Bücher

Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.
-
Jean Paul

Sonntag, 23. Juli 2017

[Rezension] Sandra Florean - Das Erbe des Hüters

Kurzbeschreibung:
"Als die junge Haley das Haus ihres verstorbenen Großvaters erbt, nimmt sie das Vermächtnis sofort begeistert an. Dabei ahnt sie nicht, dass sich ein dunkles Geheimnis um das in die Jahre gekommene Gemäuer rankt. Yven, ein uralter Vampir, erwacht durch ihr Erscheinen. Er bringt nicht nur Haleys Leben, sondern auch ihre Gefühle durcheinander, die durch die heiße Affäre mit dem charmanten Julian ohnehin Achterbahn fahren. Wenig später sieht sich Haley einer Bedrohung gegenüber, der sie nicht entkommen kann..."

Fazit:
Ich gebe zu, dass mich das Cover selbst nicht angesprochen hätte. Für mein Empfinden geht es zu sehr in Richtung schwülstige Vampirliebesgeschichte...

Da ich aber weiß, dass mich Sandra Floreans Geschichten noch immer gepackt haben, sah ich dem Lesen des Buches gespannt entgegen.

Auch wenn die Kombination alter Vampir - junge Sterbliche an die "Nachtahn"-Reihe denken lässt, haben wir es hier doch mit etwas vollkommen anderem zu tun: Haley ist eine toughe junge Frau und steht mit beiden Beinen im Leben. Sie lässt sich von niemandem etwas vorschreiben und so hat "Mr. Königskotzbrocken" es mitunter nicht leicht mit ihr, ist sein Frauenbild doch im viktorianischen England stehen geblieben.

Gerade dieser Gegensatz zwischen der modernen Haley und dem Vampir mit antiquierten Vorstellungen macht die Handlung sehr unterhaltsam und mitreißend. Sehr gut gefallen haben mir auch die Wendungen, die die Geschichte zu bieten hat, sodass man sich über Vorhersehbarkeit wirklich nicht beschweren kann.

Der Lesefluss ist sehr gut, die Neugier wird durchweg wach gehalten und auch, wenn mein persönlicher Favorit das Nachsehen hat, hat mich Haleys Geschichte definitiv mitgenommen.

Da am Ende doch noch einige Aufgaben zu erledigen bleiben, hoffe ich auf ein Wiederlesen mit Haley, Yven und den anderen.

Sandra Florean 
"Das Erbe des Hüters"
ISBN: 978-3-981-85860-0
erschienen im Talawah Verlag

[Rezension] Mila Roth - Ein Kinderspiel

Kurzbeschreibung:
"Geheimagent Markus Neumann erhält den Auftrag, einen jungen Hacker namens Mikolaj aus Krakau abzuholen und in den Zeugenschutz aufzunehmen. Das erst achtzehnjährige Computergenie hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe Nachrichtendienste und Polizei sich noch besser vor Hackerangriffen schützen und deren Ursprung zurückverfolgen können. Dazu hat Mikolaj Ressourcen des organisierten Verbrechens angezapft und fürchtet nun um sein Leben und das seiner erst zwölfjährigen Schwester Maja.
Wieder einmal soll die zivile Hilfskraft Janna Berg den Agenten zur Tarnung begleiten und zunächst sieht alles nach einer einfachen Mission aus. Doch die beiden Jugendlichen zu beschützen, wird zur lebensgefährlichen Herauforderung für das ungleiche Agententeam, denn schon bald sind ihnen Auftragskiller dicht auf den Fersen."

Fazit:
"Ein Kinderspiel" ist bereits der zehnte Teil der "Spionin wider Willen" - Reihe von Mila Roth. Diesmal musste die Leserschaft eine ganze Weile auf den neuen Teil warten. Nachdem die letzten beiden Einsätze von Markus und Janna nicht mehr ganz an die Spannung des Anfangs heranreichten, war ich gespannt, ob sich die Wartezeit lohnen würde.

Dass dies der Fall sein würde, wurde von Anfang an deutlich. Gleich zu Beginn ist man mitten im Agentengeschehen, Janna im Einsatz! Und auch die eigentliche Mission dieses Teils birgt eine Menge Spannung und Action.

Natürlich ist jedem Liebhaber dieser Vorabendserie in Buchform neben der jeweiligen Mission das Hin und Her zwischen Janna und Markus genauso wichtig und auch diesbezüglich kommt man auf seine Kosten!

Beides in Kombination sorgt für einen sehr guten Lesefluss, sodass die Seiten nur so dahinfliegen und man viel zu schnell ans Ende gelangt.

Mit "Ein Kinderspiel", dem zehnten Fall für Markus und Janna, hat die Autorin wieder einmal bewiesen, dass ihre Serienhelden noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben.

Mila Roth
"Ein Kinderspiel"
nähere Informationen zum Buch und zur Serie erhalten ihr auf der Seite der Autorni

Samstag, 22. Juli 2017

[Rezension] E. M. Tippett - Break it up [Nicht mein Märchen 2.5]

Kurzbeschreibung:
"Kyra ist dabei, ihre Leben umzukrempeln. Eine Veränderung ist, dass sie nicht mehr jeden Typen ran lässt, der ihr schöne Augen macht. Sie setzt ihre Träume und Hoffnungen für die Zukunft an erster Stelle. Als die aufstrebende Fotojournalistin die Chance ihres Lebens bekommt, die internationale Boy Band - Sensation Triple Cross zu begleiten, kann sie diese Gelegenheit nicht ausschlagen. Das Problem ist nur, dass sie in eines der Bandmitglieder verliebt ist. Gleichzeitig muss sie die Avancen eines anderen abwehren und ihre turbulente Vergangenheit geheim halten. Triple Cross sind "die netten Jungs von nebenan", von allen Eltern der Welt akzeptiert, haben aber gerade ihre langjährige Managerin gefeuert, die ihr sauberes Image und ihre Medienauftritte mit eiserner Faust kontrolliert hat. Als Zach Wechsler, Kyras Objekt der Begierde, ebenfalls Interesse zeigt, muss sie äußerst vorsichtig sein..."

Fazit:
"Break it up" ist ein Spin-off der Reihe "Nicht mein Märchen". Hier steht nicht Chloe, sondern Jasons Nichte Kyra im Mittelpunkt, die man zumindest am Rande bereits in den "Nicht mein Märchen" - Büchern kennengelernt hat.

Kyra hat eine bewegte Teenievergangenheit und wirkt schon deshalb nicht ganz so erhaben, wie es Chloe mitunter tat. Kyras Charakter ist sehr menschlich, was sie gleichzeitig verletztlich und liebenswert macht. Ihr trockener Sinn für Humor sorgt dafür, dass man das Buch nicht weglegen mag und keine Langeweile aufkommt.

Gut gefallen hat mir auch, dass es zwar leichte, unterhaltsame Lektüre ist, E. M. Tippett aber anhand von Kyra auch eine tiefergehende Botschaft vermittelt: an sich selbst zu glauben und zu sich selbst zu stehen!

Der Leser begleitet Kyra ein wenig auf ihrem Stück, erwachsen und verantwortungsvoll zu werden, allerdings sehr unterhaltsam und ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Natürlich sind Chloe und Jason auch mit von der Partie, wodurch sich das Ganze gut in die Reihe eingliedert.

Auch wenn man die "Nicht mein Märchen" - Reihe nicht gelesen hat, kann man mit "Break it up" nichts falsch machen - eine wunderbare Sommerlektüre für den Urlaub oder den Balkon.

E. M. Tippett
"Break it up"

[Rezension] Lisa Gardner - Die Überlebende

Kurzbeschreibung:
"472 Tage lang lernte sie, wie viel ein Mensch ertragen kann:
Flora Dane, College-Studentin, am hellichten Tag gekidnappt. Wie durch ein Wunder überlebte sie. Und entkam ihrem Peiniger. Sieben Jahre ist das nun her - doch vergessen kann Flora nicht. Die Wände ihres Zimmers sind voller Fotos: Mädchen, die weniger Glück hatten als sie. Mädchen, die jetzt tot sind. Flora schwört, sie niemals im Stich zu lassen.

Und dann ist wieder eine junge Frau verschwunden. Kurz darauf wird Detective D. D. Warren an den Tatort eines grausigen Verbrechens gerufen. Ein Mann - verbrannt. Eine junge Frau - nackt und gefesselt. Flora Dane."

Fazit:
Ich habe im Verlauf der Jahre einige Bücher von Lisa Gardner gelesen, für mich eine Liga mit Karin Slaughter, Tess Gerritsen, etc. Umso überraschter war ich, zu lesen, dass Lisa Gardner hier in Deutschland wohl gar nicht so bekannt ist wie die anderen. Warum ist mir ein Rätsel und wer sich von der Qualität ihrer Bücher überzeugen möchte, findet mit "Die Überlebende" einen wunderbaren Anfang.

"Die Überlebende" ist bereits der sechste Band der Reihe um Detective D. D. Warren. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man die vorherigen Bände nicht kennen muss, um der Handlung zu folgen. Wobei natürlich die Gefahr im Raum steht, dass die eigene Wunschliste im Anschluss um die fünf anderen Bänder reicher ist...

Der Leser wird von Anfang an mitten in die Handlung geworfen - Floras Entführung und ihr Leben danach. Allerdings behält Lisa Gardner eine Menge Fakten über das ein oder andere für sich und offenbart diese dem Leser erst im Verlauf der Handlung. Spannung ist über weite Teile deutlich spürbar, entsprechend gut der Lesefluss.

Sehr positiv aufgefallen ist mir, wie die Autorin mit der Sympathie des Lesers spielt - durch diverse Wendungen im Geschehen ist man auf Floras Seite, dann wiederum misstraut man ihr, dann zweifelt man, wer wie involviert sein könnte.

"Die Überlebende" von Lisa Gardner ist einer der besten Thriller, die ich in diesem Jahr gelesen habe und so werde ich mit Sicherheit auch die anderen Fälle von D. D. Warren noch kennenlernen.

Lisa Gardner
"Die Überlebende"
ISBN: 978-3-499-29093-0
erschienen im Rowohlt Verlag

Dienstag, 18. Juli 2017

[Blogtour] Sandra Florean - Die Seelenspringerin - Schnipselblogtour


Willkommen zur Blogtour!


Im Rahmen der Blogtour zu "Die Seelenspringerin" von Sandra Florean habt ihr die einmalige Chance, die Hauptprotagonisten der Serie exklusiv kennenzulernen.

In der Zeit vom 16.07.2017 - 22.07.2017 werden jeden Tag, sowohl um 6:00 Uhr als auch um 18:00 Uhr auf einem Blog ein Protagonist näher beleuchtet. Den genauen Tourfahrplan findet ihr weiter unten.

Zusätzlich zur Blogtour gibt es ein Gewinnspiel!

In jedem Blogbeitrag gibt es eine Gewinnspielfrage, die ihr in den Kommentaren beantworten könnt. Durch jede Antwort sammelt ihr ein Los. Am Ende der Blogtour gibt es noch eine abschließende Frage bei Nadja von den Bookwormdreamers. Ihr könnt also insgesamt 13 Lose sammeln.

Und was gibt es zu gewinnen?

Der Gewinner darf sich ein Taschenbuch des ersten oder zweiten Teils von "Die Seelenspringerin" aussuchen und erhält dazu noch ein paar schöne Goodies!

Doch hier erst einmal der Blogtourfahrplan:

16. Juli 201706:00 Uhr: Tess: Bookwormdreamers 18:00 Uhr: Jim: Books-Beauty-and-Creativity 17. Juli 2017
06:00 Uhr: Rafael: Das Buchmonster 18:00 Uhr: Angelo: Drachenleben 18. Juli 2017 06:00 Uhr: Octavian: Ninis Kleine Fluchten 18:00 Uhr: Ryan: Bücher - Tore in eine andere Dimension 19. Juli 201706:00 Uhr: Gail: Dropsys Schmöckerstube 18:00 Uhr: Geoffrey: Lesemappe 20. Juli 201706:00 Uhr - Johnny: Bookwormdreamers 18:00 Uhr - Gabby: Der Bücherkessel
21. Juli 201706:00 Uhr - Letitia: Buchimpulse 18:00 Uhr - Serena: Letannas Bücherblog 22. Juli 201706:00 Uhr - Gewinnspiel & Zusammenfassung der Schnipsel - Bookwormdreamers


Teilnahmebedingungen:

Teilnahme ab 18 Jahren oder mit Einverständniserklärung der Eltern.Versand nur innerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für den Postversand wird keine Haftung übernommen.Das Gewinnspiel endet am 23.07.2017 um 23:59 Uhr. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt man sich im Gewinnfall bereit, öffentlich namentlich am Ende der Blogtour genannt zu werden.Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.Keine Barauszahlung des Gewinnes möglich.Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung mit Facebook und wird nicht von Facebook organisiert.

Aber nun erst einmal zu unserer heutigen Hauptperson:


Octavian

Vollständiger Name: Octavian
Alter: das weiß keinerSpezies: VampirBeruf: Vampirgebieter von NewtownBesondere Fähigkeiten: hüllt sein Gesicht in künstliche Schatten und manipuliert alle um sich herum. Kann bis zu einem gewissen Punkt in Tess´ Geist eindringenVorlieben: seine Macht mehren, spendet an wohltätige Zwecke, führt seine Untergebenen mit eiserner HandAbneigungen: Ungehorsam, Lutgers Werwolf-Rudel, Sonnenlicht, Journalisten

Regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass es nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dass ausgerechnet ich einen Vampir vorstelle - bin ich nun wahrlich kein großer Vampirfreund.
Aber in meinen Rezensionen habt ihr auch schon erfahren, dass ich mich nie dagegen wehren konnte, dass ich Sandra Floreans Vampiren immer wieder verfalle - und Octavian ist ein ganz besonderes Exemplar seiner Spezies, steckt er doch voller Widersprüche. Und seinem Charisma hat man wenig entgegenzusetzen.

Hier kommt ein Schnipsel, der ein wenig von Octavians Wirkung wiedergibt, in diesem Fall die, die die meisten fürchten:


Dass sie zu weit gegangen war, erkannte sie erst, als der Vampir plötzlich aufsprang und wie eine Furie aus schwarzen Schatten und rotem Samt auf sie zukam.»Hinaus!«, brüllte er seine Begleiter an.Tess zuckte erschrocken zusammen und wich zurück. Er griff nach ihrem Arm und hielt sie fest. Sein Griff war kräftig, ohne brutal zu sein, dennoch spürte sie, dass sie sich nicht aus ihm würde befreien können.»Sie bleiben hier.«Die beiden jungen Männer erhoben sich flink und liefen hastig in Richtung Flügeltür. Die Tür fiel ins Schloss und Tess war mit dem zornigen Gebieter der Vampire allein.Octavian sah sie an. Auch wenn Tess seine Augen nicht sehen konnte, spürte sie seinen bohrenden Blick auf ihrem Gesicht. Er hielt noch immer ihren Arm fest und Tess fragte sich, was er nun mit ihr tun würde. Jetzt, da sie allein waren - und ohne Zeugen.


Neugierig geworden? Dann freue ich mich, wenn ihr der Blogtour weiter folgt und natürlich, wenn ihr euch entschließt, "Die Seelenspringerin" zu lesen und näher kennenzulernen!

Nun fehlt noch eins: Die Gewinnspielfrage:

Stellen wir uns einmal vor, die Welt wäre wie in "Die Seelenspringerin": Vampire, Gestaltwandler und Dämonen leben mitten unter den "normalen" Menschen, mehr oder weniger akzeptiert, toleriert oder gefürchtet.
Könntet ihr euch vorstellen selbst ein paranormales Wesen zu sein oder mit einem solchen eine Beziehung zu führen? Wenn ja, was wäret ihr gern? Vampir? Gestaltwandler? Dämon?

Bitte beantwortet die Frage in den Kommentaren. Für jede vollständige Antwort gibt es ein Gewinnlos.

Donnerstag, 13. Juli 2017

[Rezension] B. C. Schiller - TARGA - Der Moment, bevor du stirbst

Kurzbeschreibung:
"Targa Hendricks hat keine Freunde, keine Liebe, nichts zu verlieren. Doch vor allem hat sie keine Angst - und genau das macht sie so verdammt gut in ihrem Job. Denn als Undercover-Ermittlerin ist es ihre Aufgabe, Serienkiller auf frischer Tat zu überführen, und dazu gibt es nur zwei Wege: Targa muss sich einem Mörder ausliefern - oder ihn glauben lassen, sie sei wie er.

Falk Sandman ist Hochschuldozent, charismatisch, clever und besessen von den letzten Worten Sterbender - seiner Opfer. Als er eine junge Frau trifft, die sich für seine dunkle Seite interessiert, ist er zunächst skeptisch. Doch Sandman fasziniert ihr gefühlloses Verhalten. Allmählich vertraut er ihr - und sie kommen sich näher.

Ein tödliches Spiel beginnt. Wer wird gewinnen?"

Fazit:
Targa ist speziell. Als Neugeborenes bei eiskalten Temperaturen ausgesetzt, hat sie mehr verloren als nur einen kleinen Zeh: ihre Zwillingsschwester und, wie sie meint, auch ihre Gefühle. Wobei es nicht so ist, als würde sie gar nichts empfinden. Dennoch hatte ich so meine Probleme mit unserer Hauptprotagonistin. Ihre neurotische, mitunter ans Authistische grenzende Art sorgt dafür, dass aus ihrer Perspektive geschilderte Handlung kalt und nüchtern wirkt. Allerdings hat Targa, benannt nach dem Porschemodell, aus dem sie ausgesetzt wurde, es mit der Zeit geschafft, mich auf ihre Seite zu ziehen, was ihrer Intelligenz und ihrem Mut zu verdanken ist.

Anders verhält es sich mit unserem Bösewicht Falk. Man weiß von Beginn an, was er tut - eigentlich nicht meine Lieblingsperspektive, ist doch das Rätselraten um die Identität des Mörders immer ein großer Teil des Lesespaßes - aber hier hat es mich überhaupt nicht gestört. Falk ist intelligent, charismatisch und skrupellos: dennoch oder deswegen, war er mir von Anfang an sympathisch. Ein Problem, das ich mit Targa teile.

Der Lesefluss ist gut, die Handlung schlüssig und interessant. Ein wenig mehr Spannung hätte ich mir gewünscht, aber die Wendungen, die die Geschichte nimmt, haben dies ein wenig ausgeglichen.

"Targa - Der Moment, bevor du stirbst" lebt von der Intelligenz der Protagonisten, ist interessant, hätte aber ein wenig mehr Spannung und ein bißchen weniger Targa vertragen können.

B. C. Schiller
"Targa - Der Moment, bevor du stirbst"
ISBN: 978-3-328-10151-2
erschienen im Penguin Verlag

[Rezension] J. R. Ward - Bourbon Sins

Kurzbeschreibung:
"Nach dem Tod des Familienoberhaupts hängt die Bourbon-Dynastie der Bradfords am seidenen Faden. Der Patriarch hat nicht nur das Unternehmen hoch verschuldet hinterlassen, nun entpuppt sich sein vermeintlicher Selbstmord auch noch als Mord.
Unter Verdacht gerät der älteste Sohn Edward, den sein Vater um alles gebracht hat, was die Zukunft für ihn bereithielt. Während sein jüngerer Bruder Lane alles daran setzt, das Familienunternehmen zu retten, liegt das Schicksal der Bradford Bourbon Company nun ausgerechnet in den Händen ihrer größten Konkurrentin, der Frau, die Edward über alles liebt, aber unerreichbar für ihn scheint..."

Fazit:
"Bourbon Sins" ist nach "Bourbon Kings" der zweite Teil von J. R. Wards Trilogie rund um die Familie Bradford.
Wie wahrscheinlich die meisten Leser des ersten Bandes, habe ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Geschehnisse gewartet, denn der erste Teil war sehr einnehmend und mitreißend.

Im Mittelpunkt des zweiten Teils steht auch wieder ganz klar Lane, den der Leser bereits im ersten Band sehr gut kennengelernt hat. Entsprechend halte ich es für sinnvoll, mit "Bourbon Kings" zu starten. Zwar kann man die Handlung von "Bourbon Sins" auch problemlos ohne Vorkenntnisse verstehen, aber da die ausführliche Hintergrundgeschichte der Geschwister im ersten Teil erzählt wurde, versteht man die einzelnen Charaktere sehr viel besser, wenn man diese kennt.

Das Buch beginnt eben dort, wo der erste Band endete. Lane steht vor den Trümmern des Familienunternehmens und macht es sich zur Aufgabe, dies und die Familie zu retten. Faszinierend ist die Metamorphose, die Lane im Verlauf der Handlung durchmacht - vom leichtlebigen Playboy hin zum Unternehmer mit Weitsicht. Allerdings muss er sich eingestehen, dass doch auch etwas von seinem Vater in ihm lebt...

Der Lesefluss ist sehr gut, man ist von Beginn an wieder mitten im Geschehen und dort läuft natürlich nichts so, wie es gewünscht wäre. Dass die Autorin ein Händchen für diffizile Charaktere hat, stellt sie in "Bourbon Sins" wieder einmal mehr unter Beweis. Steht auch Lane meist im Mittelpunkt, ist Edward mit seiner seelenheilgefährdenden Vorgeschichte doch noch immer mein persönlicher Liebling gewesen. Und gerade deshalb in Verbindung mit dem Cliffhanger am Ende des Buches, lässt die Zeit, bis am Ende des Jahres mit "Bourbon Lies" der Abschlussband der Trilogie erscheinen wird, sehr lang erscheinen.

J. R. Ward
"Bourbon Sins"
ISBN: 978-3-7363-0401-7
erschienen im Lyx Verlag

Freitag, 7. Juli 2017

[Rezension] Susanne Kliem - Trügerische Nähe

Kurzbeschreibung:
"Ein liebevoll restaurierter Hof im Grünen. Zwei Paare, die von einem Neuanfang träumen. Bis ein Gast kommt, der ein gefährliches Spiel beginnt. Ein Spiel, das für einen von ihnen tödlich enden wird..."

Fazit:
Nachdem mir Susanne Kliems aktuelles Buch "Das Scherbenhaus" sehr gut gefallen hat, wollte ich auch etwas anderes von ihr lesen. Da "Trügerische Nähe", das ursprünglich bei carl's books erschien, nun im Penguin-Verlag neu aufgelegt wurde, habe ich die Chance genutzt und mich aufgemacht ins Berliner Umland.

Auch in "Trügerische Nähe" finden sich sehr unterschiedliche Charaktere zusammen, die von der Autorin sehr individuell, bildhaft und menschlich nachvollziehbar charakterisiert werden.

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, wodurch der Leser, im Gegensatz zu den handelnden Personen, einen guten Überblick über das Geschehen erhält.

Wenn man von einem Kriminalroman unfassende polizeiliche Ermittlungen erwartet, muss man bei "Trügerische Nähe" umdenken. Denn vorrangig geht es hier um die psychologische Komponente. Was passiert, wenn ein fragiles Gleichgewicht von außen gestört wird?

Der Lesefluss ist gut, die Handlung baut sich nach und nach auf und der Leser ist gespannt, in welche Richtung sich alles entwickeln wird. Dort genau liegt für mich der Schwachpunkt des Buches: Es entwickelt sich alles genau so, wie man es als Leser vermutet, selbst Täter und Opfer liegen letztendlich auf der Hand. In der Hinsicht hätte ich mir gewünscht, von der Autorin überrascht zu werden.

Insgesamt ist "Trügerische Nähe" ein solider Krimi mit Spannung und Unterhaltung, dem leider die Überraschung fehlt.

Susanne Kliem
"Trügerische Nähe"
ISBN: 978-3-328-10122-2
erschienen im Penguin Verlag

[Rezension] Nora Roberts - Sternenstaub

Kurzbeschreibung:
"Die selbstbewusste Archäologin Riley hat einen Auftrag: Zusammen mit fünf weiteren Auserwählten muss sie nach Irland reisen, um dort die Suche nach dem letzten Stern, dem Stern des Eises, zu vollenden und das Schicksal aller Welten zu retten. Um die noch fehlenden Hinweise zu finden, vertieft sich Riley in die Geschichte und die Mythen Irlands. Als sie eines Tages in eine gefährliche Situation gerät, ist es der geheimnisvolle Doyle, der sie rettet, und sie kommen einander näher, gefährlich nah. Doch Doyle verschloss einst sein Herz für immer. Wird ihre Liebe trotzdem eine Chance haben? Und werden die sechs Auserwählten es schaffen, ihre Mission zu erfüllen?"

Fazit:
"Sternenstaub" ist der Abschluss der Trilogie um die Suche der Auserwählten nach den drei Sternen, die die Welt vor der bösen Nerezza retten sollen. Bereits in den Rezensionen zu den ersten beiden Teilen habe ich erwähnt, dass man eine gehörige Portion Humor benötigt - ich vermute, fehlt dies einem Leser, kommt dieser erst gar nicht bis zum dritten Band. Zum Verständnis des Ganzen ist es hilfreich, die Trilogie von Beginn an zu lesen, da die Geschichte fortlaufend erzählt wird.

Neben der Suche nach den Sternen geht es natürlich auch um das Privatleben der Auserwählten. Fanden sich in den ersten beiden Bänden bereits die vier anderen Freunde zu zwei Paaren zusammen, lag von vornherein auf der Hand, dass auch Riley und Doyle zueinander finden würden. Allerdings drängt sich dem Leser der Eindruck auf, dass Nora Roberts auch nicht wirklich eine Idee hatte, wie dies schlüssig zu bewerkstelligen sein könnte. Hat sich die Autorin in der Vergangenheit oft als Grande Dame des Gefühls bewiesen, geht ihr selbiges in "Sternenstaub" leider völlig ab. Denn Gefühl oder Romantik oder irgendetwas ähnliches kommt zwischen Riley und Doyle nicht auf - man hat eher den Eindruck, dass da der Holzhammer benutzt wurde.

Auch in Hinblick auf die Suche nach dem Stern tut sich in großen Teilen des Buches nichts und dann im letzten Viertel muss der Stern gefunden, die Welt gerettet und noch zwei Hindernisse der Auserwählten aus dem Weg geschafft werden, sodass dann alles ein wenig übers Knie gebrochen scheint.

Da ich natürlich den Ausgang der Suche miterleben wollte, habe ich es nicht bereut, "Sternenstaub" gelesen zu haben, aber nicht nur war es mit Abstand der schwächste Band der Trilogie, auch von Nora Roberts ist man ein ganz anderes Kaliber gewöhnt.

Nora Roberts
"Sternenstaub"
ISBN: 978-3-7341-0341-4
erschienen bei Blanvalet

Dienstag, 27. Juni 2017

[Rezension] Kelley Armstrong - Dunkles Omen

Kurzbeschreibung:
"Olivia Taylor-Jones hat alles, was sich eine junge Frau nur wünschen kann: Schönheit, Liebe, Reichtum. Bis zu dem Tag, an dem sie erfährt, dass ihre Eltern Mörder sind. Auf der Suche nach der Wahrheit kommt sie nach Cainsville und dort einem dunklen Geheimnis auf die Spur..."

Fazit:
"Dunkles Omen" ist der Auftakt der "Cainsville"-Reihe und Cainsville ist ganz sicher kein normales Örtchen. Dass hier etwas vor sich geht, wird beim Lesen sehr deutlich und auch nach den beinahe 600 Seiten des Buches hat man nur ein wenig an der Oberfläche gekratzt, weshalb es nur gut und richtig, ist, dass es weitere "Cainsville"-Bücher geben wird.

In diesem nun steht nicht der Ort an sich, sondern Olivia im Vordergrund. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sie eines Abends erfährt, dass sie adoptiert wurde und ihre biologischen Eltern wegen achtfachen Mordes im Gefängnis sitzen. Auf der Suche nach Antworten gerät sie in etwas hinein, was sie sich vorher nicht hätte vorstellen können.

All dies klingt nach einer typischen Thrillerhandlung. Dennoch finde ich die Genrebezeichnung "Thriller" irreführend, wobei dies wohl an der Interpretation des Genres liegt. Bezeichnet man ein Buch als Thriller, bei dem die Hauptperson selbst in Gefahr gerät, dann haben wir hier einen Thriller. Ich persönlich erwarte von einem Thriller durchgängig ein gewisses Maß an Spannung - im Idealfall zunehmend mit Fortschreiten der Geschichte. Davon ist bei "Dunkles Omen" nicht wirklich etwas zu spüren. Die letzten 50 Seiten, da ist es wirklich richtig spannend, davor ist es interessant, unterhaltsam, rätselhaft und grundsätzlich auf jeden Fall mystisch. Von daher wäre "mystischer Spannungsroman" sicher zutreffender.

Nichts desto trotz ist der Lesefluss gut und die Handlung nimmt den Leser mit. Es gibt so viele Fragen und auf die möchte man Antworten. Diese bekommt man auch, allerdings nur in Bezug auf Olivias Geschichte - Cainsville selbst bleibt sehr mysteriös.

Insgesamt fehlte es mir an Spannung und Nervenkitzel, aber unterhaltsam und mitreißend war "Dunkles Omen" auf jeden Fall. Von daher freue mich sehr, im Folgeband den Rätseln von Cainsville (hoffentlich) mehr auf die Spur zu kommen.

Kelley Armstrong
"Dunkles Omen"
ISBN: 978-3-453-31857-1
erschienen bei Heyne

Samstag, 24. Juni 2017

[Rezension] R. K. Lilley - Love is war - Verlangen

Kurzbeschreibung:
"Nie hätte Scarlett sich ausgemalt, dass sie einmal als Stewardess enden und Drinks servieren würde. Und dann sass eines Tages auch noch Er im Flieger, durchbohrte sie mit seinem heissen Blick und bestellte einen Gin Tonic. Es war Jahre her, seit sie ihn gesehen, seit er sie geliebt hatte. Dante wollte sie. Wieder. Und sie ihn. Sie würde mitspielen...
Aber dieses Mal würde sie Ihn brechen. Denn letzten Endes ist Liebe Krieg.

Fazit:
"Love is War - Verlangen" ist der erste Teil der Geschichte von Scarlett und Dante. Die Fortsetzung "Love is War - Sehnsucht" wird Mitte August erscheinen.

Zuerst aufgefallen sind mir zwei Dinge: Zum Einen, dass der Titel des Buches "Love is War" Scarlett in Leib und Seele übergegangen ist - sobald es um Dante geht, wird sie zum strategischen Feldherrn, der akribisch seine nächste Schlacht plant - natürlich kommt ihr Herz dem Kopf immer wieder ins Gehege... Zum Anderen fiel mir auf, dass mir der Vorname unseres männlichen Hauptprotagonisten total gut gefällt: Dante. Ich finde, das hat Klang (auch wenn ich mit den Werken des gleichnamigen Dichters nie etwas anfangen konnte). Seit Gideon hat mir wohl kein männlicher Vorname mehr so gut gefallen.

Bei Scarlett gibt es kein Vorgeplänkel und so ist man auch direkt mitten im Buch! Scarlett hasst Dante, weil.... Ja, warum, das weiß man anfangs noch nicht. Die Geschichte wird in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen erzählt: Scarlett in der Gegenwart und Scarlett in der Kindheit und Jugend - beides untrennbar verbunden mit Dante.

Nach und nach erschließt sich dem Leser, warum Scarlett ist, wie sie ist und empfindet, wie sie es tut - und warum sie so enttäuscht ist von Dante. Die Gegenwart spiegelt die Erfahrungen wider und die fortschreitende Handlung zeigt dann auch, dass deutlich mehr dahinterstecken muss, als Scarlett weiß oder vermutet - was genau die Hintergründe sind? Das erfährt man dann wohl erst in der Fortsetzung, aber beim Leser gehen bereits diverse Vermutungen im Kopf herum.

Der Lesefluss ist sehr gut, weil Scarlett generell sehr unterhaltsam ist, weil man Dante ins Herz schließt und auf ein gutes Ende hofft, aber gleichzeitig auch mehr aus der Vergangenheit erfahren will, um noch mehr zu verstehen und zu vermuten.

Scarlett und Dante sind ein Paar, das beim Leser direkt das Suchtzentrum aktiviert und so freue ich mich schon jetzt auf die Fortsetzung im August!

R. K. Lilley
"Love is War - Verlangen"
ISBN: 978-3-453-58055-8
erschienen bei Heyne

[Rezension] Christina Lauren - Beautiful

Kurzbeschreibung:
"Pippa ist frustriert von der Männerwelt. Ein Trip nach New York zu ihrer besten Freundin scheint genau das Richtige zu sein, um auf andere Gedanken zu kommen. Doch typisch Pippa: Schon im Flugzeug lernt sie einen atemberaubend schönen Geschäftsmann kennen - und macht sich vor ihm im Champagnerrausch völlig lächerlich.

Jensen lebt für seine Arbeit. Für eine Frau ist kein Platz. Schon gar nicht für so eine verrückte, laute Frau wie diese Engländerin, die ihm ungefragt ihre Lebensgeschichte erzählt. Leider ist sie wahnsinnig sexy - und das Schicksal führt sie immer wieder so hartnäckig zusammen, dass Jensen Zweifel kommen, ob er der Versuchung noch lange widerstehen kann..."

Fazit:
"Beautiful" ist die Fortsetzung und gleichzeitig der Abschluß der gleichnamigen Reihe des Autorenduos Christina Lauren. Und auch, wenn ich natürlich ungern Abschied nehme von einer liebgewonnenen Reihe, muss ich sagen, dass dies eine absolut stimmiges und richtig gesetztes Ende ist. Aber bevor man zum Ende kommt, kommen erst noch Jensen und Pippa!

Pippa redet meist erst und denkt später - was sie zu einem wahnsinnig unterhaltsamen und liebenswerten Charakter macht. Doch auch Jensen muss man einfach gern haben, steht er sich auch selbst noch so im Wege.

Gemäß der Reihe ist natürlich der Weg das Ziel und mit Pippa und Jensen fiebert man wirklich mit - nicht nur weil sie beide sympathisch sind, sondern auch, weil man die Anziehung der beiden in gewohnter Lauren-Manier durch die Buchseiten sprühen sehen kann.

Entsprechend ist der Lesefluss sehr gut. Dies ist zu einem Gutteil unseren beiden Königskindern zu verdanken, aber das schöne an "Beautiful" ist, dass sämtliche liebgewonnen Protas der Serie mit von der Partie sind und man auch deren Entwicklung und akutelles Leben mitverfolgen darf - die ganze Bande in einem Buch - herrlich!

Warum ich das Ende der Serie gut, richtig und stimmig finde, werde ich natürlich nicht vorab verraten, das dürft ihr dann selbst erkunden.

Christina Lauren
"Beautiful"
ISBN: 978-3-95649-718-6
erschienen bei mtb

Montag, 19. Juni 2017

[Rezension] A. K. Benedict - Die Seelen von London

Kurzbeschreibung:
"Maria King kennt die verborgenen Seiten ihrer Stadt. Blind geboren, findet die Londonerin sich jenseits des Sichtbaren bestens zurecht. Doch nun schwebt sie in ernster Gefahr. Sie ist ins Visier eines Stalkers geraten.
Detective Jonathan Dark nimmt die Jagd auf und entdeckt eine Welt, die er bisher nicht kannte. Eine Welt, wo Lebendige und Tote sich treffen und wo all die Antworten liegen - wenn man das leise Flüstern in den Straßen zu deuten vermag..."

Fazit:
Die Idee erinnerte mich  ein wenig an die Welt von Ben Aaronovitch. Natürlich habe ich nicht dessen sarkastische Schreibweise erwartet, habe aber auf ähnliche Komplexität gehofft.

Leider ist so ziemlich alles an der Handlung nur halbgar.

Unsere Hauptprotagonistin und Stalkeropfer Maria ist an sich schon etwas seltsam. Blind geboren könnte sie nach erfolgreicher Operation eigentlich sehen, trägt seither aber eine Augenbinde, um dies nicht zu müssen. Auch das Wissen, von einem Stalker verfolgt zu werden, kann sie davon nicht abbringen.

Detective Jonathan Dark macht anfangs einen intelligenten, tiefgründigen und smarten Eindruck. Je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr versinkt er aber in seinem Selbstmitleid, wodurch er den Fall beinahe in den Sand setzt und bei mir durch seine anhaltende Lethargie leider nicht punkten konnte.

Die Toten, die in Form von Geistern in der Welt vorhanden bleiben, nur nicht von allen Lebenden wahrgenommen werden, bieten meines Erachtens eine Menge Potential, das leider auch nur in Teilen ausgeschöpft wurde.

Der Lesefluss ist gut, da man immer darauf hofft, tiefer unter die Oberfläche des Ganzen zu gelangen, nicht wissend, dass sich die Hoffnung nicht erfüllen wird. Die Identität des Stalkers ist nicht leicht zu erraten und gut gewählt und begründet - dessen Ergreifung wird aber dann sehr lapidar in zwei Nebensätzen abgehandelt.

Zusammen genommen konnte "Die Seelen von London" meine Erwartungen nicht erfüllen, unterhaltsam war es dennoch, mit Maria und Jonathan eine andere Seite Londons zu entdecken.

A. K. Benedict
Die Seelen von London
ISBN: 978-3-426-52055-0
erschienen bei Knaur

Samstag, 10. Juni 2017

[Rezension] Ivo Pala - Schwarzer Sturm

Kurzbeschreibung:
"Die ewige Dunkelheit seit dem Weltendonner hält die sterbende Welt in ihren unbarmherzigen Klauen. Das Klima wird immer mörderischer. Hoffnung verspricht einzig der neu entdeckte, geheimnisvolle Kontinent Kutera. Doch Rielle, die Königin der sterbenden Hochkultur Twyddyn, hegt finstere Pläne für Kutera, und nur der Krieger Raymo und die Sklavin Lizia könnten sie noch aufhalten. Währenddessen führt eine geheimnisvolle Mission den Mönch Ash und seine Gefährten auf eine Reise um die halbe Welt - hin zu dem Ort, an dem sich Ashs dunkles Schicksal erfüllt."

Fazit:
"Schwarzer Sturm" ist der zweite Teil der "Dark World"-Saga von Ivo Pala. Sinnvoll ist es auf jeden Fall mit dem ersten Band "Schwarzer Horizont" zu starten, um die Charaktere und deren Weg von Anfang an kennenzulernen. Allerdings denke ich, dass man "Schwarzer Sturm" im Zweifelsfall auch ohne Vorkenntnis des ersten Bandes verstehen kann.

Nachdem der Leser am Ende des ersten Bandes erfahren hat, dass Ivo Pala mich in Bezug auf das Vorkommen von Drachen in dieser Saga gelinkt hat (ich persönlich mag ja keine Drachen...), setzt der zweite Band nahtlos da an, wo der erste endete. Dies gilt sowohl für die Handlung, als auch für die Dynamik und Spannung.

Auch in "Schwarzer Sturm" wird die Handlung aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, wie wir es bereits aus dem ersten Band kennen. Darüber hinaus gibt es eine Figur, die eine Präsenz einnimmt, die ich nicht vermutet hätte. Während die Wege von Raymo und Lizia sich weiterhin kreuzen, nimmt Ash noch immer einen separaten Handlungsstrang ein - ich bin gespannt, ob sich dies im dritten Band ändern wird.

Der Lesefluss ist sehr gut, die unterschiedlichen Perspektiven, aber vor allem auch die Wendungen, die die Handlung immer wieder nimmt, sorgen für Unterhaltung, Abwechslung und jede Menge Spannung. Am Ende sind natürlich wieder jede Menge Fragen offen, leider muss man bis zum Erscheinen des dritten Bandes wohl noch eine Weile geduldig sein...

Ivo Pala
"Schwarzer Sturm"
ISBN: 978-3-426-51916-5
erschienen bei Droemer Knaur

Dienstag, 6. Juni 2017

[Rezension] Anna Fischer - Herz in Reparatur

Kurzbeschreibung:
"Emma ist von Liebeskummer geplagt! Denn die ehrgeizige TV-Redakteurin wurde von ihrem Carl für eine Silikon-Barbie verlassen. Dabei wäre er auf intellektueller Ebene ihr "Perfect Match"! Zu allem Überfluss soll sie jetzt auch noch dem ehemaligen Baseball-Superstar Matt MacKenzie die Basics des Journalismus lehren. Eher würde sie einem Affen das Sprechen beibringen wollen, als für diesen selbstverliebten Playboy den "Babysitter" zu spielen.
Doch da Matt auf ihre Hilfe angewiesen ist, schließen die beiden einen Deal: Emma macht ihn fit für den Moderatoren-Job und im Gegenzug lehrt Matt sie, "was Männer wirklich wollen", damit sie Carl wieder zurückerobern kann..."

Fazit:
"Herz in Reparatur" war das erste Buch der Liebesromanautorin Anna Fischer, das ich gelesen habe.

Der Einstieg in das Buch fiel leicht, denn man ist direkt mit Emma mitten im Geschehen. Mit Emma allerdings hatte ich anfangs so meine Probleme: sehr verkopft und mit den typisch deutschen Tugenden wie Ehrgeiz, Fleiß und Biederkeit gesegnet, wirkte sie im Glamour-liebenden Hollywood, der Welt der Oberflächlichkeit immer ein wenig arrogant und von oben herab. Bevor ich mich noch entscheiden konnte, ob sie mir das jetzt unsympathisch macht oder nicht, tauchte Matt auf - das komplette Gegenteil von Emma: spontan, locker, gerade heraus und sehr von sich überzeugt bringt er die Leichtigkeit mit, die Emma braucht - im Team ergänzten sich die beiden dann so, dass mir direkt beide sympathisch waren.

Der Lesefluss ist sehr gut, der Schreibstil unterhaltsam mit einer Prise Ironie und langweilig wird es nie! Natürlich weiß man von vornherein wie die Geschichte enden wird, aber der Weg dahin hat mich absolut mitgenommen. Mir ist Humor in Romanen wichtig und mir graut es vor Kitsch in Liebesromanen - deshalb hat Anna Fischer für mich da alles richtig gemacht!

Dass lesen bildet hat die Autorin auch wieder einmal bewiesen: ich persönlich habe gelernt, was "sapiosexuell" ist.

"Herz in Reparatur" ist ein unterhaltsamer Liebesroman, der ruhig ein wenig länger hätte sein dürfen und mit Sicherheit nicht das letzte Buch von Anna Fischer war, das ich gelesen habe.

Anna Fischer
"Herz in Reparatur"

Sonntag, 4. Juni 2017

[Rezension] Sarah Saxx - King of Los Angeles - Verliebt in einen Rockstar

Kurzbeschreibung:
"Damien King ist ein Frauenheld, wie er im Buche steht. Der Rockstar mit dem ausgefallenen Modestil wird von Zigtausenden Frauen vergöttert, die alle scharf darauf sind, mit ihm im Bett zu landen. Warum also sollte er sich das entgehen lassen?
Doch dann begegnet er der selbstbewussten Scarlett O'Donnell, die in Los Angeles als Volontärin bei einem Modemagazin arbeitet. Sie sieht, was er wirklich ist: ein selbstverliebter Rüpel, der nichts anderes als Sex im Kopf hat. Und dafür ist sie sich definitiv zu schade, nicht zuletzt wegen ihrer enttäuschenden Erfahrungen in der Vergangenheit. Was sie jedoch nicht ahnt ist, dass sie durch ihre Abweisung Damiens Jagdtrieb angestachelt hat und er nun alles daransetzt, Scarlett für sich zu erobern."

Fazit:
"King of Los Angeles" ist der Nachfolger von "King of Chicago", kann allerdings auch problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Nachdem mich Travis' und Ashleys Geschichte sehr berührt hatte, wollte ich natürlich auch wissen, wie es Travis' Bruder Damien ergeht, den man in "King of Chicago" ja bereits am Rande kennenlernen durfte.

Der Beginn der Geschichte ist schon sehr unterhaltsam: aufgrund seines exzentrischen Modegeschmacks hält Scarlett den Rockstar Damien für einen Obdachlosen und versucht, ihn aus dem Nobelhotel werfen zu lassen....

Die Hauptcharaktere Damien und Scarlett sind sehr umfassend charakterisiert, dennoch wurde ich leider mit beiden nicht richtig warm: mit Damien nicht, weil er vom frauenverschlingenden Rockstar innerhalb von Momenten zum kompletten Gegenteil wird - da ist kein Prozess oder ähnliches - sobald er Scarlett kennengelernt hat, ist alles andere zweitrangig geworden. Und Scarlett ist für meinen Geschmack zu sehr in ihren Vorurteilen gefangen - eine von ihr einmal gefasste Meinung hält sie selbst unter mentalem Kraftaufwand so lange aufrecht wie nur irgend möglich - das hat sie mir im Verlauf der Handlung nicht eben sympathischer gemacht.

Dennoch ist der Lesefluss gut, denn unterhaltsam ist die Geschichte nichts desto trotz - den beiden werden natürlich Hindernisse in den Weg gestellt und der gewohnt humorige, ironisch angehauchte, Schreibstil von Sarah Saxx tut ein übriges, dass einem das Lesen nicht langweilig wird.

"King of Los Angeles" ist ein unterhaltsamer Kriegen-sie-sich-kriegen-sie-sich-nicht-Roman, der aber leider nicht an "King of Chicago" herankommt.

Sarah Saxx
"King of Los Angeles
nähere Infos zum Buch und zur Autorin findet ihr hier

Samstag, 3. Juni 2017

[Rezension] Debbie Johnson - Frühstück mit Meerblick

Kurzbeschreibung:
"Zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod ihres geliebten Mannes weiß Laura Walker, dass es nun an der Zeit für einen Neuanfang ist. Deshalb zieht sie mit ihren beiden Kindern für den Sommer von Manchester nach Dorset, um dort in einem Café auszuhelfen. Das malerisch gelegene Comfort Food Café und die warmherzigen Menschen, denen Laura tagtäglich begegnet, geben ihr neuen Lebensmut. Und dann ist da auch noch Tierarzt Matt, der immer im passenden Moment zur Stelle zu sein scheint..."

Fazit:
Cover und Klappentext versprechen leichte Sommerunterhaltung. Dabei lassen sie in keinster Weise durchblicken, welch zu Herzen gehende Geschichten das Buch beinhaltet.

Damit meine ich nicht einmal unbedingt Laura, ihre Vergangenheit und ihre Entwicklung, die sie im Laufe des Buches durchmacht. Sondern vielmehr die vielen, unterschiedlichen Lebensgeschichten, ob kleine oder große, die die Gäste mit ins Comfort Food Café bringen und die der Leser zusammen mit Laura nach und nach kennenlernt. Und das Miteinander, dass alle Stammgäste des Cafés zusammenhält und -schweißt, sodass sie sich umeinander kümmern und füreinander da sind.

Dennoch ist "Frühstück mit Meerblick" weder romantisch, noch dramatisch, noch kitschig - sondern echt! Debbie Johnson hat eine Realität erschaffen, in die sich das Café wunderbar einfügt, ohne dass man sich in einem Groschenroman wähnt.

Entsprechend gut ist der Lesefluss, da man die Protagonisten des Buches, die allesamt sehr bildhaft und lebensecht charakterisiert sind, nicht missen mag.

"Frühstück mit Meerblick" ist ein Roman, der unter die Haut geht und dort ein warmes, wohliges Gefühl hinterlässt.

Debbie Johnson
"Frühstück mit Meerblick"
ISBN: 978-3-453-42198-1
erschienen bei Heyne

Freitag, 2. Juni 2017

[Rezension] Ivo Pala - Schwarzer Horizont

Kurzbeschreibung:
"Seit dem Weltendonner herrscht ewige Nacht. Asche verdunkelt den Himmel, die Welt wird immer eisiger, nichts wächst mehr. Menschen verhungern auf den Straßen. Andere verschwinden spurlos auf mysteriöse Weise - angstvoll wird von Wesen geflüstert, die die Nacht hervorgebracht hat...
Die Reiche Twyddyn und Milara führen einen erbitterten Krieg zu Land und zur See um die letzten Ressourcen und die Macht auf dem neu entdeckten, geheimnisvollen Kontinent Kutera.
In einem Sturm aus Schlachten und Intrigen müssen der Krieger Raymo, die Sklavin Lizia und der Mönch Ash ihrem unbarmherzigen Schicksal trotzen - oder mit ihrer Welt untergehen."

Fazit:
"Schwarzer Horizont" ist der Auftakt der "Dark World" - Saga von Ivo Pala, dessen zweiter Teil "Schwarzer Sturm" bereits erschienen ist.

Ich habe bisher nur Thriller aus der Feder des Autors gelesen, da mir seine Fantasywerke meist von vornherein mit Drachen einherkamen, denen ich wenig abgewinnen kann.

"Schwarzer Horizont" entführt uns von der ersten Seite an in eine Welt, die der unseren nicht so unähnlich ist: verschiedene Länder, die um die Oberherrschaft Krieg führen und dabei schwächere Länder und deren Einwohner unterjochen; Adel, der auf Kosten der normalen Bevölkerung lebt und seine Intrigen spinnt - so ist es auch hier.

Unsere Hauptprotagonisten Raymo, Lizia und Ash sind sehr unterschiedlich, aber alle sehr bildhaft und vielschichtig charakterisiert. Dies trifft auch auf wichtige Nebencharaktere wie die Königin Rielle, die "Herrin der Perlen" Wenda Weeman, ein unglaubliches Original, und den General ak Sokay zu.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Sicht von Raymo, Lizia und Ash erzählt und jeder Einblick endet mit einem fiesen Cliffhanger, wodurch Neugier und Spannung immer präsent bleiben. Entsprechend gut ist der Lesefluss. Dazu trägt auch bei, dass man nie weiß, worauf Ivo Pala abzielt, so ändert sich der Weg der Protagonisten immer wieder auf eine Weise, mit der man als Leser nicht unbedingt gerechnet hätte.

Allerdings hätte ich mir auf der Umschlaginnenseite eine Karte der "Dark World" gewünscht, die mir die optische Orientierung erleichtert hätte.

"Schwarzer Horizont" ist für mich ein sehr guter Auftakt einer faszinierenden Fantasy-Saga, deren weitere Entwicklung ich sicher wieder begleiten werde.

Ivo Pala
"Schwarzer Horizont"
ISBN: 978-3-426-51915-8
erschienen bei Droemer Knaur

Sonntag, 28. Mai 2017

[Rezension] Nacho Figueras - Die Wellington Saga - Versuchung

Kurzbeschreibung:
"Champagner und Jetset interessieren die junge und kluge Tierärztin Georgia nicht. Daher stimmt sie wenig begeistert zu, ihren besten Freund zu einem der glamourösen Reitturniere in Wellington, Florida, zu begleiten. Ausgerechnet Alejandro, der unglaublich attraktive älteste Sohn des mächtigen Del-Campo-clans, wirft dort ein Auge auf sie und zieht sie wie ein Sturm in eine Welt, in die Georgia so gar nicht zu passen scheint. Doch er ist kein Mann, der ein Nein akzeptiert..."

Fazit:
Auch wenn Nacho Figueras ganz oben als Autor steht, vermute ich, dass die eigentliche "Schreibarbeit" von Jessica Whitman gemacht wurde.
Nacho Figueras ist ein bekannter Polospieler und das internationale Werbegesicht von Ralph Lauren. Dennoch wurde für meinen Geschmack etwas zu häufig plakatiert, dass in Wellington alle, die auf sich halten, Ralph Lauren tragen.

Wenig verwunderlich also, dass wir uns mit "Die Wellington Saga" im Polosport befinden. Entsprechend pferdelastig ist das Buch, die Ausführungen zum Polo, ein Sport, mit dem ich mich noch nie befasst habe, empfand ich als sehr interessant, zumal diese kurz gehalten waren und sicher nur rudimentär die Regeln wiedergeben.

Der Lesefluss ist sehr gut, bereits von Anfang an fasst man Sympathien zu Georgia und ihrer Bodenständigkeit. Die Protagonisten, neben Georgia und Alejandro auch einige der Nebencharaktere, wurden bildhaft und tiefgreifend charakterisiert. Sehr sympathisch waren mir auch Georgias bester Freund samt Lebenspartner und - auf ihre ganz eigene Art - das Biest des Buches. Von diesen hätte ich mir etwas mehr Präsenz gewünscht.

Im Verlauf der Handlung hätte es durchaus mehr Tiefgang geben dürfen, den sowohl Story als auch Protagonisten durchaus hergegeben hätten, man bleibt doch sehr an der Oberfläche. Auch wenn wir es mit einem typischen Liebesroman zu tun haben, darf man die Welt der Klischees mitunter verlassen.

Dennoch habe ich mich von "Die Wellington-Saga - Versuchung" gut unterhalten gefühlt, wenn es auch nicht der mitreißendste Roman des Genres ist, und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung "Die Wellington-Saga - Verführung", mit der wir im Juli rechnen dürfen.

Nacho Figueras
"Die Wellington-Saga - Versuchung"
ISBN: 978-3-7341-0372-8
erschienen bei Blanvalet

[Rezension] Julia Corbin - Die Bestimmung des Bösen

Kurzbeschreibung:
"Zwei tote Frauen, bis zur Unkenntlichkeit entstellt, abgelegt in einem Waldstück am Rhein. Es ist der Beginn einer brutalen Mordserie, bei der die Mannheimer Kommissarin Alexis Hall die Ermittlungen leitet. Einzig die Insekten, die von den Leichen Besitz ergriffen haben, liefern erste Hinweise über die Todesumstände. Noch während die Kriminalbiologin Karen Hellstern unter Hochdruck versucht, den Tathergang anhand von Maden und Käfern zu rekonstruieren, kommt es zu weiteren Morden. Doch der Täter scheint sein Muster geändert zu haben. Als Alexis Hall die Opfer sieht, könnte ihr Schock nicht größer sein: Denn die weißen Anemonen, mit denen die toten Frauen nun geschmückt sind, kennt sie nur zu gut - aus ihrer eigenen Kindheit..."

Fazit:
Spätestens seitdem ich den ersten Hunter-Band von Simon Beckett gelesen habe, finde ich Kriminalbiologie spannend, was für mich den Ausschlag gab, das Thrillerdebüt von Julia Corbin zu lesen.

Als Biologin weiß sie, wovon sie schreibt und die fundierte Kenntniss weiß ich als Leser zu schätzen. Mitunter gibt es einige längere Abhandlungen über bestimmte biologische Themen, gerade in Bezug auf Vererbungslehre, die ich dank Bio-LK durchaus verstehe, wo ich mir aber vorstellen kann, dass vielen Lesern das ein wenig viel Detailgenauigkeit ist, obwohl ich durch das Lesen des Nachworts weiß, dass es bereits deutlich reduziert wurde.

Allerdings ist die Kriminalbiologie nicht das einzige, was die Autorin zu bieten hat: Die eigentlich Hauptprotagonistin ist die Kommissarin Alexis Hall, deren eigenen Vergangenheit schon viel Potential bietet und auch der Plot hat es in sich.

Der Lesefluss ist sehr gut, da auf verschiedenen Ebenen Spannung herrscht - was hat es mit Alexis' Vergangenheit auf sich? Wie sind ihr Onkel und dessen Firma involviert? Was hat der Mörder als nächstes vor? Langweilig wird es definitiv nicht.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass ich Julia Corbin brav auf den Holzweg gefolgt bin und mitten im Buch schon beinahe enttäuscht war - lagen Mörder und Hintergründe doch fast offensichtlich vor mir - oder eben auch nicht!

"Die Bestimmung des Bösen" ist ein spannender, mitreißender und unterhaltsamer Thriller, der sich neben typischen Thrillerelementen in der Kriminalbiologie bedient und wieder einmal deutlich macht, zu welch tiefgreifendem Bösen die Spezies Mensch fähig ist.

Julia Corbin
"Die Bestimmung des Bösen"
ISBN: 978-3-453-35934-5
erschienen im Diana Verlag

[Rezension] Jan Schröter - Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte...

Kurzbeschreibung:
"Tom Schröder will Autor werden! Ein berühmter Autor, das klappt garantiert, ist Tom sich sicher. Dass der Weg zum Erfolg ihn auf jede Menge Abwege führt, macht die Sache kompliziert. Egal, ob als Blumenverkäufer auf dem Hamburger Isemarkt oder in den Dünen mit Dort, zwischen Textilschmugglerinnen in Südamerika oder auf Drehbuch-Recherche in Australien, Toms schräger Charme schlägt noch in verlorensten Lebenslagen durch - bis ihn Romane und Drehbücher fast das Leben kosten..."

Fazit:
"...ich als russischer Arzt praktizierte, das Liebesleben einer Chefredakteurin beflügelte und trotzdem Autor wurde" - so geht der Titel des Buches weiter und so dürfte jedem Leser von vornherein klar sein, dass man es hier nicht mit bierernster Lektüre zu tun hat. Wer schon eines der anderen Bücher von Jan Schröter gelesen hat, weiß das allerdings sowieso.

Zugegeben: das Cover hätte mich im Buchladen nicht dazu inspiriert, das Buch zu kaufen. Gut, der gelben Reiseschreibmaschine kommt durchaus eine tragende Rolle im Buch zu, dennoch finde ich das Cover etwas wenig anziehend oder gar aussagekräftig, was ich schade finde. Denn würde das Cover ein wenig des Inhalts reflektieren, würde die Mischung aus Humor, Tragik und menschlichem Tiefgang den Leser sicher mehr ansprechen. Nun weiß man spätestens nach dem Lesen von "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte...", dass Jan Schröter kein großer Fan der Cover seiner letzten Bücher ist und das kann ich durchaus verstehen, da sie den Inhalt optisch reduzieren - und zwar um das, was für mich das Besondere der Bücher des Autoren ausmacht: den Tiefgang!

Ich mag den Schreibstil des Autoren, denn er ist bodenständig, ehrlich und geradeheraus - ohne Schnörkel und Schnickschnack. Dabei aber immer voller Humor, der einen die Protagonisten, die immer ein bißchen neben sich stehen und nie so ganz lebenstüchtig sind, ins Herz schließen lässt. Dies gilt auch für Tom Schröder, unseren Hauptcharakter aus "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte..." und ich ducke mich gerade ein wenig hinter meinem Monitor, in der Hoffnung, mit diesem Satz ungestraft durchzukommen, denn jedem, der das Buch gelesen hat, wird klar sein, dass es nicht nur in Auszügen autobiographisch ist...

Der Lesefluss ist sehr gut, denn Tom Schröder neigt dazu, sich in seltsamen Situationen wiederzufinden und als Leser ist man sehr gespannt, was noch folgen wird und wie er sich dann wieder herauslavieren kann. Den humorvollen Schreibstil, den man in Jan Schröters Romanen findet, habe ich schon angesprochen, aber wir haben es hier nicht mit einem reinen Klamaukroman zu tun. Denn für mich das Herausstechendste ist hier und auch bei den vorhergehenden Romanen: der Leser wird hervorragend unterhalten, es geht aber nicht nur um simplen Humor. Man wird immer mit existenziellen Fragen und Emotionen konfrontiert - das Leben ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen und auch ein humoriger Protagonist muss sich Misserfolgen, Verletzungen, etc. stellen. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht.

Korrespondierend zu "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte..." hat Jan Schröter einen Schreibratgeber geschrieben: "Jan Schröters Goldene Schreibregeln", wo er die Schreibregeln, die den Roman bereits gliedern, näher ausgeführt werden. Ich habe gelesen, dass er das gar nicht so freiwilig getan hat, sondern eher genötigt wurde. Dafür kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Näheres über Roman und Ratgeber findet man auch auf der Seite Tatort Schreibtisch, wo dann klar wird, dass gerade der Ratgeber Teil eines größeren Werkes von-Autoren-für-Autoren ist.

"Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte..." ist ein unterhaltsamer Roman für alle, die auch ein wenig unter die Oberfläche schauen, dabei aber den Humor nicht verlieren wollen.





Jan Schröter
"Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte..."
ISBN: 978-3-946-31214-7
erschienen im KICK Verlag

Samstag, 27. Mai 2017

[Rezension] Sarina Bowen - Harter Fall, weiche Landung [ebook]

Kurzbeschreibung:
"Bad Boy Hank "Teufelskerl" Lazarus hatte alles: eine wunderschöne Freundin, eine Karriere als Freestyle Snowboarder und einen Platz im Olympiateam. Doch vor neun Monaten wachte er nach einem schlimmen Unfall in der Halfpipe in einem Krankenhaus auf, unfähig seine Beine zu bewegen. Jetzt ist er wieder dort gelandet, ein weiteres Mal gegen seinen Willen. Denn obwohl seine Familie ihn dazu drängt, eine neue, innovative Behandlung zu versuchen, therapiert sich Hank lieber selbst - mit Unmengen Tequila.

Ärztin Dr. Callie Anders hat den Mut, das Herz eines Patienten mit einem tausend Volt Stromstoß neu zu starten, aber bei ihrem eigenen Herzen ist sie nicht so tapfer. Dem neuen Klinikpatienten verrät sie nicht, dass sich die beiden bereits vor seinem Unfall getroffen haben, eine Begegnung, an die er sich nicht mehr erinnert. Selbst als sich zwischen ihnen eine Freundschaft entwickelt, gesteht sie sich nicht ein, dass sie es bereut seine Einladung zum Abendessen ausgeschlagen zu haben oder dass ihr Herz jedes Mal höher schlägt, wenn diese tätowierten Schultern durch den Eingang des Therapiezentrums rollen.

Ein weiterer Winter in Vermont steht bevor und Hank braucht eine helfende Hand, die ihn unter der Lawine von Enttäuschungen hervorholt. Wenn Callie doch nur mutig genug wäre, die Herausforderung anzunehmen."

Fazit:
"Harter Fall, weiche Landung" ist nach "Kalte Nächte, warme Herzen" das zweite Buch von Sarina Bowen, das ich gelesen habe. Auch wenn "Harter Fall, weiche Landung" komplett eigenständig ist und keinerlei Vorkenntniss bedarf, trifft man als Leser von "Kalte Nächte, warme Herzen" auf bekannte Gesichter. Denn Dr. Callie Anders, unsere weibliche Hauptprotagonistin ist dem Leser als beste Freundin von Willow bekannt, der weiblichen Hauptperson aus "Kalte Nächte, warme Herzen" und Willow und Dane kommen zwischenzeitlich auch zu Besuch, was natürlich schön ist!

Aber wie gesagt, "Harter Fall, weiche Landung" ist ein komplett eigenständiger Roman und obwohl er im Skigebiet Vermont spielt, eine perfekte Sommerlektüre!
Zumindest mir geht es so, dass ich im Frühjahr und Sommer vermehrt unterhaltsame Liebesromane lesen, die unterhalten und das Herz wärmen.

Der Lesefluss ist sehr gut, was zum einen an den unterschiedlichen Perspektiven liegt - wir erfahren die Geschichte sowohl aus Callies als auch aus Hanks Sicht - an den kurzen Kapiteln und natürlich an dem wunderbaren trockenen Humor von Sarina Bowen.

Die Ansprüche, die ich an einen Liebesroman stelle, sind überschaubar: ich möchte gut unterhalten werden, aber ohne Kitsch! Ich möchte humorvolle Protagonisten, ohne Albernheiten! Und ich möchte Gefühl, knisternde Spannung und ein Happy End ohne Schmalz!

Entsprechend ist "Harter Fall, weiche Landung" für mich ein nahezu perfekter Kandidat, denn Sarina Bowen erfüllt meine Erwartungen komplett - nur ein wenig länger hätte die Geschichte sein dürfen!

Sarina Bowen
"Harter Fall, weiche Landung"
das Buch erscheint am 31.05.2017

Donnerstag, 25. Mai 2017

[Verlagsvorstellung] Wunderhaus Verlag

Eigentlich wollte ich eine Rezension zu "Das tapfere Schneiderlein" in der Ausgabe des Wunderhaus Verlags schreiben.

Allerdings erschien mir das beim Schreiben ein bißchen wenig, da es den Fokus auf dieses eine Buch legen würde. Das besondere an dem Buch ist aber eigentlich nicht die Geschichte, die den meisten Lesern aus ihrer eigenen Kindheit natürlich bekannt sein dürfte, sondern die spezielle Aufmachung.

Und dieses Spezielle bezieht sich eben nicht nur auf "Das tapfere Schneiderlein", sondern auch auf die anderen Bücher des Verlags.

Der Wunderhaus Verlag, dem ihr auch auf seiner Facebook-Seite folgen könnt, ist ein noch sehr junger Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, neue Horizonte in der Kinderliteratur und Buchillustration zu eröffnen.

Im Grundschulalter habe ich eine Gesamtausgabe der Märchen der Gebrüder Grimm bekommen und diese wieder und wieder gelesen. Viele von euch werden die Faszination, die diese und ebenso natürlich Andersens und Hauffs Märchen auf mich hatten, nachvollziehen können.

Als Mutter habe ich in den letzten Jahren festgestellt, dass nicht jeder den Buchstaben ebenso verfallen ist wie ich. Meine Kinder haben von klein auf mehr wert auf begleitende Illustrationen gelegt, die ihnen ebenso wichtig waren wie der erzählende Teil. So durfte ich feststellen, dass es illustrierte Kinderbücher gibt und, dass es wunderschön illustrierte Kinderbücher gibt.

Doch selbst bei den wunderschön illustrierten Kinderbüchern gibt es noch Abstufungen - das ist spätestens dann klar, wenn man, wie ich "Das tapfere Schneiderlein" des Wunderhaus Verlags in Händen hält.

Denn die detailreichen, komplexen Bilder, mit denen das Grimmsche Märchen begleitet wird, erzählt praktisch nicht nur die eigentliche Geschichte selbst, sondern noch viel mehr darum herum. Anton Lomaev, der Illustrator, hat es geschafft, dass man Stunden damit verbringen kann, die großformatigen Zeichnungen zu betrachten und immer noch etwas Neues findet.

Ihr merkt, ich bin schwer begeistert!

"Das tapfere Schneiderlein" ist in der Rubrik "unendliche Welten" erschienen, in der klassische Märchen von berühmten Künstlern aus aller Welt illustriert werden.

Ebenfalls erschienen ist bereits "Die kleine Meerjungfrau" von Hans-Christian Andersen, ebenfalls von Anton Lomaev illustriert. Keine Frage, dass "Die kleine Meerjungfrau" bereits dringend vom Nachwuchs gewünscht wird.

Als nächstes ist eine Auflage von "Rotkäppchen" geplant, bei der man davon ausgehen darf, dass auch sie ebenso wunderbar und einzigartig wird.

Neben der Rubrik "Unendliche Welten" gibt es auch noch "Holly Pond Hill", eine charmant illustrierte Tierwelt, die mich ein wenig an "Der Wind in den Weiden" erinnert und wo es um Liebe, Freundschaft und gute Laune geht.

Neben Büchern und anderen Papiererzeugnissen gibt es auch noch die Wunderkarten - ganz spezielle Grußkarten - die solltet ihr euch besser selber einmal ansehen: Wunderkarte

[Rezension] James Islington - Das Erbe der Seher

Kurzbeschreibung:
"Vor zwanzig Jahren gelang es den vereinigten Reichen in einem blutigen Krieg, die tyrannischen Auguren, mächtige Seher mit scheinbar unbegrenzter Macht, zu vernichten. Jene, die ihnen dienten - die Begabten -, wurden nur verschont, weil sie sich dem neuen Gesetz unterwarfen, das ihre Macht beschränkte. So wachsen der junge Begabte Davian und seine Freunde in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Macht der Auguren verfügt, steht nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel: Denn im Norden regt sich ein Feind, den man zu lange besiegt glaubte."

Fazit:
"Das Erbe der Seher" ist der Auftakt der "Licanius"-Saga von James Islington. Gleichzeitg ist es das Debüt des australischen Autoren und wenn so ein Debüt aussieht, dann bin ich schon jetzt gespannt auf weitere Werke von ihm.

Wie bei jeder High Fantasy - Geschichte, ist man als Leser anfangs damit beschäftigt, sich mit dieser fremden Welt vertraut zu machen, die Zusammenhänge und Existenzen zu verstehen. Das ist natürlich auch hier der Fall, denn James Islington entführt den Leser in eine sehr komplexe Welt, voll von rivalisierenden Machtbefugnissen, Intrigen, Intrigen und Intrigen.

Mitten darin Davian, der vollkommen naiv und unerfahren in etwas hineinstolpert, dass er sich so sicher nie hätte vorstellen können. Als Leser kommt man, gerade wegen Davian, sehr schnell und gut in die Geschichte hinein, denn Davian ist, wie alle Hauptprotagonisten der Saga, sehr bildhaft und nachvollziehbar charakterisiert.

Erzählt wird die Saga aus unterschiedlichen Perspektiven, von denen Davian, auch wenn der Leser ihm sehr früh begegnet, nur eine darstellt. Die anderen Protagonisten, aus deren Sicht wir die Welt von Andarra erleben, sorgen dafür, dass man die Komplexität der ganzen Geschichte gut erfassen und den vielen Windungen folgen kann, ohne dass es verwirrend wird.

Der Lesefluss ist extrem gut, denn der Autor versteht es, das Interesse des Lesers wach zu halten, die Spannung immer weiter ansteigen zu lassen und wenn man glaubt, jetzt würde ein Ende herbeigeführt, schließt das Buch derart offen, dass man eigentlich nur weiterlesen will!

"Das Erbe der Seher" ist definitiv ein gelungenes Debüt und ich warte gespannt auf die Fortsetzung der "Licanius"-Saga!

James Islington
"Das Erbe der Seher"
ISBN: 978-3-426-52095-6
erschienen bei Knaur

Montag, 22. Mai 2017

[Rezension] Nora Roberts - Schatten über den Weiden

Kurzbeschreibung:
"Ein Brief von ihrer totgeglaubten Mutter führt Kelsey nach Virginia. Jahrelang saß Naomi für einen ungeklärten Mord im Gefängnis. Auf dem Gestüt lernen sich die beiden Frauen langsam kennen, und Kelsey entdeckt ihre Leidenschaft für Pferde. Dabei kommt sie auch dem attraktiven Gabe Slater vom Nachbarhof näher. Doch das idyllische Landleben trügt. Als Kelsey versucht, das Geheimnis ihrer Mutter zu entschlüsseln, beginnen sich die Geschehnisse von damals auf mysteriöse Weise zu wiederholen."

Fazit:
"Schatten über den Weiden" ist ursprünglich bereits Mitte der 90er Jahre erschienen und wurde nun neu aufgelegt.
Dass man sich in der Ära vor Smartphones, Internet, etc bewegt, wird bereits am Anfang deutlich, denn wer recherchiert heute noch etwas in einem Zeitungsarchiv?

Man sollte durchaus einen Hang zu Pferden haben, denn da der Großteil der Handlung im Geschehen um Pferdezucht und Pferderennen stattfindet, sind die Vierbeiner ein allgegenwärtiges Gesprächsthema und das kann auf jemanden ohne Pferdeleidenschaft mitunter erschlagend wirken.

Die Handlung an sich ist unterhaltsam und gegen Ende auch durchaus spannend. Die Charaktere sind etwas schwarz/weiß gehalten - der Bösewicht ist schnell als solcher zu erkennen und von wem man anfangs denkt, dass er keiner Fliege etwas zuleide tun kann, der wird sich auch hinterher als Unschuld herausstellen.

Die Geschichte war für meinen Geschmack zu vorhersehbar, hat aber durchaus eine Menge Charme. Die Romane der letzten Jahre von Nora Roberts gefallen mir zwar besser, aber "Schatten über den Weiden" beschert dennoch eine gute, solide Romanunterhaltung.

Nora Roberts
"Schatten über den Weiden"
ISBN: 978-3-453-35917-8
erschienen im Diana Verlag

Samstag, 20. Mai 2017

[Rezension] Ben Aaronovitch - Der Galgen von Tyburn

Kurzbeschreibung:
"Wie man einem gesichtslosen Magier zu Leibe rückt, was die Bewohner von Londons teuerster Immobilie so treiben und wie ungünstig es sein kann, wenn man Lady Tyburn einen Gefallen schuldet - diese und noch mehr erfreuliche Erkenntnisse warten bei seinem neuen Fall auf Police Constable Peter Grant. Einen Einblick ins Leben der Reichen und Schönen von London gibt es gratis dazu. Und die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechterhalten sollte er bei all dem möglichst auch noch."

Fazit:
Peter Grant ist zurück!
Ich weiß, dass man Ben Aaronovitch's Schreibstil entweder liebt oder hasst, aber als Fan der ersten Stunde habe ich bereits sehnsüchtig auf den sechsten Band der Reihe um die magischen Polizisten Peter Grant und natürlich Nightingale gewartet!

Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte definitiv mit dem ersten Band beginnen, da alle Entwicklungen Personen, Verpflichtungen und Gottheiten betreffend, sich nach und nach in den Bänden aufbauen und ich glaube nicht, dass man ohne Vorkenntnisse der Vorgänger wirklich durchblickt und die komplette Handlung würdigen kann.

Ben Aaronovitch hat einen besonderen Schreibstil, der - neben unseren Hauptcharakteren - viel von der Faszination der Reihe ausmacht. Ihm einen leichten Hang zur Ironie zu unterstellen, wäre definitiv ein Euphemismus. Da ich persönlich genau diesen humorig formulierten Sarkasmus liebe, ist die Reihe natürlich wie für mich gemacht. Darüber hinaus ist gerade Nightingale eine extrem faszinierende Persönlichkeit und Peter hat sich in den bisherigen Bänden auch deutlich gemausert.

Nachdem wir im fünften Band außerhalb Londons unterwegs waren, sind wir nun zurück an der Wirkungsstätte des Gesichtslosen, unseres altbekannten Bösewichts.
Der Lesefluss ist hervorragend und der Verlauf der Handlung unmöglich vorherzusehen. Bei einem humorigen Schreibstil dennoch Spannung erzeugen zu können ist eine Kunst, von dessen Beherrschung uns der Autor noch immer überzeugen konnte - so auch in "Der Galgen von Tyburn".

Mir vollkommen unverständlich, wie man diese Reihe nicht lieben kann, lege ich sie jedem aufgeschlossenen Leser wärmstens ans Herz!

Ben Aaronovitch
"Der Galgen von Tyburn"
ISBN: 978-3-423-21668-5
erschienen bei dtv

[Rezension] Blake Crouch - Dark Matter - Der Zeitenläufer

Kurzbeschreibung:
""Bist du glücklich?" Das sind die letzten Worte, die Jason Dessen hört, bevor ihn ein maskierter Mann niederschlägt. Als er wieder zu sich kommt, begrüßt ihn ein Fremder mit den Worten: "Willkommen zurück, alter Freund." Denn Jason ist in der Tat zurückgekehrt - doch nicht in sein eigenens Leben, sondern in eines, das es hätte sein können. Und in diesem Leben hat er seine Frau nie geheiratet, sein Sohn wurde nie geboren. Und Jason ist kein einfacher College-Professor, sondern ein gefeierter Wissenschaftler. Doch ist diese Welt real? Oder ist es die vergangene Welt? Wer ist sein geheimnisvoller Entführer? Und vor die Wahl gestellt - was will er wirklich vom Leben: Familie oder Karriere?
Auf der Suche nach einer Antwort begibt Jason sich auf eine ebenso gefährliche wie atemberaubende Reise durch Zeit und Raum. Eine Reise, die ihn am Ende auch mit den dunklen Abgründen seiner eigenen Seele konfrontieren wird..."

Fazit:
Auch wenn Blake Crouch als Autor in den USA bereits ein Begriff ist, hatte ich bisher noch nie von ihm gehört. Da mich die Grundthematik des Buches - "Was wäre wenn? Wie wäre das Leben verlaufen, wenn man sich an einer Stelle anders entschieden hätte?" - fasziniert, habe ich mich mit Jason auf die Reise gemacht.

Dass die Filmrechte am Buch bereits verkauft sind, wundert den Leser bereits nach wenigen Seiten nicht mehr. Denn es ist durchaus augenfällig, dass Blake Crouch in einer sehr plakativen Art und Weise die Szenen im Kopf des Lesers entstehen lässt - das Buch schreit nahezu nach einer Verfilmung im Stile von Jason Bourne. Als Leser muss man diesen Schreibstil mögen oder sich zumindest daran gewöhnen.

Die Story selbst ist extrem interessant und darüber hinaus bringt Blake Crouch einiges an Action und Spannung ein. Das Konstrukt, das er im Kopf des Lesers entwickelt, dass es viele unterschiedliche Parallelexistenzen eines Selbst gibt, ist genauso erschreckend wie faszinierend, da es unendlich viele Möglichkeiten offeriert.

Der Lesefluss ist sehr gut und gerade unser Hauptprotagonist Jason Dessen sehr vielschichtig charakterisiert. Er hat seine Fehler und Schwächen, Wünsche und Sehnsüchte - er ist ein ganz normaler Mensch, der plötzlich in etwas hineingerät, was er sich nie hätte vorstellen können. "Dark Matter - Der Zeitenläufer" ist ein Kampf Gut gegen Böse - allerdings kämpft Jason für das Gute und gegen das Böse in sich selbst.

Gegen Ende wird die Handlung für meinen Geschmack etwas sehr überspitzt und irreal, ist aber dennoch eine logische Entwicklung der vorhergehenden Handlung.

"Dark Matter - Der Zeitenläufer" von Blake Crouch ist ein spannendes, mitreißendes und auch zum Nachdenken anregendes Buch, das vom Leser einiges an Vorstellungsvermögen verlangt.

Blake Crouch
"Dark Matter - Der Zeitenläufer"
ISBN: 978-3-442-20512-7
erschienen im Goldmann Verlag

Sonntag, 14. Mai 2017

[Rezension] Sandra Florean - Die Seelenspringerin - Machtspiele

Kurzbeschreibung:
"Alles hat seinen Preis auf dieser Welt.
Gewalt und unsägliche Qualen sind für Tess zum grausigen Alltag geworden. Die junge Frau verfügt über die unkontrollierbare Gabe, in die Seelen übernatürlicher Wesen zu springen, und wird dabei immer wieder Zeugin von Verbrechen.   Bei einem ihrer Seelensprünge entdeckt sie zu ihrem Entsetzen ein ihr bekanntes Gesicht. Wergepard Fin befindet sich in den Händen skrupelloser Entführer. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn sobald der Vollmond am nächtlichen Himmel steht, kann es für den jungen Mann bereits zu spät sein..."

Fazit:
"Machtspiele" ist der zweite Teil der Reihe "Die Seelenspringerin" von Sandra Florean. Tess, eine junge Frau, springt immer wieder in die Seelen fremder Personen - allerdings nur, während diese üble Verbrechen begehen.

Zum besseren Verständnis von Tess' Situation ist es hilfreich, die Reihe mit dem ersten Band "Abgründe" zu beginnen, da man dort alle wichtigen Charaktere von Beginn an kennenlernt.

Wer hätte gedacht, dass ich mich einmal über die Präsenz von Vampiren freuen würde! Denn einer der interessantesten Protagonisten, neben Tess natürlich, ist Octavian, das Oberhaupt der heimischen Vampirwelt. Dieser mit Abstand charismatischste und geheimnisvollste Charakter der Reihe, verheißt sowohl in "Machtspiele" als auch für die Zukunft eine Menge eigenwilliger Ereignisse.

Neben den Vampiren stehen in "Machtspiele" ganz klar die Gestaltwandler im Vordergrund. Nun bin ich generell kein großer Freund von paranormalen Charakteren, insbesondere von Gestaltwandlern. Daran hat sich auch nach dem Lesen nichts geändert, aber es hat meine Lesefreude auch in keinster Weise getrübt. Denn ob Vampir, Mensch oder Gestaltwandler: die Protagonisten in Sandra Floreans Fiktion sind immer vielschichtig, nachvollziehbar und einnehmend angelegt, sodass die äußere Form zur Nebensache wird.

Der Lesefluss ist gewohnt gut, sodass man natürlich viel zu schnell das Ende des aktuellen Abenteuers erreicht. Tauschen möchte man mit Tess sicher nicht, denn was sie und dadurch der Leser, in diesem Buch an Gräueln zu Gesicht bekommt, ist nichts für zarte Seelen.

Für meine Geschmack hätte ein bißchen mehr Jim vorkommen dürfen - im Gegensatz zum ersten Teil hat er hier eindeutig nur eine Nebenrolle, was ich schade finde, da ich Jim und auch die Energie zwischen Jim und Tess sehr gern habe.

Nach dem zweiten Teil ist vor dem dritten und so freue ich mich schon jetzt auf ein Wiederlesen mit Tess und ihren Gefährten.

Sandra Florean
"Die Seelenspringerin - Machtspiele"
erschienen im Drachenmond Verlag

Samstag, 6. Mai 2017

[Rezension] David Hair - Die Brücke der Gezeiten - Der Unheilige Krieg

Kurzbeschreibung:
"Der Krieg tobt um die Mauern der heiligen Stadt Shaliyah und auf dem ganzen Kontinent, aber die Truppen des Ostens schöpfen neue Kraft - und der Kampf um Urte ist noch nicht entschieden. Denn der Schlüssel zum Sieg befindet sich nicht in den Waffen der Soldaten, sondern in einem uralten Artefakt. Doch das liegt in den Händen von Ramita. Sie, die Witwe des größten Magiers aller Zeiten, trägt die Macht in sich, den Krieg zu beenden - oder die Welt zu zerreißen."

Fazit:
Ich bin bekanntermaßen kein großer Fan von High Fantasy. Abgesehen von "Das Lied von Eis und Feuer", um das wohl kaum jemand drumherum kommt, ist David Hairs Saga "Die Brücke der Gezeiten" bisher tatsächlich die einzige High Fantasy - Reihe, die mich von Anfang an gepackt hat. Entsprechend gefreut habe ich mich über das Erscheinen von "Der Unheilige Krieg", der mittlerweile sechste Band der Reihe.

Aufgrund der Komplexität von David Hairs Fantasywelt und der Verstrickungen der Hauptprotagonisten untereinander, kann ich nur jedem dazu raten, die Reihe von Beginn an zu lesen.

Wie zuvor setzt der Band direkt da an, wo der Vorgänger aufhörte und auch hier sorgen die unterschiedlichen Perspektiven dafür, dass keine Langeweile aufkommt und das Buch viel zu schnell vorüber ist. Entsprechend gut ist der Lesefluss.

Ein sechster Band setzt bei mir gewisse Erwartungen frei, gerade, wenn die vorherigen Bücher alle diesen Sog hatten, der mich direkt mit in das Geschehen nahm. Leider lässt genau dies oft im Verlauf einer Reihe nach und möglicherweise kommt auch David Hair irgendwann an diesen Punkt - allerdings definitiv nicht in diesem Band.

Die gesamte Reihe, ebenso wie dieser Band, sind spannend, mitreißend, komplex und machen definitiv süchtig - nicht nur etwas für High Fantasy - Fans!

David Hair
"Die Brücke der Gezeiten - Der Unheilige Krieg"
ISBN: 978-3-7341-6076-9
erschienen bei blanvalet