Ärger eingebracht hat und Dane ist ein vom Leben zynisch gewordener Mensch, der sein Leben außerhalb des Ski-Zirkusses komplett für sich behält.

Der Lesefluss ist sehr gut, die etwa 240 Seiten lassen sich problemlos am Stück lesen, ohne dass es langweilig wird. Das Ende der Geschichte ist natürlich absehbar, aber genau das ist ja das Schöne an Liebesromanen: egal welchen Widrigkeiten die Protagonisten sich gegenüber sehen, am Ende wird alles gut.

Zwischenzeitlich wird es sogar ziemlich heiß im kalten Vermont und mir ist positiv aufgefallen, dass der Roman inklusive der erotischeren Szenen kein bißchen "platt" formuliert ist. Denn das ist leider oft die Krux bei Romanen, bei denen der Leser die Charaktere auch in verfänglicheren Situationen erlebt: gerade diese sind oft so banal geschildert, als wäre man mitten in einer Seifenoper. Ob wir es der Autorin, dem Übersetzer oder beiden zu verdanken haben, weiß ich nicht, aber "Kalte Nächte - Warme Herzen" ist in dieser Beziehung durchweg harmonisch.

Ein Liebesroman, der den Leser unterhält und mitnimmt, der zu Herzen geht und gleichzeitig amüsiert - ich freue mich bereits auf weiteren Lesestoff von Sarina Bowen.

Sarina Bowen
"Kalte Nächte - Warme Herzen"

Sonntag, 29. Januar 2017

[Rezension] Clarissa Linden - Unsere Hälfte des Himmels

Kurzbeschreibung:
"Deutschland in den 30er Jahren: Johanna und Amelie sind unzertrennliche Freundinnen, die eine gemeinsame Sehnsucht verbindet: Sie wollen Pilotinnen werden. Doch dieser Traum scheint im Deutschland der Nazizeit unmöglich zu sein. Trotzdem halten beide an ihm fest, bis Amelie sich in Johannas Fluglehrer verliebt - eine Liebe, die in einem folgenschweren Verrat gipfelt.

40 Jahre später: Amelies Tochter Lieselotte, die zu ihrer Mutter eine sehr distanzierte Beziehung hatte, wird plötzlich mit deren Vergangenheit konfrontiert. Allmählich lernt sie eine Amelie kennen, die sie hinter der kühlen Fassade niemals vermutet hätte - und ihr wird klar, dass diese Erfahrung ihr eigenes Leben verändern wird."

Fazit:
Der Roman wird in zwei Handlungssträngen erzählt: Zum einen befindet sich der Leser mit Lieselotte Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, deren Alltag recht trostlos ist: gefangen in einer unglücklichen Ehe, in die sie vor der Distanziertheit ihrer Mutter geflüchtet ist. Dann bekommt sie auch noch die Hiobsbotschaft, dass ihre Mutter nach einem Autounfall im Koma liegt.

Ich hatte anfangs meine liebe Mühe mit Lieselotte, wahrscheinlich, weil ihr eigenes Wesen und ihr Weltbild mir selbst fremd sind. Aber sehr gut gefallen hat mir die Entwicklung, die Lieselotte im Verlauf des Geschehens gemacht hat und das, ohne sich selbst zu verbiegen.

Zum anderen lernen wir Amelie, Lieselottes Mutter, und deren beste Freundin Johanna in den 30er Jahren zu Beginn der Nazizeit kennen. Beide getrieben von ihrem Traum, dem Fliegen. Die Charaktere sind auch in diesem Handlungsstrang vielschichtig und authentisch charakterisiert. Die Geschichte um Freundschaft, Liebe und Verrat ist mitreißend, wenn auch recht vorhersehbar aufgebaut.

Diese Vorhersehbarkeit stört aber in keiner Weise, was an verschiedenen Faktoren liegt: Die Geschichte der ersten Fliegerinnen, generell die Geschichte des Fliegens und des Segelfliegens, die eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle spielt, ist derart interessant, dass Amelie und Johanna diese zwar an den Leser herantragen, aber gleichzeitig nur ein Teil davon sind.

Des weiteren gefällt mir die Authentizität beider Zeiten, wie sie von der Autorin transportiert werden. Durch Kleinigkeiten wie zeitgemäße Getränke, Mode bis hin zum Zeitgeschehen, versetzt Clarissa Linden den Leser abwechselnd in beide Zeiten, ohne dass es gewollt oder gestellt wirkt.

Dass der Lesefluss entsprechend gut ist, braucht eigentlich nicht extra erwähnt werden.

"Unsere Hälfte des Himmels" befasst sich mit einem Phänomen, den "Himmelsstürmerinnen", dem ich vorher noch nie Aufmerksamkeit gewidmet habe und von dem ich auch nicht erwartet hätte, dass es derart interessant war bzw. vermittelt werden kann. Ich kann nur erahnen, wieviel Recherchearbeit dahinter steht.

Clarissa Linden
"Unsere Hälfte des Himmels"
ISBN: 978-3-426-51901-1
erschienen bei Knaur


Sonntag, 22. Januar 2017

[Rezension] Jenny Milewski - Angstmädchen

Kurzbeschreibung:
"Die junge Malin zieht in ein Studentenwohnheim. Zu ihrer großen Freude bekommt sie das einzige Zimmer, das über eine Badewanne verfügt. Doch dann erfährt sie, dass sich darin ein Mädchen namens Yuko die Pulsadern aufgeschnitten hat. Kurz darauf findet Malin Haarbüschel, die nicht von ihr stammen können, und als sie eines Nachts eine blasse Gestalt sieht, wird ihr klar, dass etwas Unheimliches in ihr Leben getreten ist. Etwas, das auf sie wartet - wo immer sie hingeht..."

Fazit:
Die Geschichte beginnt mit vielen Fragezeichen, da der Prolog eher einem Ende als einem Anfang gleicht. Und das stimmt auch, denn die Handlung zeigt auf, warum Malin am Ende der Geschichte dort hingelangt, wo wir sie am Anfang treffen.

Man kommt gut in die Geschichte hinein und anfangs gleicht sie mehr einem unterhaltsamen Roman als einem Thriller, ist aber durchweg interessant geschrieben. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin wichtige Puzzleteile, die zum Verständnis des Gesamtkontexes notwendig sind, wie nebenbei einstreut. Auch positiv fand ich die japanische Mythologie, die hier zum Zuge kommt und in Ansätzen erklärt wird.

Generell ist der Lesefluss gut, es wird nicht langweilig, was anfangs daherrührt, dass man auf das, was im Klappentext angekündigt wird, wartet und später, dass man wissen will, wie es weiter geht. Die unterschiedlichen Charaktere sind nachvollziehbar, wenn auch meist recht oberflächlich angelegt.

Enttäuscht hat mich allerdings der paranormale Part. "Jenny Milewski schreibt im Geist von Stephen King" hat eine Zeitung geschrieben. Es mag entsprechend an meiner Erwartungshaltung gelegen haben, aber bei Stephen King kommt der Punkt, wo man beinahe angstvoll die Seiten umblättert und gleichzeitig gar nicht anders kann, als weiterzulesen, obwohl man weiß, dass das Grauen einen weiter umfangen halten wird. Genau diesen Punkt konnte die Autorin bei mir nicht erreichen. Ja, es ist furchtbar, was im Wohnheim vor sich geht, aber ich habe mich einfach nicht gegruselt! Und genau das habe ich gewollt und erwartet - es war eher ein "versucht und gewollt" als ein "gekonnt", was ich sehr schade fand.

Jenny Milewski
"Angstmädchen"
ISBN: 978-3-453-43880-4
erschienen im Heyne Verlag

[Rezension] J. R. Ward - Bourbon Kings

Kurzbeschreibung:
"Seit Generationen geben die Bradfords in Kentucky den Ton an. Der Handel mit Bourbon hat der Familie großen Reichtum und hohes Ansehen eingebracht. Doch als Tulane, der verlorene Sohn und Erbe des Imperiums, nach zwei Jahren des selbstauferlegten Exils auf das Familienanwesen Easterly zurückkehrt, droht die glänzende Fassade zu zerbrechen. Geplatzte Träume und die unerfüllte Liebe zu der Angestellten Lizzie King hatten ihn damals in die Flucht getrieben. Jetzt ist Lane wieder da - und mit ihm die Vergangenheit. Seine Rückkehr wird an niemandem spurlos vorübergehen: nicht an Lizzie, die ihr Herz um jeden Preis schützen will, nicht an Lanes schöner und eiskalter Ehefrau oder seinem älteren Bruder, dessen Zorn und Verbitterung keine Grenzen kennen. Und schon gar nicht an dem strengen Bradford-Patriarchen, einem Mann mit wenig Moral, noch weniger Skrupeln und vielen dunklen Geheimnissen. Während die Spannungen in der Familie wachsen, wird klar, dass sich das Leben auf Easterly für immer ändern wird..."

Fazit:
Bisher kannte ich von J. R. Ward nur die "Black Dagger"-Reihe. Da mich diese aber stets aufs Neue begeistert, war ich gespannt, ob der Autorin dies auch mit einer anderen Geschichte in einem ganz anderen Genre gelingen würde.

Wobei - so unterschiedlich sind sich die Welten gar nicht. Natürlich, die Black Dagger sind Vampire, ihre Welt im Urban Fantasy, während die Bradfords in Kentucky nur allzu real erscheinen. Aber das, was die Fazination der einen Reihe ausmacht, findet sich ebenso in "Bourbon Kings": ausgefeilte Charaktere, nur allzu menschlich, nicht nur im Guten, sondern vor allem auch im Bösen; eine Familie bzw. ein Clan, die eine eigene nach außen geschlossenen Gemeinschaft darstellen, ob gewollt oder ungewollt; jede Menge Intrigen und Unwägbarkeiten, die die Handlung abwechslungsreich und unberechnbar machen.

Lane und Lizzie, unsere Hauptprotagonisten, sind klare Sympathieträger. Dies gilt ebenso für Lanes großen, verbitterten Bruder und zumindest in weiten Teilen auch für die kleine Schwester. Dem gegenüber stehen die "Bösen", in diesem Fall der Familienpatriarch, der nur seine eigenen Ziele verfolgt und dafür über Leichen geht und auch Lanes Frau, die mit allen Mitteln versucht, ihren Kopf durchzusetzen.

Ein Lesefluss ist eigentlich nicht vorhanden, viel mehr ein Lesesog, dem man nicht entrinnen kann und die Zeit bis zur letzten Seite in gespannter Erwartung auf alles, was folgt, in Kentucky verbringt. Nach Beendigung des Buches bleibt einem nichts weiter übrig, als auf den Sommer zu warten, wenn mit "Bourbon Sins" der zweite Teil der Reihe erscheinen wird.

J. R. Ward
"Bourbon Kings"
ISBN: 978-3-7363-0322-5
erschienen bei Lyx

Dienstag, 17. Januar 2017

[Rezension] Jilliane Hoffman - Insomnia

Kurzbeschreibung:
"Verstört und mit Schnittwunden übersät taumelt Mallory Knight in eine Biker-Bar in Süd-Florida. Zwei Tage lang war die 17-jährige Schülerin spurlos verschwunden. Sie behauptet, dem "Hammermann" entkommen zu sein, einem Serienkiller, der bereits über ein Dutzend Teenagermädchen entführt und mit seinen schrecklichen Werkzeugen zu Tode gequält hat. Aber als Special Agent Bobby Dees Mallory befragt, verstrickt sie sich in Widersprüche. Kurz darauf wird ein weiteres Mädchen vermisst, und Mallory muss erkennen, dass ihre Aussage fatale Folgen hat..."

Fazit:
Ich kann mir vorstellen, dass es auch eine Art Fluch ist, wenn das erste Buch, das man als Autor herausbringt, die Leser derart fesselt, dass das Buch noch Jahre später genannt wird, wird man gefragt, welchen Thriller man unbedingt gelesen haben muss... von mir zumindest kommt dann regelmäßig "Cupido" als Antwort. Und bei jedem nachfolgenden Buch von Jilliane Hoffman habe ich gehofft, dass es mich noch einmal genauso packt und begeistert wie "Cupido". Bisher hat das leider nie geklappt.

Bei "Insomnia" treffen wir wieder mit Bobby Dees zusammen, dem Ermittler aus "Mädchenfänger", den ich schon damals sehr mochte und daran ändert sich auch in diesem Buch nichts. Bobby Dees ist ein starker Charakter, der eindeutig die Handlung des Buches mitträgt.

Der Lesefluss ist insgesamt sehr gut und ich war bereits nach wenigen Seiten mitten im Geschehen. Anfangs ist das Buch eher interessant als spannend, aber so ein Spannungsbogen will auch erst einmal aufgebaut werden - Langeweile kommt in keinem Fall auf. Im weiteren Verlauf entsteht dann genau die Spannung, die ich mir erhofft hatte! Beinahe atmenlos blättert man die Seiten um.

Leider kommt "Insomnia" meiner Meinung nach dennoch nicht an "Cupido" heran, denn die Auflösung des Ganzen liegt doch zu sehr auf der Hand, was mir das Ende durchaus etwas verleidet hat.

Nichts desto trotz ist "Insomnia" eine lesenswerter, spannender, unterhaltsamer Thriller!

Jilliane Hoffman
"Insomnia"
ISBN: 978-3-8052-5071-9
erschienen im Wunderlich Verlag

Montag, 16. Januar 2017

[Rezension] Jamie Shaw - Rock my heart

Kurzbeschreibung:
"Feiern, tanzen - einfach Spaß haben! Das ist der Plan von Rowan Michaels und ihrer Freundin Dee, als sie zu einem Konzert der Band "The Last Ones To Know" gehen. Dort trifft sie auf Adam Everest, den absolut heißen Sänger der Band. Sie lässt sich zu einem Kuss hinreißen - doch der wird ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen..."

Fazit:
Normalo-Mädchen trifft Rockstar und verliebt sich wider Willen in ihn - das ist nicht neu!
Dass gerade bei einem etwas stereotypen Plot das Entscheidende die Umsetzung ist, habe ich erst vor einigen Wochen wieder gemerkt, als ich ein Buch mit eben dieser Handlung nach einigen qualvollen Tagen bei weniger als der Hälfte abgebrochen habe - sterbenslangweilig und gar nicht packend...

Dies muss man bei "Rock my heart", dem ersten Teil der "The Last Ones To Know"-Reihe von Jamie Shaw absolut nicht befürchten.

Die Autorin hatte mich bereits nach wenigen Seiten bei sich, was anfangs vor allem ihrem humorigen Schreibstil geschuldet war. Von vornherein haben die Protagonisten - in diesem Fall Rowan und Dee - sich selbst nicht so ernst genommen und einen leichten Hang zum schwarzen Humor durchblicken lassen, was genau meins ist.

Natürlich ist die Handlung als solche recht vorhersehbar, aber das hat meinem Lesevergnügen nicht den geringsten Abbruch getan - denn die Protagonisten sind bildhaft und lebensecht charakterisiert, mit ihren ganz eigenen Schwächen und Macken und das macht sie ausnahmslos sympathisch! (Vom betrügerischen Ex natürlich einmal abgesehen)

Auch gut gefallen hat mir, dass Adam, entgegen dem sonstigen BadBoy-Image männlicher Rockstar-Protas, zwar in weiblicher Hinsicht nichts anbrennen lässt, aber alles in allem ein lieber Kerl ist! Ein netter Typ, der die Chancen nutzt, die sich ihm bieten, dabei aber straight sein Ding durchzieht - keine verkrachte Existenz, keine vernarbte Seele.

Ebenfalls anzumerken ist, dass zwischen Rowan und Adam lange Zeit nicht viel passiert - wir haben es hier also nicht mit einem Roman zu tun, der ausschließlich von seinen Bettszenen lebt, sondern vielmehr von der Phantasie des Lesers, die angeregt wird.

Der Lesefluss war - wie ihr euch mittlerweile denken könnt - sehr gut und ich habe sehr gern Zeit mit Row und Adam verbracht. Entsprechend freue ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung "Rock my Body", in der Rowans Freundin Dee ihr Glück sucht.

Jamie Shaw
"Rock my heart"
erschienen bei blanvalet

Samstag, 7. Januar 2017

[Rezension] Sarah Saxx - King of Chicago - Verliebt in einen Millionär [ebook]

Kurzbeschreibung:
"Er ist einer der reichsten Junggesellen Chicagos: Travis King. Dem Immobilienmogul liegen die Frauen scharenweise zu Füßen. Als ihm eines Tages die toughe Fotografin Ashley Crown begegnet, steht für ihn von Anfang an fest, dass er sie haben muss - zumindest für eine Nacht. Doch Ashley ist da anderer Ansicht. Immerhin hat sie eine herbe Enttäuschung mit ihrem Ex hinter sich und will sich nicht noch einmal in den Falschen verlieben. Ohne es zu wissen, bringt sie Travis dazu, gegen sämtliche seiner selbst auferlegten Regeln zu verstoßen, und gefährdet dadurch auch ihr Herz. Denn Travis King ist bekannt dafür, dass er nie lange ein und dieselbe Frau an seiner Seite hat..."

Fazit:
Natürlich kann man das Rad nicht neu erfinden. Dass das aber auch gar keine Voraussetzung ist, um eine mitreißende, zu Herzen gehende und dennoch gar nicht kitschige Liebesgeschichte zu schreiben, hat Sarah Saxx bereits mehr als einmal bewiesen.

"King of Chicago" ist eine Variation des Cinderella-Themas: die bodenständige Fotografin Ash trifft auf den steinreichen Travis King. Da ist neben viel Gefühl ebenso viel Ärger und Schmerz vorprogrammiert. Die Herausforderung besteht darin, dieses Grundthema derart zu transportieren, dass es dennoch etwas Einzigartiges wird - und genau das tut Sarah Saxx.

Schon bei ihren anderen Büchern hat mir gefallen, wie bildhaft und nachvollziehbar, wie realistisch sie ihre Protagonisten charakterisiert. Dies gelingt ihr in "King of Chicago" noch umso besser, da das Buch um einiges länger ist als beispielsweise die Teile der "Greenwater Hill"-Reihe. Man liest nicht einfach, was mit Travis und Ashley passiert, man ist mitten dabei, fühlt mit, leidet mit, liebt mit. Der Hang zum sarkastischen Humor sorgt dafür, dass die Story nicht ins Kitschige abdriftet und die mehr als heißen Szenen geben dem ganzen ihren besonderen Pfiff.

Schwer beeindruckt hat mich übrigens Jelena: mit ihr hat die Autorin nahezu das perfekte Biest erschaffen! Die Dame geht über Leichen mit einer derart selbstgerechten Attitüde, dass einem mitunter die Luft wegbleibt - Chapeau!

Sarah Saxx
"King of Chicago - Verliebt in einen Millionär"
näheren zur Autorin und ihren Büchern findet ihr hier

[Rezension] S. L. Grey - Under Ground

Kurzbeschreibung:
"Ein tödliches Virus breitet sich in Amerika aus - rasend schnell. Fünf betuchte Familien fliehen in das Sanctum - einen unterirdischen Luxusbunker, eine sich selbst versorgende Welt. Doch schon bald befeuern Abschottung und Enge erste Spannungen unter den Bewohnern. Als der Erbauer des Sanctum tot aufgefunden wird, bricht Panik aus. Er ist offensichtlich auf brutale Weise ermordet worden. Und mit ihm ist der Code zum Öffnen der Türen verloren. Der Sauerstoff wird knapp. Die letzten Wasservorräte schwinden. Draußen wartet der Tod. Unter der Erde beginnt ein perfider Kampf ums Überleben..."

Fazit:
S. L. Grey ist ein Autorenduo aus Südafrika, das sich mit der Frage auseinander gesetzt hat, was mit Menschen passiert, die unvermittelt in Extremsituationen geraten, "Under Ground" ist ihr erstes gemeinsames Buch und war der Abschluß meines Lesejahres 2016.

Man findet sehr gut in das Buch hinein und realisiert schon nach wenigen Seiten, dass Spannungen zwischen den Bewohnern des "Sanctum" vorprogrammiert sind. Denn nicht nur, dass der Erbauer des autarken Überlebensbunkers offensichtlich seine Versprechungen in Hinsicht auf Luxus und allround-Versorgung nicht einhalten konnte, vor allem die unterschiedlichen Lebens- und Denkweisen der Bewohner verheißen von vornherein Ärger - wenn der Redneck auf Yuppies und Vertreter anderer Kulturen trifft, kann man sich schon ausmalen, welches Potenzial unter der Oberfläche brodelt.

Den Autoren gelingt es, ein Szenario zu erschaffen, dass den Leser mitnimmt auf eine Reise. Nicht nur unter die Erde, sondern auch in das Wesen des Menschen, dessen schlimmste Seiten in Extremsituationen zutage treten.

Die Handlung ist spannend aufgebaut und lässt dem Leser viel Raum für Vermutungen und um Mitzurätseln. Immer wieder baut sich die Spannung auf und steigert sich bis zu einem Höhepunkt, nur um sich anschließend wieder neu aufzubauen.

Die unterschiedlichen Charaktere sind bildhaft und nachvollziehbar gestaltet, die Autoren haben sich sicher intensiv mit den Hintergründen ihrer verschiedenen Protagonisten befasst, die alle eine ausführliche Agenda mitbringen.

"Under Ground" war für mich der perfekte Abschluß meines Lesejahres: interessant, spannend, mitreißend, mit Entwicklungen, die mich überrascht haben!

S. L. Grey
"Under Ground"
ISBN: 978-3-453-43810-1
erschienen im Heyne Verlag

Montag, 2. Januar 2017

[Rezension] Bettina Wagner - Das fünfte Opfer [ebook]

Kurzbeschreibung:
"Marlies Mittermann ist Kommissarin bei der Wiener Kriminalpolizei. Sie liebt ihren Beruf sehr und setzt ihren ganzen Ehrgeiz daran, die ihr anvertrauten Fälle zu lösen - sehr zum Leidwesen ihres Mannes Helmut, der ebenfalls bei der Kripo arbeitet und mit der Konkurrenz im eigenen Haus nicht fertig wird. Marlies entschließt sich, die Scheidung einzureichen. Als eine Serie von Frauenmorden Wien in Atem hält, betreut zunächst Helmut diese Fälle. Da er bei seinen Ermittlungen nicht weiterkommt, wird ihm der Fall entzogen und Marlies übergeben. Diese hat nun nicht mehr nur mit einem rätselhaften Frauenmörder zu tun, sondern auch mit einem Ehemann, der all ihre Bemühungen sabotiert."

Fazit:
Bereits nach wenigen Seiten ist man in der Handlung angekommen - irgendjemand tötet Prostituierte in Wien und lässt sie auf Baustellen zurück. Marlies übernimmt die Ermittlungen auf Geheiß ihres Chefs von ihrem Mann, was der maroden Ehe den Todesstoß versetzt.

Der Lesefluss ist gut und die Geschichte alles in allem gut und spannend aufgebaut. Marlies, die Hauptprotagonistin allerdings ist kein sehr sympathischer Charakter. Sie ist nicht bösartig oder ähnliches, aber recht emotionslos und gefühlskalt - das macht es schwer, sie ins Herz zu schließen, zumal es mir persönlich wichtig ist, mit der Hauptperson zu sympathisieren.

Ein Knackpunkt bei Krimis ist oft die Spannung, da es häufig geschieht, dass eben diese bei all der Ermittlungsarbeit untergeht. Diese Klippe hat Bettina Wagner hier gut umschifft. Allerdings kommen wir damit auch zu meinem fast einzigen, aber definitiv größten Kritikpunkt: Durch ein kleines Detail relativ am Anfang der Story, ist dem aufmerksamen Leser schon zu diesem Zeitpunkt die Identität des Mörders klar. Ich habe den Rest der Geschichte über gehofft, falsch zu liegen und der Autorin auf dem Leim gegangen zu sein, aber leider bewahrheitete sich dies nicht. Ohne dieses Detail hätte man deutlich mehr Spaß beim Miträtseln haben können.

Alles in allem ein guter, solider Krimi, wenn dieses eine Detail nicht wäre.

Bettina Wagner
"Das fünfte Opfer"
erschienen bei digital publishers